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Eckard König, Gerda Volmer-König u.a.: Mini-Handbuch Systemisches Coaching

Cover Eckard König, Gerda Volmer-König, Mareike König: Mini-Handbuch Systemisches Coaching. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2020. 224 Seiten. ISBN 978-3-407-36735-8. 24,96 EUR.
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Thema

Eckard König und Gerda Volmer definierten 2019 Coaching als „personenzentrierte Beratung im beruflichen Kontext, mit der Zielsetzung, andere Menschen zu unterstützen, die Situation aus einer neuen Perspektive zu sehen und selbst neue Lösungen zu finden“ (König/Volmer 2019, S. 15, zitiert im vorliegenden Werk auf S. 21). Folgende Merkmale zeichnen, so die Autor*innen (vgl. S. 23 und 24), Coaching aus: Coaching ist Beratung; Gegenstand von Coaching sind berufliche Themen; Coaching ist etwas anderes als Therapie; Coaching kann Prozess- oder Expertenberatung sein; der Coachee entscheidet; Coaching ist professionelles Handeln.

Das vorliegende „mini-handbuch“ ermöglicht einen Einstieg, sich mit dem professionellen Handeln des systemischen Coachings auseinanderzusetzen.

Autor*innen:

Eckard König, em. Professor an der Universität Paderborn mit dem Arbeitsschwerpunkt Weiterbildung/​Organisationsberatung. Er hat langjährige internationale Erfahrung bei der Beratung von Organisationen und führt – zusammen mit Gerda Volmer – seit über 25 Jahren eine der erfolgreichsten Ausbildungen in Systemischer Organisationsberatung durch“ (Quelle: https://www.beltz.de/fachmedien/​training_coaching_und_beratung/​unsere_autoren/​autorenseite/​719-eckard_koenig.html – Abruf vom 10.01.2021).

Dr. Gerda Volmer ist nach mehrjähriger Forschungs- und Projekttätigkeit Leiterin des Wissenschaftlichen Instituts für Beratung und Kommunikation (WIBK) in Paderborn. Arbeitsschwerpunkte sind Beratung von Organisationen, Coaching, Teamberatung und Ausbildungen in Systemischer Organisationsberatung“ (Quelle: https://www.beltz.de/fachmedien/​training_coaching_und_beratung/​unsere_autoren/​autorenseite/​1043-gerda_volmer_koenig.html – Abruf vom 10.01.2021).

Mareike König ist Beraterin und Trainerin im Wissenschaftlichen Institut für Beratung und Kommunikation (wibk-beratung.de). Sie verfügt über langjährige Erfahrung in Coaching von Einzelpersonen und Teams. Arbeitsschwerpunkte sind der Umgang mit Stress, Resilienz und Ressourcenorientierung sowie die Ausbildung Systemisches Business – Coaching. E-Mail: mareike.koenig@wibk-beratung.de“ (Quelle: https://www.beltz.de/autor_detailansicht/​autorenseite/​91062-mareike_koenig.html – Abruf vom 10.01.2021).

Aufbau

Das vorliegende Buch gliedert sich in vier Teile:

  • Systemisches Coaching: Was ist das? (60 Seiten)
  • Systemisches Coaching: Der Blick über den Tellerrand (70 Seiten)
  • Systemisches Coaching: Handlungsfelder (62 Seiten)
  • Systemisches Coaching: Wrap up (18 Seiten)

Am Buchende findet sich ein umfassendes Literaturverzeichnis (5 Seiten).

Inhalt

Im ersten Teil „Systemisches Coaching: Was ist das?“ stellen die Autor*innen Grundlagen vor. Sie beginnen mit einer Einführung in das systemische Denken und systemische Coaching. Dabei beschreiben sie auch, welche grundlegende Rolle Menschenbild und Haltung spielen. Coaching, als methodisch geleitetes Vorgehen, liegt eine Struktur zugrunde. Die Autor*innen stellen u.a. Gesprächsphasen und „starke“ Fragen vor und greifen den Umgang mit Bauchgefühl und Empathie auf. Da Coachingprozesse in der Regel etwa ein halbes Jahr dauern, so erläutern sie, kann auch der Gesamtprozess nach den GROW-Phasen begleitet werden. Sie geben Hinweise für die einzelnen Phasen. Am Ende des erstens Teils werfen sie einen kurzen Blick auf Störungen im Prozess.

Mit „Systemisches Coaching: Der Blick über den Tellerrand“ ist der zweite Teil überschrieben, der sich mit dem sozialen System beschäftigt. Welche Personen im Vorder- und Hintergrund und welche Themen sind relevant? Die Autor*innen skizieren die Stakeholder-Analyse und die Systemvisualisierung. Ein weiterer Abschnitt behandelt die subjektiven Deutungen im Coaching. Es werden eine Reihe von Methoden, wie starke Fragen, die den Blick aufs Positive lenken, das Dankbarkeitstagebuch oder zirkuläre Fragen, die einen Perspektivenwechsel ermöglichen, dargestellt. Um nicht ins „Fettnäpfchen“ zu treten, so beschreiben es die Autor*innen, sei es wesentlich, die kommunizierten, aber auch ungeschriebenen Regeln zu kennen. Sie erläutern, wie diese im Coachinggespräch reflektiert werden können. Die folgenden Kapitel geben Tipps, wie mit Regelkreisen, Systemgrenzen und veränderten Situationen in der zeitlichen Entwicklung von sozialen Systemen umgegangen werden kann.

