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Jochen A. Werner, Michael Forsting u.a. (Hrsg.): Smart Hospital

Cover Jochen A. Werner, Michael Forsting, Thorsten Kaatze, Andrea Schmidt-Rumposch (Hrsg.): Smart Hospital. Digitale und empathische Zukunftsmedizin. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2020. 328 Seiten. ISBN 978-3-95466-495-5. D: 59,95 EUR, A: 61,75 EUR, CH: 72,00 sFr.
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Thema

Digitalisierte und empathische Medizin sind keine Widersprüche, sondern Digitalisierung kann einen wichtigen Beitrag für eine zutiefst empathische Medizin leisten. In diesem Buch werden die großen Strategie- und Handlungsfelder der digitalen Transformation im Gesundheitswesen im Kontext von Veränderungen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik vorgestellt und diskutiert.

Herausgeber

Herausgegeben wurde das Buch von vier namenhaften Personen:

Prof. Dr. Jochen A. Werner ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender Universitätsmedizin Essen

Prof. Dr. Michael Forsting Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie und Neuroradiologie Universitätsmedizin Essen

Thorsten Kaatze, Dipl.-Vw. Kaufmännischer Direktor und stellv. Vorstandsvorsitzender Universitätsmedizin Essen

Andrea Schmidt-Rumposch, B.Sc. Plegedirektorin und Vorstand Universitätsmedizin Essen

Aufbau

Das Buch wird in sechs Kapitel gegliedert:

  1. Die digitale Gesellschaft – Die digitale Wirtschaft
  2. Die digitale Gesundheit
  3. Die digitale Transformation im Krankenhaus
  4. Der Mensch im digitalen Zeitalter: Kommunikation und ethische Dimensionen
  5. Daten machen Gesundheit – Von Algorithmen, Analysen und Künstlicher Intelligenz
  6. Die Arbeit im digitalen Zeitalter: Neue Rollen, neue Aufgaben

Inhalt

Um einen Einblick über die Inhalte des Buches zu verschaffen, werden fünf Unterkapitel und ein Exkurs exemplarisch vorgestellt.

Das erste Kapitel „Die digitale Gesellschaft – Die digitale Wirtschaft“ enthält den Beitrag „Erwartungen der Generation Hashtag an das Smart Hospital“ (S. 9–14) von Tanja Heiß. Die Generation Hashtag repräsentiert ein gemeinsames Mindset. Die vier Handlungsfelder im Krankenhaus der Generation Hashtag sind New Leadership, Employer Branding, Digitalisierung und New Work. Die Generation Hashtag benötigt beispielsweise eine situative Führung, um den Wandel mitzugestalten und erwartet Motivation statt Kontrolle.

Im zweiten Kapitel „Die digitale Gesundheit“ findet sich der Aufsatz „Wie Apps und digitale Gesundheitsanwendungen das traditionelle Gesundheitsgeschehen verändern“ (S. 83–92) von Frank Stratmann. In diesem Aufsatz geht es beispielsweise um die Bedeutung von Gesundheits-Apps, das Smartphone als Medizinprodukt, den langen Weg zur Anerkennung von Gesundheits-Apps und die Zukunftsmedizin mit Gesundheits-Apps. Apps und digitale Gesundheitsanwendungen verändern das Gesundheitsgeschehen nicht als evolutionäres Konzept, sondern sie tragen zur Demokratisierung des Gesundheitsgeschehens bei. Das asymmetrisch angelegte Wissensverhältnis zwischen Patient und Arzt um die körperlichen und seelischen Zusammenhänge wird sich verändern, aber auch mithilfe von Gesundheits-Apps wird immer eine gewisse Diskrepanz hinsichtlich des Wissensverhältnisses zwischen dem Arzt und dem Patienten bestehen bleiben, so die Grundthese von Stratmann.

Im dritten Kapitel „Die digitale Transformation im Krankenhaus“ betrachten Jochen A. Werner, Achim Struchholz und Anja Geuting das Thema „Smart Hospital und Nachhaltigkeit – Bestandsaufnahme und Perspektiven“ (S. 163–168). Im Rahmen des Smart Hospitals wird auf die Handlungsfelder Energiemanagement, Beschaffung und Ressourcenverbrauch, Speisenversorgung, Abfallwirtschaft, Mobilität und Logistik und das Nutzerverhalten eingegangen. Letztlich eröffnet das Smart Hospital neue Möglichkeiten für eine nachhaltige Medizin und eine nachhaltige Gesundheit, indem beispielsweise der Diagnose- und Therapieprozess optimiert wird.

