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Christian Stadler, Sabine Spitzer-Prochazka u.a.: Stay creative!

Cover Christian Stadler, Sabine Spitzer-Prochazka, Eva Kern, Bärbel Kress: Stay creative! Noch mehr effektive Tools für Beratung, Coaching und Psychotherapie. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2020. 240 Seiten. ISBN 978-3-608-20440-7.

Reihe: Leben Lernen.
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Thema

Angekündigt wird eine neue Toolbox für kreatives Arbeiten mit Gruppen, Teams, Paaren und Einzelnen, dass mit breiten Einsatzmöglichkeiten die Kreativität wecken und „frischen Wind in jeden Prozess“ bringen soll. Das Buch richtet sich an PsychotherapeutInnen, Coaches, SupervisorInnen, TrainerInnen und BeraterInnen.

AutorInnen

Christian Stadler ist Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut, Psychodrama- und EMDR-Therapeut. Er arbeitet in einer Praxis für Psychotherapie, Supervision und Fortbildung in Dachau, ist Geschäftsführer des Moreno Instituts Edenkoben/Überlingen und Mitherausgeber der Zeitschrift für Psychodrama und Soziometrie.

Sabine Spitzer-Prochazka ist Dipl.-Sozialarbeiterin und Psychodrama-Psychotherapeutin. Sie ist tätig in einer Praxis für Psychotherapie und Supervision in Wien.

Eva Kern ist Dipl.-Kauffrau, Psychodrama-Praktikerin und systemische Beraterin. Sie arbeitet als Organisations- und Personalentwicklerin in München.

Bärbel Kress ist ebenfalls Dipl.-Kauffrau und Psychodrama-Praktikerin. Zudem ist sie zertifizierter Business-Coach, Ausbildungsleiterin der CIP Coaching Academy am Centrum für Integrative Psychotherapie, Dozentin und Seminarleiterin.

Entstehungshintergrund

Das AutorInnenteam ergänzt mit diesem Buch den Vorgängerband „Act creative! Tools für Beratung, Coaching, Psychotherapie und Supervision“ aus dem Jahr 2016.

Das Buch erscheint in der Reihe „Leben lernen“ des Klett-Cotta Verlags.

Aufbau

Nach der Einleitung präsentieren die AutorInnen im nächsten Kapitel mit dem Titel „Navigator“ eine Übersicht über die einzelnen Tools. In den folgenden Kapiteln werden die Übungen zu unterschiedlichen Schwerpunkten vorgestellt. Im letzten Kapitel findet sich Zusatzmaterial, dem schließt sich im Anhang eine Übersicht über Kontaktadressen für die Psychodrama Aus- und Weiterbildung, ein Glossar, das Literaturverzeichnis und eine Übersicht über die Kontaktadressen der Autorinnen an. Der Verlag stellt zudem zusätzlichem Downloadmaterial zur Verfügung.

Inhalt

In der Einleitung erklären die Autorinnen, dass sie mit dem vorliegenden Band den LeserInnen Ideen vermitteln wollen, wie sie kreativ mit beruflichen Alltagssituationen umgehen können. Wie bereits mit dem Band »Act creative!« sollen Menschen angesprochen werden, die Lust auf Neues haben und Ideen bekommen möchten, wie sie was und wann ausprobieren können.

Vorgestellt wird, dass die jeweiligen Übungen wie folgt gegliedert sind: Eine Kurzbeschreibung (Worum geht es?), Zielgruppe und Setting (Für wen?), die Ziele, zeitliche Angaben, eine Beschreibung was zu tun ist und eine Auswertung. Vereinzelt werden Variationen, mögliche Kontraindikationen und Literaturhinweise benannt.

Im folgenden zweiten Kapitel vermittelt eine tabellarische Aufstellung im Navigator eine Übersicht über die Schwerpunkte und die Zielgruppen der Übungen. Im ersten Teil werden „Starter“, d.h. Übungen zum Anfang vorgestellt, um eine Erwärmung, das Kennenlernen und Aktivierungen zu unterstützen. Im umfangreichen zweiten Teil mit dem Titel „Explorer“ sollen die vorgestellten Übungen dabei helfen, Themen zu vertiefen. Schwerpunkte liegen in den Bereichen: Herkunft und Biografie erkunden, Verständnis und Vernetzung fördern, Werte und Ziele definieren, Entwicklung und Veränderung gestalten und Stärken und Ressourcen aktivieren.

