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Carolin Ryll: Transition von der Kindertagesstätte in die Grundschule

Cover Carolin Ryll: Transition von der Kindertagesstätte in die Grundschule. Ein Vergleich der Elternperspektiven in Regel-Kitas und Montessori-Kinderhäusern in Niedersachsen. Verlag Dr. Kovač GmbH (Hamburg) 2020. 136 Seiten. ISBN 978-3-339-11878-3. D: 74,90 EUR, A: 77,00 EUR.

Reihe: Frühpädagogik in Forschung und Praxis - 12.
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Thema

Dem Übergang von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule kommt in der Frühpädagogik eine besondere Bedeutung zu. Kinder erleben in diesem Transitionsprozess eine deutliche Veränderung in ihrem Leben. In diesem Prozess sind nicht nur die Zusammenarbeit der Kindertageseinrichtungen und Grundschulen relevant, sondern auch die Eltern eine wichtige Ressource zu Bewältigung dieses Übergangs für Kind dar. Das Buch „Transition von Kindertagesstätten in die Grundschule. Ein Vergleich der Elternperspektive in Regel-Kitas und Montessori-Kinderhäusern in Niedersachsen“ der Autorin Carolin Ryll beschäftigt sich mit der thematischen Darstellung der bildungsbiografischen Transitionsprozess von Kindertagesstätten in die Grundschule unter der Perspektive der elterlichen Bildungspartnerschaft und dessen empirischer Untersuchung. Hierzu werden sowohl der Übergang von einer Regel-Kita in eine Regelgrundschule als auch der von einem Montessori Kinderhaus in eine Grundschule mit dem reformpädagogischen Konzept erforscht und verglichen.

Entstehungshintergrund

Das vorliegende Buch bildet die Masterarbeit der Autorin Carolin Rylll, welche sie an der Universität Hildesheim im Rahmen ihres Studiums der Erziehungswissenschaften verfasst hat.

Aufbau

Das Buch umfasst 133 Seiten und gliedert sich in 7 Hauptkapiteln mit jeweiligen Unterkapiteln. Der Aufbau des Buches wirkt übersichtlich, logisch und orientiert sich an einer gängigen Struktur einer Forschungsarbeit.

Zu Beginn verweist die Autorin in der Vorbemerkung auf den sprachlichen Umgang innerhalb des Buches und legt er die Termini für tragende Begriffe des Buches, wie zum Beispiel „Kindertagestätte“, „Transition“ und „Bildungsplan“ fest.

  • Im ersten Kapitel führt die Autorin in die Thematik ein, in dem sie einen Einblick in die Aktualität, die Problembeschreibung, die empirischen Befunde sowie die Zielsetzung, Forschungsansatz und Aufbau der empirischen Arbeit darstellt.
  • Im zweiten Kapitel werden die terminologisch-konzeptionellen Grundlagen des Übergangs sowie der Zusammenarbeit mit Eltern zusammengefasst.
  • Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit den institutionellen Modellversuchen und empirischen Forschungsergebnissen zum Übergang.
  • Das vierte Kapitel stellt das methodische Vorgehen der empirischen Untersuchung da.
  • Währende sich das fünfte Kapitel mit der Auswertung und Darstellung der Ergebnisse befasst.
  • Das Buch schließt im sechsten Kapitel mit einer zusammenfassenden Diskussion und einem Fazit der Autorin ab.

Nach der Darstellung des Literatur-, Abbildungs- und Tabellenverzeichnisses findet der Leser im Anhang den Elternfragebogen und den Leitungsfragebogen der als Ergebungsbogen der empirischen Arbeit verwendet wurde.

