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Roland Engehausen, Stefanie Scholz (Hrsg.): Innovationsfonds - Transfer in die Regelversorgung

Cover Roland Engehausen, Stefanie Scholz (Hrsg.): Innovationsfonds - Transfer in die Regelversorgung. Zwischenbilanz, Best Practice-Beispiele & Handlungsempfehlungen. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2021. 360 Seiten. ISBN 978-3-86216-737-1. D: 69,99 EUR, A: 72,00 EUR.

Reihe: Gesundheitsmarkt in der Praxis.
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Thema

Die Publikation von Engehausen und Scholz, „Innovationsfonds – Transfer in die Regelversorgung. Zwischenbilanz, Best Practice-Beispiele & Handlungsempfehlungen“, setzt sich maßgeblich mit dem Innovationsfonds und dessen Transfermöglichkeiten in die Regelversorgung auseinander. Die Autor*innen legen eindrücklich zugrunde, wie ein erfolgreicher Weg der Transferierbarkeit von erfolgreichen wissenschaftlichen Projekten in die Regelversorgung beschritten werden kann. Dazu werden im Rahmen der Herausgeberschaft anhand von Best Practice-Beispielen und Handlungsempfehlungen diverse Ausgangspunkte diskutiert und erläutert, welche Möglichkeiten und Optionen existieren, um Innovationen im deutschen Gesundheitswesen zu fördern und zu realisieren. Fortlaufend werden auch Lotsenkonzeptionierungen und digitale Innovationen in der Versorgungspraxis adressiert sowie ordnungspolitische und institutionelle Rahmenaspekte dargestellt, die dabei die gesamte Innovationskraft befördern sollen. Der Herausgeberband beleuchtet vielseitige Aspekte und Strukturen, die jedoch in ihrer Komplexität begutachtet und charakterisiert werden müssen. Zusammenfassend soll damit ein Mehrwert und Zusatznutzen sowie praktische Handlungsempfehlungen für die Politik, dem Gesundheitssystem und die beteiligten Akteure erzielt werden.

Herausgeber*innen

Roland Engehausen ist Geschäftsführer der bayerischen Krankenhausgesellschaft und ehrenamtlich als Vorstand der Alzheimer Angehörigen Initiative e.V. in Berlin tätig.

Stefanie Scholz arbeitet als Professorin für Sozialwirtschaft an der Wilhelm Löhe Hochschule in Fürth.

Zielgruppe

Dieses Lehrbuch spricht Akteure aus der Politik, dem Gesundheitssystem sowie des Projektmanagements an. Durch konkrete Handlungsempfehlungen erhalten diese wertvollen Impulse für die Anbahnung neuer Projekte im Innovationsbereich.

Aufbau

Der Aufbau der Publikation gliedert sich in acht Kapitel mit jeweiligen Unterkapiteln. Zu Beginn erfolgt eine kurze Einleitung über den Innovationsbedarf im deutschen Gesundheitssystem. Darauf aufbauend steht in den nächsten Kapiteln zunächst der Innovationsfond an sich hinsichtlich seiner Ziele und bisherigen Entwicklungen und anschließend bezüglich seiner Zuständigkeiten für den Transfer in die Regelversorgung im Fokus. Nach diesen theoretischen Informationen folgen Kapitel vier und fünf mit Best Practice-Projekten im regionalen, nationalen und internationalen Kontext. Im sechsten Kapitel stehen die Chancen digitaler Anwendungen im Zentrum, wohingegen sich das siebte Kapitel mit Erfolgsfaktoren für eine Übertragung in die Regelversorgung befasst. Jedes Thema beginnt mit einem kurzen Abstract, das die wichtigsten Informationen des jeweiligen Kapitels knapp zusammenfasst, und endet mit einem Quellenverzeichnis der zitierten Literatur. Weiterhin wurde ein Stichwortverzeichnis für eine bessere Übersichtlichkeit und einem zügigen Abruf punktgenauer Informationen eingefügt. Dem Anhang liegen ein Literaturverzeichnis sowie eine Danksagung zugrunde.

Inhalt

Dieses Praxisbuch beginnt im ersten Teil mit einer kurzen Einführung in Hinblick auf den Innovationsbedarf im deutschen Gesundheitswesen. Dabei werden die Innovationsanforderungen vor und nach der Corona-Pandemie sowie die Akzeptanz von Innovation seitens der verschiedenen Akteure näher betrachtet. Zudem wird neben dem Ökosystem mit Beispielen aus der Schweiz und China die Telemedizin als Chance für die sich stetig verknappenden ärztlichen Ressourcen thematisiert.

