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Antje Demmert, Eva Faßbinder: Therapie-Tools Schematherapie in der Gruppe

Rezensiert von Dr. Philipp Thaler, 26.01.2022

Cover Antje Demmert, Eva Faßbinder: Therapie-Tools Schematherapie in der Gruppe ISBN 978-3-621-28777-7

Antje Demmert, Eva Faßbinder: Therapie-Tools Schematherapie in der Gruppe. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2021. 232 Seiten. ISBN 978-3-621-28777-7. D: 42,95 EUR, A: 44,40 EUR.
Reihe: Therapie-Tools. Mit E-Book inside und Arbeitsmaterial
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Autorinnen

Antje Demmert ist promovierte Medizinerin und Fachärztin am Zentrum für integrative Psychiatrie in Lübeck.

Eva Faßbinder ist promovierte Medizinerin und Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum in Lübeck. Von Faßbinder sind als Erstautorin bereits Therapie-Tools zu Schematherapie (2011) und zu Depression (2015) im Beltz-Verlag erschienen.

Entstehungshintergrund

Die Übungen entstanden aus der ambulanten Gruppentherapie und wurden von den Autorinnen selbst entwickelt, zum Teil wurden Übungen von internationalen Kolleginnen und Kollegen in modifizierter Form integriert. Hier verweisen die Autorinnen unter anderem auf Joan Farrell und Ida Shaw sowie die niederländische Akademie voor Schematherapie. Darüber hinaus führen die Autorinnen eigene Forschungsarbeiten zu Schematherapie durch.

Aufbau

Das Werk besteht aus sieben Kapitel.

  • Im ersten Kapitel werden die Grundlagen der Schematherapie in Gruppen erläutert.
  • Kapitel zwei behandelt erste Schritte in der Schematherapiegruppe.
  • Anschließend wird im dritten Kapitel auf Bewältigungsmodi eingegangen.
  • Kapitel vier widmet sich emotionalen Grundbedürfnissen.
  • Daraufhin werden im fünften Kapitel problematische Kindmodi und im sechsten Kapitel strafende und fordernde Modi in den Fokus genommen.
  • Das siebte Kapitel zu gesunden Modi bildet den Abschluss.

Im Vorwort beschreiben die Autorinnen Schematherapie als effektive Behandlungsform insbesondere bei langanhaltenden psychischen Beschwerden und interpersonellen Problemen. Die mittlerweile auch durch Studien belegte Wirksamkeit von Gruppentherapie erscheint den Autorinnen plausibel aufgrund der Schwierigkeiten der Betroffenen im sozial-emotionalen Bereich. Im Gruppensetting besteht darüber hinaus der Vorteil einer erleichterten Problemaktualisierung und -linderung. Das Buch wendet sich an Therapeutinnen und Therapeuten, um ihnen mehr Sicherheit, Struktur und konkretes Handwerkszeug für die schematherapeutische Arbeit in Gruppen bereitzustellen.

In der Einleitung geben die Autorinnen Hinweise zur Anwendung und zum Aufbau der Übungen. Die Übungen und Arbeitsblätter werden für den ambulanten sowie (teil-) stationären Bereich empfohlen und betonen den erlebnisbasierten Aspekt. Sie enthalten klassische schematherapeutische Techniken wie Stuhldialoge und Imagery Rescripting sowie weitere Techniken wie Rollenspiele, Imaginationen, Spiele oder Kleingruppenarbeit. Es geht darum, eigene Modi zu erkennen und verstehen zu lernen, deren Auswirkungen zu spüren und gesünderes Verhalten einzuüben. Die Kapitel entsprechen dem Verlauf des Therapieprozesses, es werden Materialien zur Psychoedukation bereitgestellt sowie Übungen zur Emotionsaktivierung.

