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Katharina Wirtz: Qualitätsbausteine schulischer Inklusion

Rezensiert von Dipl. Soz.-Päd. Mathias Stübinger, 03.02.2022

Cover Katharina Wirtz: Qualitätsbausteine schulischer Inklusion ISBN 978-3-7815-2415-6

Katharina Wirtz: Qualitätsbausteine schulischer Inklusion. Organisations-, Personal- und Unterrichtsentwicklung an inklusiven Schulen aus der Sicht unterschiedlicher Beteiligter. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2020. 511 Seiten. ISBN 978-3-7815-2415-6. D: 49,00 EUR, A: 50,40 EUR.
Reihe: klinkhardt forschung. Perspektiven sonderpädagogischer Forschung
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Thema

Die Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung (UN-BRK) im Jahr 2009 hat sicherlich einen entscheidenden Impuls geliefert, dass in Deutschland der Paradigmenwechsel von integrativer Einzelförderung von Schülerinnen und Schülern mit einem – zumeist eher individuell wahrgenommenen – Handicap hin zur Perspektive der inklusiven „Bildung für alle“ beschleunigt verläuft und grundlegende organisatorische und juristische Rahmenbedingungen der schulischen Inklusion verbessert wurden und werden.

Während die so genannte Förderquote – also der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf an allen Schülerinnen und Schülern mit Vollzeitschulpflicht in den Jahrgangsstufen 1–9) im Jahr 2008/2009 noch 6,0 % betragen hat, konnte diese Quote im Jahr 2016/2017 auf 7,1 % gesteigert werden; der Inklusionsanteil – also der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die inklusiv unterrichtet werden, an allen Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischen Förderbedarf) erhöhte sich im gleichen Zeitraum von 18,4 % auf 39,3 % (vgl. S. 41 f.); im Schuljahr 2018/2019 wird der Inklusionsanteil mit 42,3 % ausgewiesen (Aktion Mensch 2022).

Ungeachtet der zu beobachtenden positiven Tendenzen kann und darf dieser Prozess – in dem Deutschland im europäischen Vergleich ja eher im Mittelfeld einzuordnen ist (Aktion Mensch 2022) – kaum als abgeschlossen bezeichnet werden; unverändert unterliegen Schulen daher hohen Veränderungserwartungen; gerade „im Zusammenhang mit der UN-Behindertenrechtskonvention wird erwartet, dass sich eine Transformation, der sogenannten ‚Regelschulen‘ in sogenannte ‚inklusive Schulen‘ vollzieht“ (Einleitung: S. 13).

Entstehungshintergrund

In der vorliegenden Publikation wirft Katharina Wirtz einen vielschichtigen Blick darauf, welche Aspekte und Qualitätsbausteine bei einer solchen Umgestaltung des Bildungssystems und seiner Institutionen zu beachten sind und welche Bedeutung die einzelnen Bereiche für die (Weiter-)Entwicklung inklusiver Bildungsangebote haben (können); als zentrale Forschungsfragen ihrer ambitionierten Dissertation beschreibt die Autorin u.a. (S. 13):

  • Welche Qualität – im Sinne von „Beschaffenheit“ – hat das, was als schulische Integration oder schulische Inklusion verstanden wird?
  • Wie stellen sich die gemeinsame Beschulung und der gemeinsame Unterricht von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderung in sogenannten „Regelschulen“ dar?
  • Wie sind solche Schulen organisiert?
  • Wie arbeiten die Menschen in diesen Schulen zusammen?
  • Wie wird der Unterricht gestaltet?
  • Welche Qualität haben Organisations-, Personal- und Unterrichtsentwicklung in diesen Schulen?
  • Wie wird die Qualität dieser Bereiche von den Prozessbeteiligten – von Schülern, Eltern, Regel- und Förderschullehrkräften sowie Schulleitungen – wahrgenommen?
  • Welche dieser Qualitätsbereiche sind aus allgemeinpädagogischer und sonderpädagogischer Perspektive relevant für die schulische Integration von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung?