Im vierten Kapitel „Der Mensch im digitalen Zeitalter: Kommunikation und ethische Dimension“ befassten sich Stefan Drauschke und Pia Drauschke mit dem Thema „Kulturwandel oder Kulturschock? Den Wandel mit den Menschen und den Mitarbeitern gestalten!“ (S. 171–179). Es werden die Chancen und Schattenseiten der Digitalisierung anhand von zwei Szenarien veranschaulicht. Anschließend wird beschrieben, wie der digitalen Wandel gestaltet werden kann, z.B. welche Faktoren bei einem humanen Change-Management eine entscheidenden Rolle spielen und wie man mit Widerstand umgehen kann. Abschließend wird auf das Thema „New Leadership und New Culture“ eingegangen. Damit eine grundlegende Transformation des Unternehmens stattfinden kann, muss Digitalisierung Teil der Unternehmensstrategie werden, die in den Köpfen der Führungskräfte und Mitarbeiter beginnt, so die These von Stefan Drauschke und Pia Drauschke. Es kann festgehalten werden, dass es eher ein menschliches als ein technisches Thema ist, ob der Kulturwandel im Kontext der digitalen Transformation gelingt.

Das fünfte Kapitel „Daten machen Gesundheit – Von Algorithmen, Analysen und Künstlicher Intelligenz“ beinhaltet einen „Exkurs: Smart Hospital und das Corona-Virus. Hilft Digitalisierung auch bei einer Pandemie?“ (S. 251–255) von Jochen A. Werner und Achim Streichholz. Es werden die drei zentralen Erkenntnisse aus der Bekämpfung des Corona-Virus aufgezeigt. Anschließend wird beschrieben, warum Handlungsbedarf bei der Digitalisierung, dem Pflegenotstand, den Lieferketten und der Rolle der Universitätskliniken besteht. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Umgang mit dem Corona-Virus die strukturellen Defizite des Gesundheitssystem aufgezeigt hat, z.B. Verzahnungs- und Planungsdefizite.

Im sechsten Kapitel „Die Arbeit im digitalen Zeitalter: Neue Rollen, neue Aufgaben“ stellen David Matusiewicz und Bart de Witte in dem Beitrag „Bildung als Treiber für die digitale Transformation im Krankenhaus“ (S. 295- 303) einen Baukasten mit Dimensionen rund um die Bildung im Bereich der digitalen Transformation dar. Die acht Bausteine der digitalen Transformation im Krankenhaus lauten Kultur, Leadership, Personalisierung und Individualisierung, kontinuierliches maschinelles Lernen, intelligente Automatisierung, Patient- und Mitarbeiter-Experience, alles Neue – Design Thinking und kontinuierliche Neuerfindung. Danach werden die Chancen und Grenzen der Bildung als Treiber für die digitale Transformation im Krankenhaus erläutert und es wird ein kurzer Ausblick gegeben. Fest steht, dass das Gesundheitswesen in Deutschland mehr Bildung im Bereich Digitalisierung benötigt.

Diskussion

Das Buch ist sehr informativ und der Aufbau ist gut gelungen. Mithilfe von erklärenden Beispielen wird Bezug zur Praxis hergestellt. Einige Sachverhalte werden durch Grafiken veranschaulicht. Durch die vielen kurz und bündigen Artikel erhält man einen guten Überblick über den aktuellen Stand und die Perspektiven der digitalisierten Medizin. Besonders positiv fällt auf, dass Exkurse eingebaut werden, wie z.B. „Exkurs: Smart Hospital und das Corona-Virus – Hilft Digitalisierung auch bei einer Pandemie“ von Jochen A. Werner und Achim Strunz oder „Exkurs: Digitale Vernetzung des ambulanten mit dem stationären Sektor“ von Dominik Pförringer und Karl F. Braun. Zu kritisieren ist lediglich, dass die Gliederung nicht einheitlich aufgebaut ist. Die jeweiligen Unterpunkte von den Kapiteln sind entweder als These oder als Frage dargestellt. Das wirkt irritierend.

Fazit

Der Sammelband ist ein hervorragender Ratgeber für alle Akteure in Krankenversorgung, Krankenkassen, Selbstverwaltung und Politik, um die digitale Transformation im Gesundheitswesen erfolgreich mitzugestalten.


Rezension von
Susanne Allgeier
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Zitiervorschlag
Susanne Allgeier. Rezension vom 17.11.2020 zu: Jochen A. Werner, Michael Forsting, Thorsten Kaatze, Andrea Schmidt-Rumposch (Hrsg.): Smart Hospital. Digitale und empathische Zukunftsmedizin. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2020. ISBN 978-3-95466-495-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27362.php, Datum des Zugriffs 29.11.2020.


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ISSN 2190-9245

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