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Gabriele Kawamura-Reindl, Linda Weber: Straffällige Frauen

Cover Gabriele Kawamura-Reindl, Linda Weber: Straffällige Frauen. Erklärungsansätze, Lebenslagen und Hilfeangebote. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2021. 200 Seiten. ISBN 978-3-7799-6230-4. D: 24,95 EUR, A: 25,60 EUR.
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Thema

Straffällig gewordene Mädchen und Frauen spielen in der kriminologischen und sozialwissenschaftlichen Diskussion eine eher randständige Rolle. Das Fachbuch greift den Wissensbestand um weibliche Delinquenz auf und präsentiert dazu die wichtigsten sozialwissenschaftlichen Erkenntnisse und Befunde zu Delinquenzursachen und fasst die Merkmale der Frauenkriminalität, insbesondere deren Struktur zusammen. Weitere Schwerpunkte liegen in den spezifischen Lebenslagen, sowie die Besonderheiten und Probleme des Strafvollzugs und des Maßregelvollzugs. Mit Bezug zur Praxis geben die Autorinnen abschließend einen Überblick über die Hilfeangebote für straffällig gewordene Mädchen und Frauen in Deutschland und die Praxis des Straf- und Maßregelvollzugs.

Autorinnen und Entstehungshintergrund

Prof. (emer.) Gabriele Kawamura-Reindl, Dipl. Kriminologin und Dipl. Sozialarbeiterin, lehrte nach Berufstätigkeit in der Straffälligenhilfe in unterschiedlichen (Leitungs)funktionen von 1998 bis 2021 an der Fakultät Sozialwissenschaften der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm im Schwerpunkt Resozialisierung. Von ihr liegen zahlreiche Publikationen zur Praxis der Resozialisierung, Straffälligenhilfe (vgl. https://www.socialnet.de/rezensionen/​19615.php und https://www.socialnet.de/rezensionen/​19651.php, sowie zum Thema Gender und Delinquenz (vgl. https://www.socialnet.de/rezensionen/5486.php) vor.

Linda Weber, Sozialarbeiterin (M. A.) studierte Soziale Arbeit an der Technischen Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm. Sie arbeitet in einer sozialtherapeutischen Einrichtung für aus Haft entlassene straffällig gewordene Männer.

Aufbau und Inhalt

Der Reader „Straffällige Frauen“ bietet in fünf Kapiteln einen Überblick

  • zu ausgewählten Erklärungsansätzen zur Frauenkriminalität,
  • zum Umfang und zur Struktur von Frauenkriminalität in Deutschland,
  • zu Lebenslagen und charakteristischen Merkmalen von weiblichen Gefangenen,
  • zu Freiheitsentziehenden Sanktionen und
  • zu Hilfsangeboten der Straffälligenhilfe für straffällig gewordene Mädchen und Frauen.

Ausgewählte Erklärungsansätze

Kapitel 1 (verantwortet von Linda Weber) gibt einen differenzierten, dabei auf knapp 40 Seiten (plus sieben Seiten Literaturverzeichnis) kompakten Überblick über die Unterschiede von weiblicher und männlicher Kriminalität und die Erklärungsansätze zur Entstehung weiblicher Kriminalität. Der Überblick beinhaltet kriminologische und soziologische Theorien, die chronologisch und inhaltlich gegliedert von biologischen Erklärungsansätzen aus dem 19. Jahrhundert (z.B. Lombroso) zu modernen biologischen Ansätzen, z.B. aus der Zwillings- und Adoptionsforschung oder dem Bereich der Chromosomentheorie über sozialpsychologische Kriminalitätstheorien (z.B. die Beiträge aus Psychoanalyse, Theorie der differenziellen Assoziation, der Kontrolltheorien (Reckless; Hirschi; Hagan, Gillis & Simpsons; Becker) bis hin zu sozialstrukturellen Kriminalitätstheorien (Merton; Lemert; Becker; Hermann), Mehr-Faktoren-Ansätzen und geschlechtsspezifischen Erklärungsansätzen (u.a. Emanzipationstheorie und rollentheoretischer Ansatz)reichen.

