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Peter Bertke, Martin Nufer: Performance-Steigerung Krankenhaus

Cover Peter Bertke, Martin Nufer: Performance-Steigerung Krankenhaus. Mehr Leistung und Qualität mit System. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2020. 248 Seiten. ISBN 978-3-95466-565-5. D: 59,95 EUR, A: 61,75 EUR, CH: 72,00 sFr.
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Autoren

Peter Bertke ist seit ca. 15 Jahren im Schweizer Klinikwesen tätig und leitet das Business Development der Hirslanden Klinik St. Anna in Luzern. Berufsbegleitend hat er mehrere Managementausbildungen absolviert. Zu seinen besonderen Interessen zählt die Performance Steigerung, das Projekt-, Qualitäts- und das Innovationsmanagement.

Martin Nufer ist ausgebildeter Facharzt für Innere Medizin und Notfallmedizin und Direktor der Hirslanden Klinik St. Anna in Luzern – insgesamt 25 Jahre Berufserfahrung ausgehend vom MIT in Boston. Seine Interessen sind das Qualitäts- und Performancemanagement, die Organisationsentwicklung sowie die aktive Gestaltung der Betriebskultur.

Thema und Zielsetzung

Ausgehend von der Feststellung, dass das Gesundheitswesen bei zunehmender Komplexität gekennzeichnet ist von Ineffizienzen, fehlender Standardisierungen und Ressourcenverschwendung stellen die Autoren fest, dass das ein rein ökonomischer Ansatz zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit von Krankenhausbetrieben an seine Grenzen kommt – also die Konzentration auf Umsatzsteigerung und Kostenkontrolle. Es muss eine Steigerung der Leistungsfähigkeit der MitarbeiterInnen einbezogen werden.

Die Autoren zeigen an Hand von zahlreichen Beispielen, mit welchen Werkzeugen die MitarbeiterInnen die Performance in ihrer unmittelbaren Tätigkeit an den PatientInnen steigern können. Sie zeigen ihr über mehrere Jahre erfolgreich erprobtes Konzept zur systematischen, umfassenden, ökonomischen und qualitativen Optimierung der Leistungserbringung.

Inhalt

Im ersten Kapitel geht’s um die Grundlagen: Was ist Performance Management? Wie steigert man die Performance? Der Begriff, Key Performance Indikatoren, der Fokus der Performance-Steigerung und das Wie werden erläutert, ebenso der Nutzen.

Im zweiten Kapitel wird die Performance-Steigerung im Klinikalltag an Hand der Erträge und der Kosten erläutert. Unter dem Kapitel wird das DRG-System erläutert und die Maßnahmen zur Ertragssicherung dargestellt: Die Autoren schlagen folgende Maßnahmen vor:

  • Verständnis und Akzeptanz erlangen
  • Regelmäßige Schulungen
  • Standardisierung von Entlassberichten
  • Der „DRG“-Manager im Klinikbetrieb – Verwenden von Vorlagen
  • Monitoring und Feedback
  • IT-Support im Sinne eines Klinikinformationssystems

Anschließend werden die drei Vorgehensweisen erläutert:

  1. Prävalenz und Plausibilität
  2. Krankheitsbilder und Diagnostik
  3. Cross-Check zwischen Kosten und Dokumentation

Bei den Kosten gehen sie ein auf Personalkosten (Arzt, Pflege) und die Sachkosten, aufgeteilt in Labor, Bildgebung, Pathologie, Arzneimittel, Implantate und Einwegmaterial. Sie schlagen dabei eine systematische Betrachtung der Kosten vor und unterteilen diese in Unterkategorien – sowohl bei den Personal- als auch bei den Sachkosten. Dies sei hier auch am Beispiel der Personalkosten kurz geschildert. Es gibt hier die Möglichkeit der Lohn- bzw. Mitarbeiterreduktion, der temporären oder dauerhaften Reduktion der relativen Mitarbeiteranzahl sowie Alternativen wie z.B. verlagern auf andere Berufsgruppen. Ähnlich wird auch bei den Sachkosten verfahren, die analytisch aufgeteilt werden und wo auch danach gefragt wird, ob eine Preisreduktion möglich wäre. Auch auf die Reduktion der Verweildauer wird eingegangen.

