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Hugo Mennemann, Jörn Dummann: Einführung in die Soziale Arbeit

Rezensiert von Prof. Dr. Peter-Ulrich Wendt, 19.01.2022

Cover Hugo Mennemann, Jörn Dummann: Einführung in die Soziale Arbeit ISBN 978-3-8487-6185-2

Hugo Mennemann, Jörn Dummann: Einführung in die Soziale Arbeit. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2020. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. 221 Seiten. ISBN 978-3-8487-6185-2. 25,00 EUR.
Reihe: Studienkurs Soziale Arbeit
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Thematischer Rahmen

Einführungen in die Soziale Arbeit liegen einige vor (z.B. Böhnisch/Schröer 2013, Deller/​Brake 2014, Erath/​Balkow 2016, Löcherbach/Puhl 2016, Schilling 2017, Graßhoff/Renker/Schröer 2018 und Wendt 2021), und jede ist auf ihre Art speziell, so auch die von Hugo Mennemann und Jörn Dumann, die nun in dritter Auflage vorliegt (die zweite Auflage wurde 2020 von mir besprochen: https://www.socialnet.de/rezensionen/​24521.php).

Verfasser

Beide Verfasser sind Professoren am Fachbereich Sozialwesen der Fachhochschule Münster: Dr. phil. Hugo Mennemann mit dem Lehr- und Forschungsschwerpunkten „Disziplin und Profession Sozialer Arbeit; gesundheitsbezogene Gemeinwesenarbeit (Care und Case Management, Sterbebegleitung, soziale Altenarbeit); Praxisforschung, Praxisentwicklung und Projektmanagement“ und Dr. phil. Jörn Dummann mit der Denomination „Profession der Sozialen Arbeit und Intergenerativität“.

Inhalt

Die dritte Auflage hat einen Umfang von 219, sie ist überarbeitet und auf den ersten Blick um 20 Seiten erleichtert, was Streichungen vermuten lässt (die es gibt, z.B. im Abschnitt C. Soziale Arbeit als Profession), aber insgesamt auf ein komprimiertes Layout zurückzuführen ist, denn der Band ist substantiell erweitert worden. Die beiden Verfasser verstehen ihr Buch, wie sie in der knappen Einführung schreiben, weiter (wie schon in der zweiten Auflage) als „eine ideenreiche, interessante und anregende Einführung in die Wissenschaft der Sozialen Arbeit“ für Student*innen im ersten Semestern, also eine Einführung in eine „vergleichsweise junge Wissenschaft, deren ‚Kern‘ beziehungsweise identitätsstiftendes Selbstverständnis“ noch „nicht eindeutig geklärt“ ist und deren Eigenständigkeit „mitunter noch infrage gestellt wird“. Deshalb soll das Buch zugleich auch „einen eigenständigen Beitrag zu ihrer Weiterentwicklung leisten und ihren ‚Kern‘, ihr Zentrum oder ihre ‚Heimat‘ als Disziplin identitätsstiftend beschreiben“ (S. 9). Jedenfalls sei es Ziel des Buches, den Leser*innen „ein erstes Verständnis über Soziale Arbeit zu vermitteln, das zu eigenen weiterführenden Fragen anregt und Interesse entfacht, selbst weiterzudenken und weiterzulesen“ (S. 10.).

Die Einführung gliedert sich in drei Abschnitte:

  1. „A. Grundlagen Sozialer Arbeit als Wissenschaft“ (S. 13 – 98), das um ein kurzes fünftes Kapitel zur Digitalisierung der Sozialen Arbeit erweitert wurde (S. 76–80) und ansonsten die in einer Einführung üblichen Hinweise zur Sozialen Arbeit als Studium, zur Geschichte der Sozialen Abriet, ihrem Auftrag, ihren Charakteristika und Antinomien und ihrem „Kern“ als Wissenschaft enthält;
  2. „B. Soziale Arbeit als Disziplin“ (S. 112 – 177), den überwiegend den (im Unterschied zur zweiten Auflage verändert präsentierten) Theorien und (ein wenig) der Forschung in der Sozialen Arbeit gewidmeten Kapitels; und
  3. „C. Soziale Arbeit als Profession“ (S. 178 – 238) mit vier Kapiteln zu den handlungsbezogenen Leitbegriffen, den drei „klassischen“ Methoden, (ausgewählten) Handlungsfeldern (einerseits Kinder- und Jugendhilfe mit der offene Kinder- und Jugendarbeit, andererseits der sozialen Altenarbeit und der sozialen Psychiatrie) sowie den Organisationen der Sozialen Arbeit.

