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Franziska Schulze-Stocker, Christian Schäfer-Hock u.a. (Hrsg.): Wege zum Studienerfolg

Cover Franziska Schulze-Stocker, Christian Schäfer-Hock, Henriette Greulich (Hrsg.): Wege zum Studienerfolg. Analysen, Maßnahmen und Perspektiven an der Technischen Universität Dresden 2016 - 2020. TUDpress (Dresden) 2020. 465 Seiten. ISBN 978-3-95908-188-7. D: 44,80 EUR, A: 46,10 EUR.
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Thema

Der Band stellt zwölf Projekte der Technischen Universität Dresden vor, die den Studienerfolg fördern und dazu beitragen sollen, Studienabbrüche zu verhindern. Diese Projekte verstehen sich als Modellversuche, dem Problem der Studienabbrüche an der TU Dresden zu begegnen und dadurch Anregungen für künftige Maßnahmen zu entwickeln. Die Publikation will gleichzeitig übergreifende Impulse zur Prävention von Studienabbrüchen geben. Gerahmt werden die Projektbeschreibungen von einleitenden theoretischen Analysen zu Dimensionen des Studienerfolgs und Determinanten des Studienabbruchs sowie von einem kritischen, aber auch zukunftsweisenden Fazit. Auch an der TU Dresden stellt es seit einigen Jahren eine Herausforderung dar, die Quote der Studienabbrecherinnen und -abbrecher zu verringern. Nahezu jede und jeder Zweite eines Jahrgangs nimmt gegenwärtig ein Studium auf (Sarcletti, S. 21). So gelangen Studierende mit äußerst heterogenen Voraussetzungen an die Hochschulen und Universitäten. Damit werden die Studienanforderungen ganz unterschiedlich bewältigt oder eben nicht bewältigt. Beachtung findet auch die Situation nicht deutschsprachiger bzw. internationaler Studierender. Die Projekte orientierten sich nicht an einer vorgegebenen Definition von Studienerfolg, sondern sie untersuchten diesen unter verschiedenen Aspekten. Als verbindlich galt lediglich ein Minimalkonsens, Studienerfolg daran zu messen, dass möglichst viele Studierende in einem vertretbaren Zeitrahmen zu einem erfolgreichen Studienabschluss geführt werden. Das bedeutet vor allem eine Reduktion der Studienabbruchsquote (Schäfer-Hock, Schulze-Stocker, Greulich S. 7).

HerausgeberInnen

Die HerausgeberInnen gehören gemeinsam mit anderen Autorinnen und Autoren des Bandes zu den wissenschaftlichen ProjektmitarbeiterInnen der Technischen Universität Dresden bzw. sind in die wissenschaftliche Begleitung der dargestellten Projekte involviert. Die Studienerfolgsprojekte wurden neben der zentralen und fachspezifischen Studienberatung u.a. von Fakultäten, Professuren, Dezernaten sowie von mitarbeitenden Studierenden der TU Dresden getragen.

Entstehungshintergrund

Die Projekte an der TU Dresden sind in die hochschulpolitischen Entwicklungen Sachsens eingebunden. Evaluationen zum Studienerfolg und daraus abgeleitete Studienerfolgsstrategien finden an sächsischen Hochschulen bereits seit 2015 statt. Im Jahr 2016 wurde der Hochschulentwicklungsplan 2025 (HEP) vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK) mit Fokus auf das Thema Studienerfolg beschlossen. Der HEP 2025 diente als Basis für Zielvereinbarungen zwischen den einzelnen Hochschulen und dem SMWK für die Jahre 2017 bis 2020 (Stange S. II). Finanzierung und Verwaltung der Mittel der Studienerfolgsprojekte der TU Dresden erfolgten durch den Europäischen Sozialfonds, das SMWK sowie die Sächsische Aufbaubank.

Aufbau

Teil A, die Einleitung, geht auf die Zielstellungen der Publikation ein – die Darstellung von Erfolgen, Herausforderungen sowie allgemeiner theoretischer und praktischer Relevanz der Projekte – und gibt einen Kurzüberblick über die publizierten Projekte. Teil B widmet sich übergreifenden Betrachtungen, Analysen und Befunden zum aktuellen Stand der Theoriediskussion sowie zu den Ergebnissen empirisch-quantitativer Erhebungen zum Thema Studienabbruch. Teil C bildet den Schwerpunkt des Sammelbandes. Es werden zwölf Projekte und Maßnahmen zur Steigerung des Studienerfolgs an der TU Dresden vorgestellt. Sie alle haben zum Ziel, mögliche kritische Faktoren für den Studienabbruch zu identifizieren und den Studierenden in fachlicher, überfachlicher, studienorganisatorischer oder sprachlicher Hinsicht Unterstützung anzubieten. Damit wollen sie einen Beitrag zur Prävention von Studienabbrüchen leisten. Die zwölf Projekte lassen sich in vier Gruppen klassifizieren:

