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Ulrike Job, Nadia Blüthmann et al.: Praktikum!

Rezensiert von Manuel Freis, 23.01.2023

Cover Ulrike Job, Nadia Blüthmann et al.: Praktikum! ISBN 978-3-8252-5422-3

Ulrike Job, Nadia Blüthmann, Christoph Fittschen: Praktikum! Chancen nutzen - ein Ratgeber für Studierende der Geisteswissenschaften. Narr Francke Attempto Verlag (Tübingen) 2020. 170 Seiten. ISBN 978-3-8252-5422-3. 19,90 EUR. CH: 26,90 sFr.

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Thema

Die vorliegende Publikation „Praktikum! Chancen nutzen – ein Ratgeber für Studierende der Geisteswissenschaften“ greift die für viele Studiengänge und unterschiedliche Fachkulturen wichtige Phase der praktischen Mitarbeit in relevanten Berufsfeldern auf und bietet für den Bereich der Geisteswissenschaften einen Überblick über mögliche berufliche Einsatzfelder. Die Frage ‚welchen Sinn und Zweck Praktika im Kontext der geisteswissenschaftlichen Studiengänge haben und haben können‘, wird beleuchtet und mit vielfältigen Informationen, Materialien zur Vorbereitung auf Praktika sowie Anregungen zur Selbstreflexion und Selbstvergewisserung angereichert. Die Publikation gibt damit Orientierung in einem wissenschaftlichen Kontext, der dadurch gekennzeichnet ist, dass die geisteswissenschaftlichen Studiengänge in weiten Teilen Studiengänge „ohne konkreten Berufsbezug“ (Schubarth et al. 2016, S. 15) darstellen. Praktika in den Geisteswissenschaften kommen damit andere Aufgaben im Prozess der Qualifizierung von Studierenden zu, als dies bspw. für die klassischen Professionen (Medizin, Rechtswissenschaft, Theologie) gilt. Die damit verbundenen besonderen Chancen von Praktika stellen durch die Vielfältigkeit möglicher beruflicher Einmündungen für Studierende der Geisteswissenschaften sowohl größere Anforderungen an ihre Begleitung durch die entsprechenden Arbeitsstellen von Universitäten und Hochschulen, als auch bieten sie Potenziale und Freiräume, die in professionsorientierten Studiengängen so nicht vorliegen. Die Publikation greift diese Fragen auf und zeigt die Möglichkeiten des Umgangs mit diesen Freiheiten und Anforderungen auf anwendungsbezogene Weise.

Autor:innen und Entstehungskontext

Dr. Ulrike Job war von 2007–2020 Leiterin der Arbeitsstelle Studium und Beruf der Universität Hamburg. Sie hat sich zentral mit der Bedeutung geisteswissenschaftlicher Kompetenzen befasst und mit einer weiteren Herausgeberschaft „Kritisches Denken. Verantwortung der Geisteswissenschaften (2021)“ die Frage nach der Bedeutung der Geisteswissenschaften in der Gesellschaft aufgegriffen.

Nadia Blüthmann ist seit 2017 Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Arbeitsstelle Studium und Beruf der Universität Hamburg. Sie ist zuständig für die Seminarangebote im Bereich der geisteswissenschaftlichen Schlüsselkompetenzen und berät rund um die Themen studentische Projekte, selbstorganisiertes Lernen und studentische Lernveranstaltungen/​Tutorien. Ihre vorhergehenden Erfahrungen im Bereich der hochschuldidaktischen Begleitung von Lehrveranstaltungen dokumentieren sich darüber hinaus in der 2021 erschienen Online-Publikation „Plötzlich Tutor:in. Der Praxis-Leitfaden von Tutor:innen für Tutor:innen“, den Sie als Mitherausgeberin publiziert hat (https://www.slm.uni-hamburg.de/astub/​ueber-die-astub/​aktuelles/2021/ratgeber-tutor-innen/​tutorienleitfaden.pdf; abgerufen am 01.10.2022).

