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Carsten Schermuly: Mini-Handbuch Führungspraxis

Cover Carsten Schermuly: Mini-Handbuch Führungspraxis. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2020. 191 Seiten. ISBN 978-3-407-36726-6.
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Thema

In dem kompakten Handbuch stellt Schermuly auf 191 Seiten zentrale Aspekte der Mitarbeiterführung vor. Dabei stellt er zuerst einzelne Aspekte jeweils anhand einer praktischen Situation im Führungsalltag dar und bereitet sie im Anschluss theoretisch auf

Autor

„Prof. Dr. Carsten C. Schermuly ist Vizepräsident für Forschung und Transfer an der SRH Hochschule Berlin. Er hat sich im Fach Psychologie zum Thema New Work und psychologisches Empowerment habilitiert. Für seine Forschung über die Nebenwirkungen von Coaching wurde er 2014 mit dem Erdinger Coachingpreis und dem Deutschen Coaching-Preis des DBVC ausgezeichnet. Seit zehn Jahren ist er zudem als Trainer und Organisationsberater tätig“ (Quelle: https://www.beltz.de/autor_detailansicht/​autorenseite/​87285-carsten_schermuly.html – Abruf: 01.11.2020).

Aufbau

Nach der Einleitung (viereinhalb Seiten) gliedert sich das Buch in acht Kapitel:

  1. Grundlagen der Führung (19 Seiten)
  2. Mitarbeiter führen und motivieren (16 Seiten)
  3. Teams führen (30 Seiten)
  4. Konflikte lösen und Vielfalt schaffen (17 Seiten)
  5. Mit den Mitarbeitern sprechen (27 Seiten)
  6. Selbstführung (24 Seiten)
  7. Mitarbeiter auswählen (21 Seiten)
  8. New Work (17 Seiten)

Am Buchende findet sich ein Literaturverzeichnis (sechseinhalb Seiten)

Inhalt

Schermuly beginnt seine Einleitung mit dem Satz „Führungskraft zu sein, ist der Traum vieler Arbeitnehmer“ (S. 9), um im Anschluss Aspekte des notwendigen „Könnens“ zu nennen. Er erklärt u.a., dass sich das Buch der „Förderung der Führungskompetenz“ (S. 10) widmet, indem er Lösungsstrategien für konkrete Problemskizzen aufzeigt.

Das erste Kapitel „Grundlagen der Führung“ beginnt mit einer Darstellung dessen, „was Führungskräfte allgemein können müssen.“ Im weiteren Verlauf setzt er Aufstieg in Bezug zu Persönlichkeitsfaktoren und Führungserfolg. Die ersten drei Monate der Führungstätigkeit seien wesentlich, da nach diesen der Erfolg bewertet werden könne. Schermuly beschreibt u.a., wie man mit früheren Kollegen umgehen kann, und geht auf Machtgrundlagen ein.

Mit „Mitarbeiter führen und motivieren“ ist das zweite Kapitel überschrieben. An konkreten Beispielen zeigt der Autor, dass es wichtig ist, die Bedürfnisse seiner Mitarbeiter zu kennen, und wie man deren Vertrauen gewinnen und ein gutes Verhältnis aufbauen kann. Der zweite Teil des Kapitels beschäftigt sich mit den Fragen, wie man Mitarbeiter bei Entscheidungen beteiligen und inspirierend führen kann. Beachtet werden sollte auch das Gerechtigkeitsempfinden der Mitarbeitenden.

„Teams führen“ (Kapitel drei) beginnt mit der Zusammensetzung von Teams. Schermuly verfolgt die Frage, welche Fachleute integriert werden sollten und welche Persönlichkeitseigenschaften unterstützend sind. Nach einem Blick auf die unterschiedlichen Rollen im Team geht der Autor auf die Aufgabe der Moderation ein. Er erklärt, warum die Methode des Brainstormings schädlich sein kann und welche wirksamen „Brainstorming-Techniken“ es gibt. Im weiteren Verlauf erläutert der Autor Hürden in Innnovationsprozessen und mögliche Maßnahmen zu derer Überwindung. Grundsätzlich ist dabei von Bedeutung, ein gutes Klima für Innovationen zu schaffen. Auf die Besonderheit von virtuellen Teams und wie diese geführt werden können, geht Schermuly am Ende des Kapitels ein.

