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Jan Schaller: Papierlos studieren

Cover Jan Schaller: Papierlos studieren. Wissenschaftlich arbeiten in digitalen Zeiten. UTB (Stuttgart) 2020. 90 Seiten. ISBN 978-3-8252-5463-6. 10,00 EUR, CH: 13,50 sFr.
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Thema

Immer mehr Dienstleistungen finden heutzutage digital statt. Tendenz steigend. Von der Buchung einer Fahrkarte für die Bahn bis hin zur Steuererklärung oder dem digitalen Behördengang. In den seltensten Fällen ist für diese Prozesse noch ein analoges Schriftstück auf Papier erforderlich. Auch in anderen Bereichen des Lebens nimmt die Relevanz von digitalen Dokumenten zu. So etwa im Rahmen eines Studiums. Skripte der Vorlesungen liegen als PDF vor, Vorlesungen selbst werden per Bildschirmpräsentation durchgeführt. Daher scheint es nur naheliegend auch als Student*In papierlos zu arbeiten. Papierloses Arbeiten ist schon seit geraumer Zeit ein Trend, den insbesondere viele Startups sich auf die Fahnen geschrieben haben. Was papierloses Arbeiten konkret für Studierende bedeutet und wie jene papierlos studieren beschreibt der Autor im vorliegenden Buch.

Autor

Jan Schaller, M.A. (Politikwissenschaften) ist am Institut für Transformation, Wohnen und soziale Raumentwicklung der Hochschule Zittau/Görlitz als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Zudem betreibt er einen Blog, in dem das Thema des vorliegenden Buches behandelt wird.

Entstehungshintergrund

Das Buch ist basierend auf der persönlichen Erfahrung des Autors mit dem Thema des papierlosen Arbeitens bzw. Studierens entstanden. Den dabei beschrittenen Weg zeichnet der Autor kurz nach und möchte mit seinem Werk einen Beitrag dazu leisten, dass Studierende, die sich für das Thema papierloses Studieren interessieren, einen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten, aber auch die Stolpersteine erhalten, und einen eigenen Weg in eine papierlose Arbeitsweise finden.

Aufbau

Zu Beginn des Buches stellt sich der Autor kurz vor und geht auf die Inhalte ein, welche der/die Lesende im Buch zu erwarten hat. Als Einstieg teilt der Autor einige Erfahrungen aus seiner eigenen Zeit als Student. Aufbauend auf diesen Erfahrungen folgt dann ein Kapitel, welches sich mit der Grundausstattung für papierloses Studieren beschäftigt und verschiedene Hardwarelösungen vorstellt. Die ersten Berührungspunkte mit der Arbeit ohne Papier kommen im Kapitel „Das erste Zeitalter ohne Langeweile: Zeitsouveränität“ zustande. Bis zu diesem Punkt legt der Verfasser in seinem Werk die Grundlagen für die kommenden Kapitel, indem er kurz auf verschiedene theoretische Konzepte und Methoden eingeht, welche für eine strukturierte und organisierte Arbeit hilfreich sind. Für Wissbegierige, denen diese zusammenfassende Abhandlung nicht ausreicht, nennt der Autor einige Werke, die sich intensiver mit der Materie Zeitsouveränität und Arbeitsorganisation befassen. Anschließend spannt Jan Schaller einen Bogen, beginnend mit der Aufgabenverwaltung, über das Mitschreiben in Vorlesungen, dem Verfassen wissenschaftlicher Texte bis hin zur Arbeit mit Literaturverwaltungen. Die einzelnen Kapitel sind kurzgehalten und können auch eigenständig – etwa zum Nachschlagen – gelesen werden. Zudem gibt es zwischen den einzelnen Kapiteln Querverweise, die es ermöglichen schnell das gewünschte Thema zu finden. Zusätzlich fasst der Autor zum Ende jedes Kapitels die Inhalte desselben in einer Auflistung zusammen, und führt dem/der Lesenden somit noch einmal die Kernaussagen vor Augen.

Inhalt

Nach einer kurzen Einführung stellt der Autor das Begeisterung-Wissen-Paradoxon vor. Er bezieht sich dabei auf Wolf Wagner und die Themen Uni-Angst und Uni-Bluff. Das Kapitel mag verwundern, da es auf den ersten Blick nicht mit dem Thema, dass der Buchtitel erwarten lässt, zusammenhängt. Schnell wird aber klar: Auch im digitalen Studium gibt es „Grundsätze“, die nicht einfach ignoriert werden können. Vielmehr noch: Das Kapitel ist ein Apell sich selbst zu reflektieren, und das gilt eben auch für papierloses Arbeiten.

