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Annette Schmitt, Eric Simon: Ko-Konstruktion in der Kita-Praxis

Annette Schmitt, Eric Simon: Ko-Konstruktion in der Kita-Praxis. Carl Link (Kronach) 2020. 80 Seiten. ISBN 978-3-556-08241-6. D: 27,95 EUR, A: 28,80 EUR.
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Thema und Autor*innen

Annette Schmitt und Eric Simon sind in der Aus-, Fort- und Weiterbildung von pädagogischen Fachkräften sowie in der kindheitspädagogischen Forschung tätig. In ihrer Veröffentlichung „Ko-Konstruktion in der Kita-Praxis“ setzen sie sich mit der Frage auseinander, wie und wann es Fachkräften gelingen kann, aktiv in eine Interaktion mit Kindern zu kommen. Das Buch verknüpft theoretische Erkenntnisse mit praktischen Handlungsempfehlungen für die Fachkräfte.

Entstehungshintergrund

Die beiden Autor*innen haben in ihren Tätigkeiten in Lehre und Forschung festgestellt, dass Handlungsunsicherheiten und große Herausforderungen bei den pädagogischen Fachkräften im Hinblick auf das Spannungsfeld der Respektierung der Kinder als eigenständige Akteur*innen sowie die eigene Rolle als Interaktionspartner*in bestehen.

Aufbau und Inhalt

In Kapitel 1 wird zunächst der Begriff der „Ko-Konstruktion“ erklärt. Darüber hinaus werden der Sozialkonstruktivismus sowie soziokulturelle Theorien erläutert und thematisch verortet.

Kapitel 2 befasst sich mit dem Ursprung des Konzeptes der Ko-Konstruktion. Dieser geht auf den Psychologen James Youniss zurück, der über einen längeren Zeitraum das Zusammenspiel von Aktion und Reaktion bei Interaktionen von Erwachsenen und Kindern und die damit einhergehenden Verhaltensweisen untersucht hat. Dazu wird die komplementäre und symmetrische Reziprozität umfassend dargestellt.

Daraufhin werden in Kapitel 3die entwicklungspychologischen Grundlagen in den Blick genommen. Hierbei finden vor allem das Konzept der „Zone der nächsten Entwicklung“ sowie die „kulturellen Denk-Werkzeuge“ des Entwicklungspychologen Lew Wygotski Beachtung.

In Kapitel 4 werden die drei grundlegenden Prinzipien der Ko-Konstruktion thematisiert. Dazu gehört zum einen, dass Entwicklung, Lernen und Bildung soziale Prozesse sind und zum anderen, dass Wissen zwischen Köpfen entsteht. Das dritte Prinzip besagt, dass Ko-Konstruktion neues Wissen schafft. Dazu werden Beispiele zur Verdeutlichung angeführt.

Der zweite Themenblock handelt von den ko-konstruktivistischen Methoden in der Kita. Kapitel 5 erklärt den Begriff des „Gerüstbaus“ (Scaffolding) und zeigt verschiedene Beispiele und Handlungsempfehlungen zur Umsetzung auf. In Kapitel 5.1 werden die Funktionen des Scaffolding dargestellt. 5.2 thematisiert dessen Formen und 5.3 fokussiert sich anhand von Beispielen auf die Umsetzung und Reflexion zum Scaffolding im Kita-Alltag.

In Kapitel 6 wird das Konzept der geleiteten Teilnahme der Entwicklungspsychologin Barbara Rogoff vorgestellt. Die Grundlagen werden anschließend anhand von Beispielen veranschaulicht.

Das siebte Kapitel befasst sich mit der Ko-Konstruktion im Spiel und fügt Beispiele zur Verdeutlichung der Ko-Konstruktion im Kita-Alltag an.

Im letzten Kapitel (Kapitel 8) wird das Vertiefte Gemeinsame Nachdenken (sustained shared thinking) in den Blick genommen. In 8.1 wird das SST als pädagogische Intervention vorgestellt. 8.2 zeigt die Merkmale des gemeinsamen vertieften Nachdenkens auf und 8.3 befasst sich mit SST im pädagogischen Kita-Alltag.

