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Thomas Hax-Schoppenhorst, Michael Herrmann (Hrsg.): Treue und Vertrauen

Cover Thomas Hax-Schoppenhorst, Michael Herrmann (Hrsg.): Treue und Vertrauen. Handbuch für Pflege-, Gesundheits- und Sozialberufe. Hogrefe AG (Bern) 2020. 464 Seiten. ISBN 978-3-456-86009-1. 49,95 EUR.
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Thema

Das Thema Treue und Vertrauen ruft – erst recht in der Verbindung beider Begriffe – unterschiedlichste Assoziationen hervor. So baut Treue auf Vertrauen auf, Vertrauen kann sich aber unabhängig davon präsentieren. Insbesondere Vertrauen ist ein gelebter Wert, der Individuen, wie Institutionen und Politik betrifft und als Handlungsmaxime unabdingbar erscheint. Vertrauen wird auch als die Erfahrung beschrieben, mit der es gelingt, in schwierigen Situationen Sicherheit zu erleben. Der Sammelband betrachtet die beiden Phänomene sehr vielfältig, bunt und facettenreich, mal analysierend mal eher empfehlend, wissenschaftlich fundiert oder aus der eigenen Erfahrung erzählend.

Herausgeber und AutorInnen

Thomas Hax-Schoppenhorst ist seit 1987 pädagogischer Mitarbeiter der LVR-Klinik Düren und seit vielen Jahren als Autor und Herausgeber vor allem zu psychiatrischen Themen tätig. Nach dem Angst-Buch (2014 gemeinsam mit Anja Kusserow) und dem Depressions-Buch (2016 mit Stefan Jünger) nahm er sich 2018 dem Thema Einsamkeit an und nun widmet er sich mit Michael Herrmann den Werten Vertrauen und Treue. Mitherausgeber Michael Herrmann beschreibt sich vor allem als Lektor, der auf eine reichhaltige Erfahrung blicken kann.

Wie schon bei den vorangegangenen Titeln konnten Autorinnen und Autoren aus den unterschiedlichsten Fachdisziplinen wie Pflegewissenschaft, Medizin, Gerontologie, Ethik, Soziologie, Philosophie, Theologie oder Kunst gewonnen werden. Es finden sich unter diesen 46 Autorinnen und Autoren Professorinnen und Professoren, wie Giovanni Maio und Astrid Elsbernd, ebenso wie solche aus der Praxis wie der Trauerredner und Berufsschullehrer Ekkehard Höhl oder die Journalistin Christiane Wirtz.

Aufbau und Inhalt

Das Buch „Treue und Vertrauen“ vereint 46 meist kurze Aufsätze zu Einzelaspekten der Themenkomplexe Vertrauen und Treue und nimmt dabei auch in diesem Kontext nicht erwartete Fragen wie solche der Nachhaltigkeit oder die Treue einer Doppelkopfrunde in den Blick. Die Autorinnen und Autoren stellen Ergebnisse von umfangreichen Studien vor, legen soziologische Perspektiven auf Vertrauen oder Solidarität dar oder fokussieren mit dem Blick auf unterschiedliche medizinische und pflegerische Settings das Thema Kommunikation und Vertrauen. Daneben finden sich zudem auch sehr persönliche Berichte, wie der zum Selbstvertrauen.

Die Beiträge gliedern sich in drei große Themenblöcke:

Der erste Themenblock ist betitelt mit „Treue“. In diesem Abschnitt wird mit 14 Beiträgen zunächst der Begriff Treue mit Blick auf Einzelaspekte, sowohl theoretisch wie auch assoziativ erschlossen. Nachdem Martin Hecht zunächst die Aktualität des Treuebegriffs u.a. mit zeitgenössischen Phänomenen, wie den öffentlich zur Schau gestellten Liebes- und Treueschwüren in Form von Vorhängeschlössern entfaltet, geht es im folgenden Aufsatz, verfasst von Pater Ludger Ägidius Schulte um die Frage, was unserem Leben Halt gibt und um die Treue Gottes. Um Pflegeberufe und ihr Konzept von Treue sowie Solidarität nehmen sich Giovanni Maio und Dietmar Mieth an. Aus Studienergebnisse der Freiwilligenarbeit in der Palliativversorgung in der Ostschweiz stellen Daniela Bernhardsgrütter und André Fringer das Erleben der Ehrenamtlichen und das ihnen entgegengebrachte Vertrauen vor und verweisen auf das Motiv ihres Engagements, die Solidarität. Sonja Ehret kann sich in ihrem Aufsatz zu Treue und Vertrauen aus der Sicht Hochbetagter auf Interviewmaterial aus einem größeren Forschungsprojekt beziehen und plädiert dafür, neben der Verletzlichkeit das geistige Wachstumspotenzial und das Ur-Vertrauen und Glück von Menschen im 9. Lebensjahrzehnt wahrzunehmen.

Im zweiten Kapitel, unter der Überschrift Vertrauen, Selbstvertrauen, sind 17 Beiträge zu finden. Begonnen wird mit einem soziologischen Zugang zum Phänomen Vertrauen, bei dem Martin Endreß in gelungener Weise der Unbestimmtheit des Terminus durch die Unterscheidung von Bezugshorizonten und Modi des Vertrauens entgegentritt. Diana Staudacher stellt daran anschließend kenntnisreich und auf aktuelle Literatur sich beziehend Theorien zu neurobiologischen Grundlagen des Vertrauens vor. Dem folgen Beiträge aus der psychiatrischen Pflegepraxis, der Chirurgie, der Palliativversorgung. Mit dem Aufsatz von Astrid Elsbernd zu Vertrauen und Nachhaltigkeit in der Pflege wird der auf die Pflegebeziehung fokussierte Blick auf ein Versprechen zur Nachhaltigkeit und hin zu einer vertrauensvollen Beziehung zur Umwelt erweitert. Diese politische Dimension wird in den weiteren Aufsätzen dieses Teils nicht weiterverfolgt, stattdessen geht es beispielsweise bei Anke Schmietainski um Techniken Selbsttreue und Selbstvertrauen in den Alltag zu integrieren.

Der dritte Teil mit zehn Beiträgen steht unter der Überschrift Treue und Vertrauen in Spannungsfeldern. Er eröffnet eine Wertediskussion und wird mit einem Essay zur Humanität und Treue nach Zygmunt Baumann und einem Text zu Solidarität von Michael Bossle oder zur Inklusion als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, verfasst von Rüdiger Becker und Jenny Grünberg wieder politischer und gesellschaftskritisch, bleibt aber auch mit den Gedichten von Hartmut Fillhardt mit dem Titel Treue-Pröbchen vielfältig in der Herangehensweise.

Diskussion

Treue und Vertrauen ist eine Eigenschaft und Handlungsweise, die nicht nur in den Pflege- und Gesundheitsberufen die Basis der Beziehung zu sich selbst und anderen in professionellem und freundschaftlichem Setting darstellt. Es in dieser Breite und methodischen Vielfalt anzugehen und Einzelaspekte zu vertiefen aber dennoch nicht den Anspruch zu verfolgen, alles beantwortet und bearbeitet zu haben ist das Verdienst dieses Werkes. Gleichwohl kann dies als Kritik und Schwäche des Buches betrachtet werden. Der assoziative Aufbau lässt es wie einen Essayband erscheinen, der sich diesen Themen aus unterschiedlichen Richtungen annähert. Und so ist es meines Erachtens auch zu verwenden: als Inspirationsquelle und interdisziplinäre Annäherung an diese zentralen Werte.

Fazit

In diesem Werk „Treue und Vertrauen“ vereinen die Herausgeber Thomas Hax-Schoppenhorst, und Michael Herrmann unterschiedliche Autorinnen und Autoren und ihnen gelingt es so, dass dieses Thema bunt zu vereinen und dabei den Focus auf kranke Menschen und Menschen mit Beeinträchtigung zu richten. Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Disziplinen nähern sich den Themen unterschiedlich an – und je nach eigenem Interesse und Fragestellung sind herausragende Ansätze und Gedanken zu entdecken. Dieses Buch ist eines, das immer wieder als Anregung hinzugezogen werden kann und in seinem durchaus auch unkonventionellen Zugang inspirierend ist und bleibt.


Rezension von
Dr. rer. soc. Gudrun Silberzahn-Jandt
Referentin Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart e.V., freiberufliche Kulturwissenschaftlerin Esslingen, Lehrbeauftragte an Hochschulen und Universitäten
Homepage www.silberzahn-forschung.de
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Zitiervorschlag
Gudrun Silberzahn-Jandt. Rezension vom 14.12.2020 zu: Thomas Hax-Schoppenhorst, Michael Herrmann (Hrsg.): Treue und Vertrauen. Handbuch für Pflege-, Gesundheits- und Sozialberufe. Hogrefe AG (Bern) 2020. ISBN 978-3-456-86009-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27636.php, Datum des Zugriffs 21.10.2021.


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