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Marc Schulz, Friederike Schmidt u.a.: „Du Jude“

Cover Marc Schulz, Friederike Schmidt, Lotte Rose: „Du Jude“. Antisemitismus-Studien und ihre pädagogischen Konsequenzen. Hentrich & Hentrich Verlag (Berlin) 2020. 271 Seiten. ISBN 978-3-95565-421-4. D: 22,90 EUR, A: 23,60 EUR.
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Thema

Jom Kippur ist der höchste Feiertag der Jüdinnen und Juden. Er wird zehn Tage nach dem jüdischen Neujahrsfest Rosch ha-Schana begangen. An diesem Tag herrscht Werkverbot. Es wird nicht gekocht, kein Feuer gemacht, nicht telefoniert und auf Speisen und Getränke verzichtet, sofern man nicht krank ist. Es ist ein Tag der Buße und der Versöhnung.

Am Ende des Tages trifft man sich zuhause oder in der Synagoge zum Abschlussgebet und zu einem Festmahl. Zu Jom Kippur am 9. Oktober 2019, im jüdischen Jahr 5780, versammelten sich in der Synagoge in Halle an der Saale zirka fünfzig Menschen zum Gebet. Gegen Mittag versuchte der Rechtsextremist Stephan B. bewaffnet in die Synagoge einzudringen, um möglichst viele Menschen zu töten. Als ihm das nicht gelang, er die verschlossene Synagogentür auch nicht durch Gewehrschüsse öffnen konnte, erschoss er eine zufällig vorbeikommende Passantin und einen jungen Mann in einem nahegelegenen Dönerladen. Seine Taten filmte er mit einer Helmkamera und übertrug alles live ins Internet (siehe auch: Bundeszentrale für politische Bildung, 2020). Wenig später wurde der Täter gefasst und im Dezember 2020 wegen zweifachen Mordes und versuchten Mord in weiteren Fällen zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteil.

Im Ersten Bezirk in der Wiener Innenstadt finden sich all die Sehenswürdigkeiten, die man gesehen haben muss, die Hofburg, der Stephansdom, Mozarts Wiener Wohnung, das Kunsthistorische Museum. Die Berggasse mit dem Sigmund-Freud-Museum im Neunten Bezirk ist auch nicht weit. Am Judenplatz findet sich das Jüdische Museum. Und unweit vom Donauufer steht der jüdische Stadttempel, Wiens Hauptsynagoge. Dort, im Zentrum der österreichischen Metropole, erschoss am 2. November 2020 ein zwanzig Jahre alter Mann aus Nordmazedonien vier Menschen und verletzte 17 weitere Personen. Der Attentäter soll Anhänger des Islamischen Staates gewesen sein; antisemitische Tatmotive ließen sich wohl nicht ausschließen (Jüdische Allgemeine, 5.11.2020). Drei Wochen später, am 27. November, bedrohte eine Frau unweit vom Wiener Zentrum einen Rabbiner mit einem Messer. Sie riss dem Mann die Kippa vom Kopf und soll „Schlachtet alle Juden“ gerufen haben (Jüdische Allgemeine, 27.11.2020).

Im Mai 2021 zogen Menschen durch deutsche Straßen und riefen „Freies Palästina vom Fluss bis zum Meer“, „Tod Israel“, „Israel Kindermörder“ oder „Scheiß Juden“. Israelische Flaggen wurden vor Synagogen verbrannt und Steine geworfen. Anlass der zahlreichen Demonstrationen, israelfeindlichen Ausschreitungen und antisemitischen Hassaktionen, ob in Berlin, Hamburg, Hannover, Leipzig oder Jena, waren Auseinandersetzungen im arabischen Viertel Scheich Dscharrah in Jerusalem und an der Al-Aksa-Moschee. Auch in anderen europäischen Städten kamen es zu pro-palästinensischen Demonstrationen, auf denen nicht nur palästinensische und türkische Fahnen, sondern auch rote Fahnen geschwenkt wurden. Politikerinnen und Politiker verurteilten die Anti-Israel-Demonstrationen und forderten eine „Null-Toleranz“ gegenüber antisemitischen Ausschreitungen.

Aber sind diese antisemitischen Ausschreitungen so neu? Sind sie nicht die „Spitze des Eisberges“ eines Alltagsantisemitismus, den Jüdinnen und Juden täglich auf dem Schulhof, auf der Straße oder vor der Synagoge erleben? „‘Du Jude‘ steht für gängige Beschimpfung im bundesrepublikanischen Alltag“, schreiben Doron Kiesel und Thomas Eppenstein in der Einleitung (S. 9). Damit ist nicht alles gesagt, aber darauf hinwiesen, dass antijüdische Wörter, Beschimpfungen, Metaphern und antisemitischer Hass zur Semantik der deutschen Alltagssprache gehören.