Im vierten Kapitel „Konflikte lösen und Vielfalt schaffen“ unterstützt der Autor bei der Einordnung und objektiven Lösung von Konflikten. Er beschreibt, wann Vielfalt zum Problem wird, welche Vor- und Nachteile Vielfalt mit sich bringt und was Mitarbeiter über Vielfalt denken könnten.

Das Mitarbeitergespräch gibt es nicht …“ (S. 96). Deshalb beginnt das Kapitel „Mit den Mitarbeitern sprechen“ mit einer Darstellung der Arten von Mitarbeitergesprächen. Schermuly zeigt, wie Zielvereinbarungsgespräche geführt, Ziele formuliert und Zielvereinbarungen getroffen und umgesetzt werden können. Im weiteren Verlauf greift er die Aspekte der Informationsunterdrückung und ungeteiltes Wissen ebenso auf wie die Fragestellung, wie Mitarbeitern in richtiger Form Feedback gegeben werden kann. Schermuly beschreibt, warum gute Vorschläge von Mitarbeitern nicht mit zusätzlicher Arbeit bestraft werden sollten, und wie Führungskräfte in Meetings als Potenzialträger auffallen können. Auch geht er u.a. auf den richtigen Zeitpunkt ein, um die eigene Meinung zu offenbaren.

Kapitel sechs „Selbstführung“ beginnt mit der Eisenhower-Matrix und deren Weg, anstehende Aufgaben zu bewerten und zu erledigen. Es folgen Ausführungen zum Zeitmanagement, zur Vorbeugung vor Dauerstress und der anerkannten Krankheit „Burn-out“. Des Weiteren zeigt Schermuly auf, welche Punkte bei erfolgreicher Delegation geachtet werden sollten. Außerdem geht er auf die Fragstellung „Wie verändert man sich durch Macht?“ ein und beschreibt, wie es gelingen kann, trotz ausgeübter Macht die Bodenhaftung nicht zu verlieren. Kapitelabschließend finden sich Anregungen, wie Führungskräfte von Mitarbeitern lernen können.

Das Folgekapitel „Mitarbeiter auswählen“ beschäftigt sich vorerst mit den Instrumenten zur Personalauswahl, stellt dar, was ein gutes Anforderungsprofil ausmacht, und beschreibt vier Möglichkeiten einer Anforderungsanalyse. Nach Anregungen zur Auswertung von Bewerbungsunterlagen richtet er der Blick auf die Techniken Einstellungsinterview und Assessment-Center.

Das Thema „New Work“ wird im letzten Kapitel aufgegriffen. Schermuly beschreibt, wann eine Führungskraft über den Einsatz von New Work-Maßnahmen nachdenken sollte und welches Ziel diese verfolgen. Im zweiten Teil des Kapitels geht der Autor auf Empowerment ein. Dabei wirft er den Blick auf die Wahrnehmung der Mitarbeitenden, das passende Führungsverhalten und Arbeitsgestaltungsmaßnahmen zur Steigerung des psychologischen Empowerments. Kapitelabschließend findet der Leser Tipps, wie ein Umzug in ein Open-Space-Büro erfolgreich gestaltet werden kann.

Diskussion

Nachdem man sich mit Hilfe von Buchrückseite, Einleitung und Inhaltsverzeichnis einen ersten Überblick verschafft hat, ist klar erkennbar: Schermuly möchte in seinem Werk nicht eine theoretische Darstellung wirtschaftswissenschaftlicher Fragestellungen zu Führung zusammentragen. Er möchte durch den Aufbau seines Buches einen klaren Bezug zur Praxis herstellen. Dies gelingt ihm gut.