Anfangs widmen sich die Autorinnen den Grundlagen der Schematherapie in Gruppen (Kapitel 1). Schematherapie sei mittlerweile ein Standard-Verfahren in der Behandlung von Persönlichkeitsstörungen. Hierzu verweisen die Autorinnen auf einschlägige Studien und Fachliteratur und stellen sie in Kürze dar. Der Einsatz im Gruppensetting sei vor allem durch Joan Farrell und Ida Shaw vorangetrieben worden, zunächst mit Blick auf die Borderline-Persönlichkeitsstörung, im Anschluss auch für andere Persönlichkeitsstörungen und chronische psychische Erkrankungen. Die Vorteile des Gruppensettings liegen darin, sichere Bindungserfahrungen und einen Zugang zu interpersonell schwierigen Verhaltensweisen zu ermöglichen, wobei „korrigierende interpersonelle und emotionale Erfahrungen in sicherer Atmosphäre“ (14) gemacht werden könnten. Die Therapeutinnen übernehmen u.a. Modellfunktion. Konkrete Vorteile bestehen in der Auseinandersetzung mit den Modi anderer Gruppenmitglieder, in einer lebendigeren Gestaltung erlebnisbasierter Techniken sowie in der Möglichkeit, voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu unterstützen. Die Übungen sind grundsätzlich störungsübergreifend konzipiert (15) und werden u.a. nicht empfohlen bei Psychosen, bei medizinischen oder neurologischen Erkrankungen mit eingeschränkter Fähigkeit zum emotionalen Lernen, bei ausgeprägtem Substanzmissbrauch oder bei einem sehr niedrigem BMI bei Anorexia nervosa. Die Autorinnen empfehlen eine Gruppengröße von sechs bis zehn Patientinnen und Patienten sowie zwei Gruppentherapeutinnen bzw. -therapeuten. Erfahrungsgemäß biete sich eine Dauer von sechs Monaten bis zwei Jahren mit ein bis zwei Terminen pro Woche von 90 bis 120 Minuten im ambulanten Rahmen an, bzw. mindestens 20 Sitzungen. Eine begleitende Einzeltherapie kann bei schwerkranken Patientinnen notwendig werden. Die Raumausstattung sollte einen Stuhlkreis ohne Tisch vorsehen. Die Arbeitsmaterialien im ersten Kapitel liefern zunächst eine Darstellung der Phasen der Gruppenschematherapie. In der ersten Phase erfolgt eine Einführung mit u.a. Kennenlernen, der Herstellung instrumenteller Gruppenbedingungen und der Psychoedukation zu den Grundlagen der Schematherapie. In der zweiten Phase der Veränderung wird angestrebt, dysfunktionale Modi und Schemata zu verändern sowie gesunde Modi zu stärken. Die letzte Phase der Autonomie dient der Stärkung des gesunden Erwachsenenmodus und dem Transfer in den Alltag. Anschließend wird die Struktur der schematherapeutischen Gruppensitzung dargestellt und der Ablauf skizziert. Daraufhin wird eine Spielesammlung zur Förderung des fröhlichen Kindmodus eingeführt, wobei sich die Autorinnen allgemein bekannten Kinder- und Gruppenspielen bedienen und darauf drängen, Ideen und Wünsche der Gruppenmitglieder einzubauen. Für die erste Sitzung werden Kennenlernspiele vorgeschlagen. Zur Auflockerung nach einer Übung bieten sich Geschicklichkeits-, Koordinations- sowie Bewegungsspiele an. Spiele mit Bewegung, z.B. Tauziehen, Wurf- und Ballspiele eignen sich als Spiele zur Anspannungsreduktion sowie Ärgerventilation. Am Ende der Sitzung sollten Spiele wie Schwungtuch- oder Ballspiele oder Imaginationen durchgeführt werden. Die Materialkiste für die Gruppenschematherapie enthält Bastelmaterial, Materialien für Sicherheit und Wärme für das verletzliche Kind (Kissen, Decken, angenehme Düfte, Kuscheltiere) sowie Spiele.

