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Max Fuchs: Der Mensch und seine Medien

Rezensiert von Prof. Dr. Anna Zembala, 25.10.2022

Cover Max Fuchs: Der Mensch und seine Medien ISBN 978-3-7799-6466-7

Max Fuchs: Der Mensch und seine Medien. Medienbildung als kulturelle Bildung? Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2021. 180 Seiten. ISBN 978-3-7799-6466-7. D: 21,95 EUR, A: 22,60 EUR.

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Thema und Autor

Im Beltz Juventa Verlag erschien 2021 ein neues Buch von Max Fuchs "Der Mensch und seine Medien. Medienpädagogik als kulturelle Bildung?“ (https://www.beltz.de/fachmedien/​paedagogik/​produkte/​details/​45411-der-mensch-und-seine-medien.html). Prof. Dr. Max Fuchs studierte Mathematik und Wirtschaftswissenschaften (Dipl.-Math.) sowie Pädagogik und Soziologie (M.A., Dr. phil.). Er war von 1988 bis 2013 Direktor der Akademie Remscheid und von 2001 bis 2013 Präsident des Deutschen Kulturrates. Als Ehrenvorsitzender der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung und als Mitglied des Kuratoriums des Instituts für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft gestaltet er weiterhin aktiv kulturelle Bildungsprozesse (https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Fuchs). In der Lehre ist er in der Allgemeinbildung an der Universität Duisburg-Essen und in der Kunsttheorie und Ästhetik an der Universität Basel tätig. Kulturelle Bildung Online bietet eine umfangreiche Auswahl seiner Publikationen (https://www.kubi-online.de/autorinnen/​fuchs-max). Es gibt nicht viele Autoren, die Medien wie Kunst anschauen, wie Max Fuchs es tut. Da er die kulturelle Bildung im Kontext des gesellschaftlichen Zusammenhalts sieht, ist es daher nicht überraschend, aber folgerichtig und konsequent, dass er sich nun mit den digitalen Medien auseinandersetzt. In seinem neuen Buch legt er dar, wie er die aktuellen Herausforderungen der Digitalisierung in Bezug auf Medien und Medienbildung sieht und bewertet.

Aufbau und Inhalt

In seinem neuen Buch gliedert Max Fuchs die Themen in vier große Bereiche:

  1. Sprache, Zahl, Schrift und Bild: Die Anfänge
  2. Die elektrische und elektronische Revolution
  3. Das Internet
  4. Das „digitale Subjekt“ in einer „digitalen Gesellschaft“?

Die thematischen Cluster machen einerseits deutlich, dass die Diskussion aktueller Medienphänomene ohne eine vorherige Auseinandersetzung mit der kulturell bedingten Entwicklung der Medien nicht möglich ist, und weisen andererseits darauf hin, dass aktuelle Medienwirkungen nur im historischen Kontext verstanden werden können. Von Anfang an merkt man, dass sich der Autor der Komplexität und der kaum zu bewältigenden Aufgabe bewusst ist und sein Augenmerk auf die pädagogischen und kulturwissenschaftlichen Fragestellungen lenkt. Dementsprechend stellt Fuchs – in gewohnter Manier – verschiedene, ausgewählte Positionierungen aus Philosophie, Kulturtheorie und dem aktuellen wissenschaftlichen Diskurs vor, um daraus allgemeingültige Schlüsse zu ziehen, Denkmuster oder Entwicklungsregeln aufzuzeigen. Ernst Cassirer, Michel Foucault, Erich Fromm, Helmuth Plessner, Michael Tomasello, Werner Faulstich, Shoshana Zuboff, dann politische Statements (BMBF, Deutsche UNESCO-Kommission) und Stellungnahmen engagierter Gesellschaften für Medien und Kommunikation (GMK, GfM, GI), Digitalisierungsdebatte getragen von Medienbildungswissenschaftlern wie Horst Niestyto, Andreas Hepp oder Benjamin Jörissen bilden feste Ankerpunkte, von denen heraus weitere gedankliche Diskurse geführt werden. So werden die Konturen um das Verständnis von Anthropogenese, Mediengeschichte, ökonomische Auswirkungen und die gegenwärtige Mediatisierung der Gesellschaft gezogen. Fuchs geht (nach Helmut Plessner (1976): Die Frage nach der conditio humana. Frankfurt/M: Fischer) davon aus:

„dass der Mensch als einziges Lebewesen in der Lage ist, in Distanz zu sich zu treten und sich selbst zum Gegenstand vom Betrachtung zu machen. Dies gilt nicht nur für den Bereich des Kognitiven, sondern es gilt auch für die Sinne des Menschen. So sieht oder hört der Mensch entsprechende Erscheinungen der Außenwelt, er erlebt sich dabei allerdings zugleich selbst als hörender und Sehender und kann sich dies bewusst machen. Auch die Sinnlichkeit des Menschen ist also nur reflexiv zu verstehen“ (S. 30-31).