Christoph Fittschen ist seit 2016 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Arbeitsstelle Studium und Beruf der Universität Hamburg. Als Magister mit den Fächern Erziehungswissenschaft, Psychologie und Politik hat er als selbstständiger Bildungsreferent und Berater vielfältige Vorerfahrungen im Bereich von Trainingsmaßnahmen und Coachings in der Erwachsenenbildung. Er ist im Rahmen seiner aktuellen Stelle in eine große Bandbreite an Aufgabenbereiche eingebunden (Seminare und Beratung; Orientierungsangebote und Studienfachberatung, Selbstpräsentation, Erwerb von Schlüsselkompetenzen und betriebliches Eingliederungsmanagement), die seine Expertise für die vorliegende Publikation dokumentieren.

Aufbau 

Die Publikation ist unterteilt in insgesamt neun Kapitel zuzüglich Einleitung und umfangreichem Anhang mit Literaturverzeichnis, Internetquellen, einer Sammlung von Internetlinks zu verschiedenen Stellen- und Praktikumsbörsen im Internet sowie einer kurzen Danksagung. Auf insgesamt 169 Seiten hält der „Ratgeber“, wie die Publikation von den Herausgeber*innen in der Einleitung eingeführt wird (S. 7), zahlreiche Facetten der Vorbereitung, Orientierung und Nachbereitung von Praktika in geisteswissenschaftlichen Studiengängen bereit. Der eigene Anspruch an die Publikation wird im Hinblick auf die existierende Ratgeberliteratur zum Praktikum in den Geisteswissenschaften so formuliert, dass die Autor*innen die spärlich vorhandene, vergriffene oder mittlerweile veraltete Ratgeberliteratur ergänzen möchten und eine Leerstelle schließen wollen, die sich dadurch auszeichne, dass die allgemeine Ratgeberliteratur zu Praktika die „Spezifika geisteswissenschaftlicher Bewerbungen und Praktika“ nicht ausreichend berücksichtige (vgl. ebd.). Der Ratgeber sei „Motivationsgeber“ (ebd.), welcher Geisteswissenschaftler*innen ermögliche das eigene Profil zu schärfen, sich in den möglichen Berufsfeldern und Einsatzgebieten für Geisteswissenschaftler*innen zu orientieren, Praktika aktiv zu gestalten und das Studium berufsbezogen auszurichten und zu ergänzen.

Explizit wird die Position vertreten, Praktika „bevorzugt im Studium“ (ebd.) stattfinden zu lassen und damit die Ausrichtung des Studiums durch „motivierende Vorstellungen von beruflichen Anwendungsfeldern“ zu gestalten. Bemerkenswert erscheint an dieser Stelle, dass im Rahmen der Publikation „Praktika als Brückenglieder“ (S. 8) gedacht sind, die von den Autor*innen als Berufserfahrung von Studierenden der Geisteswissenschaften konzipiert sind sowie als Ausgleich zu den theoretischen Studieninhalten oder doch zumindest als anwendungsbezogene Übersetzung eingeführt werden. Eine weitergehende konzeptuelle Idee der Theorie-Praxis-Relationierung in Form didaktisch-curricularer Theorie-Praxis-Konzepte wird allerdings nicht angeboten oder fokussiert (vgl. hierzu Schubarth et al. 2016, S. 66).

Inhalt

Im ersten Kapitel führen die Autor*innen in das geisteswissenschaftliche Studium im Hinblick auf dessen Gegenstandsbereiche und Methoden ein. Diese werden prägnant beschrieben um anhand einer ersten Begriffsklärung sowie einer Funktions- und Aufgabenbeschreibung der Geisteswissenschaftler*innen zukünftige Arbeitgebende und Personalverantwortliche über „Studieninhalte, Sinn und Zweck geisteswissenschaftlicher Fächer informieren [zu] können“ (S. 9). Dabei wird besonders hervorgehoben, welche Bedeutung den Geisteswissenschaften für die Erforschung, sowie das Erinnern, Vermitteln und Gestalten von Vergangenheit und Zukunft der menschlichen Kultur(en) zukommt. Neben dieser allgemeinen Aufgabenbestimmung wird das Studium der Geisteswissenschaften mit seinen Kombinationsmöglichkeiten (Haupt- und Nebenfächer) als nicht professionsorientiertes Studium mit „zukunftsoffener Form der Qualifizierung“ (S. 11) dargestellt.

