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Marion I. Müller: Mein Anti-Stress-Tagebuch

Marion I. Müller: Mein Anti-Stress-Tagebuch. 52 Ideen für mehr Gelassenheit im Kita-Alltag. Carl Link (Kronach) 2020. 250 Seiten. ISBN 978-3-556-08238-6. 24,95 EUR.
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Thema

Stress ist nicht erst seit Corona ein Thema für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Leitungskräfte von Kindertageseinrichtungen. Durch verschiedenste Bedingungen, wie zum Beispiel die Gruppengröße und die oft sehr unterschiedlichen Bedürfnissen der Kinder ist der Arbeitsalltag in einer Kindertageseinrichtung oft sehr stressig. Auf viele dieser Bedingungen haben die Fachkraft und auch die Leitung kaum einen Einfluss. Aus diesem Grund setzt dieses Tagebuch auch beim Verhalten und dem Erleben der betroffenen Person an.

Autorin

Dr. Marion I. Müller studierte bis 1995 in Aachen Geologie. 2005 promovierte sie an der Universität Bremen. Seit über zehn Jahren ist sie als Unternehmerin tätig. Als Personal- und Businesscoach arbeitet sie mit den Schwerpunkten Naturpädagogik und System-, Team- und Individualcoaching.

Entstehungshintergrund

Dieses Tagebuch möchte einen Ausweg aus dem oftmals stressigen Arbeitsalltag in den Kindertagesstätten anbieten. Durch die vielen Anforderungen seitens der Politik und die Wünsche der Eltern und den hohen Lärmpegel gerät die Person der Fachkraft mit ihren Bedürfnissen und ihrer Situation oft in Vergessenheit. Mit dem Ani-Stress-Tagebuch soll es der betroffenen Fachkraft ermöglicht werden, ihre Gesundheit in den Mittelpunkt zu stellen. Das Buch beinhaltet dazu 52 Übungen, die von Entspannungs- und Atemübungen über Kreativaufgaben bis hin zu Reflexionsfragen gehen.

Aufbau

Das Buch beginnt mit einer kurzen Danksagung der Autorin. Darauf folgt eine Einleitung, in der unter anderem der Aufbau des Tagebuches beschrieben wird. Das Buch ist des Weiteren in drei Kapitel gegliedert.

  • Im ersten Kapitel befasst sich die Autorin mit den beiden Begriffen Stress und Resilienz.
  • Im zweiten Kapitel werden durch neun Gliederungspunkte geordnet 52 Übungen für Resilienz und Balance im Alltag vorgestellt.
  • Das dritte Kapitel besteht aus 52 Vordrucken für Wochenpläne für ein Jahr. Am Ende folgt noch ein kurzes Literaturverzeichnis.

Inhalt

In der Danksagung führt die Autorin ihr wichtige Personen auf, die sie bei der Erstellung des Werkes unterstützt und inhaltliche Anregungen besonders im Bereich Yoga und Meditationsübungen gegeben haben.

Die Einleitung beginnt mit einem Zitat von Hie Kim, darauf folgt ein kurzer fachlicher Einstieg in das Thema Stress und Salutogenese. Die Autorin erläutert im Folgenden die Bedeutung von Veränderungen, welche Rolle das Gefühl der Selbstwirksamkeit in diesem Zusammenhang hat und dass jeder Mensch aktiv an der Verbesserung der eigenen Situation mitwirken muss. Anschließend werden die Inhalte der einzelnen Kapitel kurz zusammengefasst und die fünf von der Autorin bei den Übungen verwendeten Zeichen erläutert (Fokussierung, Wiederholung und Training, Austausch, zur Ruhe kommen und besondere Herausforderungen). Die Einleitung schließt mit einem Zitat von Hans Selye aus seinem Buch „The stress of life“.

