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Kurt Landau: Pflege gestalten

Cover Kurt Landau: Pflege gestalten. Ergonomia Verlag (Neuhausen) 2020. 492 Seiten. ISBN 978-3-935089-85-2. D: 39,00 EUR, A: 39,00 EUR, CH: 40,00 sFr.
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Thema und Autoren

Ein „Weiter so“ in der Pflege werde früher oder später in das Chaos führen, so der Autor dieser Publikation. Es geht hier um die Gestaltung der Pflegearbeit, von einem Ingenieur geschrieben, stehen die Belastungsminderungen der Pflegekräfte und die Bessergestaltung von Arbeitsprozessen im Mittelpunkt der Ausführungen. Das Buch ist keine Anleitung für pflegerisches Handeln. Es ist als Hand- und Lehrbuch konzipiert.

Der Herausgeber des Fachbuches ist, Prof. Dr. Ing. Kurt Landau. Er war lange Zeit Professor für Arbeitswissenschaft an der Universität Hohenheim und ist gegenwärtig Professor assoicie‘ an der Ecole de technologie superieure in Montreal in Canada. Drei Kapitel sind gemeinsam mit Michael Jacobs verfasst.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist nach einem Vorwort in 12 Kapitel unterschiedlicher Länge gegliedert.

Im „Vorwort“ wird das Anliegen der Publikation und die Inhalte der folgenden Kapitel kurz umrissen. Das Belastungs- und Beanspruchungskonzept bildet den roten Faden des Buches.

Im ersten Kapitel „Pflege am Limit“ geht es um die körperlichen, zeitlichen und emotionalen Anforderungen an Pflegekräfte. Das hohe Krankenstandsniveau im Gesundheitswesen sei zum großen Teil auf belastende Arbeitsbedingungen zurückzuführen. Pflege sei nach wie vor weiblich, d.h. durch traditionelle Rollenbilder haben viele Pflegekräfte neben ihren beruflichen Aufgaben noch Versorgungsarbeiten zu Hause zu erledigen, was insgesamt zu einem frühzeitigen Ausstieg aus dem Pflegeberuf führe. Die Ergonomie beschäftige sich mit der Analyse, Ordnung und Gestaltung von technischen, organisatorischen und sozialen Bedingungen von Arbeitsprozessen. Es wird zwischen Verhältnis- und Verhaltensergonomie unterschieden.

„Ergonomische Grundlagen“ werden im folgenden Kapitel vermittelt. Es werden u.a. Grundformen menschlicher Arbeit verdeutlicht und dabei die Belastung und Beanspruchung der Pflegekräfte herausgearbeitet.

Mit „Aufgaben und Anforderungen bei der Pflege“ ist Kapitel drei überschrieben. Zunächst werden die Arbeitsaufgaben und die Tätigkeitsstrukturen, die in der Pflege zu erfüllen sind, beschrieben, um im Anschluss die Eigenschaften, Fähigkeiten und Fertigkeiten der Pflegenden in den Blick zu nehmen. Hier geht es insbesondere um anthropometrische Daten, woraus Hinweise zur besseren und effektiveren Arbeitsgestaltung gewonnen werden.

Um die „Arbeitsbelastung“ geht es in Kapitel vier. Es werden physische und mentale Belastungen dargestellt, um Einflüsse auf die Körperhaltung und den Energieumsatz ermitteln zu können.

Die „Arbeitsorganisation“ wird im folgenden Kapitel in den Blick genommen. Als Organisation wird zum einen die Institution, z.B. die stationäre Einrichtung und zum anderen die Tätigkeit verstanden. Als größte Belastung in der Arbeit wird der Zeitdruck, unter dem die Pflegekräfte arbeiten, genannt. Weitere Ausführungen sind der Schichtarbeit, den Pausen und dem Arbeitszeitmanagement gewidmet.