Im zweiten Kapitel geht es den Autor*innen darum, die grundlegende Bedeutung von Fach- und Schlüsselkompetenzen aus dem geisteswissenschaftlichen Studium transparent zu machen (Kap. 2.1) und Studierende dabei zu unterstützen sowohl eine Idee dafür zu erlangen, welche Fachkompetenzen ein Studium der Geisteswissenschaft grundsätzlich fördert (Kap. 2.2) als auch die mit dem geisteswissenschaftlichen Studium zu erwerbenden überfachlichen Schlüsselkompetenzen sichtbar zu machen (Kap. 2.3). Dabei machen die Autor*innen deutlich, dass sie die besondere Qualifikation von Geisteswissenschaftler*innen in der Wissensarbeit bzw. dem Management von Wissen verorten (S. 13 f.). Die gelieferten Orientierungen zu den Kompetenzbereichen werden exemplarisch dargestellt (z.B. Aufschlüsselung von Fachkenntnissen aus dem Anglistikstudium, S. 14; Unterteilung von Schlüsselkompetenzen nach methodischen, sozialen und selbstbezogenen Kompetenzen, S. 17) und dienen dazu mittels „Arbeitsblättern“ und zugehörigen Reflexionsfragen den Prozess der individuellen Reflexion dieser Kompetenzen anzuregen. Das erfolgt mittels Bezug auf das eigene Studium, die eigene Biographie und den Prozess der Bewerbung bei zukünftigen Praktikums-/​Arbeitgebern. Der Versuch der Extrahierung eines Überblicks über geisteswissenschaftliche Kernkompetenzen erscheint dabei als Möglichkeit der Profilschärfung und Herstellung von Bewusstsein für die im Bewerbungsprozess herauszustellenden Besonderheiten von Absolvent*innen geisteswissenschaftlicher Studiengänge (Kap. 2.4). Welche Bedeutung diesen Kompetenzen im Hinblick auf die aktuellen und zukünftigen gesellschaftlichen Problemlagen zukommt, wird argumentativ herausgearbeitet und somit Studierenden als Argumentationsschablone zur Verfügung gestellt. Im besten Fall ermöglich das anschließende Arbeitsblatt mittels einiger Reflexionsfragen einen selbstbewussten Umgang mit den von den Autor*innen überblicksartig eingeführten „Future Work Skills“ (S. 35). Die Kombination aus Information und anschließender Reflexion über Arbeitsblätter kennzeichnet dabei die gesamte Publikation.

Im dritten Kapitel folgt ein Überblick über die beruflichen Einsatzfelder für Geisteswissenschaftler*innen, die aufgrund der verschiedenen Studienfächer und Kombinationsmöglichkeiten als äußerst vielfältig herausgearbeitet werden. Die Autor*innen differenzieren dabei im Hinblick auf die Frage, ob berufliche Einsatzfelder hochschuladäquat seien und damit ein Hochschulstudium voraussetzen, nach „fachnahen“ und „disziplinnahen“ Einsatzfeldern (S. 41). Als „fachnah“ beschreiben Sie jene Einsatzgebiete, die bspw. nah an den fachlichen Inhalten eines Hauptfachs liegen, sowie als „disziplinnah“ jene Einsatzbereiche, die explizit ein Studium der Geisteswissenschaften im Haupt- und/oder Nebenfach voraussetzen. Bei dieser Rahmung der dann folgenden Liste an Tätigkeitsfeldern wird bereits deutlich, dass die weniger starke Nähe geisteswissenschaftlicher Studiengänge zum Arbeitsmarkt eben auch Aufgabenbereiche in die Wahlmöglichkeiten von Studierenden miteinschließt, die nicht unbedingt ein abgeschlossenes Studium voraussetzen. Die dann folgende Auswahl und nähere Beschreibung der Berufsfelder bietet vor diesem Hintergrund einen breiten und sicherlich orientierenden Überblick über Berufsfelder, die von den Autor*innen als „hochschuladäquat“ angesehen werden. Im Detail werden die folgenden diziplinnahen und hochschuladäquaten übergeordneten Berufsfelder beleuchtet:

  • Bildung und Kultur (Kap. 3.2.1)
  • Information und Kommunikation (Kap. 3.2.2)
  • Wirtschaft (Kap. 3.2.3)
  • Politik und Gesellschaft (Kap. 3.2.4)

