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Stephan Rietmann, Maik Sawatzki u.a. (Hrsg.): Beratung und Digitalisierung

Cover Stephan Rietmann, Maik Sawatzki, Mathias Berg (Hrsg.): Beratung und Digitalisierung. Zwischen Euphorie und Skepsis. Springer VS (Wiesbaden) 2019. 386 Seiten. ISBN 978-3-658-25527-5. D: 49,99 EUR, A: 51,39 EUR, CH: 55,50 sFr.

Reihe: Soziale Arbeit als Wohlfahrtsproduktion - Band 15.
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Thema

In der aktuellen COVID-19-Krise scheint das Thema Digitalisierung in der Beratungsarbeit aktueller denn je. Es deutete sich bereits früh an, dass Beratungsstellen zu den wichtigsten Eckpfeilern der Aufrechterhaltung von psychosozialer Unterstützung in Zeiten eingeschränkter Kontaktmöglichkeiten und den damit einhergehenden Belastungen gehören. Digitalisierung von Beratung hat dabei als ein wesentlicher Teilaspekt rasend an Bedeutung und an Präsenz im Diskurs zugenommen. Aus heutiger Perspektive wirkt das 2019 erschienene vorliegende Werk somit beinahe wie ein vorausschauender Blick auf die brandaktuellen Herausforderungen der Beratungsarbeit.

Herausgeber und Entstehungshintergrund

Das vorliegende Buch erscheint als Band 15 der Reihe „Soziale Arbeit als Wohlfahrtsproduktion“ der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Die verschiedenen Professionen, Arbeitskontexte und digitalen Sozialisierungserfahrungen der Herausgeber Rietmann, Sawatzki und Berg bilden dabei nicht nur den für die Beratungsarbeit relevanten multiprofessionellen Fachkontext von Psychologie, Sozialer Arbeit und Erziehungswissenschaften ab, sondern nähern sich diesem aktuellen Thema aus unterschiedlichen Richtungen an.

Somit versteht sich das Werk als Ergebnis eines Dialogs, der theoretisch-wissenschaftlich fundiert und gleichzeitig praxisnah verortet ist.

Aufbau und Inhalt

Das Buch präsentiert sich als Sammlung von insgesamt 19 Essays von Autoren unterschiedlichster Fachrichtungen, und gliedert sich inhaltlich in drei Themenbereiche.

Der erste Teil „Transdisziplinäre Aspekte von Digitalisierung“ kreist das Thema der Digitalisierung aus der Perspektive verschiedener Fachdisziplinen ein. Dabei beschränkt sich der Blickwinkel nicht auf den psychosozialen Bereich, sondern nimmt auch kulturelle, soziologische und politische Aspekte auf, sodass auch dem globalisierenden Aspekt der Digitalisierung Rechnung getragen wird.

Nach dieser grundlegenden Einordnung der Gesamtthematik lenkt der zweite Abschnitt „Digitale Themen der sozialen Beratung“ den Blick auf den aktuellen Status quo. Der Blick schweift dabei von den praxisrelevanten Gefahren der Digitalisierung, mit denen Berater*innen konfrontiert sind, zu den Chancen und Innovationen, die digitale Beratung bietet und erfordert. Auch der Aspekt der Herausforderungen, die dieses Thema für Institutionen und Fachkräfte sowohl auf konzeptioneller als auch auf individueller Ebene mit sich bringt, wird ausführlich beleuchtet.

Der dritte Teil „Digitalisierung in der Praxis sozialer Beratung“ wartet dann mit konkreten praxisrelevanten Bezügen auf. Auch hier ist die inhaltliche Spanne breit gefächert. Sie erschließt am einen Ende des Spektrums Ideen für die Arbeit mit zu Beratenden in verschiedenen Kontexten, und zeigt am anderen Ende anhand konkreter Beispiele auf, wie sich Beratung in Zeiten der Digitalisierung innovativ und kreativ weiterentwickeln kann.

Diskussion

Das vorliegende Buch bietet einen umfassenden Überblick und Einblick in ein Thema, das in der aktuellen Beratungspraxis von höchster Relevanz ist. Es schafft den Balanceakt, die multiperspektivische Breite des Themas abzubilden, gleichzeitig aber die fachliche Komplexität der Einzelaspekte und den Praxisfokus nicht aus den Augen zu verlieren. Dabei werden auch immer wieder ungewöhnliche und überraschende Aspekte aufgegriffen – hier sei exemplarisch der spannende politwissenschaftliche Exkurs über das digitale Sozialkreditsystem Chinas genannt – mit denen das Buch bereichernde Blicke über den themenüblichen Horizont wagt.

Im Ergebnis wird die Digitalisierung auf angemessene Weise als Herausforderung für Berater*innen und zu Beratende kritisch reflektiert ohne dabei einen blockierenden Blickwinkel einzunehmen – und bietet andererseits einen kreativen und optimistischen Blick auf die Chancen, die dieses Thema bietet, ohne sich dabei in Utopie zu verlieren. So schafft dieses Werk bravourös den Drahtseilakt seiner sich selbst im Untertitel auferlegten Verortung: „Zwischen Euphorie und Skepsis“.

Fazit

Mit dem Buch „Beratung und Digitalisierung – Zwischen Euphorie und Skepsis“ gelingt es den Herausgebern Rietmann, Sawatzki und Berg, ein Thema, das im Beratungsalltag für Fachkräfte und Institutionen häufig als anstrengend oder sogar überfordernd wahrgenommen wird, auf vielfältige und manchmal überraschende Weise seiner Schwere zu entheben, kreative Impulse zu setzen und zu einer konstruktiven persönlichen Auseinandersetzung und Weiterentwicklung anzuregen. Eine Pflichtlektüre für alle Fachkräfte, die sich mit diesem Thema konfrontiert sehen!


Rezension von
Dennis Niermann
Dipl. Sozialpädagoge/-arbeiter, systemischer Therapeut und systemischer Supervisor; Mitarbeiter des Psychologisches Beratungszentrum der Evangelischen Gemeinde zu Düren und freiberuflicher Supervisor
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Zitiervorschlag
Dennis Niermann. Rezension vom 08.02.2021 zu: Stephan Rietmann, Maik Sawatzki, Mathias Berg (Hrsg.): Beratung und Digitalisierung. Zwischen Euphorie und Skepsis. Springer VS (Wiesbaden) 2019. ISBN 978-3-658-25527-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27739.php, Datum des Zugriffs 06.03.2021.


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