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Wolfgang Endres: Resonanzpädagogik in Schule und Unterricht

Rezensiert von Christoph Nette, 26.11.2021

Cover Wolfgang Endres: Resonanzpädagogik in Schule und Unterricht ISBN 978-3-407-63191-6

Wolfgang Endres: Resonanzpädagogik in Schule und Unterricht. Von der Entdeckung neuer Denkmuster. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2020. 144 Seiten. ISBN 978-3-407-63191-6.
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Thema

Wolfgang Endres schließt mit dem vorliegenden Buch an seine bisherigen Werke zur Resonanzpädagogik an (besonders genannt sei hier: Hartmut Rosa, Wolfgang Endres: Resonanzpädagogik. Wenn es im Klassenzimmer knistert. Beltz Verlag 2016. 2. Aufl.). Dieses Mal wird der Blick dabei vor allem auf die Frage gerichtet, wie die Einnahme neuer Perspektiven im Unterricht gelingen kann (bei Lehrkräften, genauso wie bei Schülerinnen und Schülern) und inwieweit gerade dadurch auch schwierige Situationen im Klassenzimmer Resonanzbeziehungen entstehen lassen können.

Autor

Wolfgang Endres ist Pädagoge und Referent in der Fortbildung von Lehrkräften. Von 1996 bis 2018 war er Programmplaner und Koordinator der BeltzForum-Bildungskongresse.

Zusätzlich haben in vier Gesprächsbeiträgen Hartmut Rosa, Joachim Bauer, Michaela Brohm-Badry und Jörg Knürfken mitgewirkt.

Aufbau

Das Buch beginnt mit einer „Vorschau zur Einstimmung“ (S. 7), auf die dann zehn Kapitel folgen, von denen die Hälfte hauptsächlich den Gesprächsbeitrag einer der o. g. Personen beinhaltet. Abgeschlossen wird das Buch durch einen Epilog und das Literaturverzeichnis.

Inhalt

Nach einer kurzen Vorschau über die folgenden Kapitel und Schwerpunkte des Buches, sowie einen aktuellen Bezug zur Corona-Pandemie und die damit zusammenhängenden Perspektivwechsel, führt Wolfgang Endres im 1. Kapitel in seine Gedanken zu den Wirkungen von Perspektivwechseln und das Auftauchen neuer Denkmuster ein. Dazu wird v.a. auf die Kraft des Reframing hingewiesen, die uns noch öfter begegnen wird. Endres wählt den Einstieg bewusst über Alltagserfahrungen und -beispiele, bevor im nächsten Kapitel der Fokus auf das Klassenzimmer gelenkt wird.

Dieses wird nun als Resonanzraum betrachtet, der dann entstehen kann, wenn Meinungsverschiedenheiten als etwas Förderliches wahrgenommen werden können und dadurch überhaupt erst die Möglichkeit für neue Denkmuster und deren Entdeckung gegeben sind. Durch zwei Übungen wird gezeigt, wie im Klassenzimmer ein Ort entstehen kann, in dem jede Person mit ihrer Haltung und Meinung ernstgenommen werden kann und inwiefern alles, was von den Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften mitgebracht wird, Auswirkungen auf das Lernklima hat. Im selben Kapitel findet sich auch das erste von zwei Gesprächen mit Hartmut Rosa. Hier geht es zunächst um die Querverbindung von Resonanzpädagogik und neuen Denkmustern. Außerdem findet ein differenzierter Austausch darüber statt, wie das Reframing und die Resonanzpädagogik zusammenpassen könnten.

In den Kapiteln 3 bis 6 greift der Autor verschiedene Begriffe und Gegebenheiten aus dem Schul- und Unterrichtsalltag auf, beleuchtet sie im Licht der Resonanzpädagogik und leitet dazu über, wie hier ein Perspektivenwechsel stattfinden und schwierige Situationen Entlastungen erfahren könnten. Begriffe und Phänomene, die beleuchtet werden sind u.a.: Resilienz, Nähe und Distanz, Scham, Unverschämtheit, Empathie(fallen), Lehrer-Schüler-Beziehung und Klassenführung.