Neben Aufgabengebieten und Berufsbildern innerhalb dieser vier Berufsfelder, werden teilweise Karrieremöglichkeiten, kurze Hinweise auf notwendige Kompetenzen, feldspezifische Internetlinks und konkrete Ansprechpartner*innen benannt, die für das jeweilige Berufsbild weitergehende Informationen bereitstellen oder als erste Anlaufstellen für den Einstieg als Praktikant*innen oder Berufseinsteiger*innen dienen können. Bei dieser Bandbreite an dargestellten Einsatzgebieten mutet der Hinweis der Autor*innen dann auch nicht pro forma an, dass „diese Auflistung […] natürlich nicht vollständig sein [kann]“ (S. 59) und durch die technischen Entwicklungen in der Gesellschaft eher noch weitere Aufgabengebiete für Geisteswissenschaftler*innen in naher Zukunft zu erwarten sind (vgl. ebd.). Die in Kap. 3.3 folgenden Angebote zur Selbsterkenntnis (Selbstaufklärung über die eigenen Interessen in Kap. 3.3.1 und graduelle Einschätzung von Persönlichkeitsanteilen mit Bezug zum Modell der „Big Five“ in Kap. 3.3.2) sollen die Orientierung, wie Studierende für sich selbst ein passendes Berufsfeld finden, erleichtern bzw. ermöglichen.

Im vierten Kapitel thematisieren die Autor*innen den Sinn und Zweck eines Praktikums. Das Praktikum wird als Möglichkeit des Einstiegs in ein Berufsfeld gesehen und dabei zwischen Orientierungspraktika und strategischen Praktika unterschieden: Zur Orientierung sei es möglich, Branchen auch mal auszutesten, sich selbst auszuprobieren und die entwickelten Kompetenzen zu erproben (vgl. S. 75). In strategischen Praktika, so die Autor*innen, könne man dagegen den späteren Bewerbungen einen stringenten Verlauf – bzw. roten Faden – geben und berufliche Netzwerke für den Berufseinstieg knüpfen. Als drittes Argument wird die Bedeutung von Praktika für das eigene Studium eingeführt und beispielhaft an einigen Lernreflexionen von Studierenden verdeutlicht. Neben einer kurzen Thematisierung von Vorteilen, die ein Praktikum für Arbeitgebende und Hochschulen haben kann (Kap. 4.2), eröffnen die Autor*innen einen Überblick über Möglichkeiten des Einblicks in die Berufspraxis (Kap. 4.3) und enden in diesem Kapitel mit einer Einladung an Studierende sich mit ein paar Fragen zur eigenen Motivation für ein Praktikum auseinanderzusetzen.

Im folgenden fünften Kapitel geben die Autor*innen einen Überblick über Möglichkeiten der Recherche von Praktika im In- und Ausland. Dies erfolgt erneut über eine erste Selbsteinschätzung, wo ein Praktikum stattfinden soll, welche (nationalen/​internationalen) Unternehmen die Zielgruppe für die Bewerbung um einen Praktikumsplatz sein sollen, welche Kohärenz der Identifikation seitens der Studierenden mit den Zielen der Organisationen sowie welche Aufgaben angestrebt werden. Neben der Auflistung gängiger Recherchestrategien und Metastellenbörsen bzw. zuständigen Organisationen (z.B. DAAD), die als Ansprechpartner*innen und Vermittler*innen fungieren können, wird seitens der Autor*innen eine vor allem für das Auslandspraktikum hilfreiche Checkliste (S. 93) zur Verfügung gestellt, an der die Studierenden den eigenen Rechercheprozess ausrichten können.

