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Albert Brühl, Karen Fried (Hrsg.): Innovative Statistik in der Pflegeforschung

Cover Albert Brühl, Karen Fried (Hrsg.): Innovative Statistik in der Pflegeforschung. Impulse aus der Vallendarer Sommerakademie 2018. Lambertus Verlag GmbH Marketing und Vertrieb (Freiburg) 2020. 112 Seiten. ISBN 978-3-7841-3218-1. D: 22,00 EUR, A: 22,70 EUR.
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Thema

Mit dem Buch möchten die Herausgebenden statistische Verfahren bekannt machen, die einen Beitrag zur Theorie-Entwicklung in den Pflegewissenschaften leisten können.

Herausgeber*innen und Autor*innen

Wie aus dem Autor*innenenverzeichnis des Buches hervorgeht und durch ergänzende Internetrecherche herausgefunden werden konnte, handelt es sich bei den beiden Herausgebenden um den Inhaber des Lehrstuhls für Statistik und Standardisierte Verfahren der Pflegeforschung, Herrn Univ.-Prof. Dr. Albert Brühl, und ein weiteres Mitglied des Lehrstuhls, Frau Karen Fried. Autorinnen und Autoren sind Mitarbeitende und Studentinnen dieses Lehrstuhls, Angehörige des Departments für Pflegewissenschaften des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) der Universität Witten/​Herdecke sowie ein Mitarbeiter des Center für Clinical Studies (CCS) der Universität Erlangen.

Entstehungshintergrund

Aus dem Titel des Buches wird deutlich, dass die Beiträge wohl aus der Vallendarer Sommerakademie 2018 hervorgingen. Mehr dazu ist dem Buch nicht zu entnehmen. Bei den Themen der einzelnen Beiträge handelt es sich um auch derzeit (Mai 2021) noch aktuelle Promotionsthemen am Lehrstuhl.

Aufbau

Das Buch beinhaltet 5 Kapitel verschiedener Autor*innen, wobei das 1. Kapitel einen methodischen Überblick gibt und die weiteren Kapitel einzelne Verfahren und ihre Anwendung vorstellen und diskutieren.

Die einzelnen Beträge sind ähnlich aufgebaut und gliedern sich grob in

  • Zusammenfassung
  • Hintergrund bzw. Einführung bzw. Ausgangslage
  • Methodischer Teil bzw. Anwendung
  • Diskussion bzw. Fazit bzw. Ausblick

Eine Autoreninformation mit Anschriften und Email-Adressen bildet den Abschluss.

Inhalt

Im Einzelnen handelt es sich um folgende fünf Beiträge (Seiten einschließlich dem jeweiligen Literaturverzeichnis):

