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Nando Belardi: Supervision und Coaching

Cover Nando Belardi: Supervision und Coaching für Soziale Arbeit, für Pflege, für Schule. Lambertus Verlag GmbH Marketing und Vertrieb (Freiburg) 2020. 288 Seiten. ISBN 978-3-7841-3104-7.
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Thema und Entstehungshintergrund

Anders als in den 1990er Jahren müssen sich Supervision und ihre Bedeutung vor allem in Helferkulturen heute nicht mehr rechtfertigen. Vielmehr haben sich in den vergangenen dreißig Jahren, in denen sich auch der Autor für das Thema engagiert hat, das theoretische Grundgerüst für Supervision entwickelt, die Ausbildung dazu profiliert, Evidenz bestätigt und die Sinnhaftigkeit auch praktisch einsichtig durchgesetzt. Es mag deshalb kein Zufall sein, dass von dieser Erfolgsgeschichte auch Konzepte profitieren wollen, die diesen durchaus mühevollen Prozess der Professionalisierung noch nicht umfänglich geleistet haben. Die gemeinsame Betrachtung von Supervision und Coaching in dieser Monografie zeigt zumindest auf, wieviel im Bereich Coaching noch zu leisten ist, bis er auf ähnlich sicheren Beinen hinsichtlich Methodologie, Methode, Ausbildung und Qualität steht.

Inhalt

Das vorliegende Buch kann als Lehrbuch verstanden werden für alle, die mit Supervision und Coaching zu tun haben – ob als Anbieter dieser Leistungen oder jemand, der bestimmte Erwartungen an derartige Angebote hat. Beide Themen werden in dem Text sehr umfänglich und systematisch aufeinander aufbauend behandelt. Begonnen wird zunächst mit einer Einordnung von Supervision und Coaching in die verschiedenen Arbeitsfelder, die sich in der Begriffsklärung konkretisiert. Die jeweils vorgenommenen Definitionen werden sowohl für sich als auch in Abgrenzung zueinander und schließlich auch mit Blick auf andere Begriffe und Methoden wie z.B. Beratung und Therapie vorgenommen. Nachvollziehbar werden so die Möglichkeiten dieser Angebote in verschiedenen Arbeitswelten. Dabei kommen die Entwicklungen rund um das Coaching und sein Driften hin zu einem „Allerwelts-Coaching“ allerdings kritisch weg. Der Autor plädiert ausdrücklich dafür, Coaching wieder zurückzuführen auf seine Ursprünge, die er in der Leitungsberatung im Profit- und Non-Profit-Bereich „für einsame Spezialisten“ sieht.

Im weiteren Abschnitt wird der Leser/die Leserin auf wichtige Vorüberlegungen aufmerksam gemacht, die einem Beratungsprozess vorangehen müssen: die Abwägung zwischen Feld- und Beratungskompetenz, das Prüfen von Rahmenbedingungen und Grenzen sowie das sorgfältige Ausloten der Möglichkeiten des Miteinanders von Berater und Zu-Beratendem. Idealerweise kann die eigentliche Arbeit nach einer Einigung, festgehalten in einem Kontrakt, beginnen. Dargelegt werden sodann, wie der Beratungsprozess läuft, auf welche schwierigen Themen und tiefenpsychologischen Aspekte man vorbereitet sein sollte, welchen Krisen, Fehler, negativen Folgen und Schäden zuvorzukommen bzw. wie mit diesen umzugehen ist noch bevor der Beratungsprozess beendet wird.

Nächste große Abschnitte diskutieren die Arbeitsformen (Zweier-, Mehrpersonensetting, Gruppensupervision/​Coaching, Ballint-Gruppe, Teamsupervision), die Näherung an die Organisationsstrukturen der Ratsuchenden und die Bedeutung Theorien und Methoden für den eigentlichen Prozess der Beratung.

Bevor Schule und Pflege als relativ neu aufkommende Bereiche von Supervision und Coaching und bereits sichtbare weitere neue Arbeitsfelder aufgeblendet werden, wird noch die Professionalisierung von Supervision und Coaching in den Blick genommen. Der Autor analysiert sehr ehrlich und kritisch, welche Vor- und Nachteile sich ergeben, wenn Supervision und Coaching zum Beruf werden und wie sich der Markt rund um eine Ausbildung sowohl zu Supervision als auch, aber eben anders zu Coaching national und international darstellt.

Das Buch endet mit dem Darlegen wichtiger Aspekte von Recht und Ethik, fragt nochmal nach Wirkfaktoren für die Sicherung von Qualität, nach Bewertungsmaßstäben der Beratungsangebote sowie nach Möglichkeiten von Einspruch und Konfliktbearbeitung, bevor aus aktuellem Anlass auch das Thema Corona eingeordnet als eine Variante der „Risikogesellschaft“ kurz aufgegriffen wird.

Im Anhang runden weiterführende Informationen zu nationalen und internationalen Verbänden im Bereich Supervision und Coaching, Fachzeitschriften und Literaturdiensten das große Thema ab.

Fazit

Der Autor hat aus seiner übervollen Beratungs- und Forschungspraxis die völlig überarbeitete Neuauflage seines Klassikers „Supervision. Eine Einführung für soziale Berufe“ vorgelegt, der schon lange als Basis- und Standardliteratur zumindest in der Sozialen Arbeit gilt. Viele Fallbeispiele und das zum Buch verfügbare online-Material werden dafür sorgen, dass sich das Buch durch Nutzung in vielerlei Hände schnell abgreifen wird. Hervorzuheben ist die wohltuende kritische Haltung des Autors, der immer wieder auch seine Einwände und Zweifel klar formuliert.

Nicht nur mit dem Blick auf Coaching wurde so eine wichtige neu aufkommende Entwicklung kritisch aufgegriffen. Als Senior seines Faches steht es dem Autor unbedingt zu, immer wieder den Finger auf die Schwachstellen, problematischen Entwicklungen und kritischen Rahmenbedingungen, mit denen sich Supervision und Coaching konfrontiert sehen, hinzuweisen. Dabei nennt er nicht nur Gefahren in fragliche Spuren abzubiegen, die von außen kommen, sondern auch selbsterzeugte Entwicklungen. Auch deshalb ist dieses Buch nicht nur ein exzellenter Start für Neueinsteiger, sondern ein unentbehrliches Nachschlagwerk zur Selbstreflexion auch für diejenigen, die schon länger in der Praxis arbeiten.


Rezension von
Prof. Dr. Gundula Barsch
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Zitiervorschlag
Gundula Barsch. Rezension vom 28.08.2020 zu: Nando Belardi: Supervision und Coaching für Soziale Arbeit, für Pflege, für Schule. Lambertus Verlag GmbH Marketing und Vertrieb (Freiburg) 2020. ISBN 978-3-7841-3104-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27359.php, Datum des Zugriffs 23.09.2020.


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