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Anya Jabour: Sophonisba Breckinridge

Cover Anya Jabour: Sophonisba Breckinridge. Championing Women´s Activism in Modern America. University of Illinois Press (Illinois) 2019. 408 Seiten. ISBN 978-0-252-04267-6.
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Thema

Mit ihrem Buch „Sophonisba Breckinridge. Championing women's activism in modern America“ legt Anya Jabour die erste Biographie von Sophonisba Breckinridge (1866-1948) vor. Breckinridge war Aktivistin des Chicagoer Settlement Hull-House und zugleich Begründerin der universitären Ausbildung der Sozialen Arbeit sowie eine der ersten Professorinnen für Soziale Arbeit an der School of Social Service Administration der University of Chicago/USA.

Autorin

Anya Jabour ist Regents Professor of History an der University of Montana (USA).

Aufbau

Das Werk umfasst 285 Seiten exklusive Anmerkungen, Index und Literaturangaben (insgesamt 382 Seiten). Der in englischer Sprache erschienene Text wird von einigen zeitgenössischen Fotografien von der Protagonistin unterstützt.

Nach einem Vorwort und einer Einleitung folgen die ersten drei der insgesamt zehn Kapitel einem chronologischen Aufbau, während die späteren Kapitel einen thematischen Zugang zu Breckinridge's Leben wählen. Als Grundlage des Buches nutzt Jabour Quellen aus unterschiedlichen U.S.-amerikanischen Archiven. Im Besonderen wertet sie den Nachlass der Protagonistin (Library of Congress) sowie Manuskripte einer Autobiographie Breckinridges (Chicago's Regenstein Library) aus.

Inhalt

Gleich zu Beginn der Biographie wird die Bedeutung Breckinridges als Netzwerkerin und akademische Aktivistin gezeichnet, die zum engen und einflussreichen Kreis eines Frauennetzwerkes von Sozialreformerinnen (mit Jane Addams, Edith and Grace Abbott, Florence Kelley und Julia Lathrop) gehörte, welches seine Basis im Chicagoer Settlement Hull-House hatte und deren Mitglieder wichtige Positionen auf nationaler und internationaler Ebene einnahmen (S. 4).

Im ersten Kapitel „One Becoming a Breckinridge. A Kentucky Childhood“ (S. 11–29) skizziert die Autorin die Kindheit der Protagonistin, die in einer wohlhabenden Familie mit sechs Geschwistern in Lexington/​Kentucky aufwuchs. Ihr Vater ist Politiker und führt als Jurist eine Anwaltskanzlei. Die Eltern unterstützen die Tochter bei ihrer Ausbildung, auch damit sie sich später selbst finanzieren könne. Mit vierzehn Jahren beginnt Breckinridge eine Ausbildung zur Lehrerin an der koedukativen Schule A & M, Kentucky Agricultural and Mechanical College.

Im zweiten Kapitel „Two Preparation for Citizenship: An All-Around Girl at Wellesley College“ (S. 30–56) wird die Collegezeit von Breckinridge ab 1884 am Wellesley College beschrieben. Die Autorin schildert wie Breckinridge, eine beliebte und ehrgeizige Studentin mit außergewöhnlichem Talent für Mathematik, die Förderung und Atmosphäre am Frauencollege genießt.

Nach ihrem Collegeabschluss kehrt Breckinridge wieder zu ihrer Familie nach Kentucky zurück. Im dritten Kapitel „Striving for the Ideal: Female Achievement and the Family Claim“ (S. 57–80) setzt sich Jabour mit widersprüchlichen Erwartungen an den weiteren Lebensweg der Protagonistin auseinander. Die Erwartungen der lernbegierigen Collegeabsolventin und ihre Suche nach einer sinnvollen beruflichen Tätigkeit stehen den familiären und gesellschaftlichen Erwartungen an die junge Frau sowie die faktische Versperrung zu den meisten Berufsfeldern gegenüber. Diese Zerrissenheit führt dazu, dass Breckinridge unglücklich und depressiv wird. Nachdem ihre Hoffnung in die väterliche Kanzlei einzutreten nicht von ihrer Familie unterstützt wird, arbeitet sie für zwei Schuljahre als Mathematiklehrerin (S. 62).

Breckinridge verfolgt dennoch weiterhin das Ziel ihre Ausbildung fortsetzen und Jura zu studieren. Die akademische juristische Ausbildung ist zur damaligen Zeit erst im Entstehen und von einer praktischen Ausbildung und unterschiedlichen regionalen Anforderungen geprägt (S. 67). Nach dem Tod ihrer Mutter darf Breckenridge dann doch in der Kanzlei ihres Vaters tätig sein und absolviert die praktische Prüfung zur Anwaltszulassung.

