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Gerd Grampp, Nils Wöbke: Teilhabemanagement

Cover Gerd Grampp, Nils Wöbke: Teilhabemanagement. Grundlagen, Strukturen, Instrumente, Anwendung. Balance Buch + Medien Verlag (Köln) 2020. 1. Auflage. 192 Seiten. ISBN 978-3-86739-189-4. 35,00 EUR.
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Thema

Die Leitidee für die Verwirklichung der Rechte und die Organisation von Hilfen für Menschen mit Behinderungen wird unter dem Begriff der „Teilhabe“ zusammengefasst. Die Rechte und die Organisation der Hilfen sollen in alle Strukturen und Prozesse einbezogen werden, ohne dass sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen. Das verändert die Hilfeplanung, denn Dienstleistungsgebende und Betroffene gestalten nun einen Dialogprozess, in dem die Wünsche der Betroffenen erkundet und daraus Teilhabeziele und Leistungen zur Erreichung der Ziele abgeleitet werden. Dabei müssen auch die Wirkung der Teilhabemaßleistungen beachtet werden.

Vor diesem Hintergrund erklären die Autoren gesetzliche Grundlagen im SGB IX und stellen die zur Bedarfsermittlung so wichtigen WHO-Klassifikationen ICF, ICD und ICHI vor. Es werden Gestaltungsspielräume im Teilhabemanagement unter den Vorgaben von Effektivität, Evidenz und Effizienz ausgelotet. Anhand von Fallbeispielen wird aufgezeigt, auf welchen Wegen Bedarfsdeckung unter den gegebenen Bedingungen erreicht werden kann.

Das Buch zielt darauf ab, den Veränderungsprozessen und den damit einhergehenden Unsicherheiten Rechnung zu tragen und Anwenderinnen und Anwendern Möglichkeiten zur Ausgestaltung der jeweiligen Rollen aufzuzeigen.

AutorIn oder HerausgeberIn

Gerd Grampp war als Professor für Theorie und Praxis der Rehabilitation an der Ernst-Abbe-Hochschule in Jena tätig. Einer seiner Arbeitsschwerpunkte ist das BTHG und die Nutzung der WHO-Klassifikationen (ICD, ICF und ICHI) für die Ermittlung des Teilhabebedarfs. Nils Wöbke, Diplom-Pädagoge und „Master of Social Management“ (MSM) leitet im Lebenshilfewerk Hagenow das Büro für Barrierefreiheit „capito“ Mecklenburg-Vorpommern.

Entstehungshintergrund

Der Verlag BALANCE buch + medien wurde 2007 als Imprint der Psychiatrie Verlag GmbH gegründet. Das hier vorliegende Buch ist in der Reihe „BALANCE Beruf“ erschienen. Diese Reihe richtet sich an Betreuer*innen und Mitarbeiter*innen von Ämtern und Behörden. Die Bücher in der Reihe bieten Informationen und Unterstützung im Arbeitsalltag, dazu werden Downloadmaterialen angeboten.

Aufbau

Das Buch ist im DIN A5 Softcoverformat erschienen und hat einen Umfang von 168 Seiten, die sich in acht Kapitel und zahlreiche Unterkapitel gliedern. Die Kapitel sind nicht nummeriert, allein durch Fettdruck unterscheiden sich Kapitel und deren Unterkapitel. Am oberen linken Seitenrand findet sich die Überschrift des jeweiligen Kapitels, am rechten oberen Rand der Titel des Unterkapitels. 34 Abbildungen (sie heben sich vom Fließtext durch graue Textboxen ab) und umfangreiches Downloadmaterial zielt darauf ab, die Zielgruppe des Buches (Leitungskräfte und Mitarbeitende von Leistungserbringern der Eingliederungshilfe) bei der praktischen Umsetzung zu unterstützen. Auf der Verlagsseite finden sich Videos zum herunter laden.

Inhalt

Einstieg bildet Internet- und Downloadmaterial zum Teilhabemanagement. Dort finden sich z.B. die zentrale Website des BTHG und ein Hinweis auf ein online Lexikon, aber auch zahlreiche Links zu Quellen mit Materialien in leichter verständlicher Sprache.

