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Dorothea Beigel: Bewegung und Balance bei Demenz

Cover Dorothea Beigel: Bewegung und Balance bei Demenz. Gesundheitsförderung in Einzel- oder Gruppenarbeit - Prävention - Gesundheitliche Pflege der Fachkräfte - Intervention. Verlag modernes lernen Borgmann GmbH & Co. KG. (Dortmund) 2021. 208 Seiten. ISBN 978-3-8080-0886-7. D: 26,95 EUR, A: 27,80 EUR, CH: 43,65 sFr.
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Thema

Die Veröffentlichung enthält über 300 sensomotorisch-kognitive Förderangebote, die einer Demenz vorbeugen bzw. ein derartiges Phänomen behandeln. Ziel ist der Erhalt oder die Wiedergewinnung von Selbsttätigkeit, Selbstständigkeit und Selbstvertrauen.

Autorin

Dorothea Beigel hat Sozialpädagogik und Pädagogik studiert. Im Aufbaustudium widmete sich die Autorin der Motologie und Psychologie.

Inhalt

Ca. 1,7 Millionen Menschen leben in Deutschland mit einer Demenz. Da es aber nicht die Demenz gibt, werden unterschiedliche Formen der Demenz beschrieben. Die häufigste Form der Demenz ist die Alzheimer Erkrankung. An Alzheimer erkranken meistens über 65-jährige.

Es spricht wohl einiges dafür, dass sich eine asymptomatische Demenz etwa 30 Jahre vor den ersten Anzeichen bemerkbar macht.

Da eine demenzielle Erkrankung in vielen Fällen eine soziale Isolation bedingt ist Bewegung eine förderliche Maßnahme. Durch Bewegung können Neuronen im Hippocampus produziert werden. Bewegung dient der Demenzprävention, wie Beigel es in der Publikation vorstellt. So kann das Gehirn durch regelmäßige Spaziergänge fit gehalten werden. Tägliche Spaziergänge, die zwei bis vier Kilometer umfassen, senken das Demenzrisiko.

Das Programm „Bewegung und Balance bei Demenz“ richtet sich an vier Zielgruppen:

  1. bettlägerige Patienten mit und ohne Demenz
  2. Pflegeheim- und Seniorenheimbewohner
  3. häuslich Betreute und Tagespflegebesucher
  4. selbstständige ältere und jüngere Erwachsene

Über die Förderung der sensomotorisch-kognitiven Aktivitäten soll der Erhalt bzw. die Wiedergewinnung von Selbsttätigkeit, Selbstständigkeit und Selbstvertrauen erreicht werden.

Programm K1 richtet sich an, mit oder ohne Demenzerkrankung Lebende, Bettlägerige. Der tägliche Zeitaufwand beträgt ungefähr fünf Minuten. Durchgeführt wird ein passiv oder aktiv durchführbares sanftes Gleichgewichtstraining, ein kurzminütiges Gedächtnistraining und eine, der Körperwahrnehmung dienende, Massage bzw. Entspannung.

Programm K2 besteht aus Aktivitäten für Kleingruppen, die einmal wöchentlich durchgeführt werden. Über das Programm K2 werden Demenzbetroffene in besonderen Wohnformen unterstützt.

Beim Programm K3 handelt es sich um ein Präventionsangebot für alle Altersgruppen. Wöchentlich finden in Gruppenstunden Koordinationstrainings statt, welche der Gesundheitsförderung dienen. „K3 entspricht mit Inhalten und Zielen dem aktuellen Leitfaden Prävention ‚Handlungsfelder und Kriterien des GKV-Spitzenverbandes zur Umsetzung von §§ 20, 20 a und 20 b SGB V‘ und wurde aus diesem Grund als Präventionskonzept ‚Gesundheitsförderung durch Verbesserung der Koordination‘ von der Kooperationsgemeinschaft gesetzlicher Krankenkassen durch die Zentrale Prüfstelle Prävention zertifiziert“ (S. 25).

Am Ende eines jeden Programms finden sich Übungen, welche der Gesundheitspflege der Pflegenden und Betreuenden dienen.

Diskussion

Die Autorin stellt auf Seite 13 fest, dass „die Berührung der Haut […] ein Grundbedürfnis des Menschen“ ist. Pandemiebedingt ist dieses Grundbedürfnis gegenwärtig – und das ist m.E. politisch motiviert – nur eingeschränkt und v.a. therapeutisch zu stillen.

Verantwortlich für die Entwicklung einer Demenz kann Beigel folgend auch Stress im mittleren Lebensalter sein. Durch die pandemiebedingten Maßnahmen, z.B. Ausgangssperren, Kontaktverbote, Existenzangst, Depression, wird Stress erzeugt, der Menschen im mittleren Lebensalter trifft. Eine überproportionale Demenzrate, die wir in etwa 20 Jahren vorfinden, können wir dann auf die gegenwärtige Coronapandemie zurückführen.

Fazit

Das Programm „Bewegung und Balance bei Demenz“ dient insgesamt der sozialen Teilhabe, der die Menschen, die mit Demenz leben, verlustig geworden sind. Von Demenz Betroffene können durch die unterschiedlichen Programme aus der Isolation herausgeholt werden und am gesellschaftlichen Leben, ihren Bedingungen entsprechend, teilnehmen. Es beinhaltet Aktivitäten, die eine Demenz behandeln, ihr Fortschreiten verlangsamen oder ihr vorbeugen.


Rezension von
Dr. Carsten Rensinghoff
EUTB beim Malteser Hilfsdienst e.V.
Homepage www.teilhabeberatung.de/beratung/malteser-hilfsdien ...
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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 14.09.2021 zu: Dorothea Beigel: Bewegung und Balance bei Demenz. Gesundheitsförderung in Einzel- oder Gruppenarbeit - Prävention - Gesundheitliche Pflege der Fachkräfte - Intervention. Verlag modernes lernen Borgmann GmbH & Co. KG. (Dortmund) 2021. ISBN 978-3-8080-0886-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27628.php, Datum des Zugriffs 29.11.2021.


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