Autorin:

Katharina Wirtz ist – wie eine knapp gehaltene Vita auf dem Klappentext verrät – seit 2004 als stellvertretende Schulleitung bzw. Schulleiterin an verschiedenen Schulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen tätig gewesen; im Zeitraum von 2012 bis 2016 war sie zudem als Lehrbeauftragte mit dem Schwerpunkt „Grundlagen inklusiver Bildung“ am Lehrstuhl „Pädagogische und Soziale Rehabilitation“ bei Prof. Dr. Sven Jennessen im Institut für Sonderpädagogik der Universität Koblenz-Landau beschäftigt; der in der Reihe „Perspektiven sonderpädagogischer Forschung“ des Klinkhardt-Verlages veröffentlichte Text wurde 2019 unter dem Titel „Die Qualität schulischer Integration unter dem Blickwinkel der Entwicklung inklusiver Bildungsangebote“ vom Fachbereich Erziehungswissenschaften der Universität Koblenz-Landau als Dissertation angenommen.

Aufbau und Inhalt

Die Autorin skizziert in einer kurzen Einleitung zunächst den Aufbau und die schon beschriebenen zentralen Fragestellungen ihrer Forschungsarbeit.

Im vielschichtigen 2. Kapitel erfolgt die Theoretische Einbettung des Themas; anhand Geschichtlicher Eckdaten (Kap. 2.1) beschreibt Katharina Wirtz z.B. Entwicklungslinien der (Sonder-)Pädagogik oder greift Grundideen der Gesamtschulreform auf; ausgehend von der Schilderung bildungspolitischer Entwicklungen und/oder Dokumente der 70er oder 90er Jahre werden die Ergebnisse der PISA-Studie in den 2000er Jahren als politische Bildungskatastrophe identifiziert und mit den entsprechend abgeleiteten Reformbemühungen verknüpft; als Meilenstein im Kontext der schulischen Inklusion nimmt in diesem Zusammenhang die UN-Behindertenrechtskonvention einen größeren Rahmen ein; interessant und bezeichnend sind hier u.a. die statistischen Daten zum Stand der inklusiven Förderung in der Bundesrepublik (S. 40 f.); dabei wird doch erkennbar, welche weiten Wege in der Gestaltung inklusiver Bildungssysteme noch zu gehen sind.

Das Kapitel 2.2 beinhaltet Unterschiedliche Perspektiven auf Begriffe und Diskurs; aus der Sichtweise der Soziologie, Bildungssoziologie, allgemeinen Pädagogik oder der Sonderpädagogik bemüht sich die Verfasserin Begriffe wie „Inklusion“ und „Exklusion“ oder „Integration“ und „Separation“ greifbar und in ihren Unterschieden und Gemeinsamkeiten erfassbar zu machen; aus soziologischer Perspektive werden u.a. – die Theorie funktionaler Differenzierung nach Luhmann aufgegriffen oder – in Form eines kompakten Exkurses – Behinderung als Kategorie im Sinne möglicher Ausgrenzung beschrieben; im Hinblick auf die Bildungssoziologie werden z.B. gesellschaftliche Funktionen von Schulen thematisiert oder Verbindungen von Organisationstrukturen und den entsprechenden Interaktionen involvierter Professionen im Bildungssystem abgeleitet; im Sinne der allgemeinen Pädagogik wird u.a. das Spannungsverhältnis zwischen Institutionalisierung und Individualisierung in der Gestaltung von Bildungsprozessen thematisiert; im Hinblick auf die Perspektive der Sonderpädagogik relevant erscheint z.B. das Bemühen um eigene Begriffsbildungen und das Dilemmata, dass durch Inklusionsbemühungen ggf. auch eine Verstärkung der „Besonderung“ der Menschen mit Behinderung erfolgen könnte (S. 74); insgesamt gelingt der Autorin – wie Sie es auch selbst in der Zusammenfassung des Kapitels vermittelt – auf eine sehr kompakte, nachvollziehbare Weise, ein differenziertes, fachliches Verständnis inklusiver und exklusiver Prozesse zu entwickeln (S. 79).

Im umfangreichen 3. Kapitel erfolgt ein Systematischer Forschungsüberblick zu Qualitätsbereichen schulischer Integration/​Inklusion; Zielperspektive ist dabei – so Katharina Wirtz – Ergebnisse aus der Integrations- und Inklusionsforschung mit Ergebnissen der Schul- und Unterrichtsforschung zu einer nach Kategorien geordneten Struktur zusammenzufassen und zusammenzuführen (S. 81); vergleichsweise knapp ist Der Begriff „Qualität“ (Kap. 3.1) thematisiert; gerade aufgrund der großen und Komplexität der Fragestellung, was im Kontext inklusiver schulischer Bildung als „qualitativ gut“ oder „qualitativ schlecht“ angesehen werden kann, hätten Aspekte, wie die Schwierigkeiten in der Wahrnehmung, Messung und Bewertung einer Effektivität und Effizienz von Bildungsangeboten noch ein wenig differenziert werden dürfen; die anschließende Auswahl eines Rahmenmodells zur Systematisierung der Forschungsergebnisse (Kap. 3.2) betrachtet zunächst bisherige Systematisierungsversuche für schulische Entwicklungsprozesse aus der Sonderpädagogik und/oder der allgemeinen Pädagogik; die Autorin erkennt hier insbesondere die drei Bereiche