Im kürzeren dritten Teil werden Übung vorgestellt, die den Beratungs- und Therapieprozess durch einen sogenannten „Integrator“ abrunden sollen. Im vierten Teil mit dem Titel „Designs“ fokussieren die AutorInnen was wichtig ist, wenn Workshops als Tages- oder Halbtagesveranstaltungen für Teams und Gruppen geplant werden. Beispielhaft werden vier konkrete Beispiele herausgearbeitet, wie man einen Seminartag, eine Teammaßnahme, eine längere Supervisionseinheit oder einen Workshop mit vielen kreativen Tools durchstrukturieren kann.

Im fünften Teil werden sogenannte „Specials“ thematisiert. Gemeint sind besondere Herausforderungen wie z.B. der Einsatz der Tools in hoch konflikthaften Teams oder der Umgang mit herausfordernden Persönlichkeiten unter den TeilnehmerInnen. Im abschließenden sechsten Teil wird Zusatzmaterial für einzelne Übungen vorgestellt.

Im Anhang finden sich Adressen für eine Psychodrama Aus- und Weiterbildung, ein Glossar (im Wesentlichen über Begriffe aus dem Kontext des Psychodramas), ein Literaturverzeichnis und die Kontaktdaten der AutorInnen.

Diskussion

Vorgestellt werden systematisch Übungen für das Gruppen-, Einzel- und Paarsetting und für die Supervision. Quellenangaben zu den Übungen finden sich nicht. Im Wesentlichen entstammen die Tools aus der Gruppendynamik, der Gestalttherapie und dem Psychodrama. Die AutorInnen beziehen sich im Wesentlichen auf die Theorie des Psychodramas, wenn sie z.B. davon ausgehen, dass Kreativität eine in jedem Menschen inhärente Kraft sei, die ihm hilft, sein Leben aktiv und gesund zu gestalten. Manchmal sei diese Kraft jedoch blockiert. Dann könne kann ein passendes, aktivierendes Tool dabei helfen, diesen inneren (Selbstheilungs-)Prozess wieder in Fluss zu bringen.

Erläutert wird in der Einleitung jedoch nur kurz, dass neben dem Erleben des kreativen und belebenden Potenzials während der Handlung eine nachfolgende Reflexion wichtig sei. Hier wird nicht auf mögliche Risiken und Nebenwirkungen verwiesen. Beispielhaft sei hier auf den Einsatz des Genogramms oder auf den Umgang mit sogenannten Glaubenssätzen verwiesen, wobei letztere im Chor von der Gruppe gesungen werden sollen. Solche Sätze können zum Beispiel sein: „Ich bin merkwürdig“, „Ich bin selbstsüchtig“, „Ich mache viele Fehler“. Hier hätte zumindest auf mögliche Risiken hingewiesen werden müssen.

Ein weiterer Aspekt irritiert mich: Jede Übung beinhaltet die Kategorie: „was kommt dabei heraus?“ Hier werden zum Beispiel mögliche Reflexionsfragen und Themen für den Gruppenprozess benannt. Vermittelt wird jedoch nicht, dass in nicht- trivialen Systemen nicht vorausgesagt werden kann „was bei einer Übung herauskommt“.

In der lockeren Ansprache der LeserInnen entsteht bei mir mehrfach der Eindruck, dass die Aktion im Vordergrund steht. Nicht deutlich vermittelt wird, dass alle Übungen immer nur Anstöße geben können. Es reicht eben nicht, wie in der Ankündigung des Buches vermittelt wird, dass die handlungsorientierten Interventionen ein geeignetes Mittel sind, um frischen Wind in jeden Prozess zu bringen.

Fazit

Vorgestellt werden systematisch handlungsorientierte Interventionen für unterschiedliche Settings.


Rezension von
Dr. Jürgen Beushausen
Hochschule Emden Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit, Supervisor, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Traumatherapeut
Homepage juergenbeushausen.de.tl
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Zitiervorschlag
Jürgen Beushausen. Rezension vom 10.02.2021 zu: Christian Stadler, Sabine Spitzer-Prochazka, Eva Kern, Bärbel Kress: Stay creative! Noch mehr effektive Tools für Beratung, Coaching und Psychotherapie. Klett-Cotta Verlag (Stuttgart) 2020. ISBN 978-3-608-20440-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27780.php, Datum des Zugriffs 14.06.2021.


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