Im dritten Kapitel erläutern die Autoren die Grundlagen einer erfolgreichen Umsetzung. Dazu gibt es folgende Abschnitte: Hintergründe von gescheiterten Projekten, Plänen und Strategien, Projektmanagement, Voraussetzungen einer erfolgreichen Umsetzung, Verständnis und Akzeptanz für medizinisch-ökonomisches Denken.

Das vierte Kapitel ist der systematischen Implementierung gewidmet. Dazu zählen folgende Punkte: Vorbereitung, Erfassung und Auswertung, Planung, Umsetzung, Erhaltung sowie die Erfolgsfaktoren einer erfolgreichen Implementierung.

Das fünfte Kapitel stellt sich die Frage, was nach der Performance-Steigerung kommt. Dazu kommen noch das Thema des Strebens nach höchstmöglicher Qualität und das Streben nach Innovation zur Sprache – drei Faktoren, die für den Erfolg notwendig sind.

Diskussion

Die medizinische Herkunft der Autoren und die langjährige Managementerfahrung der beiden Autoren wird in allen Kapiteln spürbar. Die analytische Herangehensweise kann mit der Arbeitsweise in der Schulmedizin verglichen werden. Das Augenmerk ist auch aus Managementsicht weitgehend auf die medizinische und pflegerische Tätigkeit ausgerichtet, sodass die Unterstützungsprozesse und die Lenkungsprozesse eines Krankenhauses nicht in der engeren Betrachtungsweise sind. Die benannten Performance-Kriterien sind durchaus analytisch attraktiv dargestellt und auch Reduktionspotenziale werden benannt. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht würde man sich nicht nur eine qualitative Betrachtung der einzelnen Unterkapitel vom Labor über die Bildgebung bis zum Einwegmaterial wünschen. Eine quantitative Darstellung etwa beim Einwegmaterial im Vorher- und Nachher-Modus würde die Performance des Konzeptes greifbarer machen.

Fazit

Mehrmals wird betont, dass der Fokus auf den Erträgen, den Personal- und Sachkosten liegt. Das zu Grunde liegende implizite Organisationsmodell scheint daher eine funktionale Organisation zu sein. In vielen kleineren Schritten werden die Möglichkeiten der Optimierung klar und an Hand von Beispielen manchmal recht plakativ angesprochen. Der Schwerpunkt liegt auf den Kernprozessen, während das Potenzial der Unterstützungs- und Lenkungsprozesse wenig beleuchtet wird. Somit muss das Neugestalten der Organisation insbesondere mit dem Potenzial der Digitalisierung in Kern-, Unterstützungs- und Lenkungsprozessen einem weiteren Band vorbehalten werden. Der Nutzen des Konzepts wird zwar bereits im ersten Kapitel angerissen, aber ist nicht wirklich ausgefaltet.


Rezension von
Prof. Dr. Paul Brandl
war Professor für Organisationsentwicklung und Prozessmanagement, Berater für die Optimierung von Prozessen bei sozialen Dienstleistungen und Neugestaltung von sozialen Dienstleistungen insbesondere aus Sicht der KlientInnen und der Digitalisierung sowie dem prozessbasierten Qualitätsmanagement (pQMS extended®)
Homepage www.fh-ooe.at
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Zitiervorschlag
Paul Brandl. Rezension vom 04.06.2021 zu: Peter Bertke, Martin Nufer: Performance-Steigerung Krankenhaus. Mehr Leistung und Qualität mit System. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft (Berlin) 2020. ISBN 978-3-95466-565-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27662.php, Datum des Zugriffs 28.09.2021.


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