Die einzelnen Theoriebezüge werden neben der Darstellung ihrer inhaltlichen Struktur jeweils einer kritischen Würdigung bzw. Diskussion unter Bezugnahme zur Thematik des Readers unterzogen, wobei Weber in der abschließenden Zusammenfassung ressümiert, dass „die kritische Betrachtung der Ursachen für die (geringe) Frauenkriminalität [aufzeigt], dass bislang keiner der hier aufgeführten Erklärungsansätze eine ausreichende Begründung für die frauenspezifische Deliktstruktur bieten konnte“ (45). Für eine differenzierte Resozialisierung straffälliger Mädchen und Frauen wäre allerdings genau so ein Erklärungsansatz notwendig um die „Therapie- und Resozialiserungsmaßnahmen für die delinquente weibliche Minderheit zu optimieren“ (46).

Umfang und Struktur von Frauenkriminalität

Die registrierte weibliche Kriminalität (Hellfeld) wird anhand der öffentlich zugänglichen Statistiken (Polizeiliche Kriminalstatistik) dargestellt und verweist auf die bekannten Befunde, dass weibliche Kriminalität im Vergleich zu männlichen Straftätern milder ausgeprägt ist, was sich sowohl quantitativ (z.B. Anteil von 24,4 % Frauen, bzw. 75,6 % Männer bei den Tatverdächtigen) als auch qualitativ (Schwere der Straftaten bei Frauen deutlich niedriger, es überwiegen Eigentumsdelikte) ausdrückt, wobei der Großteil der Delikte (über 78 %) von Erwachsenen ab 21 Jahren begangen wird. Der Anteil jugendlicher Straftäterinnen ist gegenüber Männlichen leicht (gut 1 %) erhöht, Heranwachsende mit 7,6 % ca. 2 % niedriger ausgeprägt. Bezüglich der Gruppe jugendlicher und heranwachsender Straftäterinnen erfolgt zusätzlich die differenzierte Darstellung des Deliktverhaltens der im Hellfeld bekannt gewordenen Straftaten. Daneben finden sich Befunde aus dem Bereich der Dunkelfeldforschung, welche die Verhältnisse aus dem Hellfeld weitestgehend bestätigen. Abschließend folgt die Darstellung der Sanktionspraxis in Deutschland, demnach werden Frauen seltener zu Freiheitsstrafen ohne Bewährung verurteilt (Männer: 34 % vs. Frauen 19,7 %), erhalten entsprechend häufiger Bewährungsstrafen (M: 66 % vs. F:80,3 %) oder Geldstrafen (M: 75,6 % vs. F: 84,2 %). Die Sanktionsverhältnisse drücken sich entsprechend auch in einem geringen Anteil aktuell (dargestellt werden die Zahlen aus dem Jahr 2018) in Strafhaft befindlicher Täterinnen (5,8 % aller Strafgefangen).

Lebenslagen

Begründet mit der Tatsache, dass allgemeine Aussagen auf Grund der heterogenen Forschungslage zu straffällig gewordenen Frauen kaum möglich sind, bzw. sinnvoll erscheinen bezieht sich der Abschnitt ausschließlich auf die Situation inhaftierter Straftäterinnen, die Datengrundlage dafür stammt vorwiegend aus der Strafvollzugsstatistik. Zusammenfassend lässt sich die Lebenssituation weiblicher Strafgefangener so darstellen, dass „eine ‚typische‘ weibliche Gefangene … deutscher Staatsangehörigkeit, zwischen 25 und 40 Jahre alt, ledig und aufgrund eines Diebstahls- oder Unterschlagungsdelikts inhaftiert“ (99) ist. Vor Inhaftnahme weisen sie gehäuft psychosoziale Problemlagen auf, mit mehrfachen Vorstrafen, eher niedrigem Bildungsabschluss, fehlendem Berufsabschluss, Arbeitslosigkeit, Bezug staatlicher Transferleistungen, alleinerziehende Mutterschaft und traumatischen Erlebnissen, sowie Selbstwertproblem, Suchtmittelabhängigkeit, erhöhter Suizidgefahr und weiteren gesundheitlichen Problemen. Als weitere Problemebene schreibt Linda Weber, dass genau diese Problemlagen, die auch als deliktverursachende Aspekte wahrgenommen werden müssen, in den meisten Fällen unbearbeitet bleiben, der Frauenstrafvollzug hier kaum zu Aufarbeitung und Stabilisierung beiträgt.