Das erste Kapitel beginnt wieder mit einem Zitat, diesmal von Mary W. Montagu zum Zusammenhang von Stress und Magengeschwüren. Im ersten Unterkapitel steht der Stressbegriff im Vordergrund. Neben der Unterteilung in positiven Stress (Eustress) und negativen Stresserleben (Distress) befasst sich die Autorin mit den Auswirkungen von Stress im Körper, den Ursachen von Stress (Stressoren) und der Bedeutung der Persönlichkeit bei dem Umgang mit Stress. Dabei geht der Text auch auf die fünf Persönlichkeitsdimensionen nach John und Srivasta ein.

Das zweite Unterkapitel des ersten Abschnittes befasst sich mit dem Begriff Resilienz. Er beginnt mit einem Zitat von Giacomo Casanova. Im Folgenden wird der Begriff erläutert und auf drei Grundhaltungen (Optimismus, Akzeptanz und Lösungsorientierung) bezogen. Danach werden vier Eigenschaften (Selbstregulation, Selbstverantwortung, Netzwerkorientierung/​Beziehungen pflegen und Zukunftsgestaltung) vorgestellt, die für die Autorin für die Bewältigung von Schwierigkeiten wichtig sind. Am Ende des Unterkapitels werden die Phasen der Veränderung vorgestellt. Dieser Abschnitt wird mit einem Zitat von Tennesse Wiliams eingeleitet.

Dem zweiten Kapitel mit den Übungen ist ein Zitat von Simon Sinek vorangestellt bevor, die fünf Zeichen (Fokussierung, Wiederholung und Training, Austausch, zur Ruhe kommen und besondere Herausforderungen), die durch die Übungen begleiten sollen, noch einmal kurz erläutert werden. Danach gibt Frau Müller noch einige Empfehlungen, wie mit den Übungen umgegangen werden soll. Zu diesen Empfehlungen gehört, sich Zeit nehmen, spielerisch an die Übungen heranzugehen und wenn man Hilfe braucht, auch klar darum zu bitten.

Nach diesem Einstieg in den Umgang mit den Übungen beginnt das erste Unterkapitel, welches sich mit Übungen zum Einstieg befasst. Hier werden Ideen zur Dokumentation, zu einer Bestandsaufnahme der Dinge und Handlungen, die ich gerne mache und für Entspannungsmöglichkeiten in Form einer Wolken-Safari vorgestellt.

Im zweiten Abschnitt des zweiten Kapitels stehen die Übungen im Vordergrund, die sich mit der Gestaltung des eigenen Lebens befassen. Hier werden unter anderem Übungen vorgestellt wie eine Gedanken-Mindmap, die helfen kann, Verantwortlichkeiten in Stresssituationen herauszuarbeiten. Weitere Übungen sind eine Ressourcenliste und die Erstellung einer Tageslosung.

Der darauffolgende Abschnitt befasst sich mit Übungen, die helfen sollen, aus der Komfortzone herauszugehen, da ohne dies keine Veränderung möglich ist. Hier werden unter anderem Übungen wie eine „Mutprobe“, „die Frösche“ und „schön schlägt schlecht“ vorgestellt.

Das vierte Unterkapitel ist ein sehr umfangreiches Unterkapitel zum Bereich Reflexion und Stress-Inventur. Hier wird die Methode des Lebensrades sehr ausführlich dargestellt und die Anwendung in zwei Übungen sehr anschaulich geschildert. Ebenso setzte sich die Autorin nach einem Zitat von Friedrich Nietzsche mit der Theorie der logischen Ebenen nach Robert Dilts auseinander und stellt Übungen wie die „Pyramide der Weisheit“ und das „Reflexion-Duett“ vor. In weiteren Übungen kann die Auseinandersetzung mit eigenen Glaubenssätzen angeregt werden oder nach der Vorstellung der Stressampel nach Gert Kaluza die Identifikation von Stressoren, Stressreaktionen und Stressverstärker erleichtert werden.