Autor*innen und ihre Beiträge

Im Buch finden sich 25 Beiträge von 31 Autor*innen; in der Reihenfolge ihres Auftritts sind das:

  • Doron Kiesel und Thomas Eppenstein (Einleitung): Doron Kiesel hat Sozial- und Erziehungswissenschaften in Jerusalem, Frankfurt a.M und Heidelberg studiert, war bis zu seinem Ruhestand Professor für interkulturelle und internationale Dimensionen der Sozialen Arbeit an der Fachhochschule Erfurt und ist gegenwärtig wissenschaftlicher Direktor der Bildungsabteilung an der Jüdischen Akademie in Frankfurt a.M.; Thomas Eppenstein arbeitete bis zu seinem Ruhestand als Professor an der Evangelischen Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe in Bochum und ist Experte für Bildung, soziale Arbeit und Interkulturalität.
  • Salomon Korn (Die Erforschung des Antisemitismus in all seinen chamäleonhaften, gefährlichen Erscheinungsformen bleibt unverzichtbar.) ist u.a. Architekt, Vorsitzender des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt a.M., Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und Ehrensenator der Universität Heidelberg.
  • Harry Schnabel (Antisemitische Attacken sind schlimm genug, aber noch schlimmer ist es, diese zu ertragen, wenn alle wegschauen.) ist Mitglied im Vorstand der Jüdischen Gemeinde Frankfurt a.M. und dort für Finanzen und Steuern sowie das Schulressort zuständig. Seit 2017 gehört er dem Präsidium des Zentralrats der Juden in Deutschland an.
  • Felix Klein (Wir brauchen neue und bessere Instrumente im Kampf gegen den Antisemitismus.) ist promovierter Jurist und Beauftragter der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus.
  • Uwe Becker (Es ist nicht hinnehmbar, dass das Wort „Jude“ heute wieder als Schimpfwort auf Schulhöfen gebraucht wird.) arbeitet als Kämmerer der Stadt Frankfurt a.M. sowie als Beauftragter der Hessischen Landesregierung für Jüdisches Leben und den Kampf gegen Antisemitismus. Seit 2019 ist er Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft.
  • Greta Zelener („Nie wieder“? – Es war nie weg. Pädagogische Ansätze zur Antisemitismusbekämpfung) ist Doktorandin an der Humboldt-Universität zu Berlin und beschäftigt sich in ihrer Dissertation mit der jüdischen Erwachsenenbildung im 21. Jahrhundert.
  • Yael Kupferberg (Antisemitismus in Deutschland – Kontinuität oder Zeitenwende?) forscht und lehrt als Professorin am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin. Sie hat Neuere deutsche Literatur in Berlin und Jüdische Studien in Potsdam, Tel Aviv und Philadelphia studiert.
  • Natan Sznaider (Antisemitismus zwischen Schwertern und Pflugscharen) studierte Psychologie, Geschichte und Philosophie in Tel Aviv und New York, lehrte an der Columbia University in New York und an der LMU München und hat gegenwärtig einen Lehrstuhl für Soziologie an der Akademischen Hochschule in Tel Aviv inne.
  • Christian Staffa (Von der gesellschaftlichen Notwendigkeit christlicher Antisemitismuskritik) studierte evangelische Theologie in Berlin, Tübingen und Prag, war Geschäftsführer von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V. Er ist u.a. Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung AMCHA, Kuratoriumsmitglied des Instituts Kirche und Judentum, christlicher Vorsitzender der AG Juden und Christen beim Deutschen Evangelischen Kirchentag, Mitglied im Sprecher*innerat der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus und Beauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für den Kampf gegen Antisemitismus.
  • Micha Brumlik (Erziehung zur Mündigkeit und Kritik des Autoritären) war Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Heidelberg und an der Goethe-Universität Frankfurt a.M. sowie Leiter des Fritz Bauer Instituts. Seit 2013 ist er Senior Advisor am Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg und Seniorprofessor an der Goethe-Universität.
  • Christiane Thompson (Erziehung nach Auschwitz – Erziehung nach den Antisemitismus-Studien?) lehrt als Professorin für Theorie und Geschichte von Bildung und Erziehung an der Goethe-Universitär Frankfurt a.M.; sie studierte Philosophie, Physik und Pädagogik an der Bergischen Universität Wuppertal und war Forschungsassistentin an der Southern Illinois University at Carbondale, Illinois, USA.
  • Stefanie Schüler-Springorum (Antisemitismus-Studien – ein Überblick) leitet als Professorin das Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin. Außerdem ist sie Mitglied in den Beiräten der Stiftungen „Topographie des Terrors“, „Brandenburgische Gedenkstätten“, „Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz“ und der Moses Mendelssohn Stiftung.
  • Andreas Eberhardt und Luisa Maria Schweizer (Antisemitismus-Studien und ihre Folgen für die historisch-politische Bildungsarbeit): Andreas Eberhardt studierte Soziologie, Politikwissenschaft, Publizistik und Kommunikationswissenschaft und promovierte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Seit 2020 ist er Gründungsdirektor und CEO der Alfred Landecker Foundation. Luisa Maria Schweizer ist Programmdirektorin der Alfred Landecker Foundation. Zuvor arbeitete sie als Beraterin des Vorstandsvorsitzenden bei der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, als Programmdirektorin für „Humanity in Action“ und als Social Campaignerin für die Robert Bosch Stiftung und die UFA Filmproduktion.