Anschließend gehen die Autorinnen auf die schematherapeutische Haltung der Gruppentherapeutinnen ein. Dabei leben Therapeutinnen den gesunden Erwachsenen- und fröhlichen Kindmodus vor, sie sorgen für Sicherheit und schaffen Raum für Gefühlsausdruck und Meinungen. Außerdem behalten sie den Überblick und sind flexibel. Und nicht zuletzt haben Therapeutinnen auch ein Modusmodell mit Bewältigungsmodi und verletzlichen Kindmodi, wobei sie den Umgang damit durch eine entsprechende Selbstöffnung vorleben. Die Aufgabenverteilung des Therapeutenteams ist dadurch charakterisiert, dass es sich um gleichberechtigte Partnerinnen und Partner handelt. Das erste Kapitel schließt mit einem Arbeitsblatt zum Modusmodell für Gruppentherapeutinnen und -therapeuten, die dazu aufgefordert werden, ihr eigenes, in der Gruppentherapie relevantes Modusmodell zu erstellen. Es geht darum, besondere Herausforderungen, kindliche, strafende und fordernde Modi sowie Bewältigungsmodi zu antizipieren und zu formulieren, welches Verhalten der Co-Therapeutin oder des Co-Therapeuten als hilfreich angesehen wird und welche Stärken eingebracht werden können.

Im darauffolgenden Kapitel werden erste Schritte in der Schematherapiegruppe erläutert (Kapitel 2). Einleitend wird die Frage beantwortet, was Schematherapie ist und es werden Schemata und Modi kurz erklärt. Schematherapie wird als etablierte verhaltenstherapeutische Methode bei komplexen psychischen Problemen ausgewiesen, wobei sowohl aktuelle Beschwerden als auch deren Entwicklung in Kindheit und Jugend bearbeitet werden. Ein Schema wird definiert als Konzept von sich selbst, von anderen und von der Welt (31), welches sich aufgrund von Erfahrungen und Veranlagungen in der Kindheit entwickelt. Wenn die Grundbedürfnisse von Kindern nicht erfüllt werden, können sich ungesunde Schemata entwickeln (z.B., ‚Die Welt ist ein gefährlicher Ort, ich muss auf der Hut sein‘), welche zwar u.a. vor Enttäuschungen schützen können, aber auch dazu führen, dass die frustrierten Bedürfnisse im Erwachsenenleben nicht erfüllt werden (31). Dies wird anhand eines Fallbeispiels veranschaulicht. Ziel der Schematherapie sei es, „ungesunde Schemata zu verändern und zu helfen, dass Bedürfnisse im Hier und Jetzt besser erfüllt werden können“ (31). Das Modusmodell spiele in der Praxis eine größere Rolle. Es meint ein bestimmtes Verhaltenssteuerungsprogramm, wobei stets mindestens ein Modus aktiv ist, dieser „steuert maßgeblich das Fühlen, Denken und Handeln im aktuellen Moment“ (32). Das Modusmodell zeige, „wie frühere schwierige Erfahrungen mit heutigen Problemen und Beschwerden zusammenhängen und bietet Anknüpfungspunkte für Veränderung und Gesundung“ (32). Die Modi lassen sich in vier Gruppen einteilen:

  1. In problematischen kindlichen Modi bestehen starke oder überwältigende Gefühle in Verbindung mit Kindheitserfahrung, in denen emotionale Bedürfnisse frustriert wurden, was jedoch nicht angemessen ausgedrückt werden kann und zu Hilflosigkeit und Überforderung führt.
  2. In strafenden/​fordernden Modi als zweite schematherapeutische Modigruppe werten Menschen sich ab, machen sich ein schlechtes Gewissen, bestrafen sich für kleinste Fehler und gestehen sich weder Gefühle noch Bedürfnisse zu.
  3. In Bewältigungsmodi (Unterwerfung, Vermeidung und Überkompensation) wird kurzfristig Abstand zu den (schmerzlichen) Emotionen aus kindlichen und strafenden/​fordernden Modi gewonnen, langfristig entstehen meist Schwierigkeiten mit anderen Menschen, werden Ziele nicht erreicht und Bedürfnisse bleiben unerfüllt.
  4. Die vierte und letzte Gruppe umfasst gesunde Modi (gesunder Erwachsenenmodus und Modus des fröhlichen Kindes) mit einem entsprechenden Umgang mit Emotionen und schwierigen Erfahrungen, Problemlösung, gesunden Beziehungen, Spaß und Kreativität.

