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Sabine Hebenstreit-Müller, Barbara Kühnel (Hrsg.): Kinderbeobachtung in Kitas

Cover Sabine Hebenstreit-Müller, Barbara Kühnel (Hrsg.): Kinderbeobachtung in Kitas. Erfahrungen und Methoden im ersten Early Excellence Centre in Berlin. Dohrmann Verlag (Berlin) 2004. 112 Seiten. ISBN 978-3-9809179-5-7. 17,90 EUR.

Reihe: PFH-Beiträge zur pädagogischen Arbeit - Band 6.
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Einführung

Das "Kinder- und Familienzentrum Schillerstraße" des Pestalozzi-Fröbel-Hauses hat sich auf den Weg gemacht, sich zum ersten Early Excellence Centre in Berlin zu entwickeln. Im Buch ist ein Teil der Entwicklung mit dem besonderen Fokus auf das Thema "Beobachtung der Kinder" dokumentiert.

Zu den Autor/innen

  • Arnold, Cath. M. Ed., Stellvertretende Leiterin des Pen Green Forschungszentrums Corby
  • Auth, Regina, Erzieherin im "Kinder- und Familienzentrum Schillerstraße"
  • Burdorf-Schulz, Jutta, Projektkoordinatorin
  • Gerhold, Brigitte, Leiterin der Abteilung Kinder- und Jugendhilfe im Pestalozzi-Fröbel-Haus
  • Gross-Letzelter, Michaela, Prof. Dr. an der Evangelischen Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik, Berlin
  • Hebenstreit-Müller, Sabine, Dr., Direktorin des Pestalozzi-Fröbel-Hauses
  • Kühnel, Barbara, Fachberaterin im Pestalozzi-Fröbel-Haus
  • Meinhold, Marianne, Prof. Dr. an der Evangelischen Fachhochschule für Sozialarbeit und Sozialpädagogik, Berlin
  • Müller, Renate, Leiterin des "Kinder- und Familienzentrums Schillerstraße"
  • Pforr, Cornelia, Erzieherin im "Kinder- und Familienzentrum Schillerstraße"
  • Scholz, Angelika, Erzieherin im "Kinder- und Familienzentrum Schillerstraße"
  • Wilke, Franziska, Studentin an der Freien Universität Berlin im Schwerpunkt "Kleinkindpädagogik"
  • Zimmermann, Regina, Erzieherin im "Kinder- und Familienzentrum Schillerstraße"

Hintergrund für die Entstehung des Buches

Die Heinz und Heide Dürr-Stiftung hat sich vorgenommen, in Berlin ein Early Excellence Centre analog dem Pen Green Centre in Corby (Großbritannien) aufzubauen. Die Wahl ist auf eine Kindertagesstätte des Pestalozzi-Fröbel-Hauses gefallen, die sich nun zum "Kinder- und Familienzentrum Schillerstraße" profiliert hat. Dieser Entwicklungsprozess der konzeptionellen Neuausrichtung ist unter dem Blickpunkt "Beobachtung von Kindern" im Buch dokumentiert. Der Schwerpunkt wurde auf die Beobachtung gelegt, weil sie von den Autorinnen als Schlüssel für die veränderte Arbeit mit den Kindern und deren Familien angesehen wird.