Diskussion

Mit der Veröffentlichung von „Ko-Konstruktion in der Kita-Praxis“ wird für pädagogische Fachkräfte die Herausforderung der Umsetzung von Ko-Konstruktion im Kita-Alltag anhand von Beispielen und Handlungsempfehlungen greifbarer gemacht. Die Begriffserklärung zu Beginn der Veröffentlichung ermöglicht ein einheitliches Verständnis des Begriffs „Ko-Konstruktion“ und räumt mögliche Begriffsverwirrungen aus dem Weg. Das Ziel des Buches ist es zu verdeutlichen, wie Interaktionen im pädagogischen Alltag so gestaltet werden können, dass Kinder und Erwachsene gleichermaßen daran beteiligt werden.

Mit dem Blick auf den von James Youniss geprägten Begriff der Reziprozität wird noch einmal verdeutlicht, dass Partizipation im Kita-Alltag die Basis für jegliche Interaktionen sein muss, damit neues Wissen und soziale Übereinkünfte entstehen können. Die dazu formulierten Reflexionsfragen ermöglichen es den pädagogischen Fachkräften, erlebte Situationen aus dem Alltag auf Grundlage der Reziprozität zu reflektieren und für künftige Situationen Handlungsweisen abzuleiten. Der pädagogische Ansatz der Ko-Konstruktion basiert auf entwicklungspsychologischen Grundlagen. Die Autor*innen führen hier insbesondere Wygotskis Konzept der „Zone der nächsten Entwicklung“ an, welches für die Umsetzung der Ko-Konstruktion von großer Bedeutsamkeit ist. Insbesondere die Vorstellung der verschiedenen ko-konstruktivistischen Methoden kann den pädagogischen Fachkräften bei der Umsetzung des ko-konstruktivistischen Ansatzes helfen. Neben theoretischen Inhalten wird der Fokus vor allem auf die Rolle der pädagogischen Fachkräfte in verschiedenen Situationen gelegt. Die anschließenden Praxisbeispiele aus dem Kita-Alltag zeigen auch, dass Ko-Konstruktion gut umsetzbar ist. Eine Bereicherung sind außerdem die verschiedenen Handlungsempfehlungen und Reflexionsfragen für die Fachkräfte. Die Veröffentlichung nimmt mit der Beteiligung von Kindern in Kindertagesstätten ein bedeutsames Thema für die Frühpädagogik in den Blick und gibt sowohl einen umfassenden Einblick in die theoretischen Grundlagen als auch vielfältige Anregungen für die Umsetzung der Ko-Konstruktion in der Kita-Praxis für die pädagogischen Fachkräfte.

Fazit

Die Autor*innen Annette Schmitt und Eric Simon haben mit ihrer Veröffentlichung „Ko-Konstruktion in der Kita-Praxis“ eine kompakte Darstellung theoretischer und entwicklungspsychologischer Grundlagen sowie praxisnahe und beispielhafte Handlungsempfehlungen für pädagogische Fachkräfte zur Umsetzung von Ko-Konstruktion im Kita-Alltag verfasst. Es wird außerdem die Notwendigkeit und Bedeutsamkeit der Partizipation von Kindern in der Kita verdeutlicht und den pädagogischen Fachkräften Mut gemacht, sich dieser Aufgabe anzunehmen und die eigene pädagogische Haltung zu reflektieren und sich an dem ko-konstruktivistischen Grundgedanken zu orientieren.

Summary

With their publication „Ko-Konstruktion in der Kita-Praxis“ the authors Annette Schmitt and Eric Simon have written a compact presentation of theoretical and developmental psychological basics as well as practical and exemplary recommendations for educational staffs for the implementation of co-construction in institutions of early childhood education.

In addition, the necessity and importance of the participation of children in these institutions is made clear and the childhood educators are encouraged to take on this task and to reflect on their own pedagogical attitude and to orientate themselves on the co-constructivist basic idea.


Rezension von
Lisa Gemmeke
Kindheitspädagogin(B.A.)
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Zitiervorschlag
Lisa Gemmeke. Rezension vom 26.11.2020 zu: Annette Schmitt, Eric Simon: Ko-Konstruktion in der Kita-Praxis. Carl Link (Kronach) 2020. ISBN 978-3-556-08241-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27361.php, Datum des Zugriffs 21.01.2021.


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