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Johanna Gerngroß (Hrsg.): Suizidalität und Suizidprävention

Cover Johanna Gerngroß (Hrsg.): Suizidalität und Suizidprävention bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Schattauer (Stuttgart) 2020. 281 Seiten. ISBN 978-3-608-40019-9. D: 25,00 EUR, A: 25,80 EUR.
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Thema

Im Gesundheits- und Sozialbereich tätige Personen werden regelmäßig mit Personen konfrontiert, die suizidale Krisen haben oder auch konkrete Suizidabsichten. Das Buch gibt Hintergrundwissen und methodisches Handwerkszeug im Umgang mit Menschen in suizidalen Krisen.

Herausgeberin

Die Herausgeberin und Autorin, Johanna Gerngroß, ist Notfallpsychologin sowie Klinische und Gesundheitspsychologin in freier Praxis. Auf Universitätslehrgängen bietet sie die Themen Suizidprävention, Notfall- und Traumapsychologie und Traumapädagogik an. Die weiteren Autorinnen und Autoren sind aus der Wissenschaft und Praxis.

Aufbau und Inhalt

Nach einem Überblick zum Thema Suizidprävention werden die Grundlagen zu Suizidalität und Suizid vorgestellt. Die weiteren Abschnitte sind spezifischen Themen/​Aspekten zum Suizid gewidmet.

Im ersten Abschnitt werden wesentliche Aspekte zum Themenbereich Suizidprävention als Einführung vorgestellt: u.a. die historische Entwicklung und die verschiedenen Arten, nationale Programme und Einrichtungen und allgemeine Überlegungen zur Haltung von Helferinnen und Helfern. Wie alle Abschnitte ergänzen Literaturhinweise den Inhalt.

Diesem Kapitel schließt sich „Grundlagen zu Suizidalität und Suizid“ an. Nach einer Definition wird auf spezifische Mythen und Fakten eingegangen, eine Einteilung von Suiziden wird vorgenommen, Motive, Warnsignale und Anzeichen werden erörtert, Suizidprävention und Medien und rechtliche Informationen runden diesen Abschnitt ab.

Die sich anschließenden Kapitel greifen spezifische Aspekte auf:

  • Hilfe bei akuter Suizidalität (u.a. mit den Themen Übertragung und Gegenübertragung, Umgang und Abklärung, Beziehungsgestaltung und hilfreiche Haltung, Interventionen),
  • die klinische Sicht (Suizidalität und psychische Erkrankungen, chronische Suizidalität, Rückfallprävention, Therapie),
  • Suizidalität bei Kindern und Jugendlichen (Besonderheiten jugendlicher Suizidalität, Warnsignale, Internetnutzung, Prävention),
  • Suizid am Arbeitsplatz (betriebsinterne Kommunikation, Krisenintervention, Prävention).

In einem weiteren Abschnitt wird auf besondere Gruppen eingegangen:

  • Suizidalität im Alter,
  • Menschen mit schweren, körperlichen Erkrankungen und chronische Suizidalität.
  • Suizidalität und Suizidprävention in Einsatzorganisationen am Beispiel der Feuerwehr wird thematisiert,
  • dem schließt sich eine Abhandlung der Phänomene Narzissmus und Suizidalität im Zusammenhang der beiden Entitäten Selbst und Ich an.

Das Buch wird abgeschlossen durch den Abschnitt „Nach dem Suizid: Postvention“ mit den Aspekten Belastungs- und Trauerreaktionen, Scham und Schuldgefühle, Begleitung von Hinterbliebenen und Ressourcen.

Diskussion

Die Einleitung des Buches verspricht nicht zu viel: es bietet Hintergrundwissen und Handwerkszeug im Umgang mit Menschen in suizidalen Krisen und will Unsicherheiten entgegenwirken. Eine beeindruckende Vielzahl von Facetten des Themas wird beleuchtet und es wird eindrucksvoll deutlich, dass die Autorinnen und Autoren auf langjährige Erfahrungen mit dem Thema zurückgreifen können. Entsprechend konkretisieren auch an vielen Stellen des Buches Fallbeispiele die Inhalte und verdeutlichen die Vorgehensweise. Als „roter Faden“ zieht sich der Aspekt der Haltung der Fachkräfte durch viele Abschnitte, dies scheint mir besonders wichtig gerade bei diesem Thema. Gut gelingt es auch den Blick auf Aspekte zu werfen, die nicht so häufig aufgegriffen werden, beispielsweise durch die Abschnitte Suizid am Arbeitsplatz oder Suizidalität in Einsatzorganisationen oder auch das Vorgehen bei den zurückgebliebenen Angehörigen. Da die Thematik für die ganze Lebensspanne aufbereitet wird, werden auch gut die Besonderheiten bzw. Unterschiede (z.B. bei Jugendlichen) zwischen den verschiedenen Altersgruppen deutlich. Überraschend fand ich, dass die bahnbrechende Untersuchung aus Schweden (Wilcox u.a.) zu elterlichem Suizid und den Folgen für die Nachkommen in dem Buch keinen Niederschlag fand, da aus dieser Untersuchung entscheidende Erkenntnisse für die Suizidprävention ableitbar sind. Insgesamt liegt jedoch ein Buch vor, das gerade für Praktiker*innen im Gesundheits- und Sozialbereich absolut empfehlenswert ist.

Fazit

Das Buch ist empfehlenswert für alle Menschen, die in psychosozialen, medizinischen, therapeutischen, beratenden, pädagogischen und pflegerischen Berufen tätig sind und mit dem Thema Suizidalität konfrontiert werden. Auch gut geeignet ist es für die Ausbildung dieser Berufsgruppen, da es einen fundierten Überblick über alle Facetten dieses Themas und unverzichtbare Methodenkenntnisse bietet.


Rezension von
Prof. Ulrich Paetzold
Professor für Psychologie an der Hochschule Lausitz, Fachbereich Sozialwesen in Cottbus. Neben interkulturellen Fragen sind Schwerpunkte in der Lehre: sexueller Missbrauch, Klinische Psychologie, Beratung. Zusatzqualifikationen: Approbation zum Psychologischen Psychotherapeuten sowie verschiedene kognitive Therapieverfahren.
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Zitiervorschlag
Ulrich Paetzold. Rezension vom 02.03.2021 zu: Johanna Gerngroß (Hrsg.): Suizidalität und Suizidprävention bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Schattauer (Stuttgart) 2020. ISBN 978-3-608-40019-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27768.php, Datum des Zugriffs 12.04.2021.


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