Im nachfolgenden zweiten Teil rückt der Innovationsfond an sich in den Fokus. Es werden die Beweggründe der Initiatoren, die bisherigen Entwicklungen und die Zielstellungen seitens der Politik und der GKV betrachtet. Daraufhin folgt ein Überblick über bisherige Innovationsfondsprojekte, der einen Themencluster und Besonderheiten, beispielsweise bei der Verteilung von Fördermitteln, beinhaltet. Unter anderem werden hierbei die Verteilung von Versorgungsformen und die Fördermittel neuer Versorgungsforschung pro Bundesland anhand von Boxplots, Kreisdiagrammen sowie einer regionalen Analyse visualisiert.

Die Zuständigkeiten für den Transfer in die Regelversorgung werden im dritten Teil erläutert. Eine besondere Rolle spielen dabei ordnungspolitische Implikationen für eine Integration in die Regelversorgung, die durch Innovationen, Imitationen und Translationen beeinflusst werden. Zudem werden Ergebnisse der Innovationsfondsprojekte kategorisiert und Probleme, aber auch Verbesserungsmöglichkeiten für den Transfer in die Regelversorgung aufgezeigt.

Der vierte Teil behandelt Best Practice-Projekte mit jeweiligen Lessons learned und Ratschlägen, so zum Beispiel DEMAND, ein Ersteinschätzungsverfahren zur Patientensteuerung in Akut- und Notfallversorgung. STROKE OWL, die Sektorübergreifend organisierte Versorgung komplexer chronischer Erkrankungen am Beispiel Schlaganfall durch Schlaganfall-Lotsen in der Pilotregion Ostwestfalen-Lippe, ist ein Beispiel für den Einsatz von Gesundheitslotsen. VESPEERA, ein patientenorientiertes Einweisungs- und Entlassmanagement in Hausarztpraxen und Krankenhäusern, und TeleDerm, teledermatologische Konzile in der hausärztlichen Versorgung, werden als Beispiele für eine erfolgreiche Translation genannt. Weiterhin werden Projekte hinsichtlich ihres thematischen Fachbereichs aufgelistet, wie PIKKO, die Patienteninformation, -kommunikation und Kompetenzförderung, mit einem onkologischen und RubiN, Regional ununterbrochen betreut im Netz, mit einem geriatrischen Schwerpunkt.

Im darauffolgenden fünften Teil werden die Innovationsförderung und Transfermöglichkeiten in anderen Ländern betrachtet. Die nordeuropäischen Länder sind Vorreiter im Bereich des Health Technology Assessments (HTA) und können somit neue Verfahren fördern oder vor diesen warnen. Ein weiteres Unterkapitel diskutiert die Fragestellung, ob sich zur Vermeidung von Fehlanreizen bei der Krankenhausfinanzierung Kernelemente des Katastrophenschutzes der Feuerwehr auf das Krankenhaussystem übertragen lassen. Als weitere Beispiele sogenannter Capitation-Modelle werden die USA mit Managed Care, die Mischfinanzierung der Schweiz sowie das Capitation-Modell Valencia in Spanien aufgeführt. Managed Care-Modelle umfassen neben Capitation auch das Utilization Management, das Disease-Management sowie den Pay-for-Perfomance-Ansatz und werden jeweils mit Ausgangslage, Lösungsansatz und einem Fazit angeführt. Während das Utilization Management zum Beispiel in der Kostengutsprache und Patienten-Logistik der Schweiz Anwendung findet, wird der Pay-for-Perfomance-Ansatz im Rahmen von Medicare in den USA verfolgt. Im Rahmen von Disease-Management-Programmen wird das Sophia Disease Management in Frankreich und das Daman Population Health Management Diabetes und Adipositas Programm der Vereinigten Arabischen Emiraten erläutert.

Anschließend befasst sich der sechste Teil mit den ungenutzten Potenzialen digitaler Health Innovationen, deren Perspektiven sowie mit der Innovationsförderung digitaler Gesundheitsanwendungen aus Unternehmersicht. Herausforderungen sind hier beispielsweise das Gantt-Problem, die Unternehmenskultur oder die Pilot-Projekt-Falle. Ebenfalls darf im digitalen Rahmen das Healthy Hub und das Digitale Versorgungsgesetz nicht außer Acht gelassen werden, sodass Informationen über die Ideen, Ziele, Konzepte, Wettbewerbsprozesse und Weiterentwicklung des Healthy Hubs geliefert werden. Ein weiteres Unterkapitel stellt das Digitale Versorgungskonzept als Chance für den Healthy Hub dar.