Aufbau und Inhalte

  1. Ein Modellversuch entsteht - Konzeptentwicklung und erste Umsetzungsschritte. Im ersten Aufsatz wird das Pen Green Konzept in Corby vorgestellt. Anschließend wird über den Beginn der Umsetzung in der Kita des Pestalozzi-Fröbel-Hauses berichtet. Der zweite Aufsatz stellt ebenfalls das Pen Green Konzept und die Projektentwicklung des "Kinder- und Familienzentrums Schillerstraße" vor.
  2. Sich selbst ein Bild machen - Besuche in Corby. Zwei Erzieherinnen der Kindertagesstätte hatten die Möglichkeit, sich im November 2001 im Pen Green Centre in Corby umzusehen. Ihre Aufzeichnungen und ihre Reiseauswertungen sind im ersten Aufsatz des 2. Teils dokumentiert. Weitere zwei Erzieherinnen konnten 2003 für 4 Tage in Corby weilen. Sie waren mit dem Vorsatz dorthin gereist, sich besonders auf die Beobachtungen und Wochenpläne in der Einrichtung zu konzentrieren. Dabei wurde ihnen klar, dass sie in ihrer Einrichtung in Berlin schon eine Reihe von Ideen aus Corby umgesetzt haben.
  3. Theoretische Grundlagen und praktische Beispiele. Von Franziska Wilke werden Theorien kindlicher Bildungsprozesse und so auch die Schematheorie erläutert. Es geht in den einzelnen Teilabschnitten des Beitrags um Bildung als Prozess, Piagets Theorie der kognitiven Entwicklung des Kindes, Pen Green und Schemata sowie die Weiterentwicklung und die praktische Anwendung der Schematheorie. Außerdem wird die Leuvener-Engagiertheits-Skala mit ihren Dimensionen "Engagiertheit" und "Wohlbefinden" vorgestellt. Im Fazit wird dargestellt, dass Eltern und Erzieher/innen im Kinder- und Familienzentrum mit der Schema-Theorie im "Hinterkopf" Kinder beobachten. Gleichzeitig ist es ein Qualitätsmerkmal, die Engagiertheit der Kinder zu fördern und dabei ihr Wohlbefinden zu sichern. Dabei wird klar gestellt, dass die Schema-Theorie eine Idee ist unter vielen, die aber beim Beobachten nützlich ist. In einem weiteren Abschnitt des Kapitels ist eine Übersetzung der Informationsbroschüre für Eltern und Erzieher/innen aus Corby zu den Schemata abgedruckt. Hier wird mit einfachen Worten noch einmal die Schema-Theorie erläutert. Es wird auch erklärt, wie sich die Erkenntnisse aus der Theorie auf den Alltag im Pen Green Centre ausgewirkt haben. Kurz werden von Barbara Kühnel zwei Beobachtungsbögen und die methodische Umsetzung der Beobachtungen dargestellt. Anhand von Fotos werden in einem weiteren Abschnitt Beispiele für Wohlbefinden, Engagiertheit und Schemata gegeben.
  4. Einblicke in die praktische Umsetzung im Pestalozzi-Fröbel-Haus. Der 4. Teil enthält zwei Evaluationsberichte, einen vom April 2002 und einen weiteren vom März 2003. Es wird dargestellt, wie evaluiert wurde und welche Wirkungen bei der Arbeit aufgetreten sind. Einige Verbesserungsbereiche und die Veränderung der beruflichen Identität der Erzieher/innen hin zum "Family Worker" werden beschrieben. Kurz werden einige Empfehlungen gegeben, damit andere Kindertagesstätten einen ähnlichen Veränderungsprozess absolvieren können.

Bewertung

Das vorliegende Buch ist eine Bereicherung für die gegenwärtig laufende Diskussion über die Beobachtung und Gestaltung von Bildungsprozessen bei Kindern. Auffällig ist der vielseitige Nutzen, den man aus dem Buch ziehen kann: Man erhält Informationen und Darstellungen zur Herangehensweise an das Thema "Beobachtung". Gleichzeitig wird vermittelt, wie eine Kindertagesstätte an eine so umfangreiche konzeptionelle Neuausrichtung herangehen kann, wie es die "Kinder- und Familienzentrum Schillerstraße" geschehen ist. Ebenso wertvoll sind die kurzen und verständlichen theoretischen Beiträge über die Leuvener Engagiertheitsskala und die Schema-Theorie. Die Foto-Beispiele aus dem Kinder- und Familienzentrum runden die Darstellungen sehr gut ab. Im Buch sind authentische Berichte aus der Praxis abgedruckt, die sehr anschaulich wirken.

Für die Leserin/den Leser, der das Buch am Stück durchliest, ist es manchmal anstrengend, die verschiedenen Wiederholungen z. B. über die Arbeitsweise des Pen Green Centres zu lesen. Aber man kann es auch so sehen: Einzelne Abschnitte können gelesen werden, ohne das der Sinnzusammenhang verloren geht.

Zielgruppe

Erzieher/innen und Kita-Leiter/innen sowie Lehrende und Studierende, die sich mit frühkindlichen Bildungsprozessen auseinander setzen.

Fazit

Wer sich ein praxisnahes Bild davon machen will, wie ein deutsches Early Excellence Centre in Berlin arbeitet und gleichzeitig erfahren will, wie der Prozess einer radikalen konzeptionellen Neuausrichtung einer Kindertagesstätte gestaltet werden kann, für den ist das Buch eine reichhaltige Fundgrube.


Rezensentin
Prof. Dr. paed. Michaela Rißmann
Fachhochschule Erfurt
Fakultät Angewandte Sozialwissenschaften
Professur "Erziehungswissenschaften, Erziehung und Bildung von Kindern"
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Zitiervorschlag
Michaela Rißmann. Rezension vom 25.10.2005 zu: Sabine Hebenstreit-Müller, Barbara Kühnel (Hrsg.): Kinderbeobachtung in Kitas. Erfahrungen und Methoden im ersten Early Excellence Centre in Berlin. Dohrmann Verlag (Berlin) 2004. ISBN 978-3-9809179-5-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/2747.php, Datum des Zugriffs 16.12.2019.


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