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Frank Dieckbreder, Bartolt Haase: Management des Sozialen

Cover Frank Dieckbreder, Bartolt Haase: Management des Sozialen. Inspiriert diakonisch handeln. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2021. 169 Seiten. ISBN 978-3-525-63407-3. D: 25,00 EUR, A: 26,00 EUR.
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Autoren

Dr. Frank Dieckbreder, Diplom-Pädagoge sowie Sozial- und Gesundheitsmanager M. A. ist Vorstandsmitglied des Diakonieverbunds Schweicheln und lehrt als Honorarprofessor für Sozialmanagement an der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld. Dr. Bartolt Haase ist Pastor, Diplom-Caritaswissenschaftler und tätig als Theologischer Vorstand der Stiftung Eben-Ezer in Lemgo.

Thema

Unter Bezugnahme auf diakonische Begründungsmuster wird im Buch dargelegt, was die Autoren unter Sozialmanagement verstehen und warum sie den Begriff „Management des Sozialen“ dafür als treffender erachten. Die Autoren liefern Antworten auf „klassische“ Fragen des Managements von und in Sozialorganisationen. Sie reflektieren, wie sich Hierarchien einebnen und die Wertschätzung einzelner Mitarbeiter*innen stärken lassen. Die Notwendigkeit dessen begründen sie aus einem christlich inspirierten Verständnis dessen, was das Management des Sozialen ihrer Überzeugung nach auszeichnen soll. Als roter Faden zieht sich die These durch das Buch, dass das Management des Sozialen ein sozialer, inspirierender Akt sei und dass alle Mitarbeiter*innen von Organisationen im Sozialwesen potenzielle Führungskräfte seien. Die sich daraus ergebenden Implikationen für die Praxis werden reflektiert und weitergedacht.

Entstehungshintergrund

Führungskräfte im Sozialwesen wissen oder lernen – teils durchaus schmerzhaft –, dass Managementmethoden, die in gewinnorientierten Unternehmen funktional sind, sich nicht 1:1 auf Sozialorganisationen übertragen lassen. Das verwundert nicht, denn die Kriterien dafür, was Erfolg in der Arbeit ausmachen, sind in Organisationen des Sozialwesens deutlich anders (und oft schwerer objektiv messbar), als es in Wirtschaftsorganisationen der Fall ist. Die Frage, was das Management in gewinnorientierten Organisationen von seinem Pendant in gemeinwohlorientierten Organisationen unterscheidet, wird denn auch in unzähligen Fachbüchern, Forschungsarbeiten und Ratgebern thematisiert. Mitarbeiter*innen in Sozialorganisationen wollen oftmals Sinnstiftung im eigenen Tun erfahren. Sie erwarten von Führungskräften mehr Einbindung in Entscheidungsprozesse sowie eine offene, wertschätzende Kommunikation. Sozialmanager*innen müssen dies berücksichtigen, wenn sie erfolgreich sein wollen. Dies immer adäquat zu leisten, kann in Folge institutioneller, finanzieller und gesetzlicher Gegebenheiten aber herausfordernd sein. Die Autoren, die wissenschaftlich und praktisch im Sozialwesen aktiv sind, erweitern den Kanon der existierenden Fachliteratur zu dieser Thematik um ein weiteres Werk, dessen besonderes Merkmal die Bezugnahme auf diakonische Grundüberzeugungen ist, mittels derer die Autoren ihrer Vorstellung vom Management des Sozialen „Leben einhauchen“. Im Buch finden sich viele Bezüge auf religiöse und (sozial)pädagogische Themen sowie auf Überzeugungen aus der systemischen Arbeit. Es verwundert daher nicht, dass der Text im Göttinger Verlag Vandenhoeck & Ruprecht erschienen ist, der unter anderem auf die Veröffentlichungen von Werken mit religiösem Bezug spezialisiert ist.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in 6 Kapitel unterteilt, beinhaltet 42 Abbildungen und 2 Tabellen auf 169 Seiten. Die Autoren richten sich in erster Linie an (angehende) Führungskräfte im Sozialwesen. Im ersten Kapitel erläutern sie, warum sie das Buch geschrieben haben und wodurch es sich von anderen Werken mit thematisch ähnlichem Bezug abgrenzt. Dieckbreder & Haase postulieren, „dass das Sozialmanagement hinsichtlich gegenwärtiger Herausforderungen und des moralischen Anspruchs verändert werden muss, um den Anforderungen einer zunehmenden »Vermarktlichung« gewachsen zu sein“ (S. 17). Ein zentrales Anliegen der Autoren ist es in diesem Kontext, die einzelnen Menschen, die in Organisationen des Sozialwesens miteinander interagieren, (wieder) stärker in den Blick zu nehmen, statt den Fokus nur auf das System zu legen, wie es im Sozialmanagement mittlerweile immer öfter der Fall ist. Ähnlich wie es Jahrzehnte zuvor bereits Jürgen Habermas in seiner Kritik an der Systemtheorie Niklas Luhmanns formulierte, problematisieren Dieckbreder & Haase die im Sozialwesen vorherrschende konstruktivistisch-systemische Sichtweise. Sie sind überzeugt, dass der inspirierende und inspirierte Mensch hinter einer Funktionsbeschreibung im Organigramm zu kurz käme. Man werde ihm nicht gerecht, wenn nur auf Wechselwirkungen im System geschaut würde und Menschen lediglich als Träger von Kommunikation betrachtet werden.

Im zweiten Kapitel gehen die Autoren auf die christlichen Grundlagen des inspirierenden sozialen Handelns ein. Mittels diverser Verweise auf Bibelstellen klären sie über das Selbstverständnis und die Ziele der Diakonie auf. „Die christliche Grundlage für diakonisches Handeln ist der Glaube an Gottes Inspiration des Lebens“, schreiben sie (S. 30). Jeder Mensch sei, so sind die Autoren überzeugt, inspiriert und fähig, andere zu inspirieren. Überdies hätten alle Menschen ein Bedürfnis nach sozialer Resonanz, was Dieckbreder & Haase auch unter Bezugnahme auf Hartmut Rosas Werk „Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung“ (2016) erläutern. Des Weiteren gehen die Autoren im zweiten Kapitel auf die Entwicklungsgeschichte des sozialdiakonischen Handelns ein. Bezugnehmend auf das Wirken von Personen wie Jane Addams, Alice Salomon und Arnold Toynbee, die das Sozialwesen maßgeblich geprägt haben, skizzieren die Autoren, welche Entwicklung sich vom Beginn der ehrenamtlichen Armenfürsorge bis hin zur heutigen professionellen Dienstleistungserbringung in der Sozialen Arbeit vollzogen hat.

Im dritten Kapitel folgen theoretische Darlegungen zum Management des Sozialen. Die Autoren vertreten die These, dass sich das Sozialmanagement, das in einem stark durch rechtliche Vorgaben geprägten Kontext stattfindet, gegenüber anderen Funktionssystemen wie dem Recht, das eher durch juristische statt sozialarbeiterische Überlegungen geprägt sei, emanzipieren müsse, „um überhaupt das Recht zu erwerben, dass Soziale managen zu dürfen“ (S. 55). Dieckbreder & Haase erklären, wodurch sich Sozialmanagement vom Management in gewinnorientierten Unternehmen unterscheidet, ohne zu behaupten, dass das eine besser als das andere sei. Sie erläutern, dass sich Sozialmanagement in einem Dreiecksverhältnis konstituiere, das von Erwartungen und Selbstverständnissen der „Leistungsempfänger*innen, der Leistungsträger*innen und der Leistungserbringer*innen“ geprägt sei. Dadurch, dass diese Gruppen oft Unterschiedliches anstreben, agieren Sozialmanager*innen in einem Spannungsfeld. Ebenfalls skizzieren die Autoren im dritten Kapitel, welche Theorien dem Sozialmanagement zugrunde liegen. Dieckbreder & Haase gehen auf die Bedeutungen der Volks- und Betriebswirtschaftslehre für das Handeln von Sozialmanager*innen ein und legen dar, was historische Vorläufer dessen waren, was Sozialmanagement heute leistet.

Anders als in den sonstigen Kapiteln findet sich im dritten Kapitel nur wenige Bezugnahmen auf biblische Textstelle und auf genuin christliche Begründungsmuster für das Management des Sozialen. Vielmehr werden zentrale Befunde aus der soziologischen, volkswirtschaftlichen und betriebswirtschaftlichen Fachliteratur seitens der Autoren herangezogen und im Hinblick auf ihre Bedeutung für Management-Prozesse und -verständnisse im Sozialwesen kontextualisiert. Der theoretische und historische Bogen, den die Autoren diesbezüglich spannen, ist äußerst weit. Sie gehen auf aktuelle Fachliteratur von Vogelbusch (2018), Wöhe (2016) und anderen ebenso ein wie auf Klassiker, darunter Adam Smith, Karl Marx und Platon. Im vierten Kapitel, das mit „Inspirationen zur Wahrnehmung des Istzustands“ betitelt ist, erläutern die Autoren, was konstitutiv für Sozialorganisationen ist. Es steht, wie die Überschrift schon nahelegt, der Istzustand im Fokus. Dieckbreder & Haase erläutern die Funktionen und Probleme von Organigrammen. Zudem rekurrieren sie auf das Arbeiten im Team, das in fast allen Sozialorganisationen erfolgt. Die Autoren schildern, dass auch in Sozialorganisationen noch immer „Rationalität vor Relationalität“ (S. 98) gehe, „womit dem Gründungszweck von Sozialorganisationen zwangsläufig nicht Rechnung getragen werden kann“. Deshalb sei es nötig, eine Dekonstruktion gewohnter Strukturen zu betreiben. Wie diese Dekonstruktion und Neu-Konstruktion von Sozialorganisationen seitens inspirierender Sozialmanager*innen angegangen werden kann, schildern Dieckbreder & Haase im fünften Kapitel. Mittels Rekurs auf die Idee des Design Thinking, das sie als Ansatz für Problemlösungen und Entwicklung neuer Ideen vorstellen, befassen sich die Autoren hier mit Fragen des praktischen Handelns, der Innovationsförderung und Problemlösung in Sozialorganisationen. Das Kapitel ist mit 46 Seiten das längste im Buch und kann als Konvolut aus theoretischen Reflexionen, metaphorischen Erläuterungen und Verweisen auf eigene Erfahrungen der Autoren beschrieben werden. Sie legen dar, mit welchen Herausforderungen Fach- und Führungskräfte im Sozialwesen konfrontiert sind und wie inspiriertes und innovatives Handeln dennoch gelingen kann. Auch hier finden sich zahlreiche Bezugnahmen auf Bibelstellen, welche die Autoren als geistliche Inspirationsquellen beschreiben.

Der Text schließt mit Kapitel 6, in dem die Autoren ihre Gedanken zum Sozialmanagement nochmals Revue passieren lassen. Dabei gehen sie auch selbstreferenziell auf sich als Führungskräfte ein, die sich bewusst sind, dass sie in der Hierarchie weit oben stehen und privilegiert sind, was sich darauf auswirkt, wie sie die Welt sehen, wie wirklich ihre Wirklichkeit also (nicht) ist. Dieckbreder & Haase schildern, dass sie zum Schluss gekommen seien, dass das Management des Sozialen völlig ohne hierarchische Strukturen nicht funktioniere, da besagte Strukturen Sicherheit, Stabilität und Orientierung bieten“ (S. 160). Die Autoren plädieren für eine teilhierarchische Netzwerkorganisation, welche die Vorteile von Netzwerken (partizipativ, innovativ, schnell) mit jenen von Hierarchie (sicher, geordnet, verlässlich) konvergiert. Sie erklären: „Zusammengefasst gilt es festzustellen, dass wir für ein inspiriert diakonisches Handeln im Kontext des Managements des Sozialen den Weg darin sehen, Organisationen so zu gestalten, dass auf der Basis von Hierarchien hierarchieübergreifende Netzwerke entstehen.“ Dies zu erreichen und dabei die Menschen als inspirierende und inspirierte Akteure, statt nur als „Rädchen“ im organisationalen „Getriebe“ wahrzunehmen, ist ein Anliegen der Autoren.

Diskussion

Dieckbreder & Haase legen ein wissenschaftlich fundiertes, dabei aber in großen Teilen auch für Laien verständlich geschriebenes Werk vor. Was den Titel des Buches angeht, erklären sie, dass es angebrachter sei, von einem „Management des Sozialen“ anstatt von Sozialmanagement zu sprechen, weil letzteres eine Tautologie sei. Management sei, so Dieckbreder & Haase, per se ein sozialer Akt. Daher sei der Ausdruck „Sozialmanagement“ redundant. Worum es stattdessen gehe – oder besser: gehen sollte –, sei das Interagieren und Inspirieren von Menschen in Organisationen des Sozialwesen, das Management des Sozialen, mithin also des Miteinanders von Menschen. Das Argument ist sprachlogisch zwar nachvollziehbar, erscheint aber wenig bedeutsam, da es weder für Praktiker*innen noch für Wissenschaftler*innen einen Unterschied machen dürfte, ob nun von Sozialmanagement oder von „Management des Sozialen“ die Rede ist. Das Buch „Management des Sozialen“ zu titulieren, ist aber insofern zweckhaft, als bereits diverse Bücher existieren, die mit „Sozialmanagement“ betitelt sind. Von semantischen Irrelevanzen unbenommen ist die Lektüre des Buches in weiten Teilen angenehm, da die Autoren größtenteils auf Fremdwörter und Schachtelsätze verzichten. Die Formatierung des Textes erleichtert den Lesefluss und die vielen Abbildungen, die sich in den Kapiteln 4–6 finden, lockern den Text auf. Dadurch lässt sich das gesamte Buch gut an ein bis zwei Nachmittagen lesen. Einige der Abbildungen, die teils nur aus einem Punkt und Pfeil bestehen, erwecken allerdings den Eindruck, dass möglichst viele Abbildungen im Text zu haben den Autoren wichtiger gewesen ist als diesen einen substanziellen Mehrwert für Leser*innen zukommen zu lassen. Das Gros der Abbildungen ist dem besseren Verständnis der Argumente der Autoren dienlich, einige Bebilderungen befördern den Erkenntnisgewinn aber kaum.

Unabhängig von formalen Aspekt stellt sich für potenzielle Leser*innen die Frage, ob es sich lohnt, dieses Buch zu kaufen oder auszuleihen? Die Antwort hängt davon ab, mit welchen Erwartungen man sich an die Lektüre macht. Wer bereits mehrere Bücher zum Sozialmanagement wie die von Merchel (2015), Lambers (2015) oder Bauer (2013) gelesen hat, wird in Bezug auf Methoden und Konzepte dessen, was im Sozialmanagement zur Anwendung kommt, bei Dieckbreder & Haase wenig Neues finden. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Lektüre deshalb keinen Mehrwert bietet. Ein Merkmal, durch das sich der Text von vielen anderen abhebt, ist die Bezugnahme auf diakonische Begründungsmuster für das Sozialmanagement. Sie zieht sich durch den gesamten Text. Die Bibelzitate und Verweise auf Handlungen historischer Persönlichkeiten sind größtenteils interessant. Das nicht nur für Christ*innen mit Führungsverantwortung, sondern für all jene Personen, die fundierte Argumente dafür suchen, das eigene Handeln moraltheoretisch zu begründen. Die Lektüre des Buches kann auch für Studierende der Sozial- und Religionspädagogik interessant sein. Fragen wie die, warum so gehandelt wird, wie gehandelt wird, werden in Seminaren an Fachhochschulen schließlich diskutiert und beeinflussen, wie sich das professionelle Selbstverständnis angehender Fach- und Führungskräfte im Sozialwesen konstituiert. Hier liefert das Buch eine mögliche Reflexionshilfe.

Ein Ärgernis ist allerdings, dass ausgerechnet das fünfte Kapitel, in dem Inspirationen für die Praxis geliefert werden (sollen), mit Abstand am schwersten zugänglich ist. Das nicht nur, weil es darin anders als in den anderen Kapiteln keine strukturierenden Unterpunkte gibt, sondern auch, weil manche Darlegungen der Autoren hier beliebig wirken und argumentativ nicht einleuchtend erscheinen. „Im Zwischenraum entsteht die inspirierende Kraft“ – so lautet das Zitat, das besagtes Kapitel einleitet (S. 112). Was aber wird wodurch inspiriert? Von welchem Zwischenraum wird gesprochen und inwieweit sind einige der Darlegungen relevant für die Förderung von Innovationen in Sozialorganisationen? Das wird nur unzureichend deutlich. Eine Metapher der Organisationswissenschaftler Cohnen, March und Olsen (1972) aufgreifend ließe sich sagen, dass das fünfte Kapitel wie ein „Garbage Can Model of Organizational Choice“ erscheint. Während der Aufbau der Kapitel 1–4 logisch ist und gängigen Fachbuch-Konventionen entspricht, wirkt Kapitel 5 wie eine kontingente Melange aus zusammengewürfelten Ideen, Bibelzitate und anekdotischen Schilderungen. In Folge dessen fragte sich der Rezensent beim Lesen mehrfach, worum es hier gerade geht, weshalb diese Anekdote oder jener Verweis auf eine Apostelgeschichte erfolgt und was das mit Sozialmanagement zu tun haben soll.

Bei all den positiven Begründungen für inspirierendes Handeln vermisst hat der Rezensent zudem die Auseinandersetzung der Autoren mit den potenziellen Fallstricken, die einem Zuviel an Inspiration und einer übersteigerten Bereitschaft zum Sich-inspirieren-Lassen ebenfalls zu eigen sein können. In Folge dessen, dass Dieckbreder & Haase ihre Überzeugungen religiös begründen und auf historische Entwicklungen rekurrieren, wäre es naheliegend gewesen, zumindest in einem Unterkapitel darauf einzugehen, dass Inspiration aus sich selbst heraus nicht per se positiv ist. Sie kann, auch wenn das im Sozialwesen sicher selten der Fall ist, ebenfalls Hass und Missgunst befördern. Aus einer christlichen Perspektive betrachtet ist nachvollziehbar, dass die Autoren das Prinzip des „First Follower Leadership“ als konstitutiv für das Sozialmanagement hervorheben. Das Erstarken reaktionärer Kräfte und die Wirkung, die eine Person wie der ehemalige US-Präsident Donald Trump entfalten konnte, der seine Anhängerschaft ja durchaus auch inspirierte, machen aber deutlich, dass von zu viel Inspiration eben auch eine Gefahr ausgehen kann. Fritz Breithaupt hat mit „Die dunklen Seiten der Empathie“ (2017) ein interessantes Werk dazu vorgelegt, in dem sich nachlesen lässt, was inspiriertes Handeln und Mit-Erleben auch bewirken kann, wenn es nicht unter der Prämisse christlicher Nächstenliebe erfolgt.

Fazit

Das Buch von Dieckbreder & Haase liefert Denkimpulse und Argumentationen für Menschen, die ihr soziales Arbeiten christlich begründen wollen. In weiten Teilen ist das Buch gut verständlich und trotz dessen, dass bereits diverse Werke zum Sozialmanagement vorliegen, keineswegs redundant. Atheist*innen, Agnostiker*innen und all jene Sozialmanager*innen, die ihr Handeln dezidiert religionskritisch begründen (z.B. mit Rekurs auf die marxistische Theorie), werden sich durch die christlichen Begründungsmuster vermutlich wenig überzeugen lassen. Dadurch, dass die Autoren neben den diakonischen Verweisen auch Bezugnahmen auf praktisches Handeln und auf Gegebenheiten im Sozialwese vornehmen, die unabhängig von religiösen Überzeugungen bestehen, kann das Buch aber auch für nicht religiöse Menschen einen Mehrwert bieten. Gerade die Darlegungen zum historischen Entstehungshintergrund des inspirierenden Handelns im Sozialwesen, die Schilderungen zur Theorie des Managements des Sozialen und einige der Reflexionen der Autoren zur Umstrukturierung von Organisationen des Sozialwesens können für Praktiker*innen wie auch für Studierende der Sozialen Arbeit interessant sein – unabhängig davon, ob sie religiös sind oder nicht. „Management des Sozialen“ ist allerdings kein Methodenhandbuch. Wer sich ohne moralisch hergeleiteten Überbau lediglich gezielt über Konstitutionsmodi und Methoden des Sozialmanagements informieren will, dürfte an den Werken von Merchel (2015) und Lambers (2015) mehr Gefallen finden. Es ist allerdings, auch das muss betont werden, gar nicht der Anspruch der Autoren, den Fachdiskurs um ein weiteres Werk zu ergänzen, das Methoden auflistet. Dieckbreder & Haase wollen den Leser*innen keine „Werkzeuge“ an die Hand geben, sondern zum Reflektieren der eigenen Haltung anregen. Die Autoren liefern christlich geprägte Begründungen für eine inspirierte und inspirierenden Haltung im Sozialwesen. Wer eine solche Haltung an den Tag legen will, dem/der kann die Lektüre des Buches empfohlen werden.

Literatur

Bauer, Günther: Einführung in das systemische Sozialmanagement. Heidelberg 2013

Breithaupt, Fritz: Die dunklen Seiten der Empathie. Berlin 2017

Cohen, Michael D.; March, James G.; Olsen, Johan P.: A Garbage Can Model of Organizational Choice. In: Administrative Science Quarterly. Vol. 17, No. 1, 1972, S. 1–25

Lambers, Helmut: Management in der Sozialen Arbeit und in der Sozialwirtschaft. Weinheim & Basel 2015

Merchel, Joachim: Management in Organisationen der Sozialen Arbeit. Weinheim & Basel 2015

Rosa, Hartmut: Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung. Berlin 2016

Vogelbusch, Friedrich: Management von Sozialunternehmen: Eine Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre mit Abbildungen und Praxisbeispielen. München 2018

Wöhe, Günter: Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre. München 2016


Rezension von
Dr. phil. Christian Philipp Nixdorf
Sozialwissenschaftler, Diplom-Sozialarbeiter/-pädagoge (FH), Organisationspädagoge M. A., Systemischer Berater (DGSF), Case Manager im Gesundheits- und Sozialwesen (DGCC), zertifizierter Mediator, arbeitet als Organisationsberater, Coach und Konfliktmanager.
Homepage www.serene-success.de
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Zitiervorschlag
Christian Philipp Nixdorf. Rezension vom 03.03.2021 zu: Frank Dieckbreder, Bartolt Haase: Management des Sozialen. Inspiriert diakonisch handeln. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2021. ISBN 978-3-525-63407-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27986.php, Datum des Zugriffs 26.09.2021.


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