Das richtige Set-up: Das zweite Kapitel widmet sich der Basis papierloser Arbeit: Der erforderlichen Hardware. Jan Scheller greift daneben auch verschiedene Softwarelösungen auf, und zeigt im Vergleich die Vorzüge und Schwächen. Schnell wird der/dem Lesenden klar, dass hier die individuellen Anforderungen eine entscheidende Rolle spielen. Durch die Ausführungen des Autors erhält der/die Leser*In einen guten Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten und kann schon beim Lesen abwägen, welche für den eigenen Bedarf am besten geeignet sind. Daneben bietet der Autor anhand einer kurzen Tabelle einen Vergleich bzgl. des Funktionsumfangs zwischen den Gerätekategorien Tablet und Laptop.

Zeitsouveränität: Auch in der digitalen Welt sollte sich verschiedener methodischer Vorgehensweisen bedient werden, um zielführend und zufriedenstellend arbeiten bzw. studieren zu können. So lässt sich der Inhalt dieses Kapitel in einem Satz zusammenfassen. Jan Schaller stellt in diesem Themenblock unter anderem folgende Techniken und Methoden vor:

  • Lebenshüte-Methode von Lothar Seiwert
  • Tagesorganisation in Blöcken
  • Konzentrierteres Arbeiten mit Pomodoro

Die vorgestellten Techniken werden kurz beschrieben, sodass der/die Leser*In sie sofort anwenden kann. Für all jene, die tiefer in die skizzierten Themen einsteigen wollen, werden Lesetipps zur Verfügung gestellt.

Aufgabenverwaltung: Dies ist das erste Kapitel, dass sich vollkommen einem Themenkomplex und dessen Abbildung mit Hilfe einer App widmet. Der Autor geht das Ganze auf Basis eines Konzeptes des US-Amerikaners David Allen an. Die Rede ist hier vom Getting Things Done Konzept. Die Idee hinter dem Konzept stellt Jan Schaller anhand einer App dar. Zudem geht er dabei auf die verschiedenen verfügbaren Versionen sowie deren Vor- und Nachteile ein. Auch alternative Software wird angesprochen, und kann (dank eines QR-Codes) dann auch in einem kurzen Screencast Video bewundert werden.

Dateiorganisation: Nachdem die Basis für erfolgreiches digitales Arbeiten mit der passenden Aufgabenverwaltung gelegt ist, steht dem papierlosen Studieren nichts mehr im Wege, könnte man meinen. Der Autor belehrt einen an dieser Stelle eines Besseren und greift mit dem Kapitel „Dateien speichern und organisieren“ eine weitere wichtige Grundlage für erfolgreiches papierloses Arbeiten auf. Dabei zeigt er verschiedene Möglichkeiten Dateien zu speichern und auf verschiedenen Geräten verfügbar zu machen. Stichwort: Cloud. Eine Tabelle zeigt die gängigsten Clouddienste im Vergleich. Aber auch die Organisation einzelner Dateien ist Thema dieses Kapitels. Hier weiß der Autor anhand eines Beispiels lebhaft aufzuzeigen, dass es neben der Organisation in Ordnern weitere flexible Möglichkeiten gibt.

Backups: Auch dieses Kapitel widmet Jan Schaller den Grundlagen. Kurz und knapp legt er da, wieso es Backups bedarf, wie diese auf unterschiedliche Weise durchgeführt werden können und was dazu erforderlich ist. Zudem gibt er dem/der Leser*In an dieser Stelle einfache Faustformeln an die Hand, welche bei der Umsetzung einer einfachen, aber sicheren Backup Strategie helfen.

PDF: Mit dem Dateiformat PDF dürften die meisten Menschen schon einmal in Berührung gekommen sein. Nichtsdestotrotz widmet der Autor diesem Format ein eigenes Kapitel, in dem er kurz dessen Geschichte darstellt. Darüber hinaus zeigt er die Wichtigkeit des PDFs für papierloses Arbeiten auf. Auch die Erstellung, das Bearbeiten und weitere Funktionen wie OCR werden von Jan Schaller in diesem Zusammenhang vorgestellt. Das neben einzelnen Apps auch Bordmittel der Betriebssysteme für die Arbeit mit PDFs zum Einsatz kommen können, weiß der Autor genauso darzulegen wie auf Funktionen einzugehen, die etwas für fortgeschrittene Nutzer und Profis sind.

Digitale Mitschriften: Um die soeben angesprochenen PDFs mit Notizen versehen zu können, oder gar komplette Mitschriften anzufertigen, gibt es diverse digitale Möglichkeiten, auf die der Autor in diesem Kapitel Bezug nimmt. An dieser Stelle bricht der Autor eine Lanze für die Arbeit mit einem Tablet in Kombination mit einem Stift. Die Gründe dafür sind vielfältig und werden von Jan Schaller im Kapitel dargelegt. Auf passende Software geht der Autor ebenfalls ein.

Ideen sammeln und strukturieren: Hier gibt der Autor grundlegende Tipps für das Zusammentragen von Ideen. Dabei geht er auch auf Apps ein, die dies auf Tablet und Laptop ermöglichen. Neben Mindmaps werden Outlines explizit erwähnt. Die Vielzahl der dafür verfügbaren Programme bricht der Autor auf ein überschaubares Maß herunter und vergleicht den Funktionsumfang, auch in Hinblick auf eine unnötige Überladung mit Möglichkeiten bzgl. des Verwendungszweckes. 

