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Corina Wegenstein: Das Zimmer als erste Intervention

Corina Wegenstein: Welche sozialräumlichen Massnahmen unterstützen die Niederschwelligkeit in der Schulsozialarbeit? Edition Soziothek (Bern) 2020. 57 Seiten.


Thema

Diese Bachelorarbeit befasst sich damit, wie Räume – insbesondere die Beratungsräume in der Schulsozialarbeit – schon Teil einer Intervention darstellen und als Arbeitsinstrument gelten können. Es geht hierbei um konkrete Räume. Dabei werden theoretische Grundlagen zum Raumverständnis und zur Schulsozialarbeit (vor allem in der Schweiz) dargelegt.

Autorin

Corina Wegenstein hat an der Fachhochschule Nordwestschweiz, Hochschule für Soziale Arbeit, ein Studium in Sozialer Arbeit absolviert und mit dieser Bachelorarbeit abgeschlossen. Sie arbeitet als Case Manager und bildet sich weiter als Systemische Beraterin mit dem Schwerpunkt Schulsozialarbeit.

Entstehungshintergrund

Mit dieser Bachelorarbeit hat die Autorin ihr Studium der Sozialen Arbeit an der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, Hochschule für Soziale Arbeit HSA, in Olten abgeschlossen.

Aufbau

Diese Bachelorarbeit ist eingeteilt in eine Einleitung, einen Hauptteil und einen Schlussteil. In der Einleitung werden Begriffe geklärt und ein nachgestelltes Essay erläutert assoziativ sozialräumliche Aspekte der Schulsozialarbeit. Im Hauptteil werden theoretische Aspekte des „Raumbegriffs“ beschrieben und dann wird Schulsozialarbeit im Groben vorgestellt., ehe (sozial-)räumliche Gesichtspunkte und das Beratungszimmer konkret thematisiert werden. Im Schlussteil wird ein Fazit der Bachelorarbeit vorgenommen und ein Literaturverzeichnis platziert.

Inhalt

Diese Bachelorarbeit befasst sich in ihrer Thesis vor allem mit der Frage, „wie die Schulsozialarbeit – in Anbetracht auf das sozialräumliche Verhalten von Kindern und Jugendlichen – als Beratungsstelle möglichst optimal platziert werden kann.“ (S. 2). Hierbei geht es der Autorin nicht nur um die Lage des Beratungszimmers, sondern vor allem um den Raum selbst mit seiner Einrichtung und Atmosphäre. Ihre Fragestellung lautet demnach:„Das Zimmer als erste Intervention – Welche sozialräumlichen Maßnahmen unterstützen die Niederschwelligkeit in der Schulsozialarbeit?“. Corina Wegenstein erläutert im folgenden die Bedeutung von Einrichtung, Beleuchtung, Dekoration, Wandfarbe, Beschilderung und Raumlage, ohne dabei Einrichtungsvorschläge machen zu wollen. Vielmehr solle der Einfluss auf die Beratung stärker in den Blick rücken. Im weiteren erörtert Corina Wegenstein verschiedene relevante Begriffe, wie zum Beispiel Raum, Sozialraum, Niederschwelligkeit und das Setting. Den Begriff der Schulsozialarbeit fasst sie als „Beratungsangebot, das von einer Fachperson der Sozialen Arbeit innerhalb einer Schule zur Verfügung steht“ (S. 6) zusammen. Hier wäre eine deutlichere Definition der Schulsozialarbeit als Aufgabenfeld mit einem weiten Angebotsspektrum gut gewesen. Im folgenden schafft es die Autorin hervorragend, ausgesprochen alltagsrelevant die mögliche Struktur eines Erstkontaktes darzustellen (Erstkontakt – räumlicher Standort der Schulsozialarbeit – Weg zum Beratungszimmer – Anwesenheitszeiten – Zugänglichkeit – Einrichtung der Räumlichkeiten). Assoziativ angelegt ist dann ein Essay zu den sozialräumlichen Gegebenheiten in der Schulsozialarbeit, der sich entgegen der gängigen Nutzung des Begriffs Sozialraum mehr mit der konkreten Lage eines Büros im Schulhaus als mit den soziokulturellen Aspekten im Nahraum einer Schule befasst. Im folgenden Hauptteil hebt die Autorin hervor, dass der „Raum als Arbeitsmittel“ oft vergessen werde und beispielsweise die Tages- und Jahreszeiten, das Wetter, der Ort, der Raum, das Licht und die Möblierung vernachlässigt werden in ihrer Bedeutung für Gesprächssituationen. Eine kurze Darlegung der Raumvorstellungen seit der Antike und aktuelle Raumverständnisse, insbesondere im Schulkontext, folgen und machen klar, dass die Schularchitektur eher als starr wahrgenommen wird und diese die Flexibilität von schulischen Konzepten eher bremse. nach dieser Erläuterung zum Raum als „dritten Erzieher“ (S. 15) setzt sich Corina Wegenstein mit der Gestimmtheit durch Räume und dem Raumbegriff nach Löw, wonach ein Raum „eine relationale (An)Ordnung von Lebewesen und sozialen Gütern“ (S. 18) sei. Im weiteren befasst sich die Autorin mit dem (sozial)räumlichen Verhalten von Jugendlichen, auch unter dem Aspekt der Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen. Erst danach wird die Soziale Arbeit in der Schule ausführlich dargestellt und dabei vor allem die Zusammenarbeit von Schule und Sozialarbeit beschrieben. Hierbei werden die vier Modelle Sozialpädagogische Schule, integratives Modell, subordinatives und additiv-kooperatives Modell knapp beschrieben und mit einer Graphik erläutert. der Einfluss des Raums auf die Niederschwelligkeit wird dann in einem eigenen Kapitel erörtert, wobei hier detaillierter auf die Anwesenheitszeiten, die Lage, die Zugänglichkeit, die Einrichtung, Licht, Schall, Farbwahl, Fenster und Türen eingegangen wird. Dieser Teil beinhaltet auch farbige Beispielfotos, die die verschiedenen Aspekte veranschaulichen. Gut ist es, dass Corina Wegenstein auch explizit Grundbedürfnisse (biologisch, biopsychisch, biopsychosozial) konkret benennt. Im Schlussteil beschreibt die Autorin zusammenfassend, dass ein reflektierter Blick auf Raumlagen und -ausstattungen unerlässlich ist und es wichtig sei, dies als Teil der professionellen Arbeit zu begreifen.