Ausgehend von dieser Annahme skizziert Fuchs die Entwicklung von Oralität und des Buchdrucks. So sehr sich gesprochene und gedruckte Sprache für den Menschen als nützlich erweisen haben, so sehr lassen sich auch negative Folgen ihrer Entwicklung aufzeigen. Mit der Linearität des Buchdrucks werden besondere Fähigkeiten trainiert, z.B.: für Detailanalyse, Synthese und abstraktes Denken. Im Gegenzug kann dies dem Menschen jedoch seine Emotionalität wegnehmen. Die elektrischen und die elektronischen Medien bringen weitere Verkrümmung des menschlichen Miteinanderseins, insbesondere in Hinblick auf die Sinnlichkeit der medialen Kommunikation. Anstelle der Sinnlichkeit treten nun andere Aspekte in den Vordergrund, die den politischen und kulturellen Aspekten zuzuordnen sind. Nach Werner Faulstich (2011, Die Kultur des 20 Jahrhunderts im Überblick. München: Fink) sieht Fuchs die Medien vielfältig:

  1. in der Differenzierung des Zugangs zur Welt.
  2. in der medialen Erzeugung und Verstärkung von Illusion,
  3. in der Ausweitung der Teilhabe an der Welt,
  4. in der Transformation von Massenereignissen in individualisierte Angebote,
  5. in der Zunahme der Verfügbarkeit von Medien und
  6. in der medialen Durchdringung der Kultur (vgl. S. 68 f.).

Im Anschluss daran entwirft er ein komplexes Wirkungsmodell möglicher und bestehender Einflussmöglichkeiten der Künste und Meiden (S. 71).

Diskussion

Interessierte Leser:innen finden in „Der Mensch und seine Medien.“ nicht nur die theoretischen Überlegungen zu relevanten Themen, sondern auch eine Zusammenfassung der historischen Ereignisse des Internets (S. 83-92). Des Weiteren nimmt Fuchs die Leser:innen auf eine philosophische Reise, um die Schriften von Michel Foucault aufs Neue zu entdecken, der Idee der Selbstfürsorge und einer emanzipatorischen Pädagogik der Freiheit in Zeiten der Digitalisierung auf die Spur zu kommen. Seine Überlegungen schließt Max Fuchs mit eigenen 13 Thesen zur medialen und kulturellen Entwicklung sowie einer Zusammenfassung von fünf aktuellen Themen der medienpädagogischen Diskurse ab. Die abschließende Auflistung kann den Leser:innen bei der Lektüre vorangegangenen Kapitel helfen, die Gedanken des Autors zu verorten.

Fazit

Max Fuchs prägt in seinen verschiedenen Rollen und Tätigkeiten die zeitgenössische kulturelle Bildung. Stets hat er die aktuellen Diskurse beobachtet, begleitet, eingefangen und strukturiert, sich persönlich positioniert und durch sein Handeln dazu beigetragen, Impulse für die weitere Entwicklung zu geben. In diesem Sinne ist sein neues Buch zu empfehlen. Es beweist, dass die aktive Teilnahme an theoretischen Diskursen die Praxis – sei es in politischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Prozess – beeinflussen kann. Den Leser:innen steht ein Buch zur eigenen Lektüre zur Verfügung, um sich auf dem Laufenden zu halten. Die Pädagog:innen unter ihnen können Antworten auf die Grundfragen ihrer Arbeit finden und die Studierenden können es sehr gut für ihr medienpädagogisches Selbststudium nutzen.

Rezension von
Prof. Dr. Anna Zembala
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Es gibt 14 Rezensionen von Anna Zembala.

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Zitiervorschlag
Anna Zembala. Rezension vom 25.10.2022 zu: Max Fuchs: Der Mensch und seine Medien. Medienbildung als kulturelle Bildung? Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2021. ISBN 978-3-7799-6466-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28026.php, Datum des Zugriffs 29.11.2022.


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