Wissenschaftliche Texte schreiben: Nachdem die Ideen gesammelt und sortiert sind geht es munter ans Schreiben der Arbeit. Jan Schaller wagt in diesem Themenblock den Blick über den Tellerrand und geht auf Alternativen für Word ein, die das Verfassen wissenschaftlicher Texte ermöglichen. Neben einer reinen Kosten-Nutzen-Abwägung greift er hier auch Aspekte wie Probleme mit der Formatierung auf. Die vorgestellte Software reicht von einfachen Apps bis hin zu LaTeX.

Präsentieren: Dieses Kapitel ergänzt die vorherigen und zeigt kurz und knapp einige Ideen für gelingende Präsentationen auf.

Literaturverwaltungen: Gerade für die Arbeit an einer Hochschule ist der Umgang mit Quellen essentiell. Der Autor nutzt dieses Kapitel dazu dies hervorzuheben und stellt eine Vielzahl an verschiedene Tools vor, die bei der Verwaltung von Quellen und Literatur helfen. Dazu zählen:

  • Citavi
  • Bookends
  • Mendeley
  • Zotero
  • Ennote

Diesem Kapitel folgt ein weiteres, das den Leser dazu motiviert den Schritt in eine papierlose Zukunft zu wagen und einfach mal zu experimentieren.

Diskussion

Die im Buch dargelegten Themen geben die wesentlichen Themen wieder, die Studierenden im Hochschulalltag begegnen. Jan Schaller zeigt auf, wie sich einzelne Aufgaben mit Smartphone, Tablet und PC erledigen lassen – bzw. wie entsprechende Apps dabei helfen, die anfallenden Aufgaben effizient und methodisch strukturiert umzusetzen. Sein Studienratgeber folgt dabei einem klar erkennbaren roten Faden, der zunächst einige Methoden vorstellt, bevor sich der Arbeitsorganisation und der Umsetzung gewidmet wird. Die einzelnen Kapitel sind kurz und prägnant gehalten. Daher kommen nicht alle Aspekte der einzelnen Themen zur Sprache, sondern werden nur kurz angerissen, wie z.B.: beim Thema „Backups“ oder dem Thema „Dateien speichern und organisieren“. Was zunächst wie ein Nachteil klingt, verhilft dem Buch hingegen zu seiner Stärke: Jan Schaller fasst Themenkomplexe so zusammen, dass diese für eine breite Leserschaft verständlich und umsetzbar sind, kurzum das Gros an Studierenden. Zudem stellt der Autor in seinem Blog (https://papierlos-studieren.net) zusätzliche Informationen zum Thema zur Verfügung.

Fazit

Das vorliegende Buch „Papierlos studieren“ von Jan Schaller bietet einen guten Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten digital zu studieren. Dabei kann der Studienratgeber sowohl als Ganzes gelesen werden, als auch als Nachschlagewerk fungieren. Egal ob es sich um die Organisation anfallender Aufgaben oder das Verfassen von wissenschaftlichen Texten handelt. Zu all diesen Aspekten stellt der Autor verschiedene Möglichkeiten der digitalen Bearbeitung vor. Dabei orientiert sich Jan Schaller an eigenen Erfahrungen und gibt diese an die Lesenden weiter. Positiv: Er zeigt Alternativen auf und betont, dass jeder den für sich passenden Workflow, und das dazugehörige Set-up entdecken muss. Somit ist der Studienratgeber als ein Handbuch zu verstehen, dass eine Bandbreite an Werkzeugen und deren Nutzen präsentiert, sowie die Begeisterung für papierloses Arbeiten wecken möchte. In welchem Umfang diese dann genutzt werden entscheidet der/die Leser*In selbst. Empfehlenswert ist das Buch für all jene, die auf der Suche nach einem kompakten Ratgeber sind, und papierloses Arbeiten im Studium ausprobieren und umsetzen möchten. Technikbegeisterte Nutzer, die bereits selbst viel mit entsprechenden Programmen und Methoden experimentiert haben, werden in diesem Buch hingegen kaum etwas Neues entdecken – wenngleich es eine gute Zusammenfassung liefert, anhand der eigene Workflows reflektiert und bei Bedarf angepasst werden können.


Rezension von
Marc-Dominique Barth
staatlich anerkannter Erzieher, Student im Masterstudiengang Kindheits- und Sozialwissenschaften mit dem Vertiefungsschwerpunkt „Management und Beratung“ an der Hochschule Koblenz
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Zitiervorschlag
Marc-Dominique Barth. Rezension vom 27.04.2021 zu: Jan Schaller: Papierlos studieren. Wissenschaftlich arbeiten in digitalen Zeiten. UTB (Stuttgart) 2020. ISBN 978-3-8252-5463-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27685.php, Datum des Zugriffs 10.05.2021.


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