Im sechsten Kapitel bieten die Autor*innen einen profunden und äußerst gelungenen Einblick in das Erstellen von Bewerbungsunterlagen sowie den Ablauf von Bewerbungsprozessen und -gesprächen. Unter dem Titel „Signal geben“ verdeutlichen sie, welche Relevanz es hat, dass Studierende ihr Profil frühzeitig schärfen und eigene Kompetenzen „signalstark“ (S. 98) kommunizieren können. Neben einem exemplarischen Einblick in einen Lebenslauf, wird vor allem auch über das AGG und dessen formale Auswirkungen auf die Gestaltung von Bewerbungsunterlagen hingewiesen. Dabei werden seitens der Autor*innen auch die impliziten Regeln verdeutlicht und argumentativ aufgezeigt, an welchen Stellen ein Abweichen von den Regelungen des AGG seitens der Bewerber*innen sinnvoll sein könnte. Neben konkreten Hinweisen und kurzen Reflexionsfragen zur Selbstpräsentation, zeigen die Autor*innen auch „signalstarke“ Formulierungen für das Anschreiben auf und verdeutlichen diese im Kontrast zu eher „signalschwachen“ Formulierungen. Hinweise zur Sinnhaftigkeit einer Initiativbewerbung sowie einer Bewerbung im Ausland runden das Bild der schriftlichen Bewerbung ab. Ein aus meiner Sicht zentraler Baustein dieses Kapitels sind die sich anschließenden Informationen zum Vorstellungsgespräch. Diese empowern ressourcenorientiert die Nutzer*innen des Buches und vermitteln, dass die Einladung zum Vorstellungsgespräch bereits ein erstes „Ja“ zur Bewerbung darstelle. Die dabei suggestiv hergestellte, positive innere Haltung der Leser*innen wird zusätzlich befördert durch eine Reihe an konkreten Hinweisen zur Vorbereitung des Vorstellungsgesprächs (S. 111), einem Überblick über die gängigen Phasen eines Vorstellungsgesprächs mit Hinweisen, in welcher Weise man die eigene Selbstpräsentation in diesen Phasen unterstützen kann. Außerdem erfolgt ein Überblick über einige zentrale Fragen zukünftiger Arbeitergeber*innen im Vorstellungsgespräch sowie exemplarische Beispiele, wie eine Selbstpräsentation zum Einstieg ins Gespräch aussehen könnte. Abgeschlossen wird dieses Kapitel mit einem Arbeitsblatt, welches Copingstrategien für Nervosität aufzeigt sowie verschiedene Strategien beschreibt um mit dieser Nervosität umzugehen.

Im siebten Kapitel werden die organisatorischen Fragen rund um ein Praktikum thematisiert. Neben den Hinweisen zu den zuständigen Einrichtungen an Hochschulen und Universitäten (Studienberatung, Praxisbeauftragte etc.), finden sich hier Anhaltspunkte/​Tipps zur Finanzierung und den Versicherungsverhältnissen im Praktikum, Beispiele für gängige Regelungen in Praktikumsverträgen, ein kleiner Einblick in Fragen der Vergütung sowie eine Orientierung für die Planung und Umsetzung eines Praktikums im Ausland.

Im achten Kapitel werden die Verhältnisse im und nach dem Praktikum kurz beschrieben. Dabei wird die Praktikumsbetreuung (Kap. 8.1) als Möglichkeit eingeführt, die sowohl von Seiten der Hochschulen als auch von Seiten der Betriebe angeboten werden könne (vgl. ebd.; S. 127). In der kurzen Bezugnahme auf die Betreuung wird deutlich, dass im Wesentlichen der Nutzen der Betreuung durch die Hochschule „in der Vor- und Nachbereitung“ (ebd.) verortet wird, während die Betreuung durch die Firmen und Institutionen über konkrete Ansprechpartner*innen während des Praktikums erfolge. Eine weitere Perspektive wird eröffnet, wenn das Verhalten von Studierenden im Praktikum im Hinblick auf die beiden Ebenen der Motivation und Sichtbarkeit erörtert und klassifiziert wird (Kap. 8.2). In einer Typologie und einem darauf aufbauenden Arbeitsblatt zur Selbstreflexion werden eher als problematisch erscheinende Verhaltensweisen von Praktikant*innen kategorisiert, um anschließend mittels Reflexionsfragen die eigenen Verhaltensweisen im Hinblick auf diese eher problematischen Typen zu hinterfragen. Bemerkenswert an dieser Stelle ist, dass die „kleine Typologie von schwierigen Praktikant*innen“, wie die Autor*innen die Abbildung benennen und durchaus auf deren „überspitzte“ (S. 129) Formulierung hinweisen, keine positiven Verhaltensweisen beschreiben, wie Studierende im Praktikum agieren sollen, während die Autor*innen dies an beinahe allen anderen Stellen der Publikation konsequent tun. So verbleiben die Reflexionsfragen des zugehörigen Arbeitsblatts im Wesentlichen auf der Ebene der Eigenverantwortung der Studierenden. Die sich anschließende Thematisierung des Praktikumszeugnisses (Kap. 8.3) stellt sich als knapper aber äußerst gelungener Überblick über die rechtlichen Rahmenbedingungen zum Anspruch auf ein Praktikumszeugnis, die Herstellung von Transparenz über die Seitens der Betriebe einzuhaltenden Kriterien der Formulierung von Zeugnissen und deren wesentliche Bestandteile, sowie einige exemplarische Entwürfe von Arbeitszeugnissen und Formulierungen heraus. Ein Arbeitsblatt zur Nachbereitung des Praktikums inklusive der Reflexion von Möglichkeiten des In-Kontakt-Bleibens mit den Betrieben wird den Leser*innen der Publikation zur selbstständigen Nachbereitung angeboten (Kap. 8.4).