Nach Bestärkung ihrer Vertrauten und früheren Lehrerin Marion Talbot entscheidet sie sich nach Chicago zu gehen und ihre akademische Ausbildung fortzusetzen. Da es an der University of Chicago noch keine universitäre juristische Ausbildung (Law School) gibt, absolviert sie ab 1895 zunächst einen Master in Politikwissenschaften. Hier besucht sie auch Veranstaltungen zur sozialen Gerechtigkeit, öffentlichen Ordnung, Rechtssoziologie und Sozialforschung, die ihr später noch hilfreich sein sollten.

Nach ihrem Abschluss 1897 spezialisiert sie sich in der Kanzlei ihres Vaters auf Familienrecht und übernimmt eigenständig Mandate. Nach nur einem halben Jahr kehrt sie nach Chicago zurück und erhält als erste Absolventin einen PhD in Jura und politischer Ökonomie (S. 78).

Im vierten Kapitel „Academic Activism: Social Science and Social Reform in Progressive Era Chicago“ (S. 81–117) beschreibt Jabour, wie Breckinridge ihre privilegierte Position als gebildete, wohlhabende, weiße, in den USA geborene Frau nutzt, um sich für soziale Gerechtigkeit einzusetzen. Sie ist in sehr vielen Kampagnen der Reformbewegung in der Progressive Era involviert und setzt sich für besseren Arbeitsschutz für Arbeiter*innen, Rechtsschutz für Migrant*innen, zivile Rechte für Schwarze und ein finanzielles Existenzminimum für arme Familien ein (S. 83). Gleichzeitig fordert sie, dass kommunale Reformen, Stadtentwicklung und öffentlicher Gesundheitsschutz auf Ergebnissen der Sozialforschung zu entwickeln und durch Maßnahmen des Gesetzgebers abzusichern seien. Nach der Graduierung erhält sie eine Teilzeitstelle als Assistant Dean of Women. Ab 1905 wird sie Assistant Professor im Department of Household Administration an der University of Chicago. 1907 wird sie offiziell gelistete Bewohnerin des Hull-Houses und als Jane Addams „rechte Hand“ bekannt (S. 96), obwohl sie nur in den Semesterferien tatsächlich im Hull-House lebt. Breckinridge arbeitet in Bezug auf eine geschlechtsspezifische Arbeitsschutzgesetzgebung mit den beiden mächtigen Organisationen der Women's Trade Union League sowie der National Consumers' League, deren Generalsekretärin die ehemalige Hull House Bewohnerin Florence Kelley ist, zusammen. 1908 wird sie von der Hull-House Bewohnerin Julia Lathrop als Direktorin des neuen Department of Social Investigation des Chicago Institute of Social Science berufen, welches wenig später in die Chicago School of Civics and Philanthropy umstrukturiert wird (S. 98). Die Schule ermöglicht als eine der ersten eine professionelle Ausbildung in Sozialer Arbeit. Sie engagiert sich im Department bis 1920, holt ihre spätere Partnerin Edith Abbott an die Schule und prägt das Curriculum mit ihren Schwerpunkten Sozialforschung und Sozialpolitik.

Breckinridge and Abbott gelten als Vertreterinnen einer Profession Soziale Arbeit, die ihr Fundament in der Sozialforschung hat (S. 115). Das erste Forschungsprojekt des Department of Social Investigation befasst sich mit der Wohnsituation in Chicago um 1909. Als das einflussreichste Forschungsprojekt von Breckinridge und Abbott benennt die Autorin die Untersuchung des Chicagoer Jugendstrafgerichts, welches als erstes Jugendstrafgericht des Landes eingeführt wurde (S. 105).

Der starke Fokus auf die Sozialforschung ist nicht unumstritten. Jabour schildert eindrücklich die Auseinandersetzungen der Sozialreformer*innen in der Chicago School of Civics and Philanthropy mit den Vertreter*innen der „scientific philanthropy“ und der Charity-Bewegung um den Einfluss auf das Curriculum und Ausrichtung der Schule.