In der Schematherapie werden problematische kindliche Modi versorgt und getröstet, strafende/​fordernde Modi werden bekämpft (kritisiert und reduziert), Bewältigungsmodi werden hinterfragt und abgewogen, und gesunde Modi werden gestärkt und gefördert. Etwaige Ängste davor, über verletzliche Gefühle zu sprechen werden berücksichtigt und anhand von Hausaufgaben lassen sich die Übungen vertiefen. Es wird auf die Chancen der Schematherapiegruppe eingegangen, da die Gruppe ein geschützter Ort ist mit einer wertschätzenden Atmosphäre, wo emotionale Wunden aus der Kindheit geheilt werden (33). Es folgt ein Arbeitsblatt zu den eigenen Zielen für die Gruppenschematherapie. Anschließend wird das Modusmodell gemeinsam erarbeitet im Sinne der Psychoedukation. Es folgen Arbeitsblätter zum eigenen Modusmodell zu Beginn der Therapie und zu den Modi im Überblick über die gebräuchlichsten Modi. Anschließend werden häufige Fragen zu Modi und Modusmodell angesprochen. (Problematische) Modi seien sowohl angeboren als auch erlernt, da Temperament und biologische Faktoren eine Rolle bei deren Entstehung spielen, daneben liegen u.a. häufig traumatisierende Kindheitserfahrung vor, besonders durch abwertende, kalte, unzuverlässige oder zu leistungsbezogene Bezugspersonen (41). Dennoch haben auch psychisch Gesunde Menschen problematische Modi und es gehe darum, mehr Zeit im gesunden Erwachsenenmodus zu verbringen mit langfristigen Zielen und Werten. Das individuelle Modusmodell ist veränderlich und wandelt sich im Verlauf des Lebens. Es folgt ein Arbeitsblatt zur Anleitung für die Modusrunde, bei der reihum der eigene aktuelle Modus benannt wird. Die Therapeutinnen behalten sich vor, noch einmal nachzufragen, wenn der benannte Modus nicht mit der Körpersprache übereinstimmt. Als Nächstes Arbeitsblatt folgt die Übung ‚Modus-Ratespiel‘, bei dir in Kleingruppen der eigene Modus inszeniert und geraten wird. Es folgen Arbeitsblätter zum eigenen Modus-Wochenprotokoll, zur ‚Modus-Kreisübung‘ – bei der Modi erkannt und zugeordnet werden und Gemeinsamkeiten in der Gruppe werden erfahren, ein Arbeitsblatt dazu, den (eigenen) Modus zu erkennen und mehrere Arbeitsblätter für das Verstehen von Alltagssituationen mithilfe von Modusanalysen, mit Beispielsituationen für die Modusanalyse und einem Arbeitsblatt für die eigene Modusanalyse. Abschließend folgt die Übung ‚das Modus-Kuddelmuddel‘ sowie Arbeitsblätter zum eigenen Modusfazit und zur Erarbeitung eines Notfallplans.