  • Organisationsentwicklung,
  • Personalentwicklung
  • Unterrichtsentwicklung

als relevante Kategorien (vgl. S. 94).

Nach einem kurzen Überblick zur Forschung zu Integration und Inklusion in den vergangenen vier Jahrzehnten (Kap. 3.3) analysiert, differenziert und diskutiert die Verfasserin diese drei Aspekte unter Gesichtspunkten der Qualitätsdiskussion und im Hinblick auf ihre daraus abgeleiteten Forschungsinteressen; im Rahmen der Organisationsentwicklung (Kap. 3.4) behandelt die Autorin u.a. Fragestellungen zu relevanten Ressourcen im Bereich der Weiterentwicklung organisatorischer Rahmenbedingungen; sie skizziert die besondere Rolle und Funktion der Leitung einer Schule, nimmt Schule als sozialen Raum wahr oder thematisiert potentielle Organisationsstrukturen einer Schule; Personalentwicklung (Kap. 3.5) widmet sich u.a. den Ressourcen, die im Bereich der Förderung und Unterstützung von Mitarbeitenden zur Verfügung stehen (sollten); die Verfasserin identifiziert die zielgerichtete Kooperation/​Kooperationsbereitschaft der Lehrenden als eine der zentralen Bedingung für das Gelingen professioneller Bildungsangebote und betont die Relevanz professioneller Kompetenzen von Lehrenden; im Kapitel 3.6 zur Unterrichtsentwicklung wird u.a. der Unterricht als Kernstück schulischer Arbeit in den Mittelpunkt der qualitativen Verbesserung von Schulen gerückt (S. 157 ff.); analog zu den bisherigen Kapiteln ist zunächst der Blick auf die Ressourcen (z.B. ausreichendes Personal) für die Unterrichtsentwicklung gelegt; thematisiert wird die Schulklasse als sozialer Raum; Katharina Wirtz betont im Weiteren u.a. die Rolle und Funktion der Klassenführung für Erfolg und Qualität des Unterrichtes; vielschichtig sind Fragestellungen der Didaktik und Methodik oder Aspekte der Differenzierung und Individualisierung skizziert; das abschließende Kapitel 3.7 beschließt diesen Überblick mit einer Zusammenfassung mit Blick auf die forschungsleitenden Fragestellungen; aufgrund der erfolgten Analyse sonderpädagogischer Forschungsveröffentlichungen und der Verknüpfung und Ergänzung der dadurch entstandenen Kategorien mit Ergebnissen der Schulentwicklungs- und Unterrichtsforschung erarbeitet die Verfasserin ein umfassendes Kategoriensystem (vgl. S. 216 ff.); welches dann in seiner Struktur dem empirischen Teil der Dissertation zugrunde liegt.