  • Beate Küpper und Andreas Zick (Antisemitische Einstellungen in Deutschland – Befunde aus Bevölkerungsumfragen und Ableitungen für die politische Bildung): Beate Küpper ist Professorin für Soziale Arbeit in Gruppen und Konfliktsituationen an der Hochschule Niederrhein. Sie arbeitet zu den Themen Diskriminierung, Diversity und Integration und ist Mitglied im Stiftungsrat der Amadeu Antonio Stiftung sowie Co-Autorin der „Mitte-Studien“ der Friedrich-Ebert-Stiftung. Andreas Zick ist Professor für Sozialisation und Konfliktforschung und Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld. Zudem ist er Sprecher der Forschungsgemeinschaft des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung und Mitglied der Fachkommission Integrationsfähigkeit der Bundesregierung.
  • Julia Bernstein und Florian Diddens (Antisemitismus an Schulen): Julia Bernstein ist Professorin für soziale Ungleichheiten und Diskriminierungserfahrungen im Fach Soziale Arbeit an der Frankfurt University of Applied Sciences. Florian Diddens arbeitet als Soziologe u.a. zu den Themen Antisemitismus und Vorurteile.
  • Marina Chernivsky und Friederike Lorenz („Das ist überhaupt nicht greifbar, und deswegen ist es so schwer, dagegen auch was zu machen“ – Eine Studie zu Antisemitismus im Bildungswesen): Marina Chernivsky studierte in Israel und Berlin Psychologie, Soziologie, Verhaltenswissenschaften und Verhaltenstherapie. Sie leitet das von ihr initiierte Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment in der Trägerschaft der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland und arbeitet als Lehrbeauftragte sowie Beraterin unter anderem zu Diversität, Migration, Antisemitismus, Erinnerungs- und Identitätspolitik. Sie ist im Vorstand von AMCHA Deutschland und Mitglied im zweiten unabhängigen Expertenkreis Antisemitismus des Deutschen Bundestages. Friederike Lorenz ist promovierte Erziehungswissenschaftlerin und arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arbeitsbereich Sozialpädagogik der Freien Universität Berlin.
  • Monika Schwarz-Friesel (Antisemitismus im Web 2.0 – Judenhass zwischen Kontinuität und digitaler Adaption) ist Kognitionswissenschaftlerin und Professorin an der Technischen Universität Berlin. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören die Interaktion von Sprache, Kognition und Emotion, kognitive Semantiken und Metaphern sowie die verbale Manifestation von Antisemitismus.
  • Matthias J. Becker (Antisemitismus im Internet – eine unterschätzte Herausforderung mit wissenschaftlichem Handlungsbedarf) arbeitet als Postdoc Research Fellow am Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte liegen auf den Schnittstellen von kognitiver Linguistik, Internetforschung, Nationalismus und Antisemitismus.
  • Thomas Krüger und Simon Lengemann (Antisemitismus und „Volksgemeinschaft“. Notwendige Impulse für historisch-politische Bildung in identitären Zeiten): Thomas Krüger, früherer Bürgerrechtler in der DDR, Mitbegründer der Sozialdemokratischen Partei in der DDR, später u.a. Senator für Familie und Jugend in Berlin, ist Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Simon Lengemann studierte Geschichtswissenschaft und Amerikanistik an der Humboldt-Universität zu Berlin und arbeitet als Fachbereichsleiter bei der bpb.
  • Thomas Eppenstein (Grenzen und Spannungsfelder antisemitismuskritischer Bildung), siehe oben.
  • Deborah Krieg (Bildungsarbeit gegen Antisemitismus – Perspektiven für die Praxis) studierte Geschichte in Frankfurt a.M. und arbeitet als Bildungsreferentin an der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt.
  • Derviş Hızarcı („Du Jude“ – Wie man mit Diskriminierung im Unterricht umgeht) ist Experte für Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung. Er war Antidiskriminierungsbeauftragter der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie und ist seit September 2020 Programmdirektor der Alfred Landecker Stiftung.
  • Michael Blume (Welche Bildung hilft gegen Antisemitismus?) ist Religionswissenschaftler sowie Beauftragter des Landes Baden-Württemberg gegen Antisemitismus.
  • Martin Vahrenhorst (Der Umgang mit Antisemitismus im christlichen Religionsunterricht) ist habilitierter Theologe und arbeitet als Schulreferent im Saarland. Zwischen 2007 und 2015 leitete der das Programm „Studium in Israel“ an der Ben-Gurion-Universität in Beer Sheva.
  • Matthias Heyl (Was können bundesdeutsche KZ-Gedenkstätten zu einer antisemitismuskritischen Bildungsarbeit beitragen?) studierte Geschichte, Psychologie und Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg und leitet die Internationale Jugendbegegnungsstätte Ravensbrück und den Pädagogischen Dienst der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück in der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten.

