socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Uwe Bettig (Hrsg.): Kompetenzmanagement für die erfolgreiche Personalarbeit

Cover Uwe Bettig (Hrsg.): Kompetenzmanagement für die erfolgreiche Personalarbeit in der Pflege. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2020. 256 Seiten. ISBN 978-3-86216-718-0. D: 49,99 EUR, A: 51,40 EUR.

Reihe: Gesundheitswesen in der Praxis.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Herausgeber

Dr. Uwe Bettig ist seit 2007 Professor für »Betriebswirtschaft und Management gesundheitlicher und sozialer Einrichtungen« an der Alice Salomon Hochschule Berlin.

Entstehungshintergrund

Entstehungshintergrund sind die allgemein bekannten Herausforderungen wie Fachkräftemangel, alternde Belegschaften, steigende Anforderungen an Pflegekräfte u.v.m. Diesen soll mit kompetenzbasierter Personalarbeit begegnet werden. In Abgrenzung zu anderen Ansätzen konzentriert sich die vorliegende Publikation ausschließlich auf das Kompetenzmanagement. Zudem führt die Akademisierung der Pflege dazu, dass die klassische Aufgabenverteilung in Krankenhäusern in Frage gestellt wird. Die daraus resultierenden Kernthemen der Pflegeberufe sind: zukünftige Arbeitsplätze und Arbeitsbedingungen, Rekrutierung, Kooperation der Berufsgruppen und Aufgaben des Personalmanagements.

Aufbau

Es handelt sich um einen Sammelband, der aus fünf Beiträgen besteht. Hinzu kommen ein Vorwort sowie das Stichwort-, Herausgeber- und Autorenverzeichnis. Jedem Beitrag ist ein Abstract vorausgestellt und ein Literaturverzeichnis angefügt. Für diese Art von Publikationen ungewöhnlich ist die Nummerierung der Abschnitte innerhalb jeden Aufsatzes mit Randnummern; dies ist eher aus juristischen Publikationen bekannt. Der Nutzen erschließt sich nicht, weil im Stichwortverzeichnis auf die Seitenzahlen und nicht auf die Nummerierung Bezug genommen wird. Die Grafiken sind in Grautönen gehalten und ihr Layout ist nicht einheitlich, sondern im jedem Aufsatz unterschiedlich.

Inhalt

1. Uwe Bettig/Rüdiger Hoßfeld/Veit Hannemann/​Sabine Nitsche: Kompetenzmanagement in der Pflege – Potenziale von (älteren) MitarbeiterInnen entdecken (S. 1–49). In diesem Aufsatz wird der Anlass des Buches dargelegt: ein Forschungsprojekt und seine Ergebnisse. Das betriebliche Kompetenzmodell wird anhand von zwei Projektunternehmen (ambulanter Pflegedienst und Träger stationärer Pflegeeinrichtungen) beschrieben. Hiermit sollte auch auf die unterschiedlichen zur Verfügung stehenden Ressourcen Rücksicht genommen werden. Nach der Beschreibung der Auslöser erfolgen eine Bestandsaufnahme und dann die Einführung in das Kompetenzmanagement in der Pflege.

2. Uwe Bettig/Rüdiger Hoßfeld/Sabine Nitsche/Veit Hannemann: Kompetenzmanagement für Unternehmen der Altenpflege: Leitfaden zur Entwicklung eines betrieblichen Kompetenzmodells (S. 51–120). Dieses Kapitel ist praxisorientiert und stellt einen Leitfaden für das Kompetenzmanagement vor. Der Aufsatz ist relativ umfänglich und beschreibt zunächst den Begriff und das Verständnis von Kompetenz. Danach folgen praktische Erläuterungen, zum Beispiel wie ein Kompetenzmanagement eingeführt wird und welche Bezüge zu den Unternehmenswerten hergestellt werden sollten. Danach folgt die Erhebung und „Bilanzierung“ der Kompetenzen. Die Kapitel 8 bis 11 sind dann im weiteren Sinne Maßnahmen der Personalentwicklung. Die Kapitel 12 und 13 erhalten keine Randnummern, was dann bei der Gliederung verwirrt. Ebenso ist es eher ungewöhnlich, dass das Literaturverzeichnis des Kapitels zwischen Kapitel 12 und 13 angesiedelt ist, wahrscheinlich weil Kapitel 13 der Anhang ist.

3. Tina Quasdorf: Projekt „Kompetenz fördern, Pflege leben“ Entwicklung und Implementierung eines Konzepts zum Kompetenzmanagement (S. 121–148). Im dritten Beitrag wird ein weiteres Projekt, das der Diakonie Düsseldorf, vorgestellt. Neben einer Einleitung und dem Fazit besteht dieser Aufsatz nur aus einem Kapitel: der Schilderung des Projekts. Es ist eine weitgehend deskriptive Beschreibung dessen, was beabsichtigt wurde und wie man es umsetzen will.

4. Helene Maucher: Kompetenzmanagement in der Pflege mit Blick über den Tellerrand – Erfahrung Magnet@krankenhaus in den USA im Fokus von Kompetenz- und Wissensmanagement und Skill- und Grade-Mix (S. 149–214). Dieser sperrige Titel des Beitrags beschreibt bereits weitgehend den Inhalt. Es werden die Besonderheiten dieser Krankenhäuser erläutert. Kompetenzmanagement wird als übergreifendes Modell für Skill-, Grade- und Wissensmanagement verstanden. Exemplarisch werden zwei Hospitationskliniken beschrieben und dort die Schlüsselkomponenten des Kompetenzmanagements aufgezeigt. Pflegequalität wird anhand empirischer Zahlen beurteilt, es gibt pflegerische Qualitätskennzahlen und eine evidenzbasierte Pflege. Den Abschluss bildet der „Theorie-Praxistransfer“ anhand zweier deutscher Klinikbetreiber.

