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Wolfgang Müller-Commichau: Fühlen lernen oder emotionale Kompetenz [...]

Cover Wolfgang Müller-Commichau: Fühlen lernen oder emotionale Kompetenz als Schlüsselqualifikation. Matthias-Grünewald-Verlag (Mainz) 2005. 128 Seiten. ISBN 978-3-7867-2554-1. D: 16,80 EUR, A: 17,30 EUR, CH: 29,90 sFr.

Reihe: Edition Psychologie und Pädagogik.
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Autor

Der Verfasser ist promovierter Pädagoge und ist mehr als durch seine Lehraufträge am Institut für Sozialpädagogik und Erwachsenenbildung der Universität Frankfurt am Main sowie an der Fachhochschule Wiesbaden bekannt geworden als "Coach und Supervisor" (Buchrückseite) und als Verfasser populärwissenschaftlicher Bücher. Er hat sich durch seine Männerbücher profiliert, so durch das zusammen mit Roland Schaefer verfasste Werk "Wenn Männer trauern - Über den Umgang mit Abschied und Verlust",  Mainz: 2000 und durch "Männergesundheit und emotionale Kompetenz", Wien 2004. Zeitlich zwischen beiden Publikationen liegt "Verstehen und verstanden werden. Ethische Perspektiven in konstruktivistischer Pädagogik", Mainz 2003. In plausibler Fortführung der Anliegen dieser vorausgegangen Bücher legt Müller-Commichau nun den hier zu besprechenden Band "Fühlen lernen" vor.

Überblick

Zu Beginn des Textes werden nach einer "Einleitung" (S. 7-10) "die zentralen Begriffe" (10-12) geklärt. Dann folgt das erste Kapitel "Die Bedeutung emotionaler Kompetenz für eine ganzheitlich verstandenen Beruflichkeit" (13-41), das u.a. der Frage gewidmet ist, wie der Mensch Glück erleben kann. Kapitel zwei heißt "Annäherung an ein emotionales Lernen" (42-70) und Kapitel drei "Gefühle lernen: Angeleitet und selbstorganisiert" (71-101). Müller-Commichau schließt mit zwei kurzen Abschnitten "Ausblicke auf ein Gemeinwesen, dem emotionale Kompetenz als Schlüsselqualifikation gilt" (102-109) und "Eine Ethik für das 21. Jahrhundert" (110-122). Dann folgt noch eine halbe Seite: "Zum Schluss: Emotionale Kompetenz als Schlüsselqualifikation" (16 Zeilen auf S. 123).

Ausgewählte Inhalte

Wie die Abschnittsüberschriften erkennen lassen, handelt es sich um ein umfangreiches Programm. Es beginnt mit dem Leidensdruck, der den Arbeitslosen - der Verfasser bevorzugt "Arbeitsplatzlosen" (7) - heimsucht (8), über die Gefahr, dass "bildungsbenachteiligten Personen… von vornherein ein niedriger Intelligenzquotient bescheinigt wird" (11) bis hin zu der verhängnisvollen "Überzeugung von der Irrationalität oder gar Arationalität… die die Betrachtung der Gefühle prägte" (16). Auch fehlt nicht die Auseinandersetzung mit "Emotionen im gesellschaftlichen Verhältnis zwischen Mann und Frau" (30f.) in deren Verlauf Männerdominanz als das "Oben-unten-Prinzip" (nach Meier-Seethaler) (31) diagnostiziert wird. Die geistige Schwerstarbeit, zu diesen und anderen Problemen Lösungen aufzuzeigen, erleichtert sich der Verfasser durch Hinweise auf (z.B. den Schöpfungsbericht der Bibel, S. 119) und Zitate von Adorno (4, 58), Erich Fromm (29), Seneca (nach Martha Nussbaum) (29f.), Aristoteles (37), Platon (38), Thomas von Aquin (nach Josef Pieper) (38), Rainer Maria Rilke (59), Erasmus (112), Karl Jaspers (112), Hannah Arendt (119) und - damit die Größen des Abendlandes nicht unter sich bleiben - von dem Chinesen Lin Yutang (120).

Emotionale Kompetenz beruht nach Müller-Commichau auf bestimmten Grundfähigkeiten:

  1. Selbstwahrnehmung,
  2. sich in "die/den Andere/n" hineinversetzen können,
  3. Souveränität bei der Gestaltung eines befriedigenden Miteinanders,
  4. Sensibilität gegenüber den eigenen Grenzen (Linzer Vortrag 2005).

Er führt das auf S. 13 aus. Das wird dann bezogen auf die Berufswelt (46), den Umgang mit Familienangehörigen (32), die Herstellung von "Geschlechterdemokratie" (35, 37) und den Umgang mit gewissenlosen Tankerkapitänen (110). Das alles leuchtet überwiegend ein, "denn der Mensch braucht das Gefühl glücklich zu sein… immer und immer wieder" (25).

Pädagogische Hingabe zeigt der Verfasser schon durch die gewählte Sprache: "Machen wir uns die benannte Platonische Gesamttugend… zu eigen… Schließen wir uns dieser Kantischen Idee an, so bedeutet das: Wir müssen im zwischenmenschlichen… Miteinander… weg von einem tendenziell männlich dominierten, hin zu einem komplementären Verhältnis der Geschlechter zueinander gelangen." (39f.)

Fazit

Jeder Leser (gleich welchen Geschlechts) wird in diesem Buch etwas finden, dem er zustimmen kann. Der Text ist wohl für den berufstätigen Menschen in Wirtschaft und Verwaltung gedacht, der dankbar ist, Vertrautes noch einmal gut verständlich zusammengefasst zu finden.


Rezension von
Prof. Dr. Horst Jürgen Helle
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Soziologie
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Zitiervorschlag
Horst Jürgen Helle. Rezension vom 12.10.2006 zu: Wolfgang Müller-Commichau: Fühlen lernen oder emotionale Kompetenz als Schlüsselqualifikation. Matthias-Grünewald-Verlag (Mainz) 2005. ISBN 978-3-7867-2554-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/2796.php, Datum des Zugriffs 07.12.2021.


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