Was kann von dem Buch erwartet werden? Das Buch möchte den Akteurinnen und Akteuren des Teilhabemanagements (Leistungsberechtigte, Leistungsträger und Leistungserbringende) einen Überblick über die Theorie und Praxis des Teilhabemanagements geben. Der gesetzliche Rahmen verändert sich und damit auch die Rollenwahrnehmung. Das kann mit Unsicherheiten einhergehen. Ein weiteres Anliegen ist, Möglichkeiten der Ausgestaltung der Rollen aufzuzeigen. Leistungsberechtigte erhalten Informationen wie Beteiligung durch Kooperation und barrierefreie Kommunikation gelingen kann und Fachkräfte finden im Buch Informationen zu Grundlagen und Strukturen des Teilhabemanagements. Das BTHG hat die Veränderung der Eingliederungshilfe angestoßen, nun gilt es einen Weg für die Umsetzung der Regelungen zu finden.

Im Kapitel „Teilhabe als Leitidee des Teilhabemanagements“ wird konkret auf die

  1. Teilhabe als Prinzip zur Verwirklichung der Menschenrechte 2. Teilhabe unter dem Aspekt der Einbezogensein in die Lebenswelt und 3. Teilhabe im Sinne des Zwecks der gesetzlichen Leistungen eingegangen.

Unter der Überschrift „Teilhabe managen“ werden vier Aspekte des Teilhabemanagement konkreter besprochen. Teilhabemanagement:

  1. Ein einfaches System als systematischer Prozess
  2. Ein kompliziertes System durch Akteure mit unterschiedlichen Interessen
  3. Ein komplexes System mit unbestimmten Vorgaben
  4. Komplexitätsreduktion durch konkrete Leistungen

Die dritte Überschrift mit dem Titel „Teilhabemanagement barrierefrei“ startet mit dem Thema „Barrierefreiheit und die UN-BRK“. Anschließend werden anhand des Projektes „Auf Augenhöhe mitreden“ die verschiedenen Konzepte und Instrumente auf das Teilhabemanagement angewendet, was auch in den verwendeten Materialien sichtbar wird.

Teilhabemanagement und die drei I: ICD, ICF, ICHI -so der Titel des fünften Kapitel. Darin wird einleitend die Geschichte der Klassifikationen kurz beschrieben, danach werden die Klassifikationen selbst genauer erklärt: Die ICD: Informationen zu Zuständen der Gesundheit einer Person, die ICF zur Beschreibung von Zuständen einer Person und Zuständen ihrer Umwelt und die ICHI zur Erfassung, Beeinflussung und Verhinderung von Zuständen einer Person und Zuständen ihrer Umwelt.

Das sechste Kapitel erläutert das Teilhabemanagement und die drei Es, die für Effektivität, Evidenz, Effizienz stehen. Das sog. 3-E-Konzept ist das neue Steuerungsmodell der öffentlichen Verwaltung. Aus den USA und Großbritannien wurde die Haltung übernommen, dass der Staat andere Aufgaben hat, auch bekannt unter dem Begriff der „New Publik Management (NPM)“. Charakteristisch für das NPM ist die Übernahme privatwirtschaftlicher Managementtechniken in die öffentliche Verwaltung (und Non-Profit-Unternehmen). In Deutschland entwickelte sich daraus das Neue Steuerungsmodell (NMS).

Die drei E-Konzepte sind zentraler Bestandteil und Basis der entsprechenden Vorgaben des BTHG, das wird im Folgenden vorgestellt. Anders als Wirtschaftsunternehmen geht es in öffentlichen Verwaltungen und Non Profit Organisationen nicht um Gewinnmaximierung, sondern um die Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Situation bestimmter gesellschaftlicher Gruppen. Das 3 E- Konzept besagt, dass die Leistung in diesem Bereich in Bezug auf Effektivität (Verhältnis zwischen den Ergebnissen einer Organisation und deren Zielen), Effizienz (Verhältnis zwischen Input sprich Eingabe und output, also Ausgabe) und Economy (Ökonomie) bewertet werden muss (S. 96ff).

Ein anderes Modell des drei E-Konzeptes definiert die drei E’s wie folgt: Effektivität, Evidenz, Effizienz. Evidenz meint, dass die Leistungen unzweifelhaft und eindeutig wirksam sind. „In der Medizin wird von Evidenzbasierung gesprochen, wenn bei ‚jeder medizinischen Behandlung eine patientenorientierte Entscheidung auf der Basis von empirischer Wirksamkeit getroffen wird‘“ (S. 97).

Für die Wirksamkeit bei Teilhabeleistungen im Sozialsystem liegen kaum wissenschaftliche Erkenntnisse vor, die auch in Kontrollstudien bestätigt wurden. Das anzustoßen ist Aufgabe der Länder, so ist es im SGB IX § 94 festgelegt.