Das nächste Kapitel widmet sich Bewältigungsmodi (Kapitel 3). Diese entstehen meist in der Kindheit zum Schutz vor emotionalen Verletzungen und sie sind kurzfristig weniger schmerzhaft als problematische Kindmodi oder strafende/​fordernde Modi. „Gleichzeitig versperren sie jedoch den Zugang zu den Kindmodi und verhindern, dass die emotionalen Bedürfnisse wahrgenommen werden. So werden diese Bedürfnisse auch im Erwachsenenalter nicht ausreichend erfüllt“ (59). In der Gruppentherapie führen Bewältigungsmodi häufig zu Störungen des Gruppenprozesses, von daher werden sie unmittelbar angesprochen im Sinne einer empathischen Konfrontation. Die drei Bewältigungsmodi bestehen in Vermeidung (Flucht), Überkompensation (Kämpfen) und Unterwerfung. Da Überkompensation zu massiven Störungen in der Gruppentherapie führen kann, muss dieses Verhalten schnell begrenzt werden. Dazu werden die einzelnen Schritte der empathischen Konfrontation dargestellt und anhand von zwei typischen Beispielsituationen veranschaulicht. Daraufhin folgen Arbeitsblätter zum Erkennen und Einordnen von Bewältigungsmodi, zum Erkennen des eigenen Hauptbewältigungsmodus und zu einer Übung zur Frage, was hinter dem Bewältigungsmodus steckt. Anschließend folgt ein Stuhldialog ‚Interview mit dem Bewältigungsmodus‘ und ein Arbeitsblatt zu den Vor- und Nachteilen der Bewältigungsmodi. Daraufhin werden weitere Übungen angeführt: ‚auf der Party‘, ‚die Wirkung des Bewältigungsmodus‘, ‚Symbole für den Bewältigungsmodus‘, ‚Ursprung des Bewältigungsmodus‘, ‚hinter dem Bewältigungsmodus‘, und ‚flexibel auf schwierige Situationen reagieren‘. Anschließend wird die Unterscheidung zwischen Bewältigungsmodus und gesundem Erwachsenenmodus behandelt und es folgen eine Übung dazu sowie ein Stuhldialog zur Reduktion des Bewältigungsmodus und zur Stärkung des gesunden Erwachsenenmodus. Abschließend folgt ein Arbeitsblatt zur schrittweisen Veränderung des eigenen Hauptbewältigungsmodus.

Im darauffolgenden Kapitel werden emotionale Grundbedürfnisse behandelt (Kapitel 4). Sie spielen eine entscheidende Rolle für eine gesunde Entwicklung. Die entsprechende Psychoedukation dient dazu, dass sich die Patientinnen der eigenen frustrierten Bedürfnisse auf spielerische Weise gewahr werden und schrittweise Veränderung bzw. Entwicklung erfahren. Zunächst werden Fragen und Antworten zu den emotionalen Grundbedürfnissen angesprochen. Als universelle emotionale Grundbedürfnisse werden aufgeführt: sichere Bindung; Autonomie/​Selbstständigkeit; realistische Grenzen und Selbstkontrolle; Freiheit, sich mitzuteilen; Spontaneität und Spiel; Lob und Anerkennung. Es wird darauf eingegangen, welche Rolle Grundbedürfnisse in der Entwicklung spielen, ob nur Kinder Grundbedürfnisse haben, ob ein Bedürfnis ‚übererfüllt‘ werden könne und schließlich, was die Schematherapie mit Bedürfnissen zu tun hat. Es folgt ein Arbeitsblatt zum Erkennen und Zuordnen von Bedürfnissen sowie eine Übung zur ‚Kontaktaufnahme mit den Bedürfnissen‘. Nach einem Arbeitsblatt zu den eigenen Bedürfnissen folgen Übungen mit einer ‚Collage zu Bedürfnissen‘, ‚das Verbindungsnetz‘, ‚die Sicherheitsblase‘ und ‚den persönlichen Raum wahrnehmen und schützen‘. Anschließend wird anhand von anschaulichen Fallbeispielen die Frage behandelt, warum Kinder realistische Grenzen brauchen und es folgen Übungen zum ‚Bedürfnis nach realistischen Grenzen und Selbstkontrolle‘, zum ‚Bedürfnis nach freier Gefühls- und Meinungsäußerung‘ sowie zum ‚Bedürfnis nach Lob und Anerkennung‘. Nach einer kurzen Geschichte zum Bedürfnis nach Autonomie wird das Bedürfnis nach Spiel und Spaß behandelt und abschließend ein ‚Gutschein für Spiel und Spaß‘ ausgegeben.

