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Manfred Pretis: Teilhabeziele planen, formulieren und überprüfen

Cover Manfred Pretis: Teilhabeziele planen, formulieren und überprüfen. ICF leicht gemacht. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2020. 132 Seiten. ISBN 978-3-497-02976-1. D: 22,90 EUR, A: 23,60 EUR.
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Thema

Teilhabe ist das übergeordnete Thema dieser Publikation. Die Teilhabe ist gegenwärtig das Ziel jeglicher Förder- und Therapiemaßnahmen. Der Autor legt den Fokus auf Kinder und Jugendliche mit Entwicklungsschwierigkeiten. „Das Bundesteilhabegesetz sowie die ICF sehen vor, dass in allen pädagogischen Handlungsfeldern Teilhabeziele für diese Kinder erarbeitet werden“ (Klappentext).

Autor

Manfred Pretis ist Heilpädagoge und klinischer Psychologe. Als Professor lehrt er transdisziplinäre Frühförderung an der Medical School Hamburg. Pretis ist EU-Projektkoordinator zur Implementierung der ICF in Schulen und UNICEF Berater.

Aufbau

  1. Was ist Teilhabe?
  2. Was braucht Teilhabe?
  3. Von der Teilhabe zu Teilhabezielen
  4. „Teilhabeziele“ nach ICF
  5. Teilhabeziele evaluieren

Inhalt

Für die Kinder und Jugendlichen mit Entwicklungsschwierigkeiten ist Teilhabe genau das, was sie in bestimmten Situationen tun können, was auch andere Peers ohne Entwicklungsprobleme tun können. Somit ist eine zentrale Eigenschaft von Teilhabe die aktive Mitgestaltung und Mitbestimmung von Lebenssituationen. Kinder und Jugendliche mit Entwicklungsschwierigkeiten bedürfen aus diesem Grund eine, auf die größtmögliche Teilhabe abzielende, Förderung, Begleitung, Therapie oder Behandlung. Aufgrund unterschiedlicher Interessen und auch Fähigkeiten ist eine begriffliche Abgrenzung der Teilhabe, z.B. zum Teilnehmen, nicht vollkommen möglich. Als Ziel sollte ein selbstbestimmtes Leben angestrebt werden. Teilhabe funktioniert nur im Zusammenhang mit – koordinierten – Aktivitäten. Allerdings lässt sich Teilhabe nicht auf einzelne Aktivitäten reduzieren, da sie sich auf den übergeordneten Sinn und Zweck in einer Situation bezieht. Teilhabe stellt im Zusammenhang mit der ICF, der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit, eine bedeutsame Gesundheitskomponente dar.

Mit den BIG 6 werden die Gesundheitskomponenten – und das sind:

  1. das Gesundheitsproblem;
  2. die personenbezogenen Faktoren;
  3. die Umweltfaktoren;
  4. die Körperstrukturen;
  5. die Körperfunktionen;
  6. die Aktivitäten und Partizipation/Teilhabe

beschrieben – die in der Selbstbefähigung von Menschen mit einem Gesundheitsproblem eine nicht unwesentliche Rolle spielen.

„Teilhabeorientiert zu denken und zu handeln bedeutet primär, in Kategorien der jeweiligen Umwelten und in Angeboten für alle Kinder bzw. Menschen mit einem Gesundheitsproblem zu denken. Die erste Frage sollte für Fachkräfte immer diejenige sein, wie die jeweilige Umwelt in Richtung erhöhter Teilhabe förderlicher gestaltet werden könnte“ (S. 23).

Innerhalb der ICF beziehen sich die Körperstrukturen auf anatomische Merkmale. Die – mit den Körperstrukturen korrespondierenden – Körperfunktionen werden in eine, für das Kind verständliche, sinnhafte Perspektive gerückt, z.B. dient das funktionale Arbeiten am Schluckreflex dem Teilhabeaspekt des selbstständigen Essens.

Pretis legt eine Aufstellung der wichtigsten Teilhabeitems aus der ICF vor. Er greift dabei auf die Items der familienfreundlichen ICF zurück, welche der ‚Leichter Lesen‘-Version folgen. Betrachtet werden folgende Teilhabeitems:

  • Lernen
  • allgemeine Aufgaben und Anforderungen meistern
  • sich verständigen
  • sich fortbewegen
  • sich selbst versorgen
  • häusliches Leben
  • mit anderen auskommen, miteinander umgehen
  • an bedeutenden Lebensbereichen – als da wären Bildung, Beruf, wirtschaftliches Leben – teilhaben
  • am Gemeinschafts-, sozialen und staatsbürgerlichen Leben teilnehmen

Letztlich soll Teilhabe evaluiert werden. Zu unterscheiden sind in der Evaluation die Begriffe des Erreichens von Teilhabezielen von dem Kriteriumsziel der alterstypischen Teilhabe. „Es kann sich nach dem Erreichen eines individuellen Teilhabeziels durchaus noch der Umstand ergeben, dass das angestrebte und erreichte Teilhabeziel nicht der alterstypischen Teilhabe entspricht“ (S. 120).

Als Instrumente zur Messung der Zielerreichung werden aufgeführt:

  • die augenscheinliche Validität
  • der Einsatz von Partizipationstests, z.B. die WHO-DAS-Skala
  • die Verwendung der WHO-Beurteilungsmerkale.

Eine indirekte Messung kann erfolgen über:

  • Entwicklungstests – einschränkend ist hier anzumerken, dass Entwicklungstests keine Teilhabe messen
  • Zielerreichungsskalen, wie der Goal-attainment-Scale
  • die Evaluation mit Eltern und im Team.

Fazit

Die bis hierher besprochene Publikation liefert eine verständliche Übersicht zur ICF. Der Autor verwendet zur Veranschaulichung der unterschiedlichen Aspekte Beispiele, die das Ganze für die Leser verständlich machen. Die ICF ist ein hervorragendes Instrument für die Diagnostik und Therapie bzw. Behandlung von Menschen mit Entwicklungsproblemen, hier aufgezeigt an Kindern und Jugendlichen mit Entwicklungsschwierigkeiten.

Für das Peer Support, der Förderung Betroffener durch Betroffene, gemäß Artikel 26 Absatz 1 UN-Behindertenrechtskonvention, ist die Publikation ein bedeutsames Werk.

Durch diese Publikation wird ein weiterer Baustein in Richtung Inklusion gelegt.


Rezension von
Dr. Carsten Rensinghoff
EUTB beim Malteser Hilfsdienst e.V.
Homepage www.teilhabeberatung.de/beratung/malteser-hilfsdien ...
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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 05.11.2020 zu: Manfred Pretis: Teilhabeziele planen, formulieren und überprüfen. ICF leicht gemacht. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2020. ISBN 978-3-497-02976-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27517.php, Datum des Zugriffs 29.11.2020.


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ISSN 2190-9245

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