Im BTHG wird Wirksamkeit durch Zweckmäßigkeit ersetzt, gemeint ist Wirtschaftlichkeit.

Im Online Verwaltungslexikon gibt es noch eine Auslegung des 3 E-Konzeptes: hier stehen die drei E’s für Eingabe, Ergebnis und Effekt. Mit Eingabe ist der Input (z.B. die Mittel) gemein, um die Leistungen (den Output) zu erzeugen, Ergebnis meint Output, also die Leistung einer Organisation als unmittelbares Ergebnis eines Prozesses. Effekt wird definiert als outcome, also die Auswirkungen der Leistung auf die politischen Ziele, das Gemeinwohl (S. 100). Diese Outcomeorientierung ist neben der Dezentralisierung und Wettbewerbs- und Kundenorientierung das dritte Kernelement des NSM. Anhand von zwei Fallbeispielen (Herr V. und Frau L.) wird dieses Konzept verdeutlicht, ein Schaubild auf Seite 101 unterstützt das Verstehen.

Differenzierter kann diese Outcomeorientierung im Teilhabemanagement als Wirkungskette, die aus sechs Elementen besteht, betrachtet werden. 1. Die Wirkung bezieht sich auf ein Ziel, welches 2. Ressourcen (Input) erfordert, damit 3. die Maßnahmen von einer Organisation durchgeführt werden können. Über die 4. Ergebnisse der Maßnahmen (Output) wird dann 5. die beabsichtigte Wirkung (outcome) erzielt d.h. das Teilhabeziel ist erreicht. Das sechste Element ist die individuelle Zufriedenheit (impact).

Bei trivialen Systemen kann der Zustand von außen beeinflusst werden z.B. kann bei einer Mühle der Mahlgrad eingestellt werden und das Ergebnis ist vorhersehbar. Bei nicht-trivialen Systemen (soziotechnischer Systemen) sind die Ergebnisse nicht vorhersehbar. Diese Systeme können bei jeder Aktion den inneren Zustand verändern, der von außen nicht beeinflussbar ist. Das System der Leistungserbringung gehört zu den nicht-trivialen Systemen.

Als weiterer Aspekt wird das Teilhabemanagement in Bezug auf die zwei B’s, also der Bedarfsermittlung und der Bedarfsdeckung besprochen, indem definiert wird, was mit dem Begriff Teilhabemanagement (S. 105) gemeint ist. Die Bedarfsermittlung und die Bedarfsdeckung entsprechen den Phasen der Leistungsklärung und Leistungsausführung im wirkungsorientierten Teilhabemanagementprozess, der im Buch auch schon auf der Seite 28 beschrieben wurde. Um den individuellen Bedarf zu ermitteln, bedarf es eines Instruments, das sich an der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit orientiert und zwar in Bezug auf neun Lebensbereiche wie z.B. Lernen und Wissensanwendung, Mobilität oder Selbstversorgung. Die Liste entspricht den Kapiteln der ICF Komponenten.

Auf Seite 107 findet sich eine Übersicht, welche Bundesländer die gesetzlichen Vorgaben durch die Instrumente der Eingliederungshilfe in einem Basiskonzept der beruflichen Rehabilitation im Rahmen der Teilhabe am Arbeitsleben schon umgesetzt haben. Bayern, Hamburg, das Saarland und Schleswig-Holstein haben -Stand Juli 2020 - noch keine Instrumente veröffentlicht. Erkennbar sind drei Typen der Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben aus Länderebene, die im Buch anhand von drei Prototypen erläutert werden. Typ 1: BEI_NRW (Nordrhein Westfalen), Typ 2: ITP und Typ 3: BEI_BW (Baden-Württemberg). Vergleichbar mit dem BEI-NRW ist das TIP aus Berlin, vergleichbar mit dem ITP ist ELSA aus Sachsen-Anhalt und vergleichbar mit BEI_BW sind B.E.N.i in Bremen und Niedersachsen. Auf den Seiten 109–122 werden diese drei Prototypen anhand von Steckbriefen ausführlicher dargestellt. Die Steckbriefe orientieren sich an den sechs Phasen des Teilhabemanagements.