Inhalt

In den ersten drei Kapiteln legt die Autorin die Grundlage ihrer Forschungsarbeit dar. Nach der Einführung und Darstellung der Aktualität der Thematik durch die Darstellung der empirischen Befundlage und Problembeschreibung wird deutlich, dass die Transitionsprozesse zwischen Kita und Grundschule immer wieder ein zentrales Thema in den pädagogischen Kontexten darstellen, wobei eine einheitliche Theorie des Übergangs nicht ersichtlich ist. Die vorhandene Forschungslücke nutzt die Autorin und fokussiert sich auf die Eltern als unmittelbare Mitakteure in der Gestaltung der Prozesse unter der Berücksichtigung und der Ausgestaltung der Bildungs- und Erziehungspartnerschaft.

In der Folge widmet sie sich der zusammenfassenden Darstellung der theoretisch-konzeptionellen Grundlagen des Überganges unter Einbezug

  • der kontextuellen Ebene der Rahmenbedingungen des Übergangs im deutschen Bildungswesen und der Montessori-pädagogik als reformpädagogischen Settings,
  • sowie der Interaktionellen Ebene der Bildungspartnerschaften mit Eltern und der Kooperation als Maßnahme zur Anschlussfähigkeit von Kita und Grundschule.

Anschließend stellt sie Institutionelle Modellversuche, wie zum Beispiel das Modellprojekt KiDZ oder TransKiGs sowie empirische Forschungsergebnisse zum Übergang und der Zusammenarbeit mit Eltern dar.

Ausgehend von dieser theoretischen Grundlage legt sie ihrer Untersuchung folgende forschungsleitende Hypothese zu Grunde:

„Im Vergleich zur Regel-Kita ergeben sich in einem reformpädagogischen Setting Unterschiede in der Ausprägung der Bildungspartnerschaft in Form des Bildungsverständnisses und der Handhabung der Übergangsproblematik, die ein günstigeres Gelingen des Übergangs erwarten lassen. Die Eltern in Montessori-Kinderhäusern (Reformkindergärten) werden im Vergleich zur Regel Kita deutlich intensiver in die handlungsleitenden pädagogischen Konzepte und Maßnahmen involviert.“ (Ryll 2020, S. 20f)

Die Methodik der empirischen Untersuchung basiert auf einem destriktiv-evaluierendem Vorgehen. Zur Erhebung führt sie standardisierten Elternbefragungen in Regel-Kitas und Montessori-Kinderhäusern im Land Niedersachsen durch. Ziel ist es, mit diesen Ergebnissen, das theoretische definierte Erkenntnisinteresse zu überprüfen, die Eltern in den Blick zunehmen und zu eruieren ob und wie die Vorgaben und Bemühungen der Übergangsgestaltung bei den adressierten Eltern in unterschiedlichen pädagogischen Konzeptionen wirken.

Zu Konzeption des Fragebogens nutzt sie ein arbeitshypothetisches Variablenkonzept, welches sich auf die theoretischen Vorüberlegungen und den empirischen Diskussionsstandart bezieht und Grundlage für die Operationalisierung der Fragen bildet.

So entstehen im Fragebogen, neben den Frageblöcken „Allgemeines“ und „Angaben zur Person“ folgende vier inhaltstragende Frageblocke:

  1. Informiertheit der Eltern über das pädagogische Konzept der Kita und das Bildungs- und Erziehungsverständnis
  2. Pädagogisches Konzept Ziele und Bildungsverständnis der Kita
  3. Zusammenarbeit Kita und Eltern – Wichtigkeit von Formen und Maßnahmen
  4. Übergang von der Kita in die Grundschule

Nach der ausführlichen Darstellung der Forschungsmethodik folgt im Weitern die Darlegung der Forschungsergebnisse, die mit dem Statistikprogramm PSPP durchgeführt wurden. Die grafische Datenaufbereitung über EXCEL verbildlicht die einzelnen Ergebnisse. Zusätzlich arbeite Ryll hier mit Zwischenfazits und Zusammenhangshypothesen.