Aufbau

In der Einleitung schreiben Doron Kiesel und Thomas Eppenstein: „Mit dem zunehmenden zeitlichen Abstand zum Nationalsozialismus und dem Verblassen der Erinnerung nehmen Geschichtskonstruktionen, Verzerrungen oder Leugnungen der historischen Geschehnisse zu. Subtile antisemitische Einstellungen werden immer häufiger durch offen vorgetragene juden- und israelfeindliche Positionen überlagert“ (S. 10 f.). Was kann Abhilfe schaffen? Wissenschaftliche Studien, Aufklärung, Bildungsarbeit, Religionsunterricht, Gedenkstättenbesuche? Um dies und noch mehr geht es im vorliegenden Buch. Es ist entstanden nach einer Konferenz, die im September 2019 von der Bildungsabteilung des Zentralrats der Juden in Deutschland zum Thema „Antisemitismus-Studien und ihre pädagogischen Konsequenzen. Impulse zur Veränderung der deutschen Bildungslandschaft“ in Frankfurt a.M. durchgeführt wurde. Zweifellos gehören die Auseinandersetzungen mit antisemitischen Haltungen, Denkfiguren und Handlungen sowie ein faktenbasiertes Wissen in den Kanon politischer Bildung. Davon haben sich die Autor*innen des Buches leiten lassen.

In vier Teilen befassen sie sich mit Positionen und Problembestimmungen, mit den Kontinuitäten und Veränderungen des Antisemitismus, mit aktuellen Antisemitismus-Studien und der antisemitismuskritischen Bildungsarbeit.

Im ersten Teil (Positionen und Problembestimmungen) macht Salomon Korn u.a. angesichts der enormen Stimmenzugewinne der Rechtsradikalen in Umfragen und Landtagswahlen auf die Ängste der Jüdinnen und Juden aufmerksam und fordert ein „hartes, eindeutiges Vorgehen des Staates gegen jede Form von antisemitisch motivierten Schmähungen und Straftaten“ (S. 16). Auch die Erforschung müsse auf die chamäleonhaften, gefährlichen antisemitischen Erscheinungsformen reagieren. Denn, so Harry Schnabel, „Antisemitismus ist wieder sichtbarer und aggressiver geworden. Von einem neuen Antisemitismus zu sprechen, ist aber falsch. Antisemitismus existiert immer“ (S. 17). Das ist schlimm, „aber noch schlimmer ist es, dieses zu ertragen, wenn alle wegschauen“ (S. 19). Deshalb brauchen wir neue und bessere Instrumente im Kampf gegen den Antisemitismus (Felix Klein), so u.a. die Einrichtung eines Meldesystems für antisemitische Vorfälle in den Schulen (S. 23). Es gibt ja bereits vielfältige Angebote unterschiedlicher Träger und Institutionen, „die eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Antisemitismus spielen“ (Uwe Becker, S. 25). Nötig sei aber zunächst einmal die bessere Einbeziehung der Lehrerinnen und Lehrer in die jeweiligen Bildungs- und Ausbildungsangebote.

Sharon Adler vom Online-Magazin AVIVA-Berlin interviewte Greta Zelener und fragte nach den Erfahrungen von Jüdinnen und Juden im Umgang mit dem Alltagsantisemitismus in Deutschland. Zu diesen, nicht gerade angenehmen Erfahrungen, so Greta Zelener, gehören eben auch die „Hygienedemos“, auf denen die Shoah verharmlost und das Leid des NS-Staates relativiert wird (S. 33).

Die Autor*innen der Beiträge im zweiten Teil des Buches fragen nach den „Kontinuitäten und Metamorphosen“ des Antisemitismus. Yael Kupferberg beginnt ihren Beitrag mit der Antwort Sigmund Freuds auf einen Brief von Arnold Zweig. Dieser hatte Freud gefragt, ob er ihm, Freud, das Buch „Caliban“ widmen dürfe. Freud freute sich und es begann ein reger Briefaustausch zwischen den beiden. „Caliban oder Politik und Leidenschaft“ ist, wie Zweig schreibt, ein „Sach- und Kampfbuch“ (Zweig, 1993, S. 13; Original: 1927). Antisemitismus, so Zweig, sei ein Massenphänomen, dass nicht individualpsychologisch, sondern als „Gruppenaffekt“ Teil nationalistischer Abgrenzungsversuche verstanden werden müsse. Es lohnt sich durchaus an die von Yael Kupferberg zitierte Antwort Sigmund Freuds zu erinnern:

 „In der Frage des Antisemitismus habe ich wenig Lust, Erklärungen zu suchen, verspüre eine starke Neigung, mich meinen Affekten zu überlassen, und fühle mich in der ganz unwissenschaftlichen Einstellung bestärkt, dass die Menschen so durchschnittlich und im großen Ganzen doch elendes Gesindel sind“ (Freud, 1969, S. 11; Original: 2.12.1927).