Nach Darstellung der Instrumente wird die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben für die Teilhabeleistungen besprochen, die sich an den individuellen Bedarfen der Leistungsberechtigten orientieren. Sie sind Gegenstand der Bedarfsermittlung. Neben der Nutzung der ICHI wird auch auf die Wirkung, Wirkungsorientierung und Wirkungskontrolle Bezug genommen, die Elemente des Neuen Steuerungsmodells sind. Anhand einer Fallvignette (Herr V) wird das Vorgehen exemplarisch ausgeführt.

Das letzte Kapitel zieht Bilanz in Hinblick auf die Leitidee der Teilhabe, in Hinblick auf das Wunsch- und Wahlrecht sowie die ICF und das BTHG. Das BTHG ist Janusköpfig, da es versucht, der UN Behindertenrechtskonvention (BRK) zu folgen und gleichzeitig den Anstieg der Kosten in der Eingliederungshilfe zu vermindern. Janus ist ein römischer Gott, der in zwei Richtungen blickt, gemeint ist in diesem Zusammenhang eine Zweideutigkeit, Doppeldeutigkeit, Dehnbarkeit oder Vieldeutigkeit.

Anhand von drei Aspekten des BTHGs wie die Leitidee der Teilhabe, die berechtigten und angemessenen Wünsche und die WHO-Klassifikationen und das Sozialsystem, wird diese Janusköpfigkeit auf den Seiten 153–158 reflektiert.

Das Buch schließt mit einem Glossar (S. 159–163) und Referenzen ab.

Diskussion

Die ICF ist die einzige WHO Klassifikation, die im SBG IX ausdrücklich als Grundlage der Instrumente der Bedarfsermittlung genannt wird. Für ein wirkungsorientiertes Teilhabemanagement sind aber drei Klassifikationssysteme zu nennen: ICF, ICD und ICHI. Die Erläuterungen zu diesen Klassifikationssystemen sind wertvoll, es wird herausgearbeitet, wie sie sich aufbauen, worauf sie abzielen und wie sie angewandt werden. Die ICD geht bis 1900 zurück, mittlerweile gibt es die 11.Version (verabschiedet 2019, veröffentlicht 2022), das ICF stammt aus 1980 und wurde unter verschiedenen Namen veröffentlicht (S. 63). In der ICD werden Gesundheitsprobleme beschrieben, die ICF beschreibt Folgen (Disabilities, Handicaps) von Schädigungen (Impairments). Die ICHI beschreibt anders als andere Systeme Gesundheit als Kontinuum. Die ICF stellt Gesundheit und mit Gesundheit verbundenen Zustände dar, sie deckt keine Zustände ab, die nicht mit Gesundheit in Zusammenhang stehen wie z.B. solche, die von sozioökonomischen Faktoren beeinflusst werden (S. 79). Positiv zu bewerten ist, dass sich durch die ICF als biopsychosoziales Modell der Wechselwirkung der Komponenten das Behinderungsbild verändert hat. Lange waren medizinische Modelle Grundlage im Verständnis von Behinderung. Diese wurde verstanden als Merkmal einer Person. Das Management einer Behinderung zielte auf Heilung, Anpassung oder Verhaltensänderung der Betroffenen durch Fachleute. Im sozialen Modell ist Behinderung kein Merkmal der Person, sondern ein „komplexes Geflecht von gesellschaftlichen Bedingungen“ (S. 84). Ziel des Managements ist dabei, gesellschaftliche Bedingungen zu verändern, Politik hat im Rahmen ihrer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung dafür Sorge zu tragen, dass die Umwelt entsprechend gestaltet ist, sodass der Mensch mit Behinderung an allen Bereichen des sozialen Lebens teilhaben (im Sinne von Partizipation) kann.

Die Autoren erklären die gesetzlichen Grundlagen im SGB IX und stellen die zur Bedarfsermittlung wichtigen WHO-Klassifikationen ICF, ICD und ICHI vor. Dabei loten sie Gestaltungsspielräume im Teilhabemanagement unter den Vorgaben von Effektivität, Evidenz und Effizienz aus. Deutlich gemacht wird, dass das Teilhabemanagement ein neues Steuerungsmodell der öffentlichen Verwaltung ist, mit der die Haltung einhergeht, dass der Staat andere Aufgaben hat, auch bekannt unter dem Begriff der „New Publik Management (NPM)“. Charakteristisch für das NPM ist die Übernahme privatwirtschaftlicher Managementtechniken in die öffentliche Verwaltung (und Non-Profit-Unternehmen). In Deutschland entwickelte sich daraus das Neue Steuerungsmodell (NMS).

