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Birgitt Killersreiter, Eva-Maria Rottlaender: Beratung – Begleitung – Empowerment

Cover Birgitt Killersreiter, Eva-Maria Rottlaender: Beratung – Begleitung – Empowerment. Kommunikationsgrundlagen für Sozial- und Gesundheitsberufe. UTB (Stuttgart) 2021. 250 Seiten. ISBN 978-3-8252-5547-3. D: 25,00 EUR, A: 25,70 EUR, CH: 32,50 sFr.
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Thema

Das vorliegende Buch wendet sich an Helfer in einem weiten sozialpädagogischen und sozialpsychologischen Arbeitskontext. Es macht den Versuch, hilfreiche Theorien der Gesprächsführung für verschiedene Tätigkeitsbereiche in Theorie und Praxis vorzustellen, Fallbeispiele, Tipps und Techniken sollen dies beispielhaft illustrieren und Kommunikations-situationen aus dem Beratungsalltag nachvollziehbar machen.

AutorInnen

Killesreiter ist Professorin, ausgebildete Kinderkrankenschwester, systemische Familienberaterin (DGSF) und Erziehungswissenschaftlerin. Sie unterrichtet an der Fachhochschule für Ökonomie und Management in Köln Gesundheitswissenschaften, Gesundheitssoziologie sowie Medizin- und Gesundheitspädagogik (Verlagsinfo – ohne Angaben im Buch).

Rottlaender ist promovierte Erziehungswissenschaftlerin und Lehrende an der FOM Hochschule für Ökonomie und Management, Köln, im Fachbereich Pädagogik und Soziale Arbeit (Verlagsinfo – ohne Angaben im Buch).

Entstehungshintergrund

Beide Autorinnen sind durch ihre Ausbildungen und derzeitigen Tätigkeiten nah und praktisch an der behandelten Thematik „Kommunikation“. Sie setzen mit dem vorliegenden Werk Ihre Erfahrungen in einem Kompendium sicherlich auch für Adressaten ihrer Lehre um. Knapp und zusammenfassend wollen sie wesentliche Elemente gelingender Beratungs-Gesprächsführung vorstellen- und für einem (Groß-)Teil der Leser auch sicherlich in Erinnerung bringen.

Aufbau

Die Autorinnen strukturieren ihr Buch stringent und durch Icons am Rand (von „Beispiel“ über „Hintergrundwissen“ bis zu „Tipp“) unterstützt.

Teil 1 beschäftig sich zunächst mit Kommunikationstheorien (weitgehend nach Watzlawik, unter Nutzung humanistischer Ansätze etwas i.S. von Rogers, oder der sog. Gewaltfreien Kommunikation sensu Rosenberg und dem Harvard-Konzept nach Fisher…) Auch hier benutzen sie Fallbeispiele, Checklisten (worauf muss ich achten?) und „Technik“-Hinweise, um die Theorien anschaulich in einen praktischen Kontext zu bringen. Sie bauen zudem die Theorien in ein Raster des allgemein beratenden Vorgehens ein: Kontaktaufbau, Problemanalyse, Zielfindung und -formulierung, Lösungsansätze, der Transfer in die Lebenspraxis des/der Klienten und Nachbesprechung.

Im 2. Teil des Buches liegt dessen Schwerpunkt auf realen Kommunikationssituationen in verschiedenen sozialen, pädagogischen und psychologischen Kontexten, den Professionen der Autorinnen entsprechend auch in medizinischen Arbeitsbereichen.

Zusatzmaterialien zum Buch sind im Internet verfügbar.

Inhalt

Schon im Titel machen die Autorinnen klar, dass sie sozusagen übergeordnete Kommunikationsfähigkeiten und -fertigkeiten ansprechen und empfehlen wollen, die in weiten Kontexten der Arbeit mit Menschen Anwendung finden können – dass die terminologischen Bezeichnungen im Titel durchaus unterschiedliche Schwerpunktsetzungen voraussetzen, ist klar und soll auch durch die implizite Gleichwertigkeit im Titel nicht abgestritten werden.