Im abschließenden Kapitel verfasst die Autorin die Interpretation und Diskussion der gewonnen Ergebnisse, die sich auf folgende Variablen beziehen:

  • Kita-Typ als spezifisches Setting
  • Elterngruppen als moderierende variable
  • Mediatoren und deren Zusammenhänge
  • Informiertheit der Eltern und Ko-Konstruktion
  • Bildungsverständnis und Schulvorbereitung
  • Zusammenarbeit mit den Eltern
  • Übergangsgestaltung

In Bezug auf ihre generelle Hypothese weißt ihre Untersuchung nur marginal Unterschiede zwischen den pädagogischen Konzeptionen von Montessori Kinderhäusern und Regel-Kitas im Bildungsverständnis und der Handhabung der Übergangsproblematik auf.

Im Gesamtfazit wird deutlich, dass die Transition von der Kita in die Grundschule eine stärkere Einbeziehung in Bildungsprozesse und die Berücksichtigung der Elternperspektive und Elternbeteiligung im Rahmen der Bildungspartnerschaft unabhängig der pädagogischen Konzeption verlangt. Ryll formuliert, dass die Übergangsgestaltung die Kompetenzen der Institutionen und der Eltern benötigt und somit die ko-konstruktive Beteiligung von Eltern an der Gestaltung der Übergänge neu begründet.

Diskussion

Die BiSK-3-10-Längsschnittstudie aus dem Jahr 2018 kommt zu dem Ergebnis, das ein Großteil der Kinder den Übergangsprozess problemlos oder mit nur leichten Schwierigkeiten bewältigen. Die Ergebnisse von Ryll zeigen, dass innerhalb ihrer Untersuchung kein Zusammenhang zwischen einem gelungenen Übergang und der pädagogischen Konzeption der betroffenen Institutionen bestehen. Weiterhin bleibt die Frage offen, welche Faktoren, das Gelingen des Transitionsprozesses begünstigen. Ein von Ryll benannter Aspekt sind die familialen Merkmale, die zu den Moderatoren des erfolgreichen Übergangs zählen. Innerhalb der Untersuchung erwiesen diese sich als homogen, sodass die Arbeit keine Aussagen dazu treffen konnte. Insgesamt ist die Thematik der familialen Merkmale im Zusammenhang mit einem gelingenden Transitionsprozesse ein interessanter Ansatz für weitere Forschungsarbeiten.

Fazit

Das Buch stellt eine empirische Untersuchung zu der elterlichen Perspektive auf den Transitionsprozess als unmittelbare Mitakteure in unterschiedlichen pädagogischen Settings vor. Die Autorin nimmt die Lesenden mit durch die fachlichen Grundlagen der Übergangsthematik, des schlüssigen Aufbaus und die transparente Durchführung ihrer Forschung. Sie nutzt einen wissenschaftlichen Sprachduktus. Die Ergebnisse der Forschungsarbeit zeigen interessante Sichtweisen auf die Transitionsprozess und die pädagogische Arbeit auf und geben Hinweise für zukünftige Forschungsdesiderate. Das Buch versteht sich nicht als Praxisbuch. Wer sich theoretisch und fachlich für den umfänglichen Einblick in die Forschungsarbeit der Autorin interessiert, findet hier eine ansprechende Publikation mit einem expliziten Einblick in die Elternsicht auf die Kita und dem Übergang zwischen Kita und Grundschule.


Rezension von
Stefanie Fischer
Kindheits- und Sozialpädagign (B.A.), Fachberatung für Tageseinrichtungen, Studentin im Masterstudiengang Kindheits- und Sozialwissenschaften an der Hochschule Koblenz
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Kommentare

Anmerkung der Redaktion: Die Rezension entstand im Rahmen des Masterstudiengangs Kindheits- und Sozialwissenschaften (MAKS) der Hochschule Koblenz.


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Zitiervorschlag
Stefanie Fischer. Rezension vom 15.04.2021 zu: Carolin Ryll: Transition von der Kindertagesstätte in die Grundschule. Ein Vergleich der Elternperspektiven in Regel-Kitas und Montessori-Kinderhäusern in Niedersachsen. Verlag Dr. Kovač GmbH (Hamburg) 2020. ISBN 978-3-339-11878-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27559.php, Datum des Zugriffs 28.07.2021.


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