Das Buch zielt darauf ab, den Veränderungsprozessen und den damit einhergehenden Unsicherheiten Rechnung zu tragen und Anwenderinnen und Anwendern Möglichkeiten zur Ausgestaltung der jeweiligen Rollen aufzuzeigen. Es will deutlich machen: Management und Fachlichkeit sind keine Gegensätze, Sozialmanagement ist eine Form der Strukturierung, die dazu beiträgt, fachliches Handeln unter den gegebenen Rahmenbedingungen zu optimieren.

Der Titel des Buches ist weit gefasst: „Teilhabemanagement – Grundlagen, Strukturen, Instrumente, Anwendung“- dieser spiegelt einem hohen Anspruch der Autoren. An der einen oder anderen Stelle empfand ich eine starke Verdichtung und Komplexität, die erschlagend wirkte.

Co-Autor Nils Wöbke leitet im Lebenshilfewerk Hagenow das Büro für Barrierefreiheit „capito“ Mecklenburg-Vorpommern. Das hat bei mir die Erwartung geweckt, dass er sein Wissen, Sachverhalte in leicht verständlicher Form darzustellen, umfänglich einbringt. Diese Erwartung hat sich nicht erfüllt. Zwar wird auf den Seiten 58 und 59 in der Abbildung 10 ein Beispiel für eine Übersetzung einer ICF Domäne in leichte einfache klare Sprache dargestellt und es gibt auch den Transfer auf Fallbeispiele, das ist zu wenig. Hilfreich wäre gewesen, mehr dieser Übersetzungshilfen und Fallbeispielen einzuflechten und diese auch noch klar vom Fließtext abzugrenzen, diese Form der Formatierung erspart beim Querlesen langes Suchen.

Der Hinweis auf die capito app ist interessant, leider beziehen sich die Informationen in der app auf die Situation in Österreich, dort wo sich der Stammsitz des franchise-Unternehmens „capito“ befindet.

Fazit

Die Leitidee für die Verwirklichung der Rechte und die Organisation von Hilfen für Menschen mit Behinderungen wird unter dem Begriff der Teilhabe (Aktivität und Partizipation) zusammengefasst. Die Rechte und die Organisation der Hilfen sollen in alle Strukturen und Prozesse einbezogen werden, ohne dass sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen. Das verändert die Hilfeplanung, denn Dienstleistungsgebende und Betroffene gestalten nun einen Dialogprozess, in dem die Wünsche der Betroffenen erkundet und daraus Teilhabeziele und Leistungen zur Erreichung der Ziele abgeleitet werden. Dabei müssen auch die Wirkung der Teilhabemaßleistungen beachtet werden.

Im BTHG wird Wirksamkeit durch Zweckmäßigkeit ersetzt, gemeint ist Wirtschaftlichkeit. Das ist eine Zweideutigkeit (Janusköpfigkeit), denn im BTHG wird versucht, der UN Behindertenrechtskonvention (BRK) zu folgen und gleichzeitig den Anstieg der Kosten in der Eingliederungshilfe zu vermindern.

Auf nur 140 Seiten wurde versucht, die komplexe Materie des Teilhabemanagement in Bezug auf „Grundlagen, Strukturen, Instrumente, Anwendung“ (Untertitel des Buches) darzustellen. Wer einen guten Überblick über die verschiedenen Systeme in Deutschland sucht wird fündig. Wehrmutstropfen: Die Inhalte sind stark verdichtet. Neben dem Fließtext gibt es zahlreiche Abbildungen und Tabellen, sie sollen sicher auflockernd wirken, aber dennoch bleibt es bei einer hohen stofflichen Verdichtung.


Rezension von
Dipl.-Päd. Petra Steinborn
Tätig im Personal- und Qualitätsmanagement in einer großen Ev. Stiftung in Hamburg-Horn. Freiberuflich in eigener Praxis (Heilpraktikerin für Psychotherapie). Leitung von ABC Autismus (Akademie-Beratung-Coaching), Schwerpunkte: Autismus, TEACCH, herausforderndes Verhalten, Strategien der Deeskalation (systemisch), erworbene Hirnschädigungen
Homepage www.abc-autismus.de
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Zitiervorschlag
Petra Steinborn. Rezension vom 31.03.2021 zu: Gerd Grampp, Nils Wöbke: Teilhabemanagement. Grundlagen, Strukturen, Instrumente, Anwendung. Balance Buch + Medien Verlag (Köln) 2020. 1. Auflage. ISBN 978-3-86739-189-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27402.php, Datum des Zugriffs 12.04.2021.


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