Es soll hier in der Besprechung nicht auf die einzelnen Theorien eingegangen werden- dies würde die knappe Darstellung des Buches nur wiederholen. Wesentlich erscheint die Strukturierung, die durchgehalten wird, nochmals zu verdeutlichen. Wenn bspw. im Kapitel 2.15 die „Systemische Beratung“ vorgestellt wird, dann skizzieren die Autorinnen knapp den Entwicklungshintergrund (Palo Alto. Gruppe und Satir,beschreiben dann die „Haltung“ der Beraterin und die „Glaubensätze“ systemischer Beratung, die danach auf den familiären Beratungskontext hin konkretisiert werden. So fundiert, geben sie Beispiele für Familienregeln und „technische“ Hinweise zu der besonderen Frageart systemischer Beratung – sinnvoll werden diese Ausführungen ergänzt durch einen Exkurs zum sog. „Reflekting team“.

Des weitere beschäftigen die Autorinnen sich mit Besonderheiten der Beratung in Gruppen und Teams, in dem sie auch auf die Ansätze von Cohn Bezug nehmen und deren Leitsätze referieren. Schön, dass schließlich auch auf spezielle Beratungsanlässe eingegangen wird, wie sie im Lebens-Zyklus entstehen können – von Beratungs-Anlässen rund um die Geburt, über Comings-Out- Beratung bis hin zur Bewältigung gravierender medizinischer Probleme.

Ein Literatur-verzeichnis und ein Stichwort-Register schließen das Buch ab.

Diskussion

Wegen der Breite der vermittelten Theorien einerseits, der Fülle von Anwendungsbereichen andererseits muss gefragt werden dürfen, ob die Autorinnen sich und ihre Leser nicht überfordern – was bleibt und für wen kann dieses Buch empfohlen werden?

Was die vermittelten Theorien angeht, so entscheiden sich die Autorinnen, diese darzustellen- sie verzichten auf eine kritische Auseinandersetzung damit- sicherlich, weil dadurch der Rahmen des Buches gesprengt würde. Allerdings entsteht so die Gefahr einer gewissen Beliebigkeit, insbesondere dann, wenn das handlungsleitende Menschenbild nicht thematisiert wird. Gerade dies strukturiert allerdings die Beratungsarbeit, schafft eine bestimmte Haltung in der Begegnung zwischen Menschen, schafft den Respekt vor der Individualität und Einzigartigkeit des Gegenüber. So formal richtig die Inhalte des Buches sind- es bleibt die Frage, ob mit dieser praxologischen Zugangsweise eine grundlegend humanistische Haltung gefördert, oder eben doch lediglich eine „How-to-do-it “ Anleitung gegeben wird.

Fraglos kann das Buch für Ausbildungszwecke als Überblicks- Literatur empfohlen werden. Empfohlen wird allerdings auch, Wissen und Handeln zu trennen und viel Raum für eigene Erfahrung und Erprobung unter hilfreicher Anleitung zu schaffen und Erfahrungen zu ermöglichen.

Fazit

Eine sachlich-fachlich gute Darstellung, die Grundlagen, Theorien und Methoden von Beratungsarbeit summarisch erläutert und diskutiert.

Allen Berufs- und Ausbildungsgruppen, die mit Pateienteninteraktionen zu tun haben, bietet sich ein Überblick über hilfreiche Strategien und Methoden – vom Studierenden bis hin zum Praktiker, der/die eigene Beratungspraxis und deren Erfolge/​Misserfolge reflektiert, sei dieses Buch gerne empfohlen. Empfohlen wird allerdings auch eine begleitende und supervidierte eigene Praxis unter ständiger Reflexion und Überprüfung des eigenen Menschenbildes und die Erkenntnis, dass Kommunikation allein eben bei weitem nicht Verstehen garantiert.


Rezension von
Prof. Dr. Christian Schulte-Cloos
Hochschullehrer Hochschule Fulda, Fachbereich Sozialwesen, seit 31.8.2011 pensioniert
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Zitiervorschlag
Christian Schulte-Cloos. Rezension vom 01.06.2021 zu: Birgitt Killersreiter, Eva-Maria Rottlaender: Beratung – Begleitung – Empowerment. Kommunikationsgrundlagen für Sozial- und Gesundheitsberufe. UTB (Stuttgart) 2021. ISBN 978-3-8252-5547-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28006.php, Datum des Zugriffs 28.09.2021.


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