Im fünften Kapitel „The Other Chicago School: The School of Social Service Administration“ (S. 118–141) zeigt die Autorin auf, dass die Umwandlung der Chicago School of Civics and Philanthropy in die School of Social Service Administration (SSA) und die damit verbundene Angliederung an die University of Chicago maßgeblich auf Breckinridge zurückzuführen ist. Zwar bekommt die Schule durch die Angliederung an die Universität einen Fakultätsstatus, verfügt aber nur über ein kleines Budget und weder über Räume noch einen Verwaltungsapparat (S. 120). Nach langjährigen und zähen Verhandlungen mit der Universitätsleitung wird Abbott als erste weibliche Dekanin einer Graduiertenschule überhaupt als Dekanin ernannt. Breckinridge wird neben ihrer bisherigen Position an dem Department of Houshold Administration als Professorin an die School of Social Service Administration berufen (S. 121).

Die neue Graduiertenschule verschreibt sich dem Grundsatz „social policy based on social science“ mit der Zielsetzung Sozialpolitik zu gestalten und staatliche Wohlfahrtsprogramme zu entwickeln. Die Angliederung an die Universität wird auch kritisch gesehen. So ist für den ehemalige Gründer des Chicago Institute of Social Science Graham Taylor keine Position mehr in der neuen Graduiertenschule vorgesehen. Er kritisiert die Ausbildung der Sozialen Arbeit als „academized to death at the university (…).“ (S. 119). Die Ausrichtung der neue Graduiertenschule steht zudem konträr zu der von Mary Richmond geführten New York School of Social Work, die für Case Work mit Fokus auf das Individuum und den Einfluss der Charities steht (S. 136). Die SSA vertritt einen „Makro-“ Ansatz (S. 136) und betont strukturelle Bedingungen von Armut und öffentliche Wohlfahrtsprogramme als mögliche Lösungen (S. 136). Aber auch im universitären Umfeld wird die Akademisierung der Sozialen Arbeit insbesondere durch die Chicagoer Schule der Soziologie, namentlich durch Robert Park abschätzig beäugt. Jabour entwickelt die These, dass sich Soziale Arbeit als eine weibliche „anti-man“ und die Soziologie als männliche „anti-women“ -Disziplin entwickelt und nach anfänglichen gemeinsamen Projekten die Forschung streng getrennt und voneinander abgegrenzt wird (S. 132 ff.). Die Soziologie sieht sich als „pure“ Wissenschaft, während die SSA aus ihren Forschungen Handlungsempfehlungen ableitet und praxisorientiert argumentiert. Breckinridge legt großen Wert darauf nicht als Soziologin bezeichnet zu werden (S. 133).

Im sechsten Kapitel „Fairness and Feminism“ (S. 142–168) setzt sich Jabour mit Breckingridges Engagement in der Frauenbewegung auseinander. Sie skizziert eine heterogene Frauenbewegung, die sich in zum Teil konkurrierenden Organisationen mit heterogenen Zielen organisiert. Teile der Bewegung verknüpfen die Themen der Emanzipation mit Armut, Migration und Rassismus. Arbour schildert die unterschiedlichen Positionen der „protection“ vs. „equality“- Vertreterinnen. Die prominenteste Forderung neben dem Wahlrecht für Frauen, die Forderung nach Gleichheit vor dem Gesetz war in der Frauenbewegung durchaus umstritten. So steht auch Breckinridge der Forderung kritisch gegenüber, weil daraus folge, dass spezielle Schutzgesetze für Frauen für verfassungswidrig seien und deshalb spezielle Belange wie die der Arbeiterinnen nicht mehr speziell geschützt werden können. Sie argumentiert, dass eine rechtliche Gleichstellung keine tatsächliche Gleichstellung in der Realität bedeute, sondern dieser sogar entgegenwirke. Es bedürfe vielmehr gleicher Rechte, aber auch spezieller Regelungen, um die realen Bedingungen zu kompensieren, deren Frauen ausgesetzt seien (S. 158).

Im siebten Kapitel „An International Movement for Peace and Justice“ (S. 169–200) wird das Engagement in der internationalen Frauen- und Friedensbewegung Breckinridges zu Beginn des Ersten Weltkrieges aufgezeigt. Während manche Frauen vertreten, dass Frauen als Mütter ein spezielles Interesse an Frieden hätten, argumentiert Breckinridge, dass sich Frauen aufgrund ihrer professionellen Identität als Sozialarbeiterinnen für den Frieden einzusetzen hätten. Für die Soziale Arbeit sei Frieden Bedingung. Soziale Arbeit und soziale Gerechtigkeit könne aber auch zu Frieden beitragen (S. 171). Breckinridge ist im Jahre 1915 neben Addams und anderen Aktivistinnen des Hull-Houses Teil der US-amerikanischen Delegation auf dem Internationalen Frauenkongress in Den Haag. Sie ist neben Addams Mitbegründerin der Woman's Peace Party. Jabour vertritt die These, dass die feministischen Pazifistinnen zwar nicht den 1. Weltkrieg verhindern konnten, sie aber die Ausrichtung der Vereinten Nation nach dem 2. Weltkrieg beeinflusst haben (S. 171).