Die „Leistung“ ist das nächste Thema. Sie hänge von vielen Faktoren ab: von Eigenschaften, Fähig- und Fertigkeiten, Motivation, Betriebsklima u.a.

Kapitel sieben setzt sich mit der „Beanspruchung und Ermüdung“ auseinander. Physische und psychologische Beanspruchungen werden unterschieden, die auch zum Burnout führen können. Schwerpunkt dieses Kapitels war auch die Erträglichkeit einer Tätigkeit, wobei eine Balance zwischen Über- und Unterbeanspruchung hergestellt werden sollte.

Mit der „Arbeitszufriedenheit“ setzt sich Kapitel acht auseinander. 50 % der Beschäftigten in der stationären Pflege würden davon ausgehen, dass sie mit ihrer Arbeit etwas Sinnvolles leisten, wobei die Arbeitszufriedenheit mit der Berufserfahrung und dem Lebensalter eher ansteige.

Es folgt das nächste Kapitel zu „Verletzungen, Erkrankungen und Präventionsmaßnahmen“. Im Vordergrund stünden Unfälle auf Fuß- und Gehwegen wie Stolper-, Sturz- und Rutschunfälle. Beschäftigte im Gesundheitsweisen seien erheblichen Gesundheitsrisiken ausgesetzt. Das betrifft vorrangig Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, psychische Erkrankungen oder auch Infektionen.

Kapitel zehn beschäftigt sich mit der „Arbeitsprozessgestaltung“. In diesem Kapitel standen die Transfer- und Lagerungsmaßnahmen im Mittelpunkt der Betrachtungen, es wurde anhand vieler Arbeitsplatzaufnahmen ergonomisch „günstige“ und „weniger vorteilhafte“ Vorgehensweisen gezeigt, um Pflegekräfte gesundheitlich zu schonen.

Die „Arbeitsplatzgestaltung“ wird im vorletzten Kapitel aufgegriffen. Es ist ein sehr umfangreiches Kapitel, das sich mit der anthropometrischen, biomechanischen und informationstechnischen Arbeitsplatzgestaltung auseinandersetzt.

„Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten“ werden im letzten Kapitel behandelt. So gäbe es E-Learning-Programme für die Pflegeergonomie, die von Pflegekräften gern genutzt würden. Dabei gehe es um eine Arbeitsplatz- und Arbeitsprozessgestaltung, die ausführbar sein muss, schädigungslos, zumutbar, arbeitszufriedenheitsfördernd und lernförderlich.

Fazit

Das Buch hält, was es verspricht. Es ist zuvorderst ein Lehrbuch, in der die Pflegeergonomie im Mittelpunkt der Betrachtungen steht, um Arbeitsprozesse so zu gestalten, dass Pflegekräfte ein ganzes Arbeitsleben ohne Gesundheitsschäden und mit hoher Arbeitszufriedenheit tätig sein können. Ein Handbuch ist es weniger, dazu ist es zu umfangreich A4 mit fast 500 Seiten. Am Ende jedes Kapitels gibt es Lösungen zu den Kurzfragen, die im Text integriert sind und weitere Arbeitsaufgaben. Anhand sehr vieler Tabellen, Grafiken und Arbeitsplatzaufnahmen wird der Inhalt der Ausführungen tiefgründig verdeutlicht. Es ist für alle jene gedacht, die sich im Arbeitsalltag infolge schwerer körperlicher und psychischer gesund erhalten und dazu wertvolle Tipps erhalten wollen.


Rezension von
Prof. Dr. habil. Gisela Thiele
Hochschule Zittau/Görlitz (FH)
Berufungsgebiete Soziologie, Empirische Sozialforschung und Gerontologie
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Zitiervorschlag
Gisela Thiele. Rezension vom 12.01.2021 zu: Kurt Landau: Pflege gestalten. Ergonomia Verlag (Neuhausen) 2020. ISBN 978-3-935089-85-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27824.php, Datum des Zugriffs 13.04.2021.


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