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Nina Stoffers: Kulturelle Teilhabe durch Musik?

Cover Nina Stoffers: Kulturelle Teilhabe durch Musik? Transkulturelle Kinder- und Jugendbildung im Spannungsfeld von Empowerment und Othering. transcript (Bielefeld) 2019. 353 Seiten. ISBN 978-3-8376-4849-2. D: 39,99 EUR, A: 39,99 EUR, CH: 48,70 sFr.

Reihe: Kultur und soziale Praxis.
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Thema

Die Kulturwissenschaftlerin und Médiatrice Culturelle Nina Stoffers beschreibt in ihrem Buch „Kulturelle Teilhabe durch Musik? Transkulturelle Kinder- und Jugendbildung im Spannungsfeld vom Empowerment und Othering“ die Möglichkeiten und Grenzen von Kultureller Teilhabe bei insgesamt drei sogenannten transkulturellen Musikprojekten. Bei den Projekten ist eine spezifische Zielgruppe von Bedeutung; in alle drei Projekte sind Kinder und Jugendliche der Sinti und Roma involviert.

Autorin

Nina Stoffers studierte „Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis“ in Hildesheim und Aix-Marseille. Sie war außerdem Gasthörern am Institut für Ethnologie der Universität Leipzig. Von 2013 bis 2017 war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hildesheim im Bereich Kulturelle Bildung beschäftigt. Seit 2017 baut sie an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig ein Mentoring-Programm für Studierende auf. Nina Stoffers ist zudem Projektleiterin für »Connect – Kunst im Prozess« in Sachsen, einem Modellprojekt zur inklusiven Öffnung von Kultureinrichtungen

Entstehungshintergrund

Nina Stoffers untersucht im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit insbesondere Fragen der Musikvermittlung und der kulturellen Teilhabe sowie des »Sprechens Über« vor dem Hintergrund verschiedener Diversitätsdimensionen. Sie hat bereits mehrere wissenschaftliche Texte veröffentlicht.

„Kulturelle Teilhabe durch Musik? Transkulturelle Kinder- und Jugendbildung im Spannungsfeld vom Empowerment und Othering“ ist die Veröffentlichung ihres Dissertationsprojekts, mit dem sie an der HU Berlin promoviert wurde.

Aufbau

Das Buch gliedert sich insgesamt 8 Großkapitel, die wiederum in zahlreiche Unterkapitel gegliedert sind:

  • Teil I: Einleitung
  • Teil II: Theoretische Grundlagen
  • Teil III: Methodik
  • Teil IV: Transkulturelle Musikprojekte
  • Teil V: Im Spannungsfeld von Empowerment und Othering
  • Teil VI: Fazit und Ausblick sowie
  • Teil VII: Anhang und Teil VIII: Bibliografie

Inhalt

Nach der Einleitung (Teil I) stellt Nina Stoffers zunächst in „Teil II: Theoretische Grundlagen“ die zentralen Begrifflichkeiten vor, die ihrer Forschungsarbeit zugrunde liegen. Ausführlich beschreibt sie, was mit dem Begriff „Kulturelle Bildung“ gemeint sein kann, welche Bedeutungsvarianten der „Kulturbegriff“ einnehmen kann, was unter „Transkulturalität“ zu verstehen ist und wie „Kulturelle Teilhabe“ definiert werden kann.

In „Teil III: Methodik“ beschreibt die Autorin ihre wissenschaftliche Vorgehensweise. Für ihre empirisch-qualitative Studie wählte sie drei transkulturelle Musikprojekte in deutschen Großstädten aus. Sie nutzte die Grounded Theory und die Dichte Beschreibung um Datenmaterial aus teilnehmender Beobachtung, offenen Leitfadeninterviews oder bereits vorhandenem Datenmaterial (Anträge, Dokumentation, etc.) zu analysieren.

In „Teil IV: Transkulturelle Musikprojekte“ charakterisiert und analysiert Nina Stoffers dann die drei Musikprojekte „Heimat re-invented“ in Köln, „Philharmonischer Verein der Sinti und Roma“ in Frankfurt/Main sowie „Zukunftsmusik“ in Berlin.

In „Teil V: Im Spannungsfeld zwischen Empowerment und Othering“ werden dann die Ergebnisse der vorangegangenen Untersuchung diskutiert. Es wird gezeigt, inwieweit kulturelle Teilhabe durch Empowerment- und Otheringprozesse ermöglicht wird oder aber verhindernde Aspekte greifen. Hierbei werden insbesondere vier Kategorien verwendet, die während des Forschungsprozesses herausgearbeitet werden konnten: „1. Sichtbarkeit“, „2. Kompetenzorientierung“, „3. Zuschreibungen“ und „4. Musik als Mittel zum Zweck?“.

In „Teil VI: Fazit und Ausblick“ zieht Nina Stoffers ein Fazit, das einen großen Bogen spannt, eine „analytische Geschichte“ nach Anselm Strauss und Juliet Corbin zu erzählen versucht, die Grenzen dieser Geschichte untersucht und offene Fragen und bestehende Forschungsdesiderata benennt (S. 18).

Diskussion

„Kulturelle Teilhabe durch Musik? Transkulturelle Kinder- und Jugendbildung im Spannungsfeld vom Empowerment und Othering“ enthält zahlreiche wichtige Forschungsergebnisse für Akteur*innen im Feld der Kulturellen Bildung genau wie für Wissenschaftler*innen, die sich mit Kultureller Bildung beschäftigen.

Durch die Untersuchung der musikalischen Projekte mit Sinti und Roma ist der empirische Teil des Buches ausgesprochen spezifisch. Insgesamt erhalten die musikalischen Projekte mit Sinti und Roma durch das Forschungsprojekt eine verstärkte Beachtung.

Besonders hervorzuheben ist die generelle offene Haltung der Autorin. Nina Stoffers beschreibt Spannungsfelder und erläutert hierbei die notwendigerweise entstehende Spannung auf nachvollziehbare und verständliche Weise.

Fazit

Eine insgesamt lesenswerte Publikation mit einer spezifischen Ausrichtung auf musikalische Projekte mit Sinti und Roma.


Rezension von
Dr. Raika Lätzer
Historische Musikwissenschaften, M.A.(Musikwissenschaften), Diplom-KA Künstlerische Ausbildung Gesang), Diplom-GP (Gesangspädagogik), B.Mus.(Gesang) Frühere Rezensionen siehe Raika Maier
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Zitiervorschlag
Raika Lätzer. Rezension vom 13.08.2020 zu: Nina Stoffers: Kulturelle Teilhabe durch Musik? Transkulturelle Kinder- und Jugendbildung im Spannungsfeld von Empowerment und Othering. transcript (Bielefeld) 2019. ISBN 978-3-8376-4849-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27283.php, Datum des Zugriffs 23.09.2020.


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