Breckinridge steht für eine internationale Vernetzung der akademischen Ausbildung der Sozialen Arbeit. Sie ist eine prägende Figur des ersten internationalen Kongresses der Sozialen Arbeit (ICSW) in Paris, der 1928 mit über 5000 Delegierten stattfindet. Sie ist die Vize-Vorsitzende der Sektion der Ausbildung der Sozialen Arbeit, aus der sich die bekannte International Committee (später Association) of Schools of Social Work (IASSW) hervorgeht.

Im achten Kapitel „The Potential and Pitfalls of Pan-American Feminism“ (S. 201–228) wird Breckinridges Rolle als Diplomatin bei Pan-Amerikanischen Konferenzen hervorgehoben. Sie war offizielle und erste weibliche Delegierte der USA bei der Pan-American Conference in Montevideo, Uruguay 1933. Hier wird vor allem die intensive Zusammenarbeit mit der Brasilianischen Frauenrechtlerin Bertha Luz betont. Gemeinsam betrieben sie Lobbying beim Völkerbund gegen die Diskriminierung von Frauen.

Im neunten Kapitel „National Minimum: Women building the Welfare State“ (S. 229–260) wird Breckinridges Einfluss auf öffentliche Wohlfahrtsprogramme dargestellt. Sie nimmt 1919 an einer Konferenz im Weißen Haus teil, bei der sie das erste Mal ihr Konzept eines Existenzminimums für Kinder vorstellt. Sie fordert ein Mindestmaß an ökonomischer Sicherheit, unabhängig von „race, or color, or situation“ (S. 234). Sie ist neben den Abbott-Schwestern eine der ersten und stärksten Befürworterinnen von staatlichen Wohlfahrtsprogrammen um den Auswirkungen der „Great Depression“ zu begegnen. Breckinridge nutzt ihre Position als Pionierin der Akademisierung und Professionalisierung der Sozialen Arbeit strategisch. Sie ermutigt die Organisationen, die in der praktischen Sozialen Arbeit tätig sind, zur Lobbyarbeit für staatliche Wohlfahrtsprogramme, um so auf deren Entwicklung und Ausrichtung einzuwirken (S. 241). Eine der einflussreichen Schirmorganisationen ist die American Association of Social Workers, deren Präsidentin Breckinridge wird.

Im zehnten Kapitel A and B: A Productive Partnership“ (S. 261- 278) setzt sich Jabour mit der privaten wie auch beruflichen Beziehung (1903-1948) zu der langjährigen Partnerin Edith Abbott auseinander. Weil die beiden fast ständig zusammen waren, kann Jabour hier auf wenig Quellenmaterial wie etwa Briefe zurückgreifen. Breckinridge und Abbott's Partnerschaft könne unter die Bezeichnung „Boston marriage“ gefasst werden. Jabour betont die Bedeutung der Beziehung für beide (S. 269), welche auch in Familie und von Freunden als Partnerschaft anerkannt wird.

Jabour schließt ihr Buch mit einem Epilog mit dem Titel „Passionate Patience“ (S. 279–286) ab. Die Autorin resümiert, dass einige Ziele, für die Breckinridge ihr Leben lang eintritt, zum Ende ihres Lebens zumindest teilweise erfüllt wurden: In der sozialstaatlichen Gesetzgebung zum New Deal in den 1930ern und der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte im Jahr 1948 (S. 280 f.). Sie konstatiert jedoch auch, dass Gesetze und staatliche Wohlfahrtsprogramme keine ewigen Errungenschaften sind, sondern jeweils vom politischen Willen abhängen, der vor dem Hintergrund ökonomischer Krisen oder gesellschaftlicher Veränderungen zur Rücknahme oder Korrektur führen kann. Zum Ende des Buches baut Jabour eine Brücke zu aktuellen politischen Geschehen in den USA wie der sozialen Bewegung Black Lives Matter und der Politik von Donald Trump.

