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Claudia Suhr: Kompetenzentwicklung von Führungskräften in Prozessen digitaler Transformation

Cover Claudia Suhr: Kompetenzentwicklung von Führungskräften in Prozessen digitaler Transformation. EHP – Verlag Andreas Kohlhage (Gevelsberg) 2020. 112 Seiten. ISBN 978-3-89797-131-8. D: 19,99 EUR, A: 20,60 EUR.

Reihe: Workplace Innovation.
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Thema

Die Autorin geht von der Überlegung aus, dass die Digitalisierung als Impulsgeber und Entwicklungstreiber für die Gesellschaft und die Unternehmen in Erscheinung tritt. Die Führungskräfte sind mit ihrer Gestaltungsfähigkeit ein noch stärkerer zentraler Erfolgsfaktor als bisher. Dazu zählen nicht nur IT-Kenntnisse, sondern auch die Interaktionskompetenz. Das „Ermöglichen von zukunftsweisenden Projekten“ bis hin zur Zusammenstellung von Teams werden wesentliche Kompetenzen von Führungskräften in Zeiten der Digitalisierung werden.

Autorin

Claudia Suhr studierte VWL und ist auch langjährige Erwachsenenbildnerin in den Bereichen Change Management, Training, Kompetenzentwicklung und Bildungsdesign. Zudem ist sie Expertin für systemische Teamentwicklung sowie nachhaltiges, kompetenzbasiertes, lebenslanges Lernen. Sie war für WBS Training als Bildungsreferentin im Bereich der beruflichen Bildung tätig: Konzepte für selbstgesteuertes digitales Lernen in der digitalen Lernumgebung WBS Learn Space 3D sowie als Projektreferentin für das Forschungsprojekt eLLa 4.0 – Sociodigital Transformation towards Excellent Leadership and Labour. Wissenschaftliche Partner waren das FIR an der RWTH Aachen sowie das Frauenhofer-Instititut für Arbeitswissenschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart.

Aufbau

Es finden sich Kapitel zur Digitalisierung (gesellschaftlicher Umbruch, sich ändernde Geschäftsprozesse, Mensch-Technik-Organisation-Analyse, zum Themenbereich Führungstheorien (Entwicklung von Führungskonzepten und Zusammenhang mit gesellschaftlichen Megatrends, Veränderung durch Digitalisierung und der erforderlichen Kompetenzen, Kompetenzmodell in der Digitalisierung), Kompetenzen (Kompetenzdiskurs, Merkmale sowie Kompetenzmessung und -entwicklung, Kompetenzen lehren) sowie zur Digitalen Transformation und guter Führung. Die Autorin wendet sich dabei an Führungskräfte, Organisationsentwickler, Coaches und Einsteiger in das Thema moderner, nachhaltiger Führungskompetenzen.

Inhalte

Im ersten Kapitel zur Digitalisierung konstatiert die Autorin, dass die technologischen Veränderungen die Wege und Ausprägungen der Kommunikation verändern und es ergeben sich neue Anforderungen an die Führungskräfte. Führungskräfte stehen dabei vor einer mehrfachen Herausforderung. Der digitale Wandel muss in eine Zukunft hinein gestaltet werde, die weniger den je genau vorhersagbar ist. Personalentwickler fragen nach den zu entwickelnden Kompetenzen und stellen auch die Frage nach den bei Führungskräften zu entwickelnden Kompetenzen. Dabei geht es nicht nur um IT-Kompetenzen, sondern um die effizientesten Prozesse, Vereinfachung der Strukturen und die Optimierung von Kooperationen bis hin zu selbstlernenden Prozessen. Es geht zunehmend um die gleichzeitige Optimierung von MitarbeiterInnen, Technik und Organisation etwa im Zuge einer siebenstufigen MTO-Analyse. Hilfreich sind hier die Ausführungen zum Status der Digitalisierungsstrategie.