Freiheitsentziehende Sanktionen

Das folgende Kapitel beleuchtet die Haftsituation von Frauen in Deutschland. Kawamura-Reindl gibt hier einen Überblick über die Vollzugsformen Jugendarrest, Jugendstrafvollzug, Strafvollzug und Maßregelvollzug, der Schwerpunkt der Ausführungen bezieht sich -bei allgemein dünner Forschungslage im Bereich der Strafrechtspflege- auf den Frauenstrafvollzug. Nach einer allgemeinen Einführung zu den einzelnen Sanktionsformen fokussiert der Text auf die besonderen Rahmenbedingungen, Bedürfnisse und Besonderheiten bei weiblichen Strafgefangenen und Untergebrachten. Beratungs- und Behandlungsangebote sind in den Strafvollzugseinrichtungen eher schwach ausgeprägt, in den meisten Fällen werden solche Angebote durch externe Dienstleister (Suchtberatung, Aidsberatung, Vereine für Bewährungshilfe etc.) erbracht. Der für den Bereich des Jugendarrests formulierte Befund gilt weitgehend für alle Strafvollzugsformen: „Aus pädagogischer Perspektive wären mehr individuelle Behandlungskonzepte notwendig, die die persönlichen, sozialen, familialen, biographischen, kulturellen und auch geschlechtsspezifischen Hintergründe der Jugendlichen berücksichtigen“ (111).

Daneben kritisiert Kawamura-Reindl das Fehlen von Bildungsangeboten und das häufig anzutreffende negative Anstaltsklima. Der Frauenstrafvollzug ist aufgrund der „personellen, finanziellen Ressourcen und Sicherheitsstandards, aber auch aufgrund mangelnder politischer Aufmerksamkeit … meist ein Anhängsel des ‚Regel-Männervollzugs‘“ (123), sodass angemessene Angebote unterbleiben. Differenzierte Angebote für Mütter (noch nicht schulpflichtiger Kinder) werden im Mutter-Kind-Vollzug vorgehalten, wobei die Anforderungen hier besonders anspruchsvoll sind (Zwangskontext, pädagogisches Klima, Prisonisierung der Kinder etc.). Als Behandlungsvollzug stehen Sozialtherapeutische Anstalten zur Verfügung, allerdings macht der durch weibliche Gefangene Anteil in diesen Spezialanstalten lediglich vier Prozent aus, in den letzten Jahren hat die Zahl messbar abgenommen, was mit der Entwicklung spezialisierter Angebote für Sexualstraftäter zusammenhängt (145), ein Deliktbereich, in dem Frauen kaum auffallen. In einem eigenen Unterkapitel sind entsprechend der aktuellen Lage „Perspektiven für den Vollzug an weiblichen Inhaftierten“ formuliert, die Anmerkungen können als Forderungen aufgefasst werden: mehr eigenständige Frauenhaftanstalten, niedrigere ‚Sicherheitsstandards (orientiert an der geringeren Deliktstärke und kürzeren Haftzeiten), berufliche Bildungsmaßnahmen, Ressourcenorientierung, Hilfen für Alleinerziehende, genderorientierte und familienorientierte Ausrichtung der Anstalten und allgemein eine bessere Personalausstattung (qualitativ und quantitativ).

Eine besondere Position haben die Maßregelvollzugseinrichtungen, in denen psychisch kranke und suchtkranke Straftäterinnen untergebracht sind. Auch hier erfolgt zunächst die Darstellung der formalen und rechtlichen Aspekte. Auch in diesem Bereich ist der Anteil im Verhältnis zu männlichen Untergebrachten deutlich geringer (7,3 %) – und damit signifikant höher als im Regelvollzug. Die Lebenslage der Untergebrachten entspricht zunächst der Situation im Strafvollzug, allerdings finden sich hier gehäuft Frauen mit Gewalt- und Missbrauchserfahrung, die im Kontext der psychiatrischen Krankheitsbilder wahrgenommen und behandelt werden müssen. Die Forderung nach einem frauenspezifischen Maßregelvollzug wird nur ansatzweise erfüllt und ist für die Betroffenen bislang meist mit räumlicher Trennung vom bisherigen sozialen Bezugsort verbunden, da die wenigen Einrichtungen meist zentral betrieben werden, z.B. im Flächenstaat Bayern an einem Standort in Niederbayern. Als Entwicklungsperspektive formuliert Kawamura-Reindl, dass es bei der weiteren Ausgestaltung des Maßregelvollzugs „nicht [um] die Entwicklung neuer Methoden, sondern [um] eine systematische Integration des vorhandenen Wissens“ (161) geht, vor allem um den Einbezug der Zusammenhänge von Geschlecht und (psychischer) Gesundheit, geschlechtsspezifischen Belastungen und Bedürfnissen.