  • Nutzung von Online-Kommunikation, Digitalisierung und Gamification
  • Orientierung und Beratung auf der Basis datengestützter Ansätze
  • auf Internationalisierung, Sprache und Kultur ausgerichtete Ansätze
  • Projekte zur Erhöhung des Praxisbezuges und zur Verbesserung der Studierfähigkeiten

Der Band schließt mit einer Einordnung der Projektergebnisse in das Konzept der Studienerfolgsstrategie der TU Dresden sowie einem Ausblick auf zentrale, zukunftsweisende und verallgemeinerbare Befunde der Projekte.

Inhalt

In ihrem einleitenden Beitrag gehen die AutorInnen auf Signifikanz und Tragweite der steigenden Zahlen von Studienabbrüchen ein. Sie nennen die Zielstellungen des Bandes, nämlich die Darstellung von Erfolgen und Herausforderungen der Projekte mit dem Fokus auf eine Optimierung künftiger Maßnahmen, die Herauskristallisierung übergeordneter Erfolgsbedingungen und Anhaltspunkte sowie die Beantwortung der Fragen nach dem tatsächlichen Beitrag der Projekte für den Studienerfolg an der TU Dresden seit 2016 und nach möglichen Lerneffekten. Es wird außerdem hinterfragt, was Studienabbruch und Studienerfolg für die Studierenden bzw. AbbrecherInnen, aber auch für Hochschule und Arbeitsmarkt bedeuten. Im Theorieteil des Bandes entwickelt Andreas Scarlatti die verschiedenen Aspekte des Begriffs Studienerfolg und gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Theoriediskussion. Daran schließt sich die Auswertung zweier quantitativ-empirischer Befragungsstudien durch Robert Pelz sowie Franziska Schulze-Stocker an. Sie arbeiten Faktoren für Studienabbruch und Studienerfolg an der TU Dresden heraus. Christian Engel und Meinhardt Branig nehmen in ihrem Beitrag die Vielfalt der Studierendenschaft an der TU Dresden in den Blick und untersuchen in einer Befragung daraus resultierende Einflüsse auf Studienabbruch und -erfolg. Der Hauptteil des Bandes, stellt zwölf Studienerfolgsprojekte vor. Alle Darstellungen folgen einem einheitlichen Aufbau: Einleitung und Ziel, theoretische Basis, Projektbeschreibung sowie Weiterentwicklung und Ausblick (vgl. Schäfer-Hock, Schulze-Stocker, Greulich S. 13). Die drei Projekte der ersten Gruppe setzten auf die Nutzung von Online-Kommunikation, Digitalisierung und Gamification (Spielifizierung). Für das Mobile Studienassistenzsystem (SAS) wurden Onlineangebote für Studierende aus MINT- (Mathematik-Informatik-Naturwissenschaften-Technik) und Lehramtsstudiengängen in der Studieneinstiegsphase entwickelt. Um die fachliche Anschlussfähigkeit der Studierenden in MINT-Fächern zu Beginn des Studiums zu unterstützen, wurden im nächsten Projekt Online-Vorbereitungs-Kurse (OVK) angeboten. Im Projekt Studiengänge flexibel gestalten (SFG) entstand ein Ansatz zur Flexibilisierung von Studienangeboten, um eine bessere Vereinbarkeit des Studiums mit zusätzlichen Verpflichtungen wie Kinderbetreuung, Erwerbstätigkeit oder Pflege zu ermöglichen. In weiteren drei Projekten wurden datengestützte Ansätze zur Orientierung und Beratung realisiert. Das Frühwarnsystem für Probleme im Studium PASST?! (PAS) diente der frühzeitigen Identifikation möglicher StudienabbrecherInnen und einer entsprechend rechtzeitigen Intervention. Mit dem DiagnostikTool (DNT) sollte individuelle Unterstützung in kritischen Phasen des Lebenslaufs wie dem Studieneinstieg, dem Studienplatzwechsel, dem Studienabbruch oder dem Studienabschluss geleistet werden. Damit verbunden war das Angebot einer individuellen Beratung. Das Online-Self-Assessment (OSA) zielte darauf, im Vorfeld des Studiums mit Hilfe eines webbasierten Selbsteinschätzungstests tragfähige Studienwahlentscheidungen zu ermöglichen. Die nächsten drei Projekte galten internationalen Studierenden bzw. der internationalen Anschlussfähigkeit von Studierenden in Forschung und Arbeitsmärkten. Ein englischsprachiger Beitrag zum Projekt thermoEintint (THE) stellt die Verbesserung der Studienbedingungen für internationale Studierende durch ein fachspezifisches, englischsprachiges Online-Self-Assessment-Angebot im Grundlagenfach Technische Thermodynamik dar. Das Projekt DaF trifft MINT – Fachspezifische Deutschkurse (FDM) diente der Förderung der Fach- und Wissenschaftssprache bei internationalen Studierenden von MINT-Fächern mittels Präsenzlehrveranstaltungen. Zielgruppe von Studi-SPRINT (SIT) waren Studierende der Ingenieurswissenschaften, die sich durch interkulturelle und sprachliche Weiterbildungsangebote auf die Arbeitswelt in Zeiten der Globalisierung vorbereiten konnten. Die letzte Gruppe bilden drei Projekte zur Erhöhung des Praxisbezuges und der Verbesserung der Studierfähigkeiten. Die Orientierungsplattform Forschung und Praxis (OFP) ermöglichte praktische Einblicke für Studierende verschiedener Fachbereiche in potenzielle zukünftige Tätigkeitsfelder in Unternehmen und Forschungseinrichtungen. Insbesondere Lehramtsstudierende profitierten vom Projekt Mentoring-Tutoring-Coaching (MTC), einer praktischen Vorbereitung auf ihren Berufsalltag, welche in einer durch Coaching angeleiteten MentorInnentätigkeit bestand. Das Schreibzentrum der TU Dresden (SZD) bildete eine zentrale Anlaufstelle für Studierende und Lehrende rund um das akademische Schreiben.