Diskussion

Breckinridge wird als akademische Aktivistin gezeichnet, die ihren Schwerpunkt stets an der Universität hatte. Das Werk zeichnet sich durch die fundiert recherchierten Ausführungen zur Entstehung einer akademischen Disziplin Soziale Arbeit sowie der differenzierten Darstellung der U.S.-amerikanischen Frauenbewegung (Gleichheit versus Schutz) aus. Besondere Aufmerksamkeit gebührt den Ausführungen zu Breckinridges Engagement mit lateinamerikanischen Frauenrechtlerinnen für Menschenrechte.

Breckinridge steht für die Forderung nach einem aktiven Sozialstaat und gesetzlichen Absicherungen eines Existenzminimums. Die Forderung nach der Gleichheit vor dem Gesetz für Frauen befürwortete sie nur soweit, wie dies auch mit der Verbesserung der tatsächlichen Lebensbedingungen für Frauen und Familien einherging. Sie verband die Einforderung nach Gleichheit stets mit den Themen Armut, Migration und Rassismus.

Jabour zeichnet eine äußerst engagierte Frau mit hohem Arbeitsvolumen, die in viele Projekte gleichzeitig involviert war. Dies schlägt sich zuweilen auch auf den Erzählstil nieder, der aber die Lesegenuss nur begrenzt schmälert. Viele Themen können nur skizziert und nicht vertieft werden. Insbesondere ist es schade, dass die Veröffentlichungen von Breckinridge nur begrenzt Eingang finden. Eine chronologische Zeitleiste oder ein Stammbaum ihres intellektuellen Netzwerkes wäre für die Einordnung ihres Schaffens hilfreich gewesen, um den Ausführungen besser folgen zu können.

Zielgruppe

Das Buch ist insbesondere für diejenigen interessant, die sich für die Entstehung der akademischen Ausbildung der Sozialen Arbeit, für die Aktivitäten des Settlements Hull-House, sowie für die Verbindung von Sozialforschung, Politik, sozialen Bewegungen und internationaler Diplomatie interessieren. Das Buch ist gut leserlich und eignet sich auch für diejenigen, die mit den Themen bisher nicht vertraut sind. 

Fazit

Die Autorin zeichnet in ihrem Buch das facettenreiche Leben Breckinridges nach und setzt deren Engagement in den Kontext der Entstehung der akademischen Ausbildung der Sozialen Arbeit in Chicago/USA. Das Buch verdeutlicht die gegenseitigen Anregungen und Widersprüche von Social Science und Social Reform für die Entstehung einer akademischen Ausbildung der Sozialen Arbeit in den USA. Im Besonderen arbeitet Jabour das Selbstverständnis Breckinridges als akademische Aktivistin und das Fundament ihres Handeln im Chicagoer Settlement Hull-House, der Frauenbewegung und anderen sozialen Bewegungen heraus und skizziert das internationale Engagement in der Friedensbewegung und als Diplomatin für den Einsatz von sozialen Menschenrechten sowie gegen die Diskriminierung von Frauen.

Jabour schildert das Leben Breckinridges, die trotz mehrerer akademischer Abschlüsse in Politik, Wirtschaft und Recht nur mit Hürden eine Anstellung entsprechend ihrer akademischen Ausbildung bekam: als Professorin in der gerade entstehenden Disziplin der Sozialen Arbeit. Breckinridge gründete eine akademische Zeitschrift, gab eine Serie von Lehrbüchern für die Soziale Arbeit heraus und erarbeite das Curriculum für die akademische Ausbildung der Sozialen Arbeit. Zusammen mit ihrer Partnerin Edith Abbott spielte sie die zentrale Rolle für den Beginn der akademischen Ausbildung für Soziale Arbeit in den USA.

Insbesondere im Hinblick auf den Einfluss von Sozialreform, professioneller Vernetzung und internationalen Zusammenarbeit auf die akademische Ausbildung der Sozialen Arbeit lohnt ein Blick über den deutschsprachigen Tellerrand hinaus. Für ein heutiges Verständnis einer Disziplin Sozialer Arbeit sind der Einbezug internationaler Perspektiven und historischer Traditionslinien unerlässlich. Eine klare Leseempfehlung!


Rezension von
Dipl. Jur. Katharina Winkler
M.S.W.; Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
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Zitiervorschlag
Katharina Winkler. Rezension vom 28.10.2020 zu: Anya Jabour: Sophonisba Breckinridge. Championing Women´s Activism in Modern America. University of Illinois Press (Illinois) 2019. ISBN 978-0-252-04267-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27355.php, Datum des Zugriffs 29.11.2020.


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ISSN 2190-9245

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