Die Buchrückseite ist überschrieben mit „Souverän führen in schwierigen Situationen“ und beginnt mit „Führungskompetenz besitzt man oder nicht? Falsch!“. – Das bedeutet, dass sich Mitarbeitende, die Führungspositionen anstreben, gezielt auf zukünftige Aufgaben vorbereiten können. Aber auch Führungskräfte, die sich in einer schwierigen Situation befinden oder ihr eigenes Führungsverhalten reflektieren möchten, finden in dem vorliegenden Buch zahlreiche Anregungen.

In acht Kapiteln greift Schermuly relevante Fragestellungen im Führungsalltag auf. Dabei sind die Praxisbeispiele grau hinterlegt und die Praxisanregungen ebenso hervorgehoben. Abbildungen veranschaulichen und lockern die Ausführungen auf.

Zu den Schwerpunktthemen des Autors zählen New Work und psychologisches Empowerment. Leser*innen, die sich vor längerer Zeit zuletzt mit dem Themenfeld Organisation Sozialer Arbeit auseinandergesetzt haben, könnte der Begriff Empowerment bekannt vorkommen und zur Frage führen, welche Ansätze dabei „neu“ sein könnten. Schermulys Ausführungen im letzten Kapitel lösen dies auf. Der Begriff New Work ist, so der Autor, zu einem Trendbegriff geworden und greift organisationale Maßnahmen in den Bereichen Demokratisierung, Dezentralisierung und Digitalisierung auf. Das psychologische Empowerment (vgl. Kapitel 8.2) setzt sich immer mehr als Zielmarke für New Work durch. „Psychologisch empowerte Mitarbeiter erleben Bedeutsamkeit, Kompetenz, Selbstbestimmung und Einfluss in ihrem Beruf. „S. 170“. Dass dies so ist, zeigen auch im Buch genannte Studien. Nun könnte man dies als Impuls sehen, alle Arbeitsfelder nach New Work auszurichten. Schermuly wirkt dem entgegen, in dem er beschreibt, welche Arbeitsfelder umorganisiert werden könnten. Er geht auf weitere Schritte und Rahmenbedingungen ein und beschreibt den empowerment-orientierten Führungsstil (vgl. Kapitel 8.4), der eine Kombination aus der transformationalen und der partizipativen Führung ist. Bei seinen Ausführungen zu den Arbeitsplatzgestaltungsmaßnahmen finden sich bekannte Begriffe wie Qualitätszirkel oder betriebliches Vorschlagswesen wie auch Maßnahmen, die „moderner“ anmuten wie Holokratie, Innovationsgaragen oder auch Youth Concil. Auch die Maßnahme offene Bürokonzepte (Open Space) wird genannt. Eine Maßnahme bei der, davon gehe ich aus, sich rasch Pro- und Kontralager bilden könnten und deren Einführung gut reflektiert sein sollte.

Fazit

In gekonnter Weise werden Fragestellungen aus der beruflichen Praxis mit theoretisch fundierten Lösungsvorschlägen beantwortet. Die Ausführungen zu New Work motivieren, sich (wieder/​weiter) damit zu beschäftigen. Das vorliegende „mini-handbuch“ gibt einen schnellen Überblick und nennt Quellen zur intensiveren Auseinandersetzung. Es eignet sich daher vor allem für Personen, die sich auf Führungspositionen vorbereiten oder diese bereits innehaben, aber ihr Führungsverhalten reflektieren wollen.


Rezension von
Dipl.Soz-Päd. Martin Walz
Master of Social Management, Diplom-Sozialpädagoge (FH) Geschäftsführer Kindertageseinrichtungen mit mehrjähriger Berufserfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe
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Zitiervorschlag
Martin Walz. Rezension vom 04.02.2021 zu: Carsten Schermuly: Mini-Handbuch Führungspraxis. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2020. ISBN 978-3-407-36726-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27469.php, Datum des Zugriffs 23.06.2021.


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