Diskussion

Zweifelsohne steht mit den Studienerfolgsprojekten der TU Dresden ein breites Portfolio an Maßnahmen zur Prävention von Studienabbrüchen und zu Steigerung des Studienerfolgs zur Verfügung. Der theoretische und praktische Ertrag der Projekte lässt sich in vielfacher Hinsicht verallgemeinern und auf andere Hochschulstandorte übertragen. Es wurde gezeigt, dass die Studieneingangsphase eine besonders sensible Phase für Studienabbrüche ist, dass Studienabbrüche vielfältige Ursachen haben können, und dass Studienerfolg aus Studierendenperspektive etwas ganz anderes bedeuten kann als aus hochschul- oder arbeitsmarktpolitischer Perspektive. Der Sammelband sowie die einzelnen Projektdarstellungen sind sehr übersichtlich gegliedert. Sprache, Grafiken und Gesamtdarstellung der Projekte sind verständlich und der Komplexität der Thematik angemessen. Chancen und Grenzen der Studienerfolgsprojekte werden sowohl in der Gesamtschau als auch projektbezogen realistisch beleuchtet. Zwei Aufgaben bleiben als Herausforderungen bestehen: zum einen die Frage, wie solche Projekte nicht nur die ohnehin Motivierten, sondern die tatsächlich abbruchgefährdeten Studierenden erreichen können, und zum anderen die Frage der Messbarkeit des Beitrags der Studienerfolgsprojekte zur tatsächlichen Senkung der Studienabbruchzahlen.

Fazit

In den letzten Jahren ist die Studierendenschaft zahlreicher und heterogener geworden. Damit ist auch das Problem vermehrter Studienabbrüche in den Fokus gerückt. Der Sammelband „Wege zum Studienerfolg“ stellt zwölf Projekte der Technischen Universität Dresden vor, die den Studienerfolg fördern und die dazu beitragen sollen, Studienabbrüche zu verhindern. Diese Projekte basieren auf vier Zugängen: (a) der Nutzung von Online-Kommunikation, Digitalisierung und Gamification, (b) der Orientierung und Beratung auf der Basis datengestützter Ansätze (c) der Ausrichtung auf Internationalisierung, Sprache und Kultur sowie (d) der Erhöhung des Praxisbezuges und der Verbesserung der Studierfähigkeiten. Die sorgfältig erprobten und evaluierten Projekte zur Verbesserung des Studienerfolgs an der TU Dresden bieten über ihren exemplarischen Projektcharakter hinaus vielfältige theoretische und praktische allgemeingültige Ansätze zum Umgang mit Studienabbrüchen und zu Steigerung des Studienerfolgs.


Rezension von
Dr. Jana Swiderski
Erziehungswissenschaftlerin, Arbeitsvermittlerin, Fallmanagerin und derzeit Berufsberaterin bei der Bundesagentur für Arbeit
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Zitiervorschlag
Jana Swiderski. Rezension vom 26.01.2021 zu: Franziska Schulze-Stocker, Christian Schäfer-Hock, Henriette Greulich (Hrsg.): Wege zum Studienerfolg. Analysen, Maßnahmen und Perspektiven an der Technischen Universität Dresden 2016 - 2020. TUDpress (Dresden) 2020. ISBN 978-3-95908-188-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27740.php, Datum des Zugriffs 28.09.2021.


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