Neu ist ein abschließender, sehr kurzer „Ausblick“ (S. 217), der einerseits als (berechtigter und zutreffender!) Appell daherkommt, Fachkräfte der Sozialen Arbeit seien „Expert*innen, soziale Miteinander zu begreifen und teilhabeorientiert zu gestalten“, was von ihnen „Selbstreflexion, einen klaren hermeneutischen Blick und vor dem Hintergrund von Theorien und Konzepten begründete Handlungsstrategie“ verlange. Andererseits bringen die Verfasser ihre Hoffnung zum Ausdruck, durch ihr Buch „Appetit“ – sie nennen es „Neugierde und Vorfreude“ – auf die Soziale Arbeit gemacht zu haben.

Auf ein abschließendes Literaturverzeichnis verzichten die Verfasser; stattdessen belassen Sie es bei – in der Regel vier bis fünf – Literaturverweisen am Ende der Kapitel. Ergänzt wird der Band (neu in der dritten Auflage) durch ein der Orientierung dienliches übersichtliches Stichwortverzeichnis (S. 219).

Diskussion

Hugo Mennemann und Jörn Dummann klären Grundbegriffe und versuchen, ihrer Leser*innenschaft das Grundverständnis Sozialer Arbeit nahezubringen, und wollen – obgleich ein Einführungsbuch – den Fachdiskurs sowohl in der Breite als auch der Tiefe berücksichtigen, ohne dabei unüberschaubar zu werden. Dabei, schreiben sie, sei freilich zu bedenken, dass es zu vielen in ihrem Buch angesprochenen Themen umfangreiche Überblickswerke gibt (z.B. zu den Handlungsfeldern, zu Konzepten, zur Geschichte, zu den Theorien und zur Forschung in und zur Sozialen Arbeit). Die in den einzelnen Kapiteln präsentierten Gegenstände könnten „dieser im Fachdiskurs bereits erreichten Differenziertheit nicht gerecht werden“, was zur Folge habe, „dass viele Inhalte gar nicht oder auch nur kurz angesprochen und gestreift, aber nicht (im Detail) angemessen ausgeführt werden können“ (S. 9).

Ja, dieser (selbst-) kritischen Bemerkung mag ich auch in der dritten Auflage folgen, denn an meiner Einschätzung hat sich seit meiner Rezension der 2. Auflage ja nichts grundlegend geändert. Gestalten sich der erste und der dritte Abschnitt in etwa so, wie andere Einführungen ebenfalls die Aspekte angehen und beleuchten, so markiert der zweite Abschnitt zu Theorie und Forschung noch immer eine besondere Schwerpunktsetzung. Mit einer für eine Einführung doch überraschenden Ausführlichkeit wird der Theoriebegriff behandelt, die Etappen des Theoriediskurses nachgezeichnet und auf aktuelle Diskursfragmente aufmerksam gemacht. Hier hätte ich mir immer noch eine pointierte Verhältnisbestimmung zu den Theoriediskursen, wie sie die Referenzdisziplinen (vor allem [Sozial-]Pädagogik, Soziologie) an die Adresse der Sozialen Arbeit nahelegen, vorstellen können. Auch die Befassung mit Sozialer Arbeit als Menschenrechtsdisziplin verdiente eine tiefere Beschreibung.

Weiter ausbaufähig bleibt das Kapitel zu den Handlungsfeldern: Kinder- und Jugendhilfe mit offener Kinder- und Jugendarbeit, Soziale Altenarbeit und Soziale Psychiatrie bilden den Rahmen dessen, was Soziale Arbeit im breiten Spektrum sehr disparater Handlungsfelder darstellt, nicht hinreichend ab.

Ansonsten sehe ich ein Buch, das den eigenen Ansprüchen durchaus gerecht wird. Die Schreibung bedient sich angemessen der in Profession wie Disziplin etablierten Fachsprache, die Argumentation ergibt sich nicht der unter Student*innen im ersten Semester nicht selten anzutreffenden Erwartung nach Simplifizierung. Deutlich wird auch dadurch, dass Soziale Arbeit eine offene Wissenschaft ist, in Entwicklung begriffen, beeinflusst von zahlreichen anderen (Referenz-) Disziplinen, daher auch bemüht um die Klärung des eigenständigen „Kerns“ (der „bedeutet, der Sozialen Arbeit eine identitätsstiftende Orientierung zu geben und zugleich offen für unterschiedliche theoretische Zugänge“ zu bleiben [S. 82]), heterogen im Weltaufschluss und der Formulierung von praktischen Handlungskonsequenzen. Der Band nähert sich ihrem „Kern“, ohne ihn aufschließen zu wollen (oder zu können).