Im neunten Kapitel werden den Leser*innen abschließend sechs „Ermunterungen“ mit auf den Weg gegeben, die als motivierende Apelle zur Durchführung/​Nutzung von Praktika für die eigene berufliche Orientierung zu verstehen sind. Zudem werden die zentralen Anregungen der Publikation nochmals knapp zusammengefasst.

Anhang

Im Anhang befindet sich neben der verwendeten Literatur eine Auflistung an verschiedenen Quellen, die für die Vorbereitung eines Praktikums und den zugehörigen Bewerbungsprozess als äußerst hilfreiche Sammlung erscheinen. Die Liste der angehängten Internetlinks ist in sich nach insgesamt 15 Oberpunkten gegliedert und beinhaltet Seiten zu verschiedenen Themen rund um die Suche nach Praktika im nationalen und internationalen Kontext, Orientierungen zur Studien- und Berufswahl sowie zu Fragen des Bewerbungsprozesses u.v.m. Die vorhandene Bandbreite an Themen und Internetquellen spiegelt den gesamten student life cycle wieder und bietet somit von der Wahl an Studienfächern über den Studienabbruch bis hin zur Gründung eigener Unternehmen und Start-ups eine Fundquelle an Orientierung.

Diskussion

Gerade im Zuge der Qualifikation in geisteswissenschaftlichen Studiengängen wird seitens der Autor*innen deutlich gemacht, dass hier ein zentraler Bezugspunkt im Bachelor- und Masterstudium die „wissenschaftlich-forschende [Ausrichtung]“ (S. 11) sei, die das forschende Lernen im Studium als „Königsweg zur Qualifikation“, so der Bezug auf Langewiesche (1995, S. 35), begreife. Da dieser Bezug von den Autor*innen so gewählt wird und das forschende Lehren und Lernen gerade in den Geisteswissenschaften als Möglichkeit aufgefasst wird, mit der großen Offenheit im Zuge der vielfältigen beruflichen Möglichkeiten umzugehen, mutet es gleichsam nachvollziehbar sowie nicht zulässig an, dass die Frage, wie dieser forschende Zugang im Praktikum seitens der Universitäten und Hochschulen begleitet und unterstützt werden kann, nicht geklärt ist. Zukunftsweisend könnte hier eine didaktisch-curriculare Idee der Einbindung von Praktika in die Studiengänge (und sei es aufgrund der Bandbreite der geisteswissenschaftlichen Studiengänge auch nur exemplarisch) sein, die das Verhältnis von wissenschaftlichem Wissen und berufspraktischem Wissen – ein Theorie-Praxis-Konzept der Studiengänge (vgl. Schubarth et al. 2016, S. 66) – vor Augen führt. Selbst wenn dies in den jeweiligen Studiengängen auf Fachebene nicht implementiert wäre, könnten die Autor*innen eine eigene didaktische Idee formulieren, die Studierende unterstützt und die Verantwortlichen in Studiengängen ggf. dazu veranlasst über die eigenen didaktisch-curricularen Konzeptualisierungen von Praktika nachzudenken (vgl. ebd.). Dieser Aspekt hängt eng mit der Frage zusammen, wie die Erfahrungen des Praktikums für das eigene Studium nutzbar gemacht werden. So erscheint der Profit, den Studierende über Praktika für die weitere Ausgestaltung ihres Studiums erlangen können, in der Publikation beinahe als Nebeneffekt (S. 76). Gerade die Reflexion der Fragen, welche Bedeutung die gemachten Erfahrungen für die weitere Ausgestaltung des Studiums haben können (bspw. in Form neu zu beantwortender Fragen, sowie Fragen an die Wissenschaft), bieten m.E. das Potenzial einer Zukunftsvision für Studierende sowie der Anregung von Wissenschaft. Hier wären aus meiner Sicht weitere Reflexionsfragen hilfreich, die das Verhältnis von Wissenschaft und Praxis als wechselseitiges Anregungsverhältnis in den Blick rücken und Praktika nicht in die individuelle Verantwortung der Studierenden übergeben, sondern sie als gemeinsame Verantwortung der Lernorte Hochschule und Praxis begreifen (vgl. Freis 2021). Dies beträfe dann auch die Bereiche der Begleitung des Praktikums durch Mitarbeiter*innen in der beruflichen Praxis. Die klare Zuordnung zur Vor- und Nachbereitung von Praktika zu Hochschulen und der Begleitung im Praktikum zu den jeweiligen Ansprechpartner*innen in den Firmen und Institutionen der Praxis, würde so zumindest in Teilen aufgelöst werden und eine gemeinsame Idee der lernortübergreifenden Zusammenarbeit zur Qualifizierung von Studierenden in den Blick geraten.