Im nächsten Kapitel werden problematische Kindmodi behandelt (Kapitel 5). Diese bestehen aus dem Modus des verletzlichen Kindes, dem Modus des wütenden Kindes und dem Modus des impulsiven/​undisziplinierten Kindes. Zunächst werden die problematischen Kindmodi erläutert als emotionale Zustände, in denen starke Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse im Vordergrund stehen und anhand von einem Bespiel veranschaulicht. Sie werden häufig vom strafenden/​fordernden Modus abgewertet und bestraft (124). In der Schematherapie werden die Bedürfnisse „erfüllt, damit die alten Verletzungen heilen können und gute neue Erfahrungen den gesunden Erwachsenenmodus stärken“ (124). Daraufhin werden die einzelnen problematischen Kindmodi ausgeführt und es wird geklärt, wie sie entstehen und wie die Schematherapie damit umgeht. Es folgen Übungen zur ‚Kontaktaufnahme zum verletzlichen Kind mit Kinderfotos‘ sowie eine ‚Luftballonübung zur Emotionsunterdrückung‘. Es wird eine ‚Pro- und Contra-Liste zur Arbeit am verletzlichen Kindmodus‘ erstellt und es folgt ein Arbeitsblatt zur ‚Sicherheit und Steuerbarkeit bei erlebnisbasierten Übungen in der Gruppe‘. Weitere Arbeitsblätter behandeln ‚die Trostbox‘ und Rollenspiele zum ‚Zuspruch für das verletzliche Kind‘. Anschließend wird ein ‚Imagery Rescripting in der Gruppe‘ durchgeführt und es folgt ein ‚Stuhldialog zum gesunden erwachsenen Umgang mit dem verletzlichen Kind‘. Abschließend werden Arbeitsblätter bereitgestellt zur Frage, was hinter dem Ärger steckt, zur ‚Imagination zum Bedürfnis hinter dem Ärger‘ sowie für einen ‚Stuhldialog zum gesunden erwachsenen Umgang mit dem ärgerlichen Kind‘ und schließlich über ‚gute Botschaften für mein ärgerliches Kind‘.

Im vorletzten Kapitel werden strafende und fordernde Modi behandelt (Kapitel 6), die auch als Elternmodi bezeichnet werden, da sie häufig im Elternhaus entstanden. Gute Elternbotschaften meinen Botschaften des gesunden Erwachsenenmodus an das verletzliche Kind. In der Schematherapie geht es darum, strafende und fordernde Botschaften durch hilfreiche Botschaften zu entkräften. Zunächst werden der strafende und der fordernde Modus, deren Entstehung sowie der schematherapeutische Umgang damit erläutert. Anschließend werden häufige Fragen dazu angesprochen. Es folgt eine Übung zu den ‚Auswirkungen des fordernden Modus‘ und eine Veranschaulichung anhand der Geschichte ‚der schreckliche Mantel‘. Es folgen weitere Übungen: ‚Auswirkungen des strafenden Modus‘, ‚das ist das, was du verdient hast‘ sowie ein Stuhldialog in der Großgruppe zur ‚Diskussion mit dem fordernden Modus‘. Nach einem Arbeitsblatt zur Unterscheidung zwischen dem fordernden Modus und dem gesunden Erwachsenenmodus folgen weitere Übungen: ein Stuhldialog zum Durchbrechen des strafenden Modus und seinen Modusschleifen, ‚das verletzliche Kind vom strafenden Modus befreien‘ sowie eine ‚Aufstellung zu impliziten Elternbotschaften‘. Abschließend wird eine Collage zu guten Elternbotschaften erstellt und es wird ein Arbeitsblatt bearbeitet, welches dazu dient, dem strafenden Modus weniger Macht im eigenen Leben zu geben.