Hilfsangebote der Straffälligenhilfe

Das letzte Kapitel geht auf die spezifischen Hilfsangebote für straffällig gewordene Mädchen und Frauen ein, u.a. Angebote der Sozialen Arbeit in Jugendarrest und Frauenstrafvollzug und mit einem besonderen Schwerpunkt im Bereich der ambulanten Hilfen, z.B. Angebote der externen Suchtberatung in den Haftanstalten durch Suchtberatungsstellen, haftvermeidende Hilfeangebote, den Täter-Opfer-Ausgleich, die Bewährungshilfe, die freie Straffälligenhilfe und die Spezialangebote der Forensischen Psychiatrie (Forensische Soziale Arbeit, ambulante forensische Nachsorge).

Zielgruppe des Buches

„Studierende Sozialer Arbeit und Kriminologie, Sozialpädgoginnen und -pädagogen, Psychologinnen und Psychologen, KriminologInnen und Kriminologen, Juristinnen und Juristen, Fachdienste im Strafvollzug und im Maßregelvollzug, den Ambulanten Sozialen Diensten der Justiz und in der Straffälligenhilfe, insbesondere in Einrichtungen und Projekten für straffällig gewordene Frauen“ (10).

Diskussion

Zur Thematik straffällig gewordener Frauen liegen im deutschsprachigen Raum nur wenige Publikationen vor, das Forschungsinteresse ist überschaubar, die Thematik wird als Randthema geführt, was heißt, dass auch seitens der Fachöffentlichkeit kein besonderer Fokus auf die Gruppe weiblicher Straftäter gelegt wird. Hier setzt der Reader von Gabriele Kawamura-Reindl und Linda Weber an und rückt die Situation der betroffenen Mädchen und Frauen ins Licht der öffentlichen Wahrnehmung. Der Reader greift die bekannten Theorien zur Entstehung weiblicher Kriminalität, deren Unterschiede zu männlichen Delinquenzformen auf und setzt diese in Bezug zu den geschlechterbezogenen Lebenslagen. Daneben werden das – überschaubare, dabei funktionierende- Angebot der Straffälligenhilfe und die Strukturen und Ansätze der Sozialdienste in den Vollzugseinrichtungen und der Bereich der ambulanten Angebote wie Bewährungshilfe und Forensische Ambulanz erschlossen. Damit erfüllt der Reader v.a. die Funktion einer Zustandsbeschreibung, die an einigen Stellen mit Anforderungen, Perspektiven und Entwicklungsmöglichkeiten, vereinzelt auch mit fachlich begründeten Forderungen ergänzt werden. Diese lesen sich als kritischer Beitrag zur Sozialen Arbeit, Strafrechtspflege und Kriminologie, etwa wenn Kawamura-Reindl treffend formuliert: „Ausgehend von der inzwischen hinreichend gesicherten Erkenntnis, dass freiheitsentziehende Maßnahmen nicht geeignet sind, die Lebenslagen straffällig gewordener Menschen zu verbessern, darf Freiheitsentzug nur Ultima ratio … sein. Dies gilt aufgrund der geringeren Sozialschädlichkeit und Gefährlichkeit straffällig gewordener Frauen besonders für diese Gruppe, denn der überwiegende Anteil der inhaftierten Frauen ist wegen Diebstahls-, Betrugs- und Drogendelikten, aber auch wegen Beförderungserschleichung … und verbotener Prostitution inhaftiert. In der Schaffung und Erweiterung entkriminalisierender, haftvermeidender Maßnahmen liegen deshalb entscheidende Perspektiven der frauenspezifischen Straffälligenhilfe“ (209f).