Ein letzter Aspekt, den ich in die Diskussion einbringen möchte, ist das Potenzial und das Dilemma der Selbstaufklärung. Gerade im Kapitel 3 der Publikation wird im Hinblick auf die Präzisierung eigener Interessen und Persönlichkeitsanteile mit Selbstreflexionsfragen gearbeitet. Die über die Fragen angeregte Kopplung von Interessen und Persönlichkeitsmerkmalen zu den beruflichen Arbeitsgebieten suggeriert eindeutige Passungsmöglichkeiten und erscheint als rationales Vorgehen in der Findung der richtigen Beschäftigung (vgl. S. 67 f.; S. 73). Dies gilt auch für das Assessment über das aus der Psychologie stammende Modell der „BIG Five“ (S. 67). Die Anregungen zur „Selbstüberprüfung“ (S. 68) sind durchaus sinnvoll und nachvollziehbar. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob die dabei entstehenden Selbstreflexionen, sollen Sie den Prozess der Bewerbung sinnvoll unterstützen, kommunikativ nicht noch mal aufgegriffen werden müssten? Ansonsten rangieren die Folgen der Selbstreflexion u.U. auf den Ebenen der berufsbezogenen Selbstoptimierung (die Perspektive, die zumindest implizit an dieser Stelle immer Teil der Bildungszumutung ist) und einer Resignation angesichts der Erkenntnis, dass die Selbsteinschätzung der Persönlichkeitsanteile und Werte in der eigenen Zuordnung nicht zum präferierten Berufsfeld passt. Sowohl die Priorisierung der Werte als auch der starke Bezug auf die Selbstverwirklichung über die berufliche Tätigkeit schränken hier die Perspektive von Studierenden potenziell eher ein und könnten in einigen Fällen eben nicht zur intendierten Versicherung über die eigenen Befähigungen und Ziele, sondern eher zu Verunsicherung führen. Dabei könnten die offenen und vielfältigen Möglichkeiten der Profilbildung von Geisteswissenschaftler*innen der große Vorteil gegenüber anderen stärker berufsbezogenen Fachrichtungen sein, welchen es entgegen der aktuellen Trends zur Vereindeutigung zu verteidigen gilt.