Eben, da liegt des Pudels Kern: Die Antisemiten sind – psychologisch gesehen – elendes Gesindel, deren geistige Armut allerdings gefährlich und – für die Juden – tödlich sein kann. Daran hat sich nichts geändert. Und so kommt Yael Kupferberg zu dem durchaus streitbaren Fazit: „Antisemitismus ist auch Ideologie; wir sollten ihm un-ideologisch begegnen. Die Virulenz des Antisemitismus liegt darin begründet, zu vernichten, hier kommt er zu seinem Begriff. In ihm ist der Selbsthass des Menschen ausdrücklich. Der Mensch hasst sich. Diesen Hass gegen sich selbst zu brechen, das ist die Aufgabe, vor der die Gesellschaft steht“ (S. 46).

Kontinuität und Veränderung zeigen sich auch in den alltäglichen Sichtweisen auf das Verhältnis von „Israel und Antisemitismus“. Der anti-israelische, anti-zionistische Antisemitismus wurde in Ost und West tradiert. Das ist bekannt. Natan Sznaiders lesenswerter Beitrag greift ein ganzes Stück tiefer an. Antisemitismus ist für ihn ein Kampfbegriff, der auch zu den Ambivalenzen der Aufklärung gehört. Bekanntlich meinten auch Horkheimer und Adorno, der Antisemitismus beruhe auf falschen Projektionen (Horkheimer & Adorno, 1969, S. 196). Und das nicht trotz, sondern wegen der Aufklärung. Mit der von den Aufklärern angestrebten Emanzipation der Menschen verband sich der Vorwurf, die Juden würden diesen universellen Anspruch der Menschwerdung unterminieren. „Die Juden wurden zum Symbol aller modernen Paradoxien: Als Figuren der Partikularität unterminierten sie den universellen Anspruch der Aufklärung, wurden zu Außenseitern derselben und lebten immer noch in Fantasiewelten eng verwurzelter Gemeinschaften“ (S. 51). Natan Sznaider fragt, ob diese Paradoxien nun auch auf Israel, „einem partikularistischen Staat par excellence“ (S. 52) übertragen wurden. Seine Antwort: Wichtig sei es, den historischen Hintergrund nicht aus dem Auge zu verlieren. „Der Zionismus war die politische Antwort auf den Antisemitismus“ (S. 48). „Die Konsequenz, die die Juden für Israel aus dem Versagen des nationalstaatlich orientierten Völkerrechts (das die Shoah nicht verhindern konnte, ergänzt der Rezensent) zogen, zielen aber nicht auf die Delegitimierung des Nationalstaates, sondern auf Souveränität und die militärische Fähigkeit, sich zu wehren“ (S. 53). Das sei, so der Rezensent, nun auch den linken und rechten Israelkritikern ins Stammbuch geschrieben.

Man könnte meinen, der christlich argumentierende Antisemitismus gehöre der Vergangenheit an. Aber hat er sich wirklich erledigt? Gibt es tatsächlich die Vorwürfe der Christen nicht mehr, die Juden seien Kindermörder und die Feinde der Christen; auf ihnen läge ein Fluch, weil es Juden gewesen seien, die Jesus getötet hätten? Christian Staffa zeigt den langen Weg, den die deutschen Kirchen gegangen sind, um ihre antisemitismuskritischen Positionen zu bestimmen. Kritisch aufgearbeitet haben die Kirchen ihre christliche Judenfeindschaft indes noch lange nicht. Deshalb: „Wer nichts von christlicher Judenfeindschaft versteht, versteht den Antisemitismus nicht“ (S. 67).

Das sahen die Theoretiker der Frankfurter Schule bekanntlich noch etwas anders. Micha Brumlik zitiert Theodor W. Adorno, der meinte, der moderne Antisemitismus sei weniger das Erbe religiös geprägter, christlicher Mythen, sondern „eine genau durchdachte, rational fabrizierte Doktrin, von oben befördert, die sich machtvolle sozialpsychologische Dispositionen in den Massen zunutze macht“ (Adorno, „The Authoritarian Personality“, zit. n. Brumlik, S. 74). Auf diese Dispositionen haben die Frankfurter bekanntlich schon zeitig aufmerksam gemacht, allen voran Erich Fromm (Fromm, Horkheimer & Marcuse, 1936). Es handelt sich um den autoritären Sozialcharakter, mit dem die Frankfurter ein gigantisches Forschungsprogramm starteten, um diejenigen Elemente der Persönlichkeitsstruktur zu analysieren, „die zu feindseligen Reaktionen gegenüber religiösen und ethnischen Minoritäten prädisponieren“ (so Max Horkheimer im Vorwort einer gekürzten deutschen Ausgabe von „Der autoritäre Charakter“, die 1968 in Amsterdam erschien; Horkheimer, 1968). Micha Brumlik erinnert an dieses Forschungsprogramm und zeigt am Beispiel von Pegida, AfD und den „Hygienedemos“, wie notwendig nach wie vor die Kritik des Autoritären und die Erziehung zur Mündigkeit sind.