Die eine oder andere Aktualisierung der ja eher sparsam angeführten Literatur bietet sich in der vierten Auflage sicher an.

Fazit

Ich denke, Hugo Mennemann und Jörn Dummann sind der von ihnen gesehenen Herausforderung, „zwischen Differenziertheit und Vereinfachung sowie zwischen Ausführlichkeit und Begrenzung einen verantwortungsvollen, angemessenen und zugleich anregenden Weg zu finden“ (S. 9), durchaus gerecht geworden. Sie leisten einen weiteren Beitrag, Interessierte und Student*innen im ersten Semester mit „der“ Sozialen Arbeit deutlich vertrauter zu machen.

Dass sie bei der Ausarbeitung der Gliederung des Bandes Student*innen beteiligt und (Fach-) Kolleg*innen „nach den für sie zentralen Inhalten und Grundbegriffen der Sozialen Arbeit“ befragt haben, um daraus schließlich die Gliederung für eine Einführungsvorlesung zu entwickeln (wobei die Anregungen der Student*innen die Änderungen gegenüber der ersten Auflage [unter anderem eine exemplarische Einführung in einzelne Handlungsfelder sowie eine Darlegung handlungsbezogener Leitbegriffe] unterstützten) – das alles dient dem Anspruch, „dass dieses Buch für viele einen einführenden, identitätsstiftenden, strukturierenden und zugleich herausfordernden Beitrag leistet“ (S. 11).

Es liegt also ein Werk vor, dass das Spektrum der vorliegenden Einführungen produktiv ergänzt. Ganz offensichtlich wird dabei auch, dass es – erstens – angesichts der Dynamik des (beschriebenen) Feldes die „eine“ Einführung in die Soziale Arbeit nicht geben wird, in Anbetracht der (bei der Skizzierung der Theorieaspekte im zweiten Abschnitt des Buches) auch erkennbaren Schulenbildung in der Sozialen Arbeit zweitens nicht geben kann und drittens in Anbetracht der Überlagerungen der sozialarbeiterischen/-pädagogischen Praxis durch referenzdisziplinäre Inbesitznahme auch nicht geben soll. Wer also beiläufig aus der Disziplin heraus nach „der“ (einen) Einführung sucht, der sucht auch künftig vergebens.

Ich jedenfalls werde „meinen“ Student*innen der Sozialen Arbeit die vergleichende Lektüre auch dieser Einführung nahelegen.

Literatur

Böhnisch, Lothar, und Wolfgang Schröer: Soziale Arbeit – eine problemorientierte Einführung, Bad Heilbrunn 2013; Rezension: https://www.socialnet.de/rezensionen/​15666.php

Deller, Ulrich, und Roland Brake: Soziale Arbeit. Grundlagen für Theorie und Praxis, Stuttgart; Rezension: https://www.socialnet.de/rezensionen/​14511.php

Erath, Peter, und Kerstin Balkow: Einführung in die Soziale Arbeit, Stuttgart 2016; Rezension: https://www.socialnet.de/rezensionen/​21942.php

Graßhoff, Gunther, Anna Renker und Wolfgang Schröer (Hrsg.): Soziale Arbeit. Eine elementare Einführung, Wiesbaden 2018; Rezension: https://www.socialnet.de/rezensionen/​24853.php

Löcherbach, Peter, und Ria Puhl: Einladung zur Sozialen Arbeit, Baden-Baden 2016; zwei Rezensionen: https://www.socialnet.de/rezensionen/​20732.php und https://www.socialnet.de/rezensionen/​22097

Schilling, Johannes, und Sebastian Klus: Soziale Arbeit. Geschichte, Theorie, Profession, Stuttgart 2017; Rezension: https://www.socialnet.de/rezensionen/​23788.php)

Wendt, Peter-Ulrich: Lehrbuch Soziale Arbeit, Weinheim und Basel 2021, 3. überarb. Aufl. Weinheim und Basel 2021; Rezension zur ersten Auflage: https://www.socialnet.de/rezensionen/​24042.php

Rezension von
Prof. Dr. Peter-Ulrich Wendt
Professur für Grundlagen und Methoden der Sozialen Arbeit an der Hochschule Magdeburg
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Es gibt 117 Rezensionen von Peter-Ulrich Wendt.

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Zitiervorschlag
Peter-Ulrich Wendt. Rezension vom 19.01.2022 zu: Hugo Mennemann, Jörn Dummann: Einführung in die Soziale Arbeit. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2020. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-8487-6185-2. Reihe: Studienkurs Soziale Arbeit. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27784.php, Datum des Zugriffs 23.05.2022.


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