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Inge-Marlen Ropers, Ferdinand Buer: Stehen Sie doch einfach mal auf! Supervision und Coaching szenisch-kreativ

Cover Inge-Marlen Ropers, Ferdinand Buer: Stehen Sie doch einfach mal auf! Supervision und Coaching szenisch-kreativ. Fallgeschichten aus der psychodramatischen Praxis. EHP – Verlag Andreas Kohlhage (Gevelsberg) 2020. 112 Seiten. ISBN 978-3-89797-130-1. D: 19,99 EUR, A: 20,60 EUR.

Reihe: EHP-Hilfe-Kompakt.
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AutorInnen

Inge-Marlen Ropers beschreibtihren eigenen Werdegang hin zum Psychodrama als Werkzeug für ihre Supervisions- und Coaching – Praxis und ihrer Motivation für das Schreiben dieses Buches. Es richtet sich vor allem an Menschen, die nach passender Unterstützung in Form von Coaching und/oder Supervision suchen. (Apl.-)Prof. Dr. phil., Dipl.-Päd. Ferdinand Buer, liefert dazu die theoretischen Grundlagen psychodramtischen Arbeitens.

Aufbau

Zwischen Vorwort und Nachwort ist das Buch in folgende Teile gegliedert:

  • Nach der Einleitung der Autorin bringt zur Einführung in die Fallgeschichten Ferdinand Buer eine Darstellung zur Theorie psychodramatischen Arbeitens in Supervision und Coaching.
  • Im dritten Teil finden sich zwölf Fallgeschichten mit jeweils anschließender Kommentierung.
  • Der Anhang enthält ein Glossar, Literaturverweise und Literaturempfehlungen sowie Kontaktmöglichkeiten zu Ausbildungsinstituten in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Inhalt

Im Vorwort formuliert die Autorin ihren Anspruch, verständliche Antworten auf die Fragen zu geben, was psychodramatisch und szenisch-kreativ gerahmte Supervisionen und Coachings genau bedeuten, wie das funktioniert und ob das etwas für Teams oder Einzelpersonen sein könnte. Es beinhaltet auch einen Kompass zur Orientierung in den Kapiteln.

Die Einleitung enthält fünf Unterabschnitte.

  1. In „Die erste Begegnung“: beschreibt Ropers ihre Motivation für die Ausbildung und Erkenntnisse über sich.
  2. „Die verschiedenen Begriffe und ihre Bedeutungen können verwirren“ beinhaltet Erklärungen aus ihrer individuellen Sicht.
  3. „Die eigene Erfahrung ändert etwas“ enthält die Darstellung eigener Erfahrungen als Supervisorin.
  4. „Jede Supervision und und jedes Coaching sind einzigartig“ werden als nicht wiederholbare Arbeitsprozesse erläutert. Die Passung von methodischem Ansatz und ausführender Fachkraft wird als weiteres Charakteristikum angeführt. Das Vorgehen ist eher suchend angelegt, es gibt keine „fertigen Rezepte“.
  5. „Supervision, Coaching und Psychodrama selbst erlernen“. Unter Verweis auf Christoph Hutter wird Psychodrama als Kunsthandwerk definiert, das es „gewissenhaft zu erlernen“ gilt. Danach sind regelmäßige Fortbildungen, Eigensupervision, Kontroll-Supervision und Intervision neben anderen Aspekten wichtig. Für Interessierte, die selbst eine Ausbildung ins Auge fassen, verweist sie auf die Anhänge.

In der „Einführung in die Fallgeschichten“ erläutert Ferdinand Buer anhand von acht Fragen, wer die Adressaten dieses Buches sind, nämlich vornehmlich Laien, die nach Entlastung für ihre aktuellen Probleme in ihrer Arbeit mit Menschen suchen. Er beschreibt eine mögliche Unterscheidung von Supervision und Coaching. Gemeinsames Ziel ist, „gute Arbeit“ zu leisten. Das wird explizit mit „Professionalität“ gleichgesetzt. Als spezifischer Fokus von Supervision und Coaching wird ein struktureller Widerspruch auf allen Ebenen der Arbeit ausgemacht, den es zu bewältigen gilt (Person, Interaktion, Organisation). Danach wird nur noch auf Supervision eingegangen. Deren Ziel ist „gute Kooperation“. Der Nutzen, „Verbesserungen der Arbeitsbeziehungen zu generieren“ wird ebenso als Anspruch genannt wie „Allparteilichkeit“ der Supervisorin. Es wird betont, die „Professionalität“ der Supervisorin durch Kontrollsupervision etc. sicherzustellen. Die Frage, woher die Ansätze ihre Handlungsmethoden nehmen, wird kurz behandelt. Sie bilden die Formate, die zugehörigen Verfahren die Methoden. Laut Ropers ist das Besondere am psychodramatischen Arbeiten die „Inszenierung“, um zusätzlich zur Generierung neuer kognitiver Erkenntnisse auch umfassend neue zufriedenstellende Handlungserfahrungen zu machen. Wie das geschieht, wird kurz beschrieben. Sie beschreibt, wieso Schwierigkeiten im alltäglichen Rollenhandeln durch diesen Ansatz behoben werden können. Vor allem sollen Wege aufgezeigt und auch im Spiel begleitet werden. Es geht um Empowerment, also Ermächtigung und Ermutigung der Supervisanden.

