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Das IfS. Faschist*innen des 21. Jahrhunderts

Cover Das IfS. Faschist*innen des 21. Jahrhunderts. Einblicke in 20 Jahre »Institut für Staatspolitik«. VSA-Verlag (Hamburg) 2020. 144 Seiten. ISBN 978-3-96488-074-1. D: 12,80 EUR, A: 13,20 EUR.
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Thema

Das Institut für Staatspolitik (IfS) ist ein extrem rechter Thinktank, der seit mehr als 20 Jahren geistigen Einfluss ausüben will. Der Band sammelt Beiträge aus dem antifaschistischen Magazin „Der Rechte Rand“ und informiert somit über die Arbeit und Wirkung des IfS seit dessen Gründung.

Herausgeber und AutorInnen

Herausgegeben wird der Sammelband vom antifaschistischen Magazin „Der Rechte Rand.“ Zu den AutorInnen zählen JournalistInnen wie Jens Breuer, Mario B. Kern, Andreas Speit und Franziska Taunert. Hinzu treten WissenschaftlerInnen wie die Historiker Volker Weiß und Helmut Kellersohn oder der Politikwissenschaftler und Publizist Richard Gebhardt.

Inhalt

Im Mai 2000 wurde das IfS zunächst mit Sitz in Bad Vilbel, später in Schnellroda, gegründet. Seit diesem Jahr versucht das Institut in der Denktradition der Konservativen Revolution in „seinem elitären Selbstverständnis eine politisch-ästhetische Selbststilisierung als vermeintlich kritische Intellektuelle wider den angeblich vorherrschenden Mainstream“ (S. 10) vorzunehmen. Der Band belegt dabei, wie das IfS hierbei „vor allem im vorpolitischen Raum durch Debatten und Diskurse den demokratischen Rechtsstaat zu unterminieren“ (S. 12) versucht. Ziel ist es dabei geistigen Einfluss auf Macht- und Mandatsträger zu nehmen.

Eines der wichtigsten Mittel hierfür sind die Sommer- und Winterakademien des IfS. Hier sollen zukünftige Machtträger als „Rechtsintellektuelle“ ausgebildet werden. Auch wenn diese „intellektuellen Ziele der Akademien kaum verwirklicht sind“ (S. 21), wie Christoph Heide 2020 feststellte, sind die Akademien aus dem Repertoir des IfS nicht wegzudenken, bilden sie doch, auch durch die Ausdehnung der Akademien in Form eines Kollegs in Berlin, den Grundstock der Arbeit der IfS.

Wie die weiteren Beiträge zeigen, hat sich das Repertoir des IfS in den letzten Jahren deutlich erhöht. So beleuchten die AutorInnen die Arbeit des ebenfalls angegliederten Verlag Antaios, der die „Bildung eines rechten Theorie- und Literaturkanons“ (S. 29) zum Ziel hat und hierfür „wichtige Bücher für eine intellektuelle und aktionistische Rechte“ (S. 33) herausgibt und damit den Wertekanon der Neuen Rechten mitbestimmt.

Einen wesentlichen Schwerpunkt der Beiträge macht die Frage, in welchem Netzwerk sich das Institut bewegt, aus. Exemplarisch seien hier zwei Themenfelder genannt, die die Beiträge zur Beantwortung dieser Frage genauer beleuchten: die Köpfe hinter dem IfS sowie die Positionierung zur Partei Alternative für Deutschland (AfD). Ersteres wird vor allem anhand der tiefergehenden Untersuchungen der Biografien von Karlheinz Weißmann, Götz Kubitschek oder Ellen Kositza vorgenommen. Die Positionierung zur AfD hingegen ist gekennzeichnet durch eine Unterstützung des Höcke-Flügels, dem man zunächst mit „skeptischer Sympathie“, bald aber mit offener Kooperation begegnete. Mittlerweile zeigt sich, laut Wolfgang Laskowski, eine „strategische Arbeitssteilung zwischen Partei und rechten Mobilisierungen auf der Straße und im Netz“ (S. 163), zu deren Katalysatoren auch das IfS zu rechnen ist.

Diskussion

Da der Band Beiträge aus einem Magazin versammelt, besitzen die einzelnen Aufsätze einen überschaubaren Umfang. Dies beeinträchtigt die Qualität der Beiträge jedoch keinesfalls, handelt es sich häufig um investigative und trotz der teilweise länger zurückliegenden Veröffentlichung um auch weithin aktuell informierende Beiträge. Gerade die Sammlung der Beiträge der letzten 20 Jahre zeigt noch einmal, welche Entwicklung das IfS genommen hat und wo es ihm gelungen ist, Einfluss auf gesellschaftliche Themen zu nehmen und mit welchen unterschiedlichen Strategien es sich als Kaderschmiede der extremen Rechten positionieren konnte.

 Für den Leser und die Leserin ist zudem die Anordnung der Beiträge hilfreich. Da diese nicht chronologisch, sondern thematisch gereiht sind, gelingt ein rascher Einstieg in die einzelnen Themenfelder wie Arbeit des Instituts, Netzwerk, Personen bis hin zum Thema Antifeminismus. So vermittelt der Band einen umfassenden wie detaillierten Einblick in die Arbeit des Instituts.

Fazit

Das Magazin „Der Rechte Rand“ beobachtet seit 20 Jahren die Tätigkeit des Instituts für Staatspolitik und ist damit eine der ersten Anlaufstellen, um sich Informationen über Arbeit, Strategie und Netzwerk der intellektuellen Neuen Rechten zu machen. Dank der Bündelung der Artikel in einem Sammelband gibt es nun erstmals einen umfassenden Einblick in die Arbeit des IfS. Wer sich mit der Strategie des IfS und den Gefahren für die Demokratie, die vom Rittergut in Schnellroda ausgeht, informieren will, kann in dem Sammelband einen raschen Überblick wie tiefergehende Analyse finden.


Rezension von
Ronny Noak
Doktorand am Lehrstuhl für politische Theorie und Ideengeschichte der Friedrich-Schiller-Universität Jena
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Zitiervorschlag
Ronny Noak. Rezension vom 01.04.2021 zu: Das IfS. Faschist*innen des 21. Jahrhunderts. Einblicke in 20 Jahre »Institut für Staatspolitik«. VSA-Verlag (Hamburg) 2020. ISBN 978-3-96488-074-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27608.php, Datum des Zugriffs 22.04.2021.


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