Kawamura-Reindl und Weber setzen Ihren Schwerpunkt auf die Zustandsbeschreibung und führen die bekannten Erklärungsansätze zur weiblichen Kriminalität zusammen. Weiterführende Überlegungen zu einer geschlechterorientierten Sozialen Arbeit finden sich hingegen nicht. Im Kapitel zu ausgewählten Erklärungsansätzen zur Frauenkriminalität werden zwar biologische, psychologische und soziale Theoriebestände erfasst, die Zusammenführung zu einer These eines biopsychosozialen Bedingungsgefüges, wie es für die Soziale Arbeit angemessen ist und auch zu erwarten wäre, erfolgt allerdings nicht; der Abschnitt zu den Lebenslagen verknüpft die Situation weiblicher Täterinnen nicht mit sozialarbeitswissenschaftlichen Beiträgen und Theoriebeständen (Lebenslage, Lebenswelt, Lebensbewältigung, Lebensführungskonzept etc.); die Beschreibung der institutionellen und ambulanten Praxis wird nicht auf die Theorie und Methodik der Sozialtherapie und systemtheoretische Aspekte bezogen, Präventionsansätze werden kaum diskutiert; methodische Überlegungen zu einer gendersensiblen Sozialen Diagnostik fehlen. Die Ableitung einer gender- und bedarfsgerechten Sozialen Arbeit wäre hier, neben der reinen Beschreibung und Kritik der bestehenden Praxis, auch aus fachlicher Perspektive zu formulieren gewesen, was so weitergehenden Publikationen vorbehalten bleibt.

Diese Kritik soll den Wert des Readers zur Situation straffälliger Frauen nicht in Frage stellen. Der Überblicksband „Straffällige Frauen“ bietet eine kompakte Einführung in die Thematik und eröffnet den Innovationsbedarf und mögliche praktische Umsetzungsbeispiele für Studium und Praxis. Möglicherweise haben sich die Autorinnen für einen praxisorientierten schmalen Reader entschieden, der einmal die Diskussion zum frauenspezifische Täterinneangebote anstoßen möchte, der tatsächlich in der Praxis wahrgenommen und gelesen wird und die angesprochene Zielgruppe -die zudem weit gefasst ist, s.o.- nicht durch einen zu umfassenden Handbuchcharakter (wie z.B. der von Ulrich Kobbé mit über 900 Seiten Umfang verantwortete Band zu psychisch kranken Straftäterinnen, vgl. https://www.socialnet.de/rezensionen/​26296.php) abschreckt. Diese Aufgabe erfüllt der Reader in vollem Umfang, gibt Anstöße für eine gelungene Praxis und rückt das Arbeitsfeld näher in die Aufmerksamkeit der Fachöffentlichkeit. Entsprechend ist dem Band eine weite Verbreitung in den genannten Arbeitskontexten und Institutionen zu wünschen. Für die Hochschulen gilt: als künftiges Standardwerk unbedingt anschaffen!

Fazit

Der Reader erschließt die zentralen Erklärungsansätze zur weiblichen Kriminalität, führt diese mit den spezifischen Lebenslagen straffälliger Frauen zusammen und beschreibt die Praxis frauenspezifischer Hilfeangebote. Die auch im fachlichen Diskurs bislang kaum wahrgenommene Thematik erfährt durch den Reader von Kawamura-Reindl und Weber einen wichtigen Impuls, der die notwendige Entwicklung des Arbeitsfelds bereichern wird.


Rezension von
Dr. phil. Gernot Hahn
Dipl. Sozialpädagoge (Univ.), Sozialtherapeut
Klinikum am Europakanal Erlangen Forensische Ambulanz
Homepage www.gernot-hahn.de
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Zitiervorschlag
Gernot Hahn. Rezension vom 15.06.2021 zu: Gabriele Kawamura-Reindl, Linda Weber: Straffällige Frauen. Erklärungsansätze, Lebenslagen und Hilfeangebote. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2021. ISBN 978-3-7799-6230-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28015.php, Datum des Zugriffs 24.10.2021.


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