  1. Anwendung von statistischen Analyseverfahren, die die Entwicklung von Theorien in der Pflegewissenschaft fördern (Univ.-Prof. Dr. Albert Brühl), 31 Seiten. Am Konstrukt der „Pflegebedürftigkeit“ stellt Brühl dar, dass eher gesetzliche Rahmenbedingungen und Richtlinien für zentrale Konstrukte der Pflegewissenschaft eine Rolle spielen als ein theoretischer Bezugsrahmen. Hier soll Abhilfe geschaffen werden. Einen Weg dazu sieht Brühl über das Hypothesen-prüfen und -entwickeln. Die Mehr-Ebenen-Analyse und die Multidimensionale Skalierung können als Methoden eingesetzt werden.
  2. Vergleich von Mehr-Ebenen-Analysen mit Generalized Estimation Equations am Beispiel des Merkmals „Anzahl der Dehydrierten“ in der ambulanten Pflege (Dorothea Reichert), 17 Seiten. Um die Mehr-Ebenen-Analyse zu demonstrieren, greift Reichert auf Daten einer Studie zu Einzelleistungszeiten in der ambulanten Pflege in Luxemburg zurück. Es handelt sich um Daten aus 20 ambulanten Pflegediensten (Makro-Ebene) mit 313 Pflegebedürftigen (Mikro-Ebene).
  3. Der Abbildungssatz als Methode zur Entwicklung von Theorie (Anna Maria Teigeler), 10 Seiten. Im Beitrag von Teigeler steht die Frage, wie aus einer Beobachtung eine Theorie werden kann, im Mittelpunkt des Interesses (S. 59). Sie bedient sich dabei des Abbildungssatzes der Facettentheorie. Empirisch steht der Pflegebedürftigkeitsbegriff im Zentrum: 14 PatientInnen einer geriatrischen Rehabilitationsklinik werden von Pflegenden aus pflegefachlicher Sicht zunächst paarweise miteinander verglichen. Eine Gruppendiskussion über die Ergebnisse schließt sich an. Über den Weg der Qualitativen Inhaltsanalyse ist damit das Ausgangsmaterial geschaffen, um einen Abbildungssatz zu formulieren.
  4. Die Facettentheorie als Methodologie zur überprüfbaren Annäherung an pflegewissenschaftliche Fragestellungen am Beispiel des mobilitätsassoziierten Pflegebedarfs (Susanne Mertes-Büschel), 15 Seiten. Wie auch im vorherigen Beitrag wird hier die Facettentheorie mit ihren Abbildungssätzen beschrieben. Hier ist der Bezug zur Mobilität in der pflegerischen Versorgung im Krankenhaus. Anhand konkret formulierter Abbildungssätze wird deutlich, wie es gelingt, damit Hypothesen „zu verfeinern“ (S. 76).
  5. Anwendung der Multiplen Korrespondenzanalyse in Kombination mit hierarchischen Cluster-Analysen (MCA-AHC) in der organisationsbezogenen Pflegeforschung (Johannes Michael Bergmann, Dr. Rebecca Palm, Dr. Armin Ströbel, Dr. Bernhard Holle), 30 Seiten. Die Autor*innen untersuchen, ob sich mittels der multiplen Korrespondenzanalyse und der agglomerativen hierarchischen Clusteranalyse eine Typologie von Wohnbereichen entwickeln lässt. Sie greifen dafür auf Daten zurück, die in 103 Wohnbereichen in 51 Pflegeheimen im Rahmen der DemenzMonitor-Studie 2013 erhoben wurden. Aus den Ergebnissen schlussfolgern sie, dass sich das angewendete Methodenset für organisationsbezogene Versorgungsforschung eignet.

Diskussion

Die einzelnen Methoden werden ausführlich dargestellt und mit anschaulichen Beispielen hinterlegt. Dabei werden einzelne Schritte, vor allem auch in der Methodenwahl, ausführlich beschrieben und begründet. Zudem bieten die ausführlichen Literaturverzeichnisse Unterstützung bei der zielgerichteten Suche nach vertiefender Literatur.

Die Anwendungsbeispiele selbst vermitteln deutlich, welche Erkenntnisse durch den Methodeneinsatz gewonnen werden können.

Fazit

Das Buch trägt dazu bei, die Theorie-Entwicklung in den Pflegewissenschaften zu unterstützen. Es vermittelt im ersten Kapitel einen methodischen Gesamtrahmen, der dann in den folgenden vier Kapiteln vertieft wird. Dies erfolgt sowohl methodisch wie auch mit Anwendungsbeispielen. Dabei fließen Studien des Lehrstuhls oder auch Sekundärmaterial mit ein. Für alle, die sich mit pflegewissenschaftlicher Theorie-Entwicklung beschäftigen, bieten sich zahlreiche Anregungen für eigene Ansätze.


Rezension von
Prof. Dr. Brigitte Bürkle
Evangelische Hochschule Nürnberg
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Zitiervorschlag
Brigitte Bürkle. Rezension vom 11.06.2021 zu: Albert Brühl, Karen Fried (Hrsg.): Innovative Statistik in der Pflegeforschung. Impulse aus der Vallendarer Sommerakademie 2018. Lambertus Verlag GmbH Marketing und Vertrieb (Freiburg) 2020. ISBN 978-3-7841-3218-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27794.php, Datum des Zugriffs 28.09.2021.


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