Im dritten Teil werden zwölf Fallgeschichten aus verschiedenen Praxisfeldern mit entsprechender Konstellation der Supervisanden aufgerufen. Ropers beschreibt drei Coaching- und neun Supervisionsprozesse. Die Adressaten sind Einzelpersonen, Gruppen und Teams. Die Formate enthalten jeweils eine Beschreibung aus der Perspektive der Autorin, ihrem Kommentar und die Aufzählung der jeweiligen Arrangements und Techniken. Die Fallgeschichten enthalten acht Arrangements und zwölf Techniken anlass- und themenbezogen kombiniert.

Diskussion

In den Fallgeschichten werden eine ganze Reihe alltäglicher Dilemmata in unterschiedlichen Praxiskontexten aufgezeigt. Die Sprache erscheint gut geeignet, bei Leserinnen und Lesern zustimmendes Wiedererkennen zu bewirken. Auch die Herleitung der Entwicklung der Verfasserin hin zur Beraterin wirkt überzeugend anziehend.

Aus fachtheoretischer Perspektive fällt das ins Auge, was nicht angesprochen wird. Das gilt vor allem für die Tatsache, dass Psychodrama ein psychotherapeutisches Verfahren ist, das eine entsprechende Indikationsstellung und Diagnose voraussetzt. Hier fehlt eine auch für Laien erkennbare klare Grenzziehung zu Supervision und Coaching für die Nutzung von Reflexions- und Erkenntnisprozessen in professionellen Arbeitskontexten. Der Unterschied zwischen Supervision und Coaching ist zudem nicht trennscharf genug ausformuliert. Das gipfelt im Kommentar zu Fallgeschichte Nr. 9 sogar in der synonymen Begriffsverwendung. In der Überschrift ist dort „Gruppencoaching“ enthalten, im Kommentar dagegen von „Supervision“ die Rede.

Eine weitere Unschärfe betrifft die erkenntnistheoretische Ebene. Die Aufteilung in Fallgeschichte und Kommentar ist ein sehr gut geeignetes Instrument, das Geschehen beschreibend in Ablauf und interpretierend in Auslegung zu unterteilen. Das erscheint überwiegend gelungen. Leider wurden an einigen Stellen beschreibende und interpretierende Aussagen vermischt. Die Schlussfolgerungen fallen teilweise generalisierend aus, ohne dass dafür Belege geliefert würden. Die Auswahl gelungener Arbeitsprozesse ist natürlich dem Anliegen geschuldet. Dafür werden im Nachwort einigermaßen nachvollziehbare Gründe genannt.

Fazit

Die Fallgeschichten mit den Kommentaren sind es allemal wert, das Buch zu kaufen. Insgesamt leistet Inge-Marlen Ropers einen wertvollen Beitrag zum Thema Psychodrama in Supervision und Coaching. Die erkenntnistheoretisch – methodologischen wie auch definitorischen Unschärfen, die ihren Niederschlag in der Einleitung, der Einführung in die Fallgeschichten und schließlich auch in den Kommentaren zu den Fallgeschichten finden, verweisen in erster Linie auf Optimierungsbedarfe im Aus- und Weiterbildungssystem. Denn was erkenntnistheoretisch nicht vermittelt wird, kann in der Praxis auch nicht selbstreflexiv angewendet werden. Gleichwohl eignen sich Fallgeschichten wie Kommentare auch für Meta – Anlaysen zur Erhellung einer ganzen Reihe von Fragestellungen, von denen gesagt wird, sie seien wissenschaftlicher Analyse nicht zugänglich. Interessant für die Fachwelt wären natürlich auch solche Fallvignetten, in denen auch weniger gelungene oder misslungene Arbeitsprozesse thematisiert würden. Deshalb wären weitere Publikationen wie die von Ropers sowohl für die Profession wie auch für interessierte Laien ausgesprochen hilfreich.


Rezension von
Dipl. Päd. Andrew F. Kmiec
M.A., Freie Pädagogische Praxis; Lehrkraft für besondere Aufgaben im Ruhestand, Frankfurt University of Applied Sciences
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Zitiervorschlag
Andrew F. Kmiec. Rezension vom 26.10.2020 zu: Inge-Marlen Ropers, Ferdinand Buer: Stehen Sie doch einfach mal auf! Supervision und Coaching szenisch-kreativ. Fallgeschichten aus der psychodramatischen Praxis. EHP – Verlag Andreas Kohlhage (Gevelsberg) 2020. ISBN 978-3-89797-130-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27439.php, Datum des Zugriffs 29.11.2020.


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