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Hans Gutzmann, Susanne Zank: Demenzielle Erkrankungen

Rezensiert von Prof. Dr. Annemarie Jost, 09.08.2005

Cover Hans Gutzmann, Susanne Zank: Demenzielle Erkrankungen ISBN 978-3-17-017658-4

Hans Gutzmann, Susanne Zank: Demenzielle Erkrankungen. Medizinische und psychosoziale Interventionen. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2005. 227 Seiten. ISBN 978-3-17-017658-4. 17,00 EUR. CH: 30,20 sFr.
Reihe: Grundriss Gerontologie - Band 17.

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Zielsetzung

Zielstellung dieser Buches ist es, Ärzten, Pflegekräften, Psychologen, Sozialarbeitern und Angehörigen solide und aktuelle medizinische und psychosoziale Grundlageninformationen über demenzielle Erkrankungen zu vermitteln. Es ist Teil einer Gerontologischen Reihe, die den interdisziplinären gerontologischen Diskurs unterstützen will.

Aufbau

Das Buch umfasst sechs unterschiedlich lange Kapitel, wobei das zweite - medizinisch geprägte - das mit Abstand ausführlichste ist:

  1. Einführung
  2. Diagnostik und Klinik der Demenzen
  3. Psychosoziale Interventionsmöglichkeiten bei Demenzpatienten
  4. Die pflegenden Angehörigen
  5. Professionelle Helfer und Institutionen
  6. Versorgungsrealität und Desiderate

In den Kapiteln geht es weniger um direkte praxisnahe Handreichungen, sondern vielmehr um einen Gesamtüberblick und um eine interdisziplinär verständliche Darlegung des Forschungsstandes, bei der auch immer wieder epidemiologische Grundlagen und Forschungsmethoden erläutert werden. Die Diagnostik der verschiedenen Demenzformen wird nicht ausschließlich aus ärztlicher Sicht abgehandelt, sondern enthält auch einige pflegewissenschaftliche Bezüge. Das zweite Kapitel ist insbesondere für Ärzte sehr ansprechend geschrieben und auf aktuellem Stand, für andere Berufsgruppen möglicherweise insbesondere bei den ärztlich-diagnostischen Überlegungen etwas zu ausführlich. In diesem Kapitel wird weiterhin die medikamentöse Therapie sehr differenziert betrachtet und angemessen kritisch beleuchtet, insbesondere wird hervorgehoben, wie häufig doch die erst in neueren Fachbüchern ausführlich thematisierte Demenz mit Lewy-Körperchen ist, bei der bei 50 % der Patienten eine Überempfindlichkeit auf Neuroleptika zu beobachten ist.

Im dritten bis sechsten Kapitel werden einzelne Interventionsmöglichkeiten, Institutionen des Hilfesystems im Überblick und einige sozialpolitische Rahmenbedingungen dargestellt; bei den Interventionsmethoden liegt der Fokus recht stark auf der Wirksamkeit der unterschiedlichen Ansätze; hier wären meiner Meinung nach an mancher Stelle konkrete Fallbeispiele zur Veranschaulichung hilfreich gewesen, z.B. wäre der Ansatz der Validation anhand eines Fallbeispiels noch besser nachvollziehbar geworden.

Im vierten Kapitel betonen die Autoren, welche enorme Rolle die Angehörigen im Hilfesystem spielen: 92% aller älteren Menschen mit erhöhtem Pflegebedarf und 48% der (diagnostizierten) Demenzkranken werden im eigenen Haushalt von Familienmitgliedern - zumeist Frauen - betreut; das vorliegende Buch beschäftigt sich in diesem Zusammenhang besonders mit der Frage, wie die Angehörigen dementer Patienten Belastungen wahrnehmen und bewältigen und auf welche Unterstützungsmöglichkeiten sie hierbei zurückgreifen können.

Jedes Kapitel endet mit einer Zusammenfassung und fünf Kontrollfragen, die ein Rekapitulieren des Gelesenen anregen sollen, und enthält zusätzlich zum ausführlichen Literaturverzeichnis am Ende des Buches weiterführende Literaturempfehlungen.

Fazit

Es handelt sich um ein aktuelles Buch, das von zwei forschungsaktiven Autoren - einem Chefarzt und einer an der FU Berlin tätigen Psychologin - geschrieben wurde. Besonders würde ich es (Haus-)Ärzten, klinischen Psychologen und Gerontologen empfehlen, da es auf umschriebenem Raum sehr gute Kenntnisse vermittelt. Für Sozialarbeiter kommen meiner Auffassung nach die sozialrechtlichen Aspekte - mit Ausnahme der Pflegeversicherung - etwas zu kurz; auch könnten Ansätze, die sich stärker mit der Lebenswelt der Menschen mit Demenz auseinandersetzen und insbesondere neuere Wohngruppenkonzepte noch mehr thematisiert werden. Pflegende Angehörige können eher bei einer akademischen Vorbildung von der starken Betonung der Forschungsbezüge profitieren, weniger akademisch interessierte Angehörige erwarten vermutlich eine deutlichere Betonung von praktischen Aspekten der Pflege und Intervention.

Rezension von
Prof. Dr. Annemarie Jost
Professorin für Sozialpsychiatrie an der Fakultät 4 der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg
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Es gibt 138 Rezensionen von Annemarie Jost.

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Zitiervorschlag
Annemarie Jost. Rezension vom 09.08.2005 zu: Hans Gutzmann, Susanne Zank: Demenzielle Erkrankungen. Medizinische und psychosoziale Interventionen. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2005. ISBN 978-3-17-017658-4. Reihe: Grundriss Gerontologie - Band 17. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/2742.php, Datum des Zugriffs 04.02.2023.


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