Diskussion

Diese als pdf-Datei herunterzuladende Bachelorarbeit ermöglicht eine intensivere, wenn auch nicht immer ganz gründliche Auseinandersetzung mit der Bedeutung von Räumen in der Schulsozialarbeit. Die Autorin schafft es, alltagspraktische Erörterungen vorzunehmen und diese mit theoretischen Ausführungen zu untermauern. Bei der Schulsozialarbeit wird hier zu sehr auf räumliche Aspekte fokussiert und man hätte sich eine Darlegung der Schulsozialarbeit in ihrer ganzen Bandbreite gewünscht. Denn beispielsweise finden auch Sozialtrainings in Klassenräumen statt oder es wird ein Schülercafé betrieben. Es wäre noch gut gewesen, wenn es mehr Erhebungen zur Raumlage bzw. -ausstattung von Schulsozialarbeitszimmern an unterschiedlichen Schulen gegeben hätte. Denn jede Schule hat ihre spezifischen Voraussetzungen für Schulsozialarbeit geschaffen, wobei leider nicht jeder Fachperson ein eigenes Zimmer zur Verfügung steht, sondern dieses beispielsweise mit anderen Fachpersonen geteilt werden muss. Hier würde deutlicher werden, dass Zimmer mit entsprechenden Maßnahmen die Niederschwelligkeit in der Schulsozialarbeit zwar erhöhen können, jedoch baustrukturelle oder budgetbezogene Gründe möglichen Maßnahmen auch Grenzen setzen können.

Fazit

Dies ist eine intensive Auseinandersetzung mit einem im professionellen Alltag eher randständig betrachteten Thema, das den Beratungsverlauf stärker beeinflusst als dies beispielsweise im Studium der Sozialen Arbeit gelehrt wird. Eine Ermunterung, sich wieder mehr mit den raumstrukturellen Aspekten der Sozialen Arbeit zu befassen und für ausreichend adäquate Bedingungen einzutreten. Viele Impulse lassen sich aus der Arbeit auch auf andere Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit übertragen.


Rezension von
Dipl. Soz. Päd. Detlef Rüsch
Systemischer Familientherapeut, Supervisor
Jugendsozialarbeiter an einer Mittelschule
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Zitiervorschlag
Detlef Rüsch. Rezension vom 17.11.2020 zu: Corina Wegenstein: Welche sozialräumlichen Massnahmen unterstützen die Niederschwelligkeit in der Schulsozialarbeit? Edition Soziothek (Bern) 2020. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27253.php, Datum des Zugriffs 24.11.2020.


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ISSN 2190-9245

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