Der vorletzte siebte Teil betrachtet Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Übertragung von Innovationen in die Regelversorgung aus Sicht der Akteure. In diesem Kontext kommt es insbesondere auf den Kontext Prozess Fit an, dessen mögliche Ansatzpunkte in der Optimierung des organisationalen Kontexts, der Anpassung der Innovation an den Kontext oder der Optimierung des gesundheitssystemischen Kontexts liegen. Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Überführung aus der GKV-Perspektive ist eine gebündelte Auswertung themenverwandter Projekte, regionale Multiplikationsmöglichkeiten sowie die Berücksichtigung der Erkenntnisse aus gescheiterten Projekten und aus der Versorgungsforschung. Nachdem die ambulante Versorgung das Rückgrat der Versorgungsforschung darstellt, folgt zudem ein Kapitel hinsichtlich Erfolgsfaktoren und Hindernissen von Innovationen in diesem Sektor.

Das Praxisbuch schließt im achten Kapitel mit einem Fazit. So sind beispielsweise Innovationen auf mehreren Ebenen im Gesundheitswesen und ein Innovations-Engagement aller Akteure nötig. Außerdem ist es hilfreich, internationale Vergleiche zu ziehen, da Strukturen den Innovationskontext bestimmen und somit auch Anstöße für das deutsche System abgeleitet werden können. Des Weiteren sind eine innere Innovationskraft in der kollektiven Regelversorgung, eine wettbewerbliche Innovation durch Innovationsausschreibungen und Selektivverträge erforderlich.

Diskussion

Die Publikation bietet einen ausführlichen Überblick in die Thematik des gesundheitspolitischen Instrumentes Innovationsfonds zur Förderung der integrierten Versorgung und Versorgungsforschung in Deutschland. Anhand von Best Practice-Beispielen wird aufgezeigt, wie ein Transfer in die Regelversorgung gelingen kann. Dazu wurde die Herausgeberschaft umfassend recherchiert und in einem Sprach- und Schreibstil gehalten, der gut leserlich und akademisch ist. Durch das Abstract zu Beginn jedes Kapitels ist das Werk didaktisch gut aufbereitet. Des Weiteren sind Abbildungen und Tabellen aufgeführt, die für ein besseres Verständnis hinsichtlich des komplexen Sachverhaltes sorgen. Weiterführend wurde eine Literatur- und Abkürzungsverzeichnis sowie ein Sachwortregister aufgeführt, um gezielt Wörter zu recherchieren, die in der Veröffentlichung aufgelistet sind. Zur vertiefenden Lektüre und bei weitergehendem Interesse kann die/der Leser*in auf die Literaturquellenangaben zurückgreifen und sich somit vertieft mit den Inhalten auseinandersetzen.

Fazit

In dieser Herausgeberschaft werden detailliert medizinische, gesundheitsökonomische und gesundheitspolitische Themenbereiche adressiert. Das Praxisbuch verdeutlicht, dass der Innovationsfond kein Selbstläufer ist, sondern eines hohen Engagements der beteiligten Akteure sowie einer stetigen Weiterentwicklung bedarf. Insbesondere durch den praktischen Teil profitieren Akteure von konkreten Handlungsempfehlungen und Erfolgsfaktoren, die sie in ihren eigenen Projekten aufgreifen können. Des Weiteren wird hierdurch ein Beitrag für die Verbesserung der Gesundheits- und Patientenversorgung durch Innovationen prospektiv geliefert. Auch wenn zahlreiche theoretische Informationen enthalten sind und praktische Impulse geliefert werden, erscheint der Kaufpreis in Höhe von 70 Euro etwas überhöht.


Rezension von
Alisa Hemberger
M. Sc. Gesundheitsförderung
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und
Dr. Christian Heidl
Diplom-Pflegewirt (FH), MSc Dozent und Wissenschaftlicher Mitarbeiter Wilhelm Löhe Hochschule für angewandte Wissenschaften, Forschungsinstitut IDC
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Zitiervorschlag
Alisa Hemberger/Christian Heidl. Rezension vom 09.09.2021 zu: Roland Engehausen, Stefanie Scholz (Hrsg.): Innovationsfonds - Transfer in die Regelversorgung. Zwischenbilanz, Best Practice-Beispiele & Handlungsempfehlungen. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2021. ISBN 978-3-86216-737-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28064.php, Datum des Zugriffs 17.09.2021.


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