Die „Handlungsfelder im systemischen Coaching“ sind Inhalt des dritten Teils. Hier steigen die Autor*innen mit dem Transition-Coaching, also der Begleitung von Coachees bei Übergängen, wie der Übernahme von neuen Positionen, ein. Sind Ausgangs- und Zielposition hier bekannt, so kommt es, so die Verfasser*innen, häufig auch vor, dass ein Coachee sich verändern möchte, aber unsicher ist, wohin genau und wie. Diesen Aspekt greifen die Autor*innen auf, bevor sie den Blick auf das systemische Selbstmanagement werfen, welches in Belastungssituationen helfen kann, Coping- und Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Die beiden letzten Kapitel des dritten Teils gehen, orientiert an der GROW-Struktur, auf das Coaching von Führungskräften und auf Konflikte und deren systemische Lösung ein.

Der letzte Teil „Wrap up“ greift Fragen auf, die in den von den Autor*innen durchgeführten Ausbildungen immer wieder gestellt werden: Wer kann ein Coach sein? (Coaching in unterschiedlichen Rollen). Welche Methode ist die richtige?

Diskussion

Das mini-Handbuch „Systemisches Coaching“ zeichnet sich durch einen durchgängigen Bezug zur Praxis, die direkte Ansprache des Lesers und einer theoretischen Fundierung aus. Die einzelnen Kapitel beginnen mit einem Praxisbeispiel, an dem anschließend die Autor*innen den Leser ansprechen. Diese direkte Ansprache des Lesers zieht sich durch das gesamte Werk. Die Ausführungen könnten eins zu eins in einem Präsenzseminar implementiert werden. Neben den Praxisbeispielen werden die Tipps der Autor*innen, die Methoden, Kurzdarstellungen der theoretischen Hintergründe die Literaturtipps zu den 21 Einzelkapiteln visuell hervorgehoben. In diesen kleinen Literaturtipps werden exemplarische Grundlagenwerke, Bücher zur jeweiligen Fragestellung oder mit einem besonderen Praxisbezug genannt. Der Leser hat so die Möglichkeit, sich vertiefend mit der Fragestellung des Einzelkapitels auseinanderzusetzen.

Im ersten Teil, der als Einführung ins Themenfeld betrachtet werden kann, beschreiben die Autor*innen, dass es beim Coaching auch darum geht, Menschen dabei zu unterstützen, ihrem Denken eine Struktur zu geben. Zwar kann man davon ausgehen, dass sich die grundlegenden Phasen von Beratungsprozessen in der Regel ähnlich sind, dennoch werden die einzelnen Vorgehensweisen, und dies grenzt etwas ab, auch unterschiedlich verortet. König, Volmer-König und König greifen (vgl. S. 34ff) in ihren Ausführungen die GROW-Methode auf. Die von John Whitmore entwickelte Formel setzt sich wie folgt zusammen:

  • G – Goal = Orientierungsphase
  • R – Reality = Klärungsphase
  • O – Options = Lösungsphase
  • W – What next/Will = Abschlussphase

Am Ende des Buches gehen die Autor*innen auf drei Aspekte ein, die immer wieder als Fragen in ihren Ausbildungen auftauchen. Ich möchte sie an dieser Stelle, da sie auch mir wesentlich erscheinen, kurz bzw. auszugsweise hervorheben:

  1. Grundsätzlich ist Coaching als Unterstützung einer anderen Person, Perspektiven zu wechseln, Lösungen zu finden und sich selbst weiterzuentwickeln, nicht auf „hauptamtliche“ Coaches begrenzt. Dennoch sollte das eigene Handeln in Reflexion der eigenen Rolle stehen.
  2. Die Autor*innen erklären, „GROW“ gehe immer und zeigen, welche Vorgehensweisen wann nützlich wären. Grundsätzlich aber kann man festhalten: „Viele Wege führen nach Rom – oder im Coaching zum Ziel“ (S. 210). Sie ermutigen, der eigenen Intuition zu vertrauen.
  3. Für König, Volmer-König und König besteht der Kern des systemischen Coachings aus dem humanistischen Menschenbild und der entsprechenden Haltung, der Verbindung zwischen Struktur und Institution sowie dem Blick auf das soziale System (Vgl. S. 215). Damit grenzt sich das systemische Konzept von anderen ab, baut auf theoretischen Grundlagen auf und verfügt über eine Vielzahl von einsetzbaren Methoden.

Gerne unterstreiche ich das folgende Statement am Ende des Buches: „Systemisches Coaching … ist keine Technik, die ein Coach anwendet. Es ist eine komplexe, lebendige Interaktion zwischen Coachee und Coach – und zugleich eine wunderbare Möglichkeit, Menschen in ihrer Entwicklung zu unterstützen, ohne ihnen die Verantwortung abzunehmen. Grundvoraussetzung ist Vertrauen …“ (Seite 218)

Fazit

Das vorliegende Werk führt in nachvollziehbarer Weise in das systemische Coaching ein. Es eignet sich sowohl für Interessierte, die sich in diesem Feld weiterbilden wollen, als auch für Personen wie Führungskräfte, Lehrer*innen, Pflegekräfte oder Andere, die Menschen begleiten und ihren Blick auf das soziale System richten wollen.


Rezension von
Dipl.Soz-Päd. Martin Walz
Master of Social Management, Diplom-Sozialpädagoge (FH) Geschäftsführer Kindertageseinrichtungen mit mehrjähriger Berufserfahrung in der Kinder- und Jugendhilfe
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Zitiervorschlag
Martin Walz. Rezension vom 05.02.2021 zu: Eckard König, Gerda Volmer-König, Mareike König: Mini-Handbuch Systemisches Coaching. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2020. ISBN 978-3-407-36735-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27470.php, Datum des Zugriffs 02.03.2021.


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