Die Kapitel 7 bis 10 bestehen im Großen und Ganzen aus vier dokumentierten Gesprächen des Autors mit den oben erwähnten Personen. In Kapitel 7 wird ein Projekt des Vereins ChangeWriters vorgestellt, in dem das Tagebuchschreiben als Zugangsmöglichkeit zu neuen Denkmustern bei Jugendlichen in schwierigen Lebenslagen erfolgreich herangezogen wird. Im Gespräch mit Jörg Knüfken (Gründer und Geschäftsführer von ChangeWriters e.V.) wird deutlich, welche Verbindungen zwischen dem erwähnten Projekt, der Resonanzpädagogik und der Etablierung neuer Denkmuster gezogen werden können. Das Gespräch mit Joachim Bauer in Kapitel 8 gibt Aufschluss darüber, wie ein gefestigtes „Selbst“ seine Konturen und seine Stabilität „durch Zuwendung in Form zwischenmenschlicher Resonanzerfahrung“ (S. 94) gewinnen kann. Im 9. Kapitel erklärt Michaela Brohm-Badry wie Lehrkräfte Glück (i. S. von Wohlbefinden) bei ihren Schülerinnen und Schülern befördern können, wie motivierend Selbstwirksamkeitserfahrungen sind und inwiefern sich kleinste Momente von Nähe positiv auf das Wohlbefinden von Schülerinnen, Schüler und Lehrkräften auswirken können. Kapitel 10 ist ein weiteres Gespräch zwischen dem Autor und Hartmut Rosa. Es werden hier viele grundsätzliche Begriffe der Resonanzpädagogik erklärt, mit Beispielen erläutert und voneinander abgegrenzt. Auch werden die Grenzen dieser Herangehensweise aufgezeigt und mögliche Entwicklungen skizziert.

Ein kurzes Nach- und Dankeswort im Epilog schließen das Buch ab.

Diskussion

Die große Stärke des Buches ist seine klare Zielgruppe. Hier werden Lehrkräfte direkt angesprochen und von Wolfgang Endres mit Wissen um die Resonanzpädagogik, seinen Gedanken bzgl. möglicher Perspektivwechsel im Unterricht und anwendbarer Methoden ausgestattet. Hervorzuheben sind auch die vielen anschaulichen Beispiele aus Schultag, Unterricht und außerschulischem Alltag. Zudem ist die aktuelle Situation, die sich durch COVID-19 im Alltag, aber besonders im Feld Schule ergibt so eingearbeitet, dass durchaus Anschlussfähigkeit besteht, aber nicht alles von dieser Thematik überlagert wird.

Hervorzuheben ist auch die ansprechende Gestaltung des Buches: Einschübe bei Zitaten, sinnvolle Zwischenüberschriften, schöne Kapiteldeckblätter: das alles macht Lust beim Lesen, des ohnehin angenehm geschriebenen Buches.

Einzig die Literaturangaben hätten zum einen mehr Einheitlichkeit vertragen, zum anderen wäre die Recherche der Primärquellen hier und da angeraten gewesen.

Fazit

Wolfgang Endres schafft es in diesem Buch Möglichkeiten des Perspektivwechsels und die Anregung neuer Denkmuster im Klassenraum, Schulalltag und darüber hinaus anzuregen und darzustellen. Er stützt sich dabei konsequent und gelungen auf die Resonanzpädagogik und zeigt, welche Querverbindungen zwischen beiden Gegenständen bestehen. Für LeserInnen ohne großes Wissen zu Resonanzpädagogik empfiehlt sich zunächst und vor allem die Lektüre des Gesprächs mit Hartmut Rosa „Resonanz begriffen in Resonanzbegriffen“ (S. 120-136).

Rezension von
Christoph Nette
Dipl. Theol., M.A. Bildungsreferent im Schulpastoralen Zentrum Fürstenried der Erzdiözese München und Freising
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Es gibt 5 Rezensionen von Christoph Nette.

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Zitiervorschlag
Christoph Nette. Rezension vom 26.11.2021 zu: Wolfgang Endres: Resonanzpädagogik in Schule und Unterricht. Von der Entdeckung neuer Denkmuster. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2020. ISBN 978-3-407-63191-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27591.php, Datum des Zugriffs 04.07.2022.


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