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Ralf Binder, Florian Schöller u.a.: Therapie-Tools Schlafstörungen

Cover Ralf Binder, Florian Schöller, Hans-Günter Weeß: Therapie-Tools Schlafstörungen. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2020. 292 Seiten. ISBN 978-3-621-28534-6. D: 44,95 EUR, A: 46,50 EUR, CH: 57,90 sFr.

Reihe: Therapie-Tools
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Thema

Schlafstörungen zählen zu den häufigsten Störungen, mit denen Menschen Hilfe im hausärztlichen und auch im Klinik-Alltag suchen. Oft von außen bagatellisiert, stellen sie für die Betroffenen und gesellschaftlich-volkswirtschaftlich eine erhebliche Belastung dar.

Das vorliegende Buch in der Reihe „Therapie- Tools“ des Beltz-Verlages macht die Relevanz dieser Störungsgruppe anschaulich deutlich, entwickelte Erklärungsmodelle und Behandlungsansätze und macht diese für TherapeutInnen umfassend verfügbar.

Autoren

Die Autoren (Dr. Ralf Binder, Florian Schöller, Dr. Hans-Günter Weeß) sind Diplompsychologen mit langjähriger Berufserfahrung in Klinik und psychotherapeutischer Praxis. Dr. Binder ist im Schlafzentrum des Pfalzklinikums Klingenmünster tätig und Dozent an der Akademie für Schlafmedizin.

Aufbau

Das Buch im Din A4 Format ist (wie aus der Reihe „Therapie-Tools“ schon anderweitig bekannt und gewohnt) klar gegliedert: In 7 Kapiteln wird das Phänomen Schlafstörung in Formen, Entstehungsbedingungen und dann vornehmlich in den überwiegend verhaltenstherapeutisch einzuordnenden Behandlungsmethoden dargestellt und anhand vieler Materialien (für TheraputInnen und Klienten) durchführungsorientiert abgehandelt. Auf diese Kapitel wird nachstehend eingegangen.

Für einen Überblick des Verlages siehe gerne auch unter: www.beltz.de/fileadmin/​beltz/​leseproben/​978-3-621-28534-6.pdf

Inhalt

Im einleitenden Kapitel legen die Autoren in knapper und klarer Sprache eine Themeneinführung und eine Erläuterung des Aufbaus des Buches vor. Kap. 2 beschäftigt sich dann mit diagnostischen und differentialdiagnostischen Fragen und Aufgaben des befassten Therapeuten. Neben Fragebögen spielen dabei auch Hinweise zu strukturierten Interviews eine dann therapieleitende Rolle. Der Wichtigkeit von Aufklärung und Psychoedukation wird in den folgenden beiden Kapiteln Rechnung getragen: der Klient soll zum Experten der eigenen Störung, ihrer auslösenden Bedingungen und für Zugänge zu konstruktiver Beeinflussung werden. Kap. 5 stellt dann die Standardmethoden der Verhaltenstherapie, die bei der Behandlung von Schlafstörungen bedeutsam sind, vor, erläutert und begründet diese und liefert dazu ausführlichen handouts und Arbeitsmaterialien für Klienten und Therapeutinnen. Abweichungen von diesen Handreichungen werden gerade bei komorbiden Störungsaspekten wichtig, wobei die Autoren hier insbesondere auf depressive Störungen, Albträume, Schlafwandeln und Besonderheiten wie bspw. den Bedingungen bei Schichtarbeit eingehen. Im abschließenden 7. Kapitel geht es dann um psychopharmakologische Behandlungsaspekte, die Gefahren und Notwendigkeiten einer langfristigen Behandlung mit Schlafmittel bspw. bei organisch bedingter Insomie.

Wie in der gesamten Reihe des Verlages üblich, liegen die Besonderheiten des vorliegenden Werkes in den Handreichungen für TherapeutInnen und Klienten/​Patienten in Form von Info-Blättern, Übungsanleitungen, Arbeits- und Handlungsanleitungen, Texten zur Patienten-Instruktion. Diese machen einen Großteil des 292 Seiten umfassenden Buches aus und bieten auch Therapie-Novizen einen ausführlichen und begleiteten Weg in die Behandlung von Patienten mit Schlafstörungen an.

Ein Literaturverzeichnis schließt das Buch ab.

Fazit

Das Buch ist eine wesentliche Hilfestellung gerade in der Umsetzung der strukturierten Behandlung von Menschen mit Schlafstörungen; es ist gekennzeichnet von hoher Stringenz und logischer Struktur. Dabei „bindet“ es TherapeutInnen und Klienten in eine Behandlungsrationale, was natürlich auch zu Einwänden führt: Lässt sich innerhalb dieser Rationale die Verbundenheit von Störung, Persönlichkeit und Lebenskontext fassen? Ist diese individualisierte therapeutische Vorgehensweise notwendig? Oder ist vielleicht die Einbindung des Patienten in ein klares, verallgemeinerbares Behandlungskonzept zielführender, effektiver? Wie auch immer man hier befinden möchte: die nicht zu vernachlässigenden nicht spezifischen Therapieelemente in der Beziehung zwischen Therapeutin und Klienten machen es notwendig, dass der Behandler sich prüft und Vorschläge und Materialien des Werkes nicht medikamentenanalog „verordnet“, sondern im Beziehungskontext überzeugt das auswählt, was seiner/​ihrer Meinung nach indiziert und patientenspezifisch erfolgversprechend einsetzbar ist. Diese Sicht stellt die Bedeutsamkeit von Therapie-Manualen, wie dem vorliegenden nicht gänzlich in Frage, plädiert aber deutlich für eine reflektierte Einsatz in einem geschulten, psychotherapeutisch kompetenten Beziehungsrahmen.

Unter dieser Maßgabe ist das vorliegende Werk ein Fundus für psychotherapeutische geschulte Praktiker und deshalb sehr empfehlenswert.


Rezension von
Prof. Dr. Christian Schulte-Cloos
Hochschullehrer Hochschule Fulda, Fachbereich Sozialwesen, seit 31.8.2011 pensioniert
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Zitiervorschlag
Christian Schulte-Cloos. Rezension vom 15.09.2020 zu: Ralf Binder, Florian Schöller, Hans-Günter Weeß: Therapie-Tools Schlafstörungen. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2020. ISBN 978-3-621-28534-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27382.php, Datum des Zugriffs 23.09.2020.


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ISSN 2190-9245

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