Es geht, um den Titel des Beitrages von Christiane Thompson aufzugreifen, um die „Erziehung nach Auschwitz“. Die Autorin plädiert – ebenfalls auf der Grundlage der Einsichten in den autoritären Sozialcharakter – u.a. für neue pädagogische Einsätze, in denen auch „die sich wandelnde Diskurspraxis in den sozialen Medien pädagogisch zum Thema“ (S. 88) gemacht werden sollte.

Der dritte Teil (Studien und Befunde) der Beiträge bietet einen sehr guten Einblick in die empirischen Forschungen zum Antisemitismus. Stefanie Schüler-Springorum erinnert zunächst ebenfalls an die Frankfurter Schule sowie an eine frühe Studie (OMGUS-Survey) der US-amerikanischen Militärregierung vom Dezember 1946. Danach äußerte jeder fünfte Befragte (18 Prozent) im hohen Maße antisemitische Vorurteile; sie wurden als „starke (intense) Antisemiten“ eingestuft, weitere 21 Prozent klassifizierte man als „Antisemiten“ und noch einmal 22 Prozent als „Rassisten“ (Merritt & Merritt, 1970, S. 146). Qualitativ und quantitativ scheint sich bis heute einiges geändert zu haben. Stefanie Schüler-Springorum spricht zurückhaltend vom „neuen Antisemitismus“, der sich über die sozialen Medien verbreitet; sie verweist auf die regelmäßigen Erhebungen der Anti-Defamation League; die frühen einflussreichen Studien von Werner Bergmann und Rainer Erb zur „Kommunikationslatenz“ werden ebenso diskutiert wie die von Andreas Zick und Beate Küpper bzw. von Oliver Decker und Elmar Brähler durchgeführten „Mitte-„ und „Autoritarismus-Studien (z.B. Bergmann & Erb, 1986; Decker & Brähler, 2020; Zick, Küpper & Berghan, 2019). Auch neuere Befunde über antisemitische Einstellungen von Geflüchteten oder Muslimen werden aufgerufen. Sorgen macht sich Stefanie Schüler-Springorum vor allem wegen des Antisemitismus in der Mitte der deutschen Gesellschaft. Über die „richtigen“ Antisemiten scheinen wir gut informiert zu sein; was aber ist mit den mehr oder weniger 20 Prozent, die zu den „Gelegenheitsantisemiten“ oder Ambivalenten und Indifferenten gehören. Hier liegt „das vielleicht gefährlichste Einfallstor für antisemitische Positionen und Politiken in der berühmten Mitte der Gesellschaft“ (S. 104).

Andreas Eberhardt und Luisa Maria Schweizer diskutieren Konsequenzen für die historisch-politische Bildungsarbeit auf Grund der Tatsache, dass Judenhass in Deutschland weiterhin verbreitet ist. Dabei stützen sie sich auch auf „MEMO Deutschland“, auf den Multidimensionalen Erinnerungsmonitor, den die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ gemeinsam mit dem Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung seit 2018 durchführt (siehe auch: www.stiftung-evz, 2021).

Einen Überblick über antisemitische Einstellungen in Deutschland liefern auch Beate Küpper und Andreas Zick. Sie diskutieren die Verbreitung derartiger Einstellungen, zeigen, wie diese in Umfragen erfasst werden, machen auf das Ausmaß des israelbezogenen Antisemitismus in Deutschland aufmerksam und ziehen aus den Befunden lesenswerte Konsequenzen für die Bildungsarbeit. Reine Aufklärung, so eine ihrer Konsequenzen reiche nicht. Der Zugang müsse über Herzensbildung verlaufen. Notwendig sei es, auch selbstkritisch eigene Ressentiments zu hinterfragen (S. 133).

Um eine solche selbstkritische Sicht geht es Julia Bernstein und Florian Diddens. Eindenken, Nachfühlen, Mitfühlen sind nötig, wenn sich in den Bildungseinrichtungen Lehrer*innen und Schüler*innen mit dem Antisemitismus und mit den Positionen der Betroffenen auseinandersetzen wollen.

