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Kati Ahl, Rainer Schwing: Elterngespräche konstruktiv führen

Cover Kati Ahl, Rainer Schwing: Elterngespräche konstruktiv führen. Systemisches Handwerkszeug. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2019. 176 Seiten. ISBN 978-3-525-70274-1. D: 18,00 EUR, A: 19,00 EUR.
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Thema

In dem vorliegenden Buch stellt Kati Ahl einen Praxisleitfaden für Elterngespräche vor. Dabei beschreibt die Autorin verschiedene Handlungskompetenzen und Werkezeuge zur Durchführung von Elterngesprächen, zum Nutzen von Konflikten und zur Vermeidung von Eskalationen bei Elterngesprächen.

AutorIn

Kati Ahl war acht Jahre Schulleiterin an einer Frankfurter Schule und ist nun als Beraterin für Schulentwicklungen tätig. Sie ist systemische Beraterin.

Entstehungshintergrund

Das Buch verknüpft den systemischen Hintergrund der Autorin mit ihrer Praxiserfahrung und verschiedenen Konzepten. Die gesammelten Erfahrungen zur Gesprächsführung von Elterngesprächen werden in diesem Buch in Form eines Praxisleitfadens zusammengestellt. Dieser Praxisleitfaden soll den pädagogischen Fachkräften in ihrer Arbeit eine Unterstützung bieten und soll kein theoretisches Handbuch darstellen.

Aufbau

Das Buch beginnt mit einem Vorwort von Rainer Schwing und ist in drei Abschnitte gegliedert.

  1. Teil A behandelt die Grundlagen der einfachen Gesprächsvorbereitungen und -führung. Dazu wird eine kurze Einführung zum systemischen Ansatz gegeben.
  2. In Teil B werden Elterngespräche mit einem mittleren Schwierigkeitsgrad und der Umgang mit ihnen beschrieben.
  3. Der Teil C beinhaltet schwierige Elterngespräche, d.h. Konflikt- und Krisengespräche. Das Buch endet mit einer Zusammenfassung.

Inhalt

Teil A: Gesprächsführung für Einsteiger

Das erste Kapitel beschäftigt sich zum besseren Verständnis mit den Grundlagen des systemischen Ansatzes und mit der Beratung. Dabei wird der Fokus auf die Prozessorientierung, die Haltung und die Rolle der pädagogischen Fachkraft gelegt.

Vor dem Hintergrund einer wertschätzenden Haltung werden im zweiten Kapitel die Vorbereitung und die Planung von Elterngesprächen dargestellt. Mithilfe von Leitfragen, Beispielen und Reflexionsfragen gibt Ahl Hinweise für die Planungsphase. In der Planung sollten u.a. der Ort, die Teilnehmenden, die Einladung und ggf. vorhandene sprachliche Barrieren bedacht werden.

Darauf aufbauend wird im dritten Kapitel ein aus der Praxis bewährtes Ablaufschema für einen einfachen Gesprächsverlauf vorgestellt. Die Schritte werden von der Begrüßung bis hin zu der Nachbereitung mithilfe von ausgewählten Beispielen beschrieben. Hilfestellungen zu den jeweiligen Schritten sind in Form von konkreten Fragen, Übungen und Beispielen vorhanden.

Teil B: Elterngespräche – mittelschwer

Der zweite Teil des Buchs widmet sich systemischen Lösungsansätzen. Kapitel 4 beschreibt den ersten Lösungsansatz: „Das möchte ich besser verstehen!“ Unterstützt durch eine Haltung des Nichtwissens, wird durch den Einsatz von W-Fragen, offenen und zirkulären Fragen versucht, die Probleme festzustellen und die ersten Lösungsschritte einzuleiten.

Im fünften Kapitel 5 wird der Lösungsansatz „des aktiven Zuhörens“ unter Beachtung der Körpersprache, der Wiederholung von Gesagtem, dem Spiegeln und des Cheerleadings zur Verdeutlichung von positiven Schritten (S. 70) erklärt.