Insgesamt kann also festgestellt werden, dass die Publikation von Ulrike Job, Nadia Blüthmann und Christoph Fittschen gekonnt, kenntnisreich und orientierungsgebend einen komplexen Bereich des Studiums und der Berufssozialisation abdeckt, indem sie das Zusammenspiel zwischen den Lernorten Hochschule und berufliche Praxis am exemplarischen Fall bzw. der Person von Studierenden ausbuchstabiert. Den Autor*innen gelingt es in der Publikation eine Struktur für Studierende der Geisteswissenschaften zur Verfügung zu stellen, die erste Orientierungen in den vielfältigen beruflichen Einsatzgebieten von Geisteswissenschaftler*innen möglich macht. Metaphorisch könnte man die Ermunterung, die die Publikation an Studierende herantragen möchte, so verstehen, dass Studierende Werkzeuge in ihrem eigenen Werkzeugkasten identifizieren lernen, sie über die aktive Mitarbeit im Praktikum weiterentwickeln und abschließend für sich selbst reklamieren lernen. Damit ermöglichen die Autor*innen, dass Studierende im Prozess der Selbsterkenntnis unterstützt und sich bei der Selbstpräsentation vor zukünftigen Arbeitgeber*innen ihrer eigenen Kompetenzen bewusst werden sowie diese kommunikativ auf den Punkt bringen können. Gerade die gelungen ausgearbeiteten Arbeitsblätter ermöglichen es Studierenden (nicht nur der Geisteswissenschaften), die sich aktuell auf Jobsuche befinden, eigene Vorstellungen und Kompetenzen zu reflektieren und somit zielgenauer auf Stellensuche zu gehen. Die angebotenen Reflexionsfragen stellen darüber hinaus auch ein anregendes Potenzial für die Verantwortlichen an Hochschulen und Universitäten dar, die explizit mit Studierenden in studienintegrierten Praxisphasen arbeiten und diese während ihrer ersten beruflichen Erfahrungen begleiten. Nicht unerwähnt in der Würdigung der Publikation sollte m.E. auch die im Buch präsente Ausgestaltung des „Beratungsgedankens“ bleiben. Den Herausgeber*innen gelingt mit der Publikation eine Gratwanderung zwischen Information und Aufklärung sowie Reflexionsangebot. Weder bekommt die informative Seite ein zu großes Gewicht, noch werden die eigenen Reflexionsbemühungen von Studierenden durch die angebotenen „Reflexionsaufforderungen“ der Publikation derart überbetont, dass Sie als verstimmende „Zumutungen“ (vgl. Klika; Schubert 2013, S. 106 ff.) erlebt werden könnten. Die Balance zwischen Angebot und Bildungszumutung (vgl. ebd.) scheint gut gelungen. Hierzu wären Stimmen von Geisteswissenschaftler*innen sicherlich hilfreich, die in ihrer eigenen Orientierung im Praktikum mit dieser Publikation gearbeitet haben.

Fazit

Die von den Autor*innen geleistete Aufklärung über bspw. die Bereiche der Gestaltung von Bewerbungen, die Beurteilung der Güte von Zeugnissen, sowie die Aufklärung über die eigenen Rechte stellen m.E. ein Potenzial dar, das auch für Studierende anderer Fachrichtungen eine wichtige Informationsquelle sein kann. Die stets eingearbeiteten Beispielformulierungen ermöglichen ein gezieltes Einschätzen der eigenen Dokumente und stellen daher (gerade in der Kürze der Darstellung) eine echte Bereicherung im Bewerbungsprozess für Studierende dar. Studierende (der Geisteswissenschaften) und Verantwortliche für Praktika an Hochschulen tun gut daran, sich mit der Publikation von Ulrike Job, Nadia Blüthmann und Christoph Fittschen auseinanderzusetzen.

Literatur

Freis, Manuel (2021): Ethnographie im Praxissemester. Soziale Arbeit am Lernort ‚Praxs‘ studieren. Münster und New York: Waxmann.

Klika, Dorle; Schubert, Volker (2013): Einführung in die Allgemeine Erziehungswissenschaft. Weinheim und Basel: Beltz.

Schubarth, W. et al. (2016): Fachgutachten. Qualitätsstandards für Praktika. Bestandsaufnahmen und Empfehlungen. Potsdam/​Oldenburg.

Rezension von
Manuel Freis
Dipl. Päd., wissenschaftlicher Mitarbeiter und Praxisreferent an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes.
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Zitiervorschlag
Manuel Freis. Rezension vom 23.01.2023 zu: Ulrike Job, Nadia Blüthmann, Christoph Fittschen: Praktikum! Chancen nutzen - ein Ratgeber für Studierende der Geisteswissenschaften. Narr Francke Attempto Verlag (Tübingen) 2020. ISBN 978-3-8252-5422-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27891.php, Datum des Zugriffs 15.06.2024.


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