Das 4. Kapitel: Empirischer Teil: Studie zur Qualität schulischer Integration im Saarland ist dem Forschungsprojekt in seiner Methodik, dem Forschungsdesign und den Forschungsergebnissen etc. vorbehalten; insgesamt sehr differenzier und sorgfältig erfolgt eine Beschreibung der Ausgangssituation für die Untersuchung im Saarland (Kap. 4.1: Schulische Integration bzw. Inklusion im Saarland) und ein kompakter Überblick zu methodischen Vorüberlegungen und dem Forschungsdesign (Kap. 4.2: Forschungsmethodik); umfassend und sorgfältig erläutert und/oder präsentiert werden schließlich – sowohl für die Qualitative Studie (Kap. 4.3) als auch für die Quantitative Studie (Kap. 4.4) – Forschungsmethodik, Auswahl der Stichproben; Darstellung und Interpretation der jeweiligen Ergebnisse (jeweils unterteilt in Aspekte der Organisationsentwicklung, Personalentwicklung und/oder Unterrichtsentwicklung); gerade die Aufbereitung/Präsentation der Studie dokumentiert – aus Perspektive des „nur“ Lesenden – die große Mühe und Sorgfalt, die in das Projekt investiert wurde; die Zusammenführende Darstellung, kritische Einordnung und Perspektiven der zentralen Ergebnisse der qualitativen und quantitativen Studie zur Qualität der schulischen Inklusion im Saarland (Kap. 4.5) greift – teilweise und aufgrund der schon beschriebenen Vielfalt der aufgeworfenen Fragestellungen bzw. des erarbeiteten Kategoriesystems nur exemplarisch – die wesentlichen Hypothesen der Forschung auf und bietet Ansatzpunkte für weitere vertiefende Untersuchungen zur Qualität schulischer Inklusion (z.B. auch in anderen Bundesländern); im Kontext der theoretischen Fundierungen der Arbeit ist nicht verwunderlich, dass das Forschungsprojekt z.B. bestätigt, dass die Frage nach der Qualität inklusiver Bildungsangebote das klassische Schulsystem in Frage stellt (S. 443) oder dass die Ressourcenknappheit das Bildungswesen begleitet/​beeinflusst oder gar behindert (S. 445) – um nur einmal auf zwei Aspekte einzugehen – ist nicht verwunderlich, auch, wenn die Kategoriesysteme und Zusammenhänge – welche Katharina Wirtz skizziert -sicher viele Rückschlüsse und positive Impulse für die Sicherung der Qualität schulischer Integrations- und Inklusionsangebote liefern kann, ist eine Erkenntnis der Studie eben auch (und nachvollziehbarerweise), dass nicht alleine die Erhöhung personaler oder struktureller Ressourcen (z.B. über eine Form der Doppelbesetzung von Lehrenden in Klassen oder dem Co-Teaching unterschiedlicher Lehrkräfte) die Qualität inklusiver Bildungsangebote in Schulen sichert bzw. sogar verbessert, sondern dass die Zusammenhänge der analysierten Wirkfaktoren hochkomplex bleiben wird (S. 437).

Das 5. Kapitel: Fazit und Perspektiven für das Bildungssystem beschließt die Verfasserin dementsprechend auch mit der verständlichen Aussage: „Wichtig wäre … die unbedingte Wertschätzung allen Schulformen und gegenüber und eine Wertschätzung der Vorstellungen von Eltern und Schülerinnen und Schülern als den ‚Kunden‘ dieser Schulen. Nur die Verbindung eines ein Höchstmaß an Flexibilität gewährenden bildungspolitischen Rahmens mit einer guten finanziellen Ausstattung des Bildungssystems, mit dem kooperativen Engagement von Beteiligten auf allen Ebenen und mit innerschulisch-pädagogischen Entwicklungsprozessen, die zum Ziel haben hervorragende Bildungs- und Lernmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche zu schaffen, kann zu einer tiefgreifenden und umfassenden Transformation von Schulen und Schulsystem führen“ (S. 449).

Ein knapp 50 Seiten starker Anhang dokumentiert u.a. genutzte Literaturquellen, eine tabellarische Übersicht des Kategoriensystems für schulische Inklusion oder Beispiele für einen Interviewleitfaden sowie einen Fragebogen für Regelschullehrkräfte an Grundschulen.

Diskussion

Der Umfang des vorliegenden Buches und die Vielschichtigkeit der aufgegriffenen Kategorien, Stichpunkte und/oder fachlichen, organisatorischen sowie methodisch-didaktischen Aspekte zu potenziellen Qualitätsbausteinen schulischer Inklusion verdeutlichen, wie schwierig, komplex und kompliziert es ist und bleiben wird, die traditionellen Strukturen des Bildungswesens aufzubrechen und im Sinne inklusiver Perspektiven zu verändern.

Bezeichnend erscheint, dass im Zusammenhang mit diesem breit gefächerten Themenfeld doch die Perspektive der zur Verfügung stehenden und/oder benötigten Ressourcen – sowohl, was die aufgezeigten Bereiche der Organisationsentwicklung, Personalentwicklung als auch der Unterrichtsentwicklung angeht – einen vergleichsweise großen Raum im Kontext des fachlichen Diskurses einnimmt (hier hat die Autorin ja wesentliche Kategorien erfasst); gelegentlich erscheint es sogar, dass Fragen nach dem Bedarf der Adressatinnen und Adressaten von schulischer Bildung – also letztlich eben den betroffenen Schülerinnen und Schülern und/oder deren Eltern – doch ein wenig in den Hintergrund der Diskussion rücken.