Das sechste Kapitel beschreibt den Lösungsansatz „der anderen Worte“. Es behandelt Methoden der Kommunikation, wie das Festhalten der Gespräche durch Protokolle, das Paraphrasieren, das Reframing und das Mentalisieren. Die Methodenbeschreibungen werden durch Beispiele und Übungen ergänzt.

Das siebte Kapitel handelt von Visualisierungsmöglichkeiten und dem gezielten Einsatz in Elterngesprächen. Der bewusste Einsatz von u.a. Flipcharts, Stellwänden, Kartenabfragen Genogrammen oder Problem-Ursache-Schemata werden vor dem Erfahrungshintergrund von Ahl beschrieben.

Kapitel 8 beschäftigt sich mit dem Einsatz von Interventionen in Form von Gesprächsbeiträgen und Aufgaben, die Veränderungen bewirken und zur Nachhaltigkeit verhelfen sollen. Es werden mögliche Interventionen, wie das Durchspielen von Veränderungen, das Priorisieren von Lösungsansätzen oder Aufgaben zur Weiterarbeit, erläutert.

Teil C: Schwierige Elterngespräche – echte Knacknüsse

Vor dem letzten Abschnitt betont Ahl nochmals die Bedeutung der Planung von Elterngesprächen und empfiehlt die Unterstützung und Beratung durch weitere Personen (S. 98).

Das neunte Kapitel behandelt komplexe Elterngespräche. Dabei beschäftigt Ahl sich mit der Frage, ob Kinder an komplexen Gesprächen beteiligt werden sollten. Ergänzend werden Überlegungen zu großen Gesprächsgruppen angestellt und es wird auf mögliche Probleme und den Umgang mit ihnen hingewiesen. Außerdem berichtet Ahl vom Umgang mit Trennungs-, Scheidungs- und Patchworkeltern aus ihrer Praxiserfahrung und zeigt die Grenzen der Elterngespräche auf. Weiterhin werden für emotionsgeladene Gespräche unterschiedliche Methoden, wie die Problemlösebrücke oder die zweitbeste Lösung, beschrieben. Ein weiterer Punkt in diesem Kapitel sind Kritikgespräche. Hierbei werden das Vorgehen bei Kritikgesprächen und der Umgang mit konkurrenzähnlichen Situationen geschildert. Außerdem gibt Ahl eine Anleitung zur Kritikformulierung. Darüber hinaus geht die Autorin auf die eigene Professionalität im Zusammenhang mit Kritik und Fehlern und auf die verschiedenen Formen von kooperativen Eltern und den Umgang mit ihnen ein.

Das Kapitel 10 behandelt das Thema Konfliktgespräche und es wird auf die unterschiedlichen Stadien und Lösungsansätze von Konfliktgesprächen eingegangen. Ahl führt in verschiedene Modelle und Theorien, wie z.B. in das Kommunikationsmodell nach Schulz von Thun oder in das Stufenmodel der Konflikteskalation nach Glasl, ein. Auf der Basis dieser Konzepte wird das Vorgehen bei einfachen Konflikten geschildert. Dazu werden die Chancen von Konflikten erörtert und eine Praxisanleitung wird in Form eines Ablaufplanes für den Konfliktfall aufgezeigt. Außerdem werden kurz und bündig weitere Strategien zur Deeskalation, wie den Einsatz von Humor, Interventionen und das Gewinner-Dreieck, beschrieben.

Kapitel 11 thematisiert Eskalationen. Dabei wird der Einfluss der Einrichtung, d.h. der Einfluss der Schule, der beteiligten Lehrkräfte und das entstehende Machtgefälle bei Eskalationen analysiert. Im Zuge dessen werden verschiedene Methoden vorgestellt, die bei der Gesprächsführung von Konfliktgesprächen genutzt werden können, wie z.B. Wildwasser fahren oder Einstreugeschichten. Weiterhin werden mögliche Vorgehensweisen bei kontrollierten Eskalationen vorgestellt. Außerdem greift Ahl die neue Autorität und die sichere Schule nach Haim Omer und Arist von Schlippe auf. Darüber hinaus werden weitere Krisen wie Kindeswohlgefährdungen aufgezählt. Abschließend wird das Ende von Kooperationen bei nicht lösbaren Konflikten umrissen.