Eine konkrete Studie zum Antisemitismus im Bildungswesen stellen Marina Chernivsky und Friederike Lorenz vor. Es handelt sich um eine qualitative Untersuchung, in der Mitglieder von Familien mit jüdischer Gegenwartsbiografie und Expert*innen aus dem Bildungs- bzw. Schulbereich interviewt wurden. Ein Fazit unter vielen: In etlichen Fällen zeigt sich ein erschreckendes Unwissen seitens der Lehrer*innen, wenn es um den Alltagsantisemitismus in ihren Kompetenzbereichen geht. Interventionsmaßnahmen sind notwendig, „um die gewaltförmigen (Sprach-)Handlungen zu stoppen, kontextualisierende Fallanalysen zu ermöglichen und einen schützenden und rücksichtsvollen Einbezug der Betroffenen zu gewährleisten“ (S. 167).

Schulalltag, die Begegnungen mit Jüdinnen und Juden im schulischen Alltag und entsprechende Interventionen sind das eine. Was aber tun, wenn der Antisemitismus im Kommunikationsraum des World Wide Web omnipräsent ist? Monika Schwarz-Friesel untersucht mit ihrem Team seit Jahren, wie sich Judenhass im Internet, aber auch in den Kommentarbereichen der klassischen Medien verbreitet. Riesige Textmengen wurden analysiert, Kommentare in Online-Qualitätsmedien, in Fan-Foren, auf Ratgeber-Portalen, in Blogs, auf Twitter, Youtube, Facebook oder Instagram. Dabei zeigen sich u.a. die Chamäleonhaftigkeit der Judenfeindschaft, eine zunehmende Radikalisierung, eine Kontinuität antijüdischer Stereotype und die Symbiose von Juden- und Israelhass. „Die Büchse der digitalen Pandora ist weit geöffnet“ (S. 182).

Angesichts dessen besteht Handlungsbedarf, nicht nur in der Präventions- und Interventionsarbeit, sondern auch in der Forschung. Denn: Die Verbindung von Antisemitismus- und Internetforschung ist immer noch eine Randerscheinung (S. 189). Wie das mittels des Einsatzes der KI-basierter Verfahren geändert werden könnte, bespricht Matthias J. Becker.

что делать? Was tun? Darum geht es im vierten Teil des Buches (Antisemitismuskritische Bildung). Zunächst aber eine kleine Abschweifung: Die von Hannah Arendt (2000, S. 30) gelegentlich kritisierte Identifizierung des Antisemitismus mit Xenophobie und anderen Vorurteilen gehört zu den tradierten Argumentationssträngen in den Antisemitismus-Debatten. Historisch, politisch und auch sozialpsychologisch betrachtet, lässt sich der moderne Antisemitismus aber kaum hinreichend als gruppenbezogenes Vorurteil interpretieren. Deshalb plädieren Thomas Krüger und Simon Lengemann dafür, „das Spezifische des Antisemitismus gegenüber anderen Formen der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit herauszuarbeiten“ (S. 207). Die Konsequenz für die politische Bildung bedeutet dann eben auch, nicht durch vermeintliche Integrationsangebote an einzelne Gruppen Opferkonkurrenzen zu befeuern, sondern die Solidarität und gemeinsame Emanzipation der Marginalisierten zu befördern (S. 208).

Dass die antisemitismuskritische Bildung spannungsreich ist, aber auch ihre Grenzen hat, verdeutlicht der Beitrag von Thomas Eppenstein. Er plädiert dafür, einen Kanon zu entwickeln, wie Bildungsinstitutionen mit dem Antisemitismus umgehen können, in den Schulen zum Beispiel quer durch alle Fächer (S. 224). Einen solchen Kanon gibt es bekanntlich noch nicht. Aber es gibt zahlreiche Projekte, mit denen gezeigt werden kann, wie Bildungsarbeit gegen Antisemitismus aussehen kann und wirksam sein könnte. Deborah Krieg illustriert das an ihrer Arbeit als Bildungsreferentin in der Bildungsstätte Anne Frank. Derviş Hızarcı macht konkrete Vorschläge, wie im Unterricht mit judenfeindlichen Sprüchen umgegangen werden kann. Michael Blume schlägt eine reflektierte „semitische“ Bildung gegen Antisemitismus vor. Martin Vahrenhorst betont die Wichtigkeit des christlichen Religionsunterrichts in der Auseinandersetzung mit antisemitischen Meinungen und Einstellungen. Und Matthias Heyl hebt, allen Unkenrufen zum Trotz, die große Bedeutung der deutschen KZ-Gedenkstätten für eine antisemitismuskritische Bildungsarbeit hervor.

Kurz: In der antisemitismuskritischen Arbeit tut sich viel. Mit großen Engagement arbeiten die Akteure an der pädagogischen und politischen Umsetzung der wissenschaftlichen und alltäglichen Erfahrungen im Umgang mit Antisemitismus und Judenfeindlichkeit. Allerdings: Die sichtbaren Erfolge der bisherigen Präventions- und Interventionsmaßnahmen gegen Antisemitismus halten sich in Grenzen. Ihre Wirksamkeit ist nicht selten zu wenig theoretisch begründet und ausreichend empirisch überprüft. Deshalb sollten valide, kriteriumsbasierte Evalutionsstudien auch staatlich noch besser gefördert werden.