Stressreduktion steht bei den Übungen im fünften Unterkapitel im Fokus. Hier werden Atemübungen (Atmen wie eine Meduse) und weitere Übungen zur Stressreduktion wie „die Klopfübung“, „Nein!“ und „die Kommode“ erläutert. 

Übungen im Bereich Spielen werden im sechsten Teil vorgestellt. Hier werden kurze, aber auch umfangreiche Spiel vorgestellt, die helfen, vom Stress auf andere Gedanken zu kommen. Die Spiele reichen von Sudoku bis hin zu Spieleabenden mit Kolleginnen und Kollegen.

Dem achten Unterkapitel mit Übungen zur Entspannung und Achtsamkeit steht ein Zitat von Johann Heinrich Pestalozzi voran. Es folgt eine kurze theoretische Auseinandersetzung, warum dieses innerliche zur Ruhe kommen so wichtig ist und Tipps für die kommenden Übungen. Auch hier reichen die Übungen von angeleiteten Fantasiereisen bis hin zu Übungen des autogenen Trainings.

Im letzten Unterkapitel stehen Körper und Geist im Vordergrund der Übungen. Diese reichen von Übungen zum Körpergefühl bis hin zur progressiven Muskelentspannung. Es werden aber auch Tipps in Form von Übungen vorgestellt, die zum Spaziergang in der Natur und zum Betreiben von Sport und Yoga reichen.

Das dritte Kapitel enthält die Wochenpläne für ein Jahr. Es wird mit einem Zitat von Michael Jordan eingeleitet, das die Autorin aufgreift, um aufzufordern, Geduld zu zeigen und Rückschläge als Herausforderung zu sehen. In den ersten fünf Wochen werden noch Übungen vorgeschlagen, danach ist der Autorin wichtig, sich selbst die passenden Übungen auszusuchen. In jedem Wochenplan soll neben den gewählten Übungen eine Stress-Inventur durch eine Skala eingetragen werden und es besteht ein Freiraum für Notizen. Auf dem Wochenplan finden sich auch die fünf Symbole der Autorin wieder, sie sollen zur Reflexion dienen.

Zum Schluss befindet sich ein zweiseitiges Literaturverzeichnis.

Diskussion

Dieses Tagebuch macht durch seine Gestaltung (Ringheftung), aber auch durch die 52 Wochenpläne deutlich, dass es sich um ein Arbeitsbuch handelt. Die fachlichen Texte sind kurz, aber informativ gehalten.

Von den zitierten Personen war ich manchmal überrascht, aber die Zitate passten inhaltlich. Die 52 Übungen sind nicht alle neu und einige sind bekannt. Aber es gab auch neue Inhalte zum Beispiel im vierten Unterkapitel des zweiten Abschnittes. Anregen würde, ich die Wochenpläne als digitales Zusatzmaterial zum Download zur Verfügung zu stellen.

Fazit

Das Anti-Stress-Tagebuch kann für Fachkräfte und Leitungskräfte eine Unterstützung sein, den oftmals stressigen Alltag in Kindertageseinrichtungen zu reflektieren und geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Es kann hilfreich sein, in diesen Situationen handlungsfähig zu bleiben oder anders mit den Situationen umzugehen. Dafür ist es aber notwendig, wie die Autorin auch bemerkt, für sich persönlich die geeigneten Übungen auszuwählen. Ob das dann immer dazu führt, die 52 Wochenpläne auszufüllen würde ich bezweifeln.


Rezension von
Diplom-Pädagoge Volker Raupach
Lehrtätigkeit an einer Fachschule
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Zitiervorschlag
Volker Raupach. Rezension vom 01.02.2021 zu: Marion I. Müller: Mein Anti-Stress-Tagebuch. 52 Ideen für mehr Gelassenheit im Kita-Alltag. Carl Link (Kronach) 2020. ISBN 978-3-556-08238-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27296.php, Datum des Zugriffs 06.03.2021.


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