Das letzte und zwölfte Kapitel skizziert die Chancen von Marte Meo in der pädagogischen Arbeit und dem Nutzen in Elterngesprächen.

Diskussion

Das vorgestellte Buch bietet den Lesenden einen praxisnahen Einblick in das Themengebiet „Elterngespräche“. Es ist leicht verständlich, dazu tragen Checklisten, Tabellen und Abbildungen bei. Ahl führt in viele Methoden ein. Inhaltlich basiert das Buch auf den Praxiserfahrungen von Ahl und der Verknüpfung dieser mit Fachwissen. Es ist nur eine kappe Einführung in die grundlegende Theorie vorhanden, da die Theorie nur oberflächlich dargestellt wird. Ebenso werden die vielfältigen Methoden und Konzepte stark verdichtet beschrieben. Aufgrund der Verdichtung wird nur ein kurzer Überblick in die Basiskompetenzen gegeben. Positiv zu bewerten ist, dass nicht nur bekannte Methoden, wie das Stufenmodel der Konflikteskalation nach Glasl oder das Kommunikationsmodell nach Schulz von Thun, sondern auch neuere Ansätze, wie die neue Autorität und die sichere Schule, aufgeführt werden.

Das Buch ist durch Übungen, Fallbeispiele, Checklisten, Handlungsempfehlungen, konkrete Formulierungshilfen und -vorschläge und Reflexionsfragen praxisorientiert gestaltet, dadurch wird ein Transfer in die Praxis möglich. Es setzt Impulse für die Arbeit, in dem es die Reflexion des professionellen Handelns fördert. Allerdings basieren die ausgewählten Fallbeispiele ausschließlich auf ihren eigenen Erfahrungen und stammen überwiegend aus der Schule, dem Hort oder der Kita. Beispiele aus anderen Bereichen sind kaum vorhanden und sind teilweise nicht auf alle pädagogischen Bereiche übertragbar.

Trotz der vielen praxisnahen Hilfestellungen werden die Grenzen, Schwierigkeiten sowie das Scheitern von Elterngesprächen nicht ausgeklammert. Ahl zeigt die Herausforderungen kritisch auf und macht somit auf mögliche Schwierigkeiten und Stolpersteine in der Praxis aufmerksam.

Fazit

Das Buch „Elterngespräche konstruktiv führen“ von Kati Ahl wird dem Anspruch eines Praxis- und Handlungsleitfaden gerecht und setzt Impulse für den Einsatz von unterschiedlichen Methoden in Elterngesprächen. Insbesondere aufgrund der konkreten Checklisten, Reflexionsfragen und Übungen weist das Buch eine hohe Praxisrelevanz auf. Dadurch ist eine Übertragung in die Praxis gut möglich. Da das Buch sehr verdichtet geschrieben ist, besteht die Gefahr, dass die verschiedenen Methoden unreflektiert übernommen werden. Das Buch ist nicht geeignet, um tiefergehende und ausführliche Einblicke in Konzepte und Methoden zu erhalten. Das Buch bietet einen guten Überblick über den Einsatz von Methoden und eignet sich für pädagogische Fachkräfte, die an einen Überblick und an einer Praxis- und Handlungsanleitung interessiert sind.


Rezension von
Nathalie Sachitzki
Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin (B.A. Soziale Arbeit), Studentin in „Kindheits- und Sozialwissenschaften“ (M.A.) mit dem Vertiefungsschwerpunkt „Management und Beratung“ an der Hochschule Koblenz
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Zitiervorschlag
Nathalie Sachitzki. Rezension vom 01.12.2020 zu: Kati Ahl, Rainer Schwing: Elterngespräche konstruktiv führen. Systemisches Handwerkszeug. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2019. ISBN 978-3-525-70274-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27598.php, Datum des Zugriffs 20.09.2021.


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