Das letzte Kapitel ist gesunden Modi gewidmet (Kapitel 7), welche aus dem Modus des fröhlichen Kindes sowie dem gesunden Erwachsenenmodus bestehen. Bei den Übungen geht es darum, „mit den gesunden Modi in Kontakt zu kommen und den Moduswechsel zu üben“ (181). Ergänzt wird die schematherapeutische Arbeit durch Wertearbeit und die Ausrichtung auf langfristige Ziele. Zuerst wird ein Arbeitsblatt zum Modus des fröhlichen Kindes behandelt mit Angaben zur Entstehung, zu dessen Rolle im Erwachsenenalter und zu den Schwierigkeiten, in diesen Modus zu wechseln. Es folgt ein Arbeitsblatt zum Modus des fröhlichen Kindes im Hier und Heute, anschließend wird eine Imagination zum fröhlichen Kindmodus durchgeführt, eine Übung zum ‚Recht auf den fröhlichen Kindmodus‘ und ein Arbeitsblatt dazu, mehr Zeit im fröhlichen Kindmodus zu verbringen. Anschließend wird der gesunde Erwachsenenmodus behandelt, woran man diesen erkennt, wie er entsteht und wie er mit anderen Modi zusammenhängt. Ein weiteres Arbeitsblatt liefert Beispiele für das Erkennen des gesunden Erwachsenenmodus. Daraufhin wird dazu angeregt, zu formulieren, wie der eigene gesunde Erwachsenenmodus mit Bedürfnissen, Gedanken und Gefühlen, dem Körper, anderen Personen, Erfolgen und Lob sowie Herausforderungen umgeht. Anschließend wird eine Imagination zum gesunden Erwachsenenmodus durchgeführt. Weitere Arbeitsblätter dienen der Bearbeitung des gesunden Erwachsenenmodus als Bild/Collage, behandeln eigene innere Helfer und liefern Situationen, deren Geschichte zu Ende geschrieben werden sollen. Nach einem Arbeitsblatt, welches dazu auffordert, die eigene Geschichte weiterzuschreiben, folgt eine ‚Zukunftsimagination zum gesunden Erwachsenenmodus‘. Es folgen zwei Übungen zu ‚mein neuer Plan‘ und zur ‚Imagination zu guten Elternbotschaften‘. Daraufhin werden Werte und Ziele behandelt und sowohl allgemein als auch speziell für die Schematherapie mit Beispielen veranschaulicht. Es folgen weitere Übungen: ‚Impulsübung zu Werten‘, ‚auf dem Weg zu meinem Wert‘ und eine Stuhldialog zur Wertearbeit. Es folgt ein Arbeitsblatt dazu, mehr Zeit im gesunden Erwachsenenmodus zu verbringen, bevor das Therapieende und der Umgang mit Rückschlägen thematisiert wird: ‚Wie gehe ich mit Rückschlägen um?‘, ‚die Modus-Werkezugkiste zur Rückfallprophylaxe‘, ‚meine Werkzeugkiste für das Modusmodell‘, ‚meine Bilanz zur Therapie‘ und schließlich ‚meine Gruppenschematherapie-Urkunde‘.

Diskussion

Demmert & Faßbinder liefern mit ihrem Werk aus der Therapie-Tools- Reihe des Beltz-Verlages unmittelbar anwendbare Arbeitsmaterialien für die Schematherapie in der Gruppe. Die Grundlagen der Schematherapie werden hier nicht eingehend erläutert, wer damit weniger vertraut ist, hat nach der Lektüre einen guten ersten Eindruck gewonnen und kann die Materialien bereits gewinnbringend einsetzen; und wem die verhaltenstherapeutische Orientierung bekannt ist, wird sich schnell zurechtfinden. Der Aufbau mit der Orientierung am Therapieprozess ist besonders gelungen und die Arbeitsmaterialien laden stets zur eigenen Bearbeitung ein. Die Therapeutinnen und Therapeuten werden teilweise explizit zur eigenen Auseinandersetzung mit der Thematