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Melanie Gräßer: Scham in Worten

Melanie Gräßer: Scham in Worten. Kartenset mit 99 Aussagen für Psychotherapie und Beratung. Mit 8-seitigem Booklet. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2020. 26,95 EUR.


Thema und Entstehungshintergrund

Soziale kennen die Redewendungen zur Genüge: „Schön, dass wir darüber geredet haben…“. Ein Klischee. Oder? Andererseits ist Kommunikation die wichtigste methodische Kompetenz im Berufsalltag. Was also, wenn das Sprechen über bestimmte Themen (z.B. Sexualität, Einkommen, Status, Aussehen) schwer fällt, weil es beschämt. Scham kommt in der Psychotherapie häufiger vor, so als Behandlungs- oder Beratungsanlass aber auch im Laufe des Arbeitsprozesses als Emotion (z.B. Angst oder Hemmung).

„Die therapeutische Arbeit mit Scham“, so heißt es im Booklet der vorliegenden Publikation, „kann nur dann gut gelingen, wenn sie in ihrer gesamten Bandbreite erfasst wird. Angefangen mit typischen, in der Regel stark selbstabwertenden negativen Kognitionen über die typischen mit der Scham verbundenen Gefühle, wie Angst, Hilflosigkeit, Schuld oder Wut, zeigt sich die Scham in Körperreaktionen, wie Erröten, Hitzewellen, Gelähmt-Sein, und mündet in typische Reaktionsmuster, wie z.B. dem gesenkten Blick, Rückzugsverhalten und viele mehr“ (5),

Autorin

Diplom-Psychologin Melanie Gräßer ist Psychologische Psychotherapeutin (Verhaltenstherapie) mit eigener Praxis für Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Lippstadt. Ihre Schwerpunkte liegen insbesondere in der Behandlung von chronischen körperlichen Erkrankungen und Traumata.

Gräßer ist zertifizierte EMDR-Therapeutin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Neben ihrer praktischen Tätigkeit gibt sie seit vielen Jahren Seminare und Supervision im Bereich der Psychotherapieausbildung sowie im Rahmen von Selbsthilfegruppen. Gräßer ist Buchautorin und Entwicklerin therapeutischer Spiele und Materialien, wie von dem hier besprochenem (vgl. www.melanie-graesser.de)

Aufbau und Inhalt

„Ich habe Angst, die Erwartungen nicht erfüllen zu können“ – „Ab in die Ecke!“ – „Fremdschämen kenne ich“: 99 Karten im Spielkartenformat liegen in einer Schachtel bereit und bieten Sozialen verschiedene Anwendungsmöglichkeiten. Die Autorin Melanie Gräßer zählt hierzu u.a.: „Das Thema ausloten“, „Psychoedukation“ oder „Zeitreise“. Weiterhin können die Karten für eine „Zeitreise“ Ausgangspunkt bieten: „Der Klient wählt verschiedene Aussagen aus, ordnet sie bestimmten Episoden und Erlebnissen in seinem Leben zu und berichtet über diese“. Bei der „Collage“ werden die Karten aufgedeckt und ausgelegt. Die Klienten suchen für sich passende Karten aus und beschreiben mit deren Hilfe ihre „Gedankenwelten“. Schließlich kann eine ausgewählte Karte als „Hausaufgabe“ dienen. Die nach dem Treffen assoziierten Gedanken werden notiert und bei der nächsten Sitzung zum Thema gemacht.

Auf den Karten sind zahlreiche Sätze, Aussagen und Redewendungen festgehalten, mit denen es im Gespräch leichter wird, das Thema „Scham“ anzugehen. Dem Kartenset liegt ein achtseitiges Booklet mit Erläuterungen bei.

Fazit

Das Konzept geht auf. Im Test mit Studierenden erfassten diese sogleich die im Booklet erläuterten und eigene Anwendungsmöglichkeiten der Karten im kommunikativen und therapeutischen Kontext. Das einfache Prinzip der Impulsgebung ist sinnstiftend, um Personen ins Gespräch zu bringen. Der Preis für die Karten ist nicht gering, doch der inhaltliche und der damit zum Reden anstiftende Wert rechtfertigt das.


Rezension von
Prof. Dr. René Börrnert
Prof. Dr. phil., Diplom-Pädagoge (Sozialarbeitswissenschaft), Fachhochschule des Mittelstands (Rostock)
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Zitiervorschlag
René Börrnert. Rezension vom 21.10.2020 zu: Melanie Gräßer: Scham in Worten. Kartenset mit 99 Aussagen für Psychotherapie und Beratung. Mit 8-seitigem Booklet. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2020. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27499.php, Datum des Zugriffs 25.11.2020.


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