Fazit

Der vom Rezensenten hochverehrte Ignaz Bubis schreibt in seiner Autobiographie u.a.: „Wir reden nicht von Antisemiten – die Antisemiten stören mich nicht –, sondern von den Wohlmeinenden, den Bestmeinenden. Das ist ja schon fast die größte Gruppe. Ich rede auch von den völlig Indifferenten, die überhaupt keinen Unterschied machen, die sich weder mit der Vergangenheit noch mit der Zukunft beschäftigen – von denen kommt es auch. Für die überwiegende Mehrheit in unserem Lande und nicht nur für die Antisemiten ist der Jude ein Fremder – ein Überbleibsel des tausendjährigen Reiches“ („Ich bin deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“, 1993, S. 115). Nichtsdestotrotz bleiben die Einstellung und das Verhalten gegenüber Jüdinnen und Juden der Lackmustest eines jeglichen Humanismus. Und wenn die deutsche Gesellschaft den Humanismus nicht nur auf den Artikels 1 im Grundgesetz reduzieren will, sondern ihn, den Humanismus, auch zur wichtigen Praxisform machen möchte, muss der Kampf gegen Antisemitismus zum kategorischen Imperativ gehören. Denn: „Der Antisemitismus ist genau das, was er zu sein vorgibt: eine tödliche Gefahr für die Juden und sonst nichts“ (Arendt, 2001, S. 38).

Deshalb ist dem vorliegenden Buch eine breite Leserschaft zu wünschen. Und es ist lesenswert, sehr sogar, lesenswert für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, für engagierte Menschen aus der Zivilgesellschaft, für Lehrerinnen und Lehrer sowie natürlich für verantwortungsvolle Politikerinnen und Politiker; auch jenen Politikerinnen und Politikern sei es empfohlen, die sich bewusst oder (was der Rezensent kaum glauben kann) unbewusst in ihren Ansprachen, ob in Bierzelten, Ballsälen oder Blogs, judenfeindlicher Semantiken bedienen. Ob die Judenfeinde und Antisemiten das Buch ebenfalls lesen werden, bezweifelt der Rezensent. Zu wünschen wäre es auch ihnen schon.

Zitierte Literatur

Arendt, Hannah (2001; Original 1951). Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. München, Zürich: Piper.

Bergmann, Werner & Erb, Rainer (1986). Kommunikationslatenz, Moral und öffentliche Meinung. Theoretische Überlegungen zum Antisemitismus in der Bundesrepublik Deutschland. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 38, 223-246.

Bubis, Ignaz (1993). Ich bin deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Köln: Kiepenheuer & Witsch.

Decker, Oliver & Brähler, Elmar (Hrsg.) (2020). Autoritäre Dynamiken. Alte Ressentiments – neue Radikalität. Gießen: Psychosozial-Verlag.

Freud, Sigmund (1969). Brief an Arnold Zweig 1927. In Ernst L. Freud (Hrsg.), Sigmund Freud – Arnold Zweig Briefwechsel, Frankfurt a. M.: S. Fischer Verlag.

Fromm, Erich; Horkheimer, Max & Marcuse, Herbert (Hrsg.) (1936). Studien über Autorität und Familie. Forschungsberichte aus dem Institut für Sozialforschung, Band V. Paris: Félix Alcan.

Horkheimer, Max (1968). Vorwort zu “Der autoritäre Charakter”, herausgeben von Theodor W. Adorno, Bruno Bettelheim, Else Frenkel-Brunswik, Norbert Gutermann, Morris Janowitz, Daniel J. Levinson und Nevitt R. Sanford. Amsterdam: Verlag de Munter.

Horkheimer, Max & Adorno, Theodor W. (1969, Original 1947). Dialektik der Aufklärung. Frankfurt a. M.: Fischer.

Jüdische Allgemeine (5.11.2020). Terror in Wien. Quelle: https://www.juedische-allgemeine.de/juedische-welt/​terror-in-wien/; aufgerufen: 31.12.2020.

Jüdische Allgemeine (27.11.2020). Attacke auf Rabbiner in Wien. Quelle: https://www.juedische-allgemeine.de/juedische-welt/​attacke-auf-rabbiner-in-wien/; aufgerufen: 31.12.2020.

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Rezension von
Prof. Dr. Wolfgang Frindte
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Institut für Kommunikationswissenschaft - Abteilung Kommunikationspsychologie
Homepage www.ifkw.uni-jena.de
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Zitiervorschlag
Wolfgang Frindte. Rezension vom 16.06.2021 zu: Marc Schulz, Friederike Schmidt, Lotte Rose: „Du Jude“. Antisemitismus-Studien und ihre pädagogischen Konsequenzen. Hentrich & Hentrich Verlag (Berlin) 2020. ISBN 978-3-95565-421-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27643.php, Datum des Zugriffs 24.07.2021.


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