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Stefan Kühtz: Wissenschaftlich formulieren

Cover Stefan Kühtz: Wissenschaftlich formulieren. Tipps und Textbausteine für Studium und Schule. UTB (Stuttgart) 2021. 6. aktual. u. erweiterte Auflage. 114 Seiten. ISBN 978-3-8252-5495-7.
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Thema

Bei dieser Veröffentlichung handelt es sich um einen Ratgeber, der eine hilfreiche Unterstützung beim wissenschaftlichen Schreiben darstellt. Er hilft bei der Überwindung von stilistischen Unsicherheiten und beim Finden geeigneter Formulierungen.

Autor

2005 wurde Stefan Kühtz mit einer Arbeit zur Phraseologie und Formulierungsmustern in medizinischen Texten, nachdem er das Studium der Germanistik, Biologie und Erziehungswissenschaften erfolgreich beendet hat, an der Universität Saarbrücken promoviert. Seit 2008 ist der Autor Gymnasiallehrer für Deutsch, Biologie und Darstellendes Spiel.

Entstehungshintergrund

Kühtz stellt fest, „dass der zentrale Bereich des konkreten Formulierens sowohl in Lehrveranstaltungen als auch in der Literatur nicht oder nur sehr flüchtig behandelt wird und Schreiberinnen und Schreiber gerade bei ersten Kontakten mit der Wissenschaftspraxis häufig auf sich allein gestellt sind“ (S. 9). Dieser Entstehungshintergrund führte zu dieser schreibdidaktischen Publikation.

Aufbau und Inhalt

Der Ratgeber besteht aus zwei Kapiteln:

  1. Grundlegendes zum wissenschaftlichen Formulieren
  2. Formulierungsmuster für wissenschaftliche Erkenntnisprozesse

Der Autor merkt auf Seite 9 an, dass sich die Darstellungen auf die Grammatik und Formulierungsweisen beziehen, welche für eine fachunabhängige Wissenschaftsprache prägend sind.

Der erste Teil zeigt den Weg von der Wort- zur Textebene auf. Hier geht es zum Beispiel auf Seite 14 u die Verwendung von Fachbegriffen oder -wörtern, auf Seite 42 um den Satzbau und schließlich wird sich auf den Seiten 71 bis 73 den Kapitelüberschriften gewidmet.

Der zweite Teil liefert Formulierungshilfen von der Einleitung, über das Erörtern bis zum Resümee.

Dieser Ratgeber soll zum Nachschlagen dienen, wenn beim Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit Probleme auftreten, wenn z.B. das richtige Wort nicht gefunden wird oder ein bestimmter Begriff nicht wiederholt werden, sondern mit anderen Begriffen dargestellt werden soll.

Diskussion

Der Inhalt besticht durch seine humorvolle Herangehensweise an das Thema, wie wir dieselbe bereits in Martin Kornmeiers Lehrbuch zum wissenschaftlichen Schreiben vorfinden. Nicht umsonst ist Kornmeiers Werk 2016 in der siebten Auflage erschienen. Die Rezension zur zweiten Auflage ist über die URL https://www.socialnet.de/rezensionen/9226.php abrufbar.

Herausragend sind aus Rezensentensicht die Angaben zu Kürze und Prägnanz, denn „die Zeit, […] die eine fachkundige Person berufsbedingt für die Lektüre eines wissenschaftlichen Textes aufwenden muss, ist […] Arbeitszeit. […] Werden Sachverhalte kurz und prägnant dargestellt, ermöglicht dies eine effizientere Nutzung von Arbeitszeiten“ (S. 15). Vorgenanntes sieht der Rezensent genauso und erinnert an die Unterrichtsrezepte von Grell/​Grell (1979, 208), in denen ein guter Lehrervortrag mit dem Lieblingsbadeanzug verglichen wird – und der ist „knapp, ansprechend und das Wesentliche abdeckend.“ Vier Seiten vor dem Zitierten, das einer, für Grell/​Grell üblichen, Karikatur entnommen ist, wird in einer Karikatur danach gefragt, warum man eine Sache, die an sich schwierig ist, unnötig vereinfachen muss (vgl. ebd., 204). Wissenschaftlichkeit zeichnet sich nicht durch das Schreiben sehr umfangreicher Texte, durch Quantität, sondern durch Qualität aus, denn die Würze liegt bekanntlich in der Kürze. Kühtz schreibt hierzu auf Seite 16: „So ausführlich wie nötig, so kompakt und prägnant wie möglich!“

Man merkt der Publikation die wissenschaftliche Heimat des Autors an. Diese liegt u.a. in der Germanistik und der Naturwissenschaft. Das der Autor in der Germanistik beheimatet ist erkennt man an dem Thema, mit welchem sich die Publikation befasst und der darin liegenden Begrifflichkeit. Die Heimat in der Naturwissenschaft ist an den Beispielen erkennbar, als da beispielsweise wäre: „Im zweiten Versuchsansatz lag die gemessene Temperatur um 0,9oC niedriger als im ersten“ (S. 23). „Die Wachstumsrate wird in Abhängigkeit von der Phytohormonkonzentration dargestellt“ (S. 30).

Letztlich ist das Format der Veröffentlichung nicht zu verachten. Die Handhabbarkeit des Buches lädt zur Lektüre z.B. an der Bushaltestelle, im Wartezimmer einer Arztpraxis oder der Cafeteria ein. Das Buch passt gut in die Brusttasche eines Jackets und nimmt nicht viel Platz in einer Damenhandtasche ein. Die einzelnen Kapitel sind, wie vom Autor gefordert, kurz und prägnant geschrieben, sodass das Lesen eines Kapitels beim fünfminütigen Warten auf den Bus, beim Warten auf den Aufruf zur ärztlichen Behandlung oder in der Vorlesungspause in der Cafeteria der Hochschule gut durchgeführt werden kann.

Fazit

Die vorgelegten Tipps und Textbausteine zum wissenschaftlichen Formulieren stellen für die Scientific Community eine wertvolle Unterstützung beim Verfassen von wissenschaftlichen Texten dar. Im ersten Teil wird das Formelle dargestellt, was im zweiten Teil für die einzelnen Schwerpunkte durch „eine Sammlung typischer Formulierungsmuster der allgemeinen Wissenschaftssprache“ (S. 75) verdichtet wird.

Für das Erlernen des wissenschaftspropädeutischen Arbeitens in der gymnasialen Oberstufe und für das Schreiben wissenschaftlicher Texte im Studium stellt die Lektüre des bis hierhin rezensierten Werks ein wertvolles Instrument dar.

Literatur

Grell, Jochen/​Grell, Monika: Unterrichtsrezepte. München 1979.


Rezension von
Dr. Carsten Rensinghoff
EUTB beim Malteser Hilfsdienst e.V.
Homepage www.teilhabeberatung.de/beratung/malteser-hilfsdien ...
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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 09.06.2021 zu: Stefan Kühtz: Wissenschaftlich formulieren. Tipps und Textbausteine für Studium und Schule. UTB (Stuttgart) 2021. 6. aktual. u. erweiterte Auflage. ISBN 978-3-8252-5495-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27897.php, Datum des Zugriffs 14.06.2021.


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