Nichtsdestotrotz ist es wichtig und notwendig im Kontext sozialer Dienstleistungen – so wie in der vorliegenden Untersuchung – eine Qualitätsdebatte zu führen und Impulse für die Sicherung und Optimierung von Dienstleistungsqualität in organisatorischen Kontexten zu erarbeiten; daneben müsste es aber immer wieder Forschungen zur Bedarfslage betroffener Klienten geben, die dann in fachlich-methodisches Handeln eingehen.

Da es sich bei der vorliegenden Publikation um die Veröffentlichung einer Dissertation handelt, nehmen in diesem umfangreichen Buch – verständlicherweise – empirisch-methodische Fragestellung und/oder die umfangreiche und detaillierte Aufbereitung der spezifischen Forschungsergebnisse einen recht großen Raum ein; auch der erforderliche Fokus auf ein Bundesland wie eben das Saarland bedeutet sicher, dass Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf andere Gebiete der Bundesrepublik übertragbar sind; somit ist dieser Text sicher nicht unbedingt als „klassisches“ Fachbuch – z.B. für die Ausbildung von Studierenden – anzusehen/zu lesen.

Nachdem die theoretische Fundierung aber in aller Regel hinreichend differenziert und vielschichtig gelingt, kann diese Publikation aber natürlich durchaus Lehrenden, Lernenden und/oder (Bildungs-)forschenden an Universitäten und/oder den in der inklusiven Lehre praktisch handelnden bzw. organisatorisch verantwortlichen Personen empfohlen werden; gerade, weil der Paradigmenwechsel hin zu einer inklusiven Schulausbildung – wie eingangs aufgezeigt – noch lange nicht abgeschlossen ist, kann diese Untersuchung ggf. wichtige Impulse für weitere Forschungen liefern; eine reflektierte Nutzung des analysierten/​dokumentierten/​erarbeiteten Kategoriesystems könnte Bemühungen um eine Standardisierung im Bildungswesen bzw. eine entsprechende Verbesserung der Qualität in inklusiven Schulen geleisteten Bildungsarbeit durchaus unterstützen; natürlich wäre spannend, wie inklusive Schule in so verschiedenartigen Bundesländern wie Bayern oder Nord-Rheinwestfalen erlebt und gelebt wird.

Fazit

Die in dieser Form publizierte Dissertation von Katharina Wirtz dokumentiert nachvollziehbar zentrale theoretische Fundierungen zur Qualität schulischer Inklusion; ausgehend von den empirischen Erkenntnissen der von der Autorin durchgeführten/​begleiteten qualitativen und quantitativen Studie zur schulischen Inklusion im Saarland sind tatsächlich vielschichtige Kategorien – oder wie im Titel benannt – „Qualitätsbausteine“ für die Optimierung inklusiv gestalteter Bildungsangebote erarbeitet; hier bietet die vorliegende Arbeit vielschichtige Ansätze für die weitere zielorientierte und methodisch fundierte Weiterentwicklung schulischer Bildung.

Literatur

https://www.aktion-mensch.de/inklusion/​bildung/​hintergrund/​zahlen-daten-und-fakten/​inklusionsquotenwww.bagwfbm.de/page/24 (Datum des Zugriffs: 20.01.2022)

Rezension von
Dipl. Soz.-Päd. Mathias Stübinger
Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Hochschule Coburg, Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit, u.a. in tätig in den Lehrgebieten: Sozialmanagement / Organisationslehre / Praxisanleitung und Soziale Arbeit für Menschen mit Behinderung
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Es gibt 26 Rezensionen von Mathias Stübinger.

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Zitiervorschlag
Mathias Stübinger. Rezension vom 03.02.2022 zu: Katharina Wirtz: Qualitätsbausteine schulischer Inklusion. Organisations-, Personal- und Unterrichtsentwicklung an inklusiven Schulen aus der Sicht unterschiedlicher Beteiligter. Julius Klinkhardt Verlagsbuchhandlung (Bad Heilbrunn) 2020. ISBN 978-3-7815-2415-6. Reihe: klinkhardt forschung. Perspektiven sonderpädagogischer Forschung. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27858.php, Datum des Zugriffs 05.10.2022.


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