5. Nils Dehe/Lena Herzog/​Schahin Fallah Shirazi/​Frank Lüth: Kompetenzmanagement und Personaleinsatzplanung auf Intensivstationen während der COVID-19-Pandemie (S. 215–245). Es ist eine Beschreibung, die auf dem entsprechenden Leitfaden des Sana Klinikum Offenbach basiert. Nach dem fachlichen Bezugsrahmen werden die Kapazitätserweiterungen der Intensivstationen und die Erweiterung der personellen Kapazitäten geschildert. Abschließend wird die Vorbereitung der MitarbeiterInnen geschildert sowie ein Fazit gezogen.

Diskussion

Formal ist das Buch etwas verwirrend. Während im Inhaltsverzeichnis auf die Seiten Bezug genommen wird, nehmen die Inhaltsverzeichnisse der einzelnen Aufsätze auf die Randnummern Bezug. Wenn schon ein juristisches Layout verwendet wird, dann wäre es besser gewesen, wie üblich Ordnungsnummern und Randnummern zu verwenden, um ein einheitliches Gliederungssystem zu erhalten. Auch innerhalb der einzelnen Beiträge ist der Aufbau nicht immer formal stringent.

Die ersten beiden Aufsätze, die von den Forschern selbst geschrieben wurden, beschreiben weitgehend den Forschungsprozess und sein Ergebnis; in erster Linie den Leitfaden. Es erschließt sich beim Lesen nicht, warum hier zwei Aufsätze geschrieben wurden, zumal die ersten drei Kapitel im 2. Aufsatz der Definition dienen. Dies hätte man besser schon am Beginn definiert. Das dritte Kapitel ist eine Deskription eines weiteren Projekts der Diakonie Düsseldorf, das als Anschauungsobjekt dienen kann. Theoretische Bezüge, auch zum vorherigen Kompetenzmodell, fehlen weitgehend. Hier hätte man sich eine konzisere Struktur gewünscht.

Sicherlich ist das Modell der Magnet@krankenhäuser in den USA von einiger Bedeutung für die kompetenzorientierte Pflege auch in Deutschland. Doch angesichts deutlich verschiedener Bildungs- und Gesundheitssysteme ist jeder Transfer mit großer Vorsicht anzugehen.

Unstrittig ist die Personaleinsatzplanung auf Intensivstationen während der COVID-19-Pandemie ein wichtiges Thema und absolut aktuell. Ob der Beitrag wirklich dazu beiträgt, die Bedeutung des Kompetenzmanagements bei unsicherem Patientenaufkommen zu beleuchten und in eine eher grundsätzliche Auseinandersetzung mit der Thematik passt, mag dahingestellt bleiben.

Die Frage, die sich nach dem Lesen dieses Buches stellt, ist, ob Kompetenzmanagement einen Beitrag zur Verbesserung der Pflege und insbesondere der Arbeitsbedingungen leisten kann. Hierzu muss man sich die Basis des Kompetenzbegriffs verdeutlichen. Grundsätzlich werden Kompetenzen outputorientiert beschrieben, also danach, was ein Individuum kann und nicht danach, was es gelernt hat. Sie werden als die Fähigkeiten einer Person aufgefasst, im beruflichen Tätigkeitsfeld Arbeiten mit einer solchen Leistungsfähigkeit auszuführen, wie sie dort erwartet wird. Kompetenz zeigt sich im Unterschied zur formalen Qualifikation also im Handeln und in der erreichten Leistung. Gerade aber das deutsche Gesundheitssystem ist stark professionalisiert und setzt seit vielen Jahrzehnten reglementierte Qualifikationen für Gesundheitsberufe voraus. Ist daher Kompetenzmanagement ungeeignet? Ja und Nein. Ungeeignet ist es dann, wenn Kompetenzen die reglementierten Qualifikationen substituieren sollen. Geeignet ist es dann, wenn es dazu führt, dass die formalen und funktionalen, also aus der Berufserfahrung gewonnenen, Qualifikationen in adäquate Leistungen umgesetzt werden können, weil die Pflegekräfte kompetent sind.

Fazit

Gerade angesichts der derzeitigen Herausforderungen für die Pflege ist es wichtig, dass die vorhandenen Qualifikationen im Zusammenspiel unterschiedlicher Professionen optimal eingebracht werden können. Optimale Pflege ist nicht nur das Ergebnis einer ausreichenden Zahl qualifizierter MitarbeiterInnen und medizinischer Technik, sondern auch der Möglichkeiten, die vorhandenen Qualifikationen umzusetzen. Erst damit entstehen die Kompetenzen, die gerade im Gesundheitssystem (über-)lebenswichtig sind. Um dieses Ziel erreichen zu können, ist Kompetenzmanagement notwendig. Das vorliegende Buch leistet einen wichtigen Beitrag hierzu.


Rezension von
Prof. Dr. Rüdiger Falk
em. Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Human Resource Management und Berufsbildung sowie Sportmanagement an der Hochschule Koblenz
E-Mail Mailformular


Alle 172 Rezensionen von Rüdiger Falk anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Rüdiger Falk. Rezension vom 01.04.2021 zu: Uwe Bettig (Hrsg.): Kompetenzmanagement für die erfolgreiche Personalarbeit in der Pflege. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2020. ISBN 978-3-86216-718-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27660.php, Datum des Zugriffs 22.06.2021.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht