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Nikolaus Meyer, Andrea Siewert (Hrsg.): Handlungsfelder der Sozialen Arbeit

Cover Nikolaus Meyer, Andrea Siewert (Hrsg.): Handlungsfelder der Sozialen Arbeit. Der berufliche Alltag in Beschreibungen aus der Praxis. UTB (Stuttgart) 2021. 214 Seiten. ISBN 978-3-8252-5558-9. D: 22,00 EUR, A: 22,70 EUR, CH: 29,50 sFr.
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Thema

Das Herausgeberwerk von Nikolaus Meyer und Andrea Siewert bietet anhand von 33 Beiträgen einen Einblick in ausgewählte Arbeits- und Handlungsfelder der Sozialen Arbeit. Die einzelnen Tätigkeitsbereiche werden aus der Sicht von dort tätigen PraktikerInnen beschrieben.

Herausgeber und Herausgeberin

Prof. Dr. Nikolaus Meyer ist Professor für Profession und Professionalisierung Sozialer Arbeit an der Hochschule Fulda.

Prof. Dr. Andrea Siewert ist Professorin für Soziale Arbeit an der IUBH Hochschule am Campus Frankfurt am Main.

Aufbau

In insgesamt 33 Kapiteln geben die zahlreichen AutorInnen Einblick in die vielfältigen Handlungsfelder der Sozialen Arbeit. Zu Beginn des Werkes bieten Meyer und Siewert grundsätzliche Ausführungen zur beruflichen Selbstbeschreibung innerhalb der Profession.

Inhalt

Im einführenden Kapitel zur Beruflichen Selbstbeschreibung verdeutlichen Meyer und Siewert die hohe Komplexität und Ausdifferenzierung der Handlungsfelder in der Sozialen Arbeit. Bezugnehmend auf die vielfältigen Problemstellungen und Lebenslagen, mit denen die PraktikerInnen in ihrem beruflichen Alltag konfrontiert werden, betonen die beiden Herausgebenden, dass es sich bei dem Werk nicht um eine wissenschaftlich-theoretische Darstellung der Alltagspraxis handelt. In den Ausführungen stehen die Motivation zur Aufnahme des Studiums, die erlebte Berufspraxis sowie das berufspraktische Fach- und Alltagswissen im Fokus.

Die Beiträge der ausgewählten PraktikerInnen orientieren sich an den folgenden Fragestellungen:

  • In welchem Tätigkeitsbereich arbeiten Sie?
  • Wie würden Sie einem*einer Außenstehenden Ihre Tätigkeit erklären?
  • Warum haben Sie diesen Beruf gewählt?
  • Wie sind Sie dorthin gelangt?
  • Beschreiben Sie einen typischen Tag Ihrer Tätigkeit!

Ziel des Werkes ist es die Innensicht der vorgestellten Handlungsfelder zu ermöglichen.

Im daran anschließenden Kapitel von Rita Braches-Chyrek, Maria-Eleonora Karsten, Marion Mayer und Nikolaus Meyer wird die Ausgangslage und Zielsetzung des Herausgeberwerkes nochmals vertieft. Die berufliche Selbstbeschreibung – so die AutorInnen – verdeutlichen gefühlte Zugehörigkeiten beispielsweise zur eigenen Hochschule ebenso wie die Identifikation mit den jeweiligen Institutionen. Dieser differenzierte Zugang überschreitet die bisher vorgenommenen Klassifikationen in der Theorie der Handlungsfelder und eröffnet dadurch einen tiefgreifenden Blick in die facettenreiche Arbeitswelt der PraktikerInnen. Zur Verortung dieser hohen Varianz führen die AutorInnen den Begriff der sozialen Welten ein. Dieser dynamisch-gedachte Terminus soll eine Inklusionsmöglichkeit für die hohe Varianz und die verschiedenen Anforderungen an die Berufspraxis bieten. Durch die Auseinandersetzung mit den sozialen Welten der Berufspraxis wird der Raum für Austausch und Vergemeinschaftung geschaffen. Weiter kann das Konzept der sozialen Welten bereits den Studierenden ein Analyseinstrument detaillierter Auseinandersetzung mit den Handlungsfeldern bieten. Als leitende Themenstellungen werden dazu vorgestellt:

  • berufliche Sinnquelle
  • Kernaktivität
  • Arbeitsbögen
  • berufliche Basispositionen
  • Lizenz und Mandat
  • Arenen und Subwelten
  • Technologien

Anhand dieser sieben Instrumentarien kann der Zugang zur vertieften Beschäftigung mit den facettenreichen Berufsfeldern innerhalb der Profession zielgeleitet stattfinden.

Zur Verdeutlichung der rund 30 vorgestellten Handlungsfelder werden nun exemplarisch zwei Selbstbeschreibungen vorgestellt:

Karolin Ritschel beschreibt unter dem Titel „Wer diesen Job macht, hat doch selbst Probleme“ das Handlungsfeld der Sozialpädagogischen Familienhilfe. Sie selbst ist Diplom-Sozialpädagogin und seit 20 Jahren in diesem Berufsfeld tätig. Als Motivation für ihr eigenes Studium führt sie die Arbeit mit Menschen an, die nach Wegen suchen, um selbstverantwortlich ihren Lebensweg gestalten zu können. Die Autorin beginnt ihre Schilderung während ihrer Schulzeit. Hier hatte sie im Rahmen von Projekttagen erste Berührungspunkte zur Sozialen Arbeit. Erfahrungen in den verschiedenen Berufs- und Handlungsfeldern der Profession konnte sie während ihres Studiums sammeln. Ihr Werdegang zeigt vielfältige Stationen auf: Berufserfahrung in der Straffälligenhilfe mit Jugendlichen, im Bereich der stationären Jugendhilfe sowie dann im Bereich der ambulanten Kinder- und Jugendhilfe, in dem sie bis heute tätig ist. Aus ihrer Alltagsschilderung lässt sich die hohe Bandbreite der Themenstellungen, mit denen sie in ihrem Arbeitsalltag agiert, erahnen. Sie beschreibt regelmäßige Teamsitzungen, die verschiedenen Angebote des Trägers zur ambulanten Unterstützung der Familien sowie die zahlreichen Reflexions- und Interaktionsmöglichkeiten innerhalb des Teams. Als Besonderheiten ihres Arbeitsalltages führt die Autorin ihre Arbeitshaltung an. Bildlich beschreibt sie sich selbst als Schatzsucherin, welche gemeinsam mit den Familien, die sie betreut, nach Lösungswegen sucht und Ressourcen entdeckt. Sie beschreibt abschließend ihre Arbeit als besonders sinnstiftend, da sie selbst den Eindruck habe, Spuren zu hinterlassen.

Unter dem Titel „Chancen und Herausforderungen in der Stadt“ beschreibt Lena Landrock ihre Erlebnisse im Bereich des Quartiersmanagement. Einleitend geht die Autorin direkt auf ein Erfolgserlebnis in ihrem Handlungsfeld ein: Motivation bei Menschen zu generieren, sich für ihr Lebensumfeld bewusst einzusetzen und Veränderungsprozesse anzustoßen. Als Motivation für ihr Studium beschreibt sie den hohen Facettenreichtum der Sozialen Arbeit und das praxisnahe Hochschulstudium, welches sie selbst in Frankfurt a. M. absolvierte. In prägender Erinnerung sind der Autorin die vielfältigen Themenbereiche geblieben, welche sich von rechtlichen Grundlagen bis hin zu ästhetischer Bildung und Psychologie erstrecken. Anschaulich beschreibt sie die vielfältigen Handlungsfelder, in die sie im Rahmen ihres Studiums Einblick erhielt. 2017 begann die Autorin schließlich als Quartiersmanagerin zu arbeiten. Ihren gegenwärtigen Alltag beschreibt sie als höchst flexibel und abwechslungsreich. Bezugnehmend auf das Bund-Länder-Programm (BLP) Soziale Stadt und das „Frankfurter Programm – Aktive Nachbarschaft“ gibt sie einen Überblick über die gegenwärtige Situation des Quartiersmanagement und stellt Zielsetzungen für ihr Handeln als Sozialarbeiterin heraus. Hierzu zählen die Erhöhung der Lebensqualität der QuartiersbewohnerInnen und die Steigerung des Selbsthilfepotenzials. Sie ist in ihrem Handeln sehr autonom und beschreibt in ihrem Tätigkeitsbereich auch kurze Verwaltungswege, die ihr erlauben, agil auf vorliegende Sachverhalte zu reagieren. Die Beteiligung der BewohnerInnen und das Generieren von Motivation für das direkte Lebensumfeld stehen dabei im Zentrum ihrer Beschreibungen. Als Besonderheit in ihrem Handlungsfeld stellt die Autorin das hohe Maß an Freiwilligkeit heraus. Im Gegensatz zu vielen anderen Bereichen der Sozialen Arbeit setzt das Quartiersmanagement auf ein Höchstmaß an freiwilliger Beteiligung und Engagement. Hierbei sind kreativen Lösungen zur Stärkung des Miteinanders und der Identifikation mit dem Stadtteil kaum Grenzen gesetzt. Gleichzeitig ergibt sich durch die freie Organisation und das Engagement der BewohnerInnen eine sehr gute Ausgangslage für politische Einflussnahme auf kommunaler Ebene. Daraus ergeben sich vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten im Stadtteil.

Fazit

Wie bereits die einleitenden Kapitel des Buches verdeutlichen, handelt es sich bei dem Werk nicht um eine theoretische-wissenschaftliche Darstellung ausgewählter Handlungsfelder der Sozialen Arbeit. Das Werk bietet vielmehr einen höchst individualisierten Blick auf zahlreiche Tätigkeitsfelder und deren Spezifika. In anschaulicher und lebendiger Sprache werden Motivation, erlebte Gefahren und Besonderheiten der Tätigkeitsbereiche aus Sicht von PraktikerInnen dargelegt. Als besonders wertvoll kann dieses Werk zur Vor- und Nachbereitung des praktischen Studiensemesters angesehen werden. Durch die breite Auswahl der dargestellten Tätigkeitsbereiche bietet es den Studierenden in der Vorbereitung einen Einblick in ein vielleicht bisher noch unbekanntes Feld. Im Rahmen der Nachbereitung können eigene Erfahrungen und Erlebnisse mit den individuellen Beschreibungen der AutorInnen verglichen und diskutiert werden. Das Herausgeberwerk bietet deshalb gerade im Studium Anlass zum Gespräch und zur Erweiterung des professionellen Horizonts.


Rezension von
Jutta Harrer-Amersdorffer
M.A. Soziale Arbeit, wissenschaftliche Mitarbeiterin an Fakultät für angewandte Geistes- und Naturwissenschaften an der HS Augsburg
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Zitiervorschlag
Jutta Harrer-Amersdorffer. Rezension vom 13.04.2021 zu: Nikolaus Meyer, Andrea Siewert (Hrsg.): Handlungsfelder der Sozialen Arbeit. Der berufliche Alltag in Beschreibungen aus der Praxis. UTB (Stuttgart) 2021. ISBN 978-3-8252-5558-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/27989.php, Datum des Zugriffs 27.10.2021.


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