Im zweiten Kapitel zu den Führungstheorien beschreibt die Autorin in der gebotenen Kürze die Entwicklung der Führungskonzepte von der Eigenschaftstheorie über die verhaltenstheoretischen Führungsabsätze, um dann knapp auf die gesellschaftlichen Megatrends einzugehen. Anschließend kommen zwei Ergebnisse zur Entwicklung der Führungsansätze unter dem Einfluss der Digitalisierung (IAO) und zum Thema „zukunftsfähige Führung“ (Bertlsmann): Demnach werde wirksame, zukunftsfähige Führung ausmachen, dass die Messpunkte erfolgreicher Führung nicht mehr nur an betriebswirtschaftlicher Leistungskennzahlen sondern auch an mitarbeiterorientierten Werten wie niedrigem Krankenstand, hoher Beteiligung an der Weiterbildung und an der Eigeninitiative zur Optimierung des Arbeitsergebnisses gemessen werden. Sie stellt dazu ein Kompetenzmodell für Führungskräfte in der Digitalisierung vor, das in vier Kompetenzen aufgeteilt ist: Personale Kompetenz, Handlungskompetenz, Fachlich-Methodische Kompetenz und Sozial-Kommunikative Kompetenz. Dazu zwei Beispiele: Die Fachlich-Methodische Kompetenz ist in drei Kategorien geteilt: systemisch-methodisches Vorgehen, Konzeptionsstärke, Organisationsfähigkeit. Zur Sozial-Kommunikativen Kompetenz zählen das Impulsgeben, zielorientiertes Führen und die Innovationsfreudigkeit.

Unter dem dritten Kapitel zu den Kompetenzen geht die Autorin auf die Geschichte des Kompetenzdiskurses ein. Anschließend geht sie den Merkmalen von Kompetenzen, der Kompetenzmessung und der Kompetenzentwicklung nach. Sie stellt dann – dem Altmeiser der Kompetenzen Erpenbeck folgend – drei Verfahren vor: ProfilPASS – Kompetenzen ermitteln und bilanzieren als sehr allgemein gehaltenes Verfahren, KODE® und KODE®X – Kompetenten erkennen, entwickeln und bestärken als eher beratergesteuertes Instrument sowie KMU. Kompetenzbuch (KMU.Kom) – Unterstützung des Kompetenzmanagements under der Personalentwicklung in KMU. Abschließend wird ein fiktives Beispiel unter der Überschrift „Ziel- und subjektorientierte Kompetenzentwicklung“ vorgestellt, das sich mit der Umstrukturierung in einem Elektrounternehmen und den dann erforderlichen Kompetenzen und Qualifizierungsmaßnahmen beschäftigt. Der Ablauf wird bis hin zum Blended-Learning Elementen übersichtlich dargestellt.

Abschließend sind noch drei Seiten zum Thema der digitalen Transformation und guter Führung nachgestellt, wobei noch einmal auf den Perspektiven-Wechsel bei Führungskräften eingegangen wird.

Fazit

Spannend ist das Buch durch den von (neuen) Führungskräften zu vollziehenden Perspektivenwechsel vom „Wenn ich es besser weiß als meine MitarbeiterInnen …“ zum „Wenn ich mein Team optimal zusammensetze, deren Stärken richtig in Szene setze, ihre Bedürfnisse richtig erkenne …“. Auf knapp etwas mehr als 100 Seite formuliert die Autorin dazu ihre Gedanken. Sie geht dabei über zu erwerbende IT-Kompetenzen hinaus und legt den Schwerpunkt auf die Interaktionskompetenz bis hin zum Ermöglichen von zukunftsweisenden Projekten.


Rezension von
Prof. Dr. Paul Brandl
war Professor für Organisationsentwicklung und Prozessmanagement, Berater für die Optimierung von Prozessen bei sozialen Dienstleistungen und Neugestaltung von sozialen Dienstleistungen insbesondere aus Sicht der KlientInnen und der Digitalisierung sowie dem prozessbasierten Qualitätsmanagement (pQMS extended®)
Homepage www.fh-ooe.at
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Zitiervorschlag
Paul Brandl. Rezension vom 26.11.2020 zu: Claudia Suhr: Kompetenzentwicklung von Führungskräften in Prozessen digitaler Transformation. EHP – Verlag Andreas Kohlhage (Gevelsberg) 2020. ISBN 978-3-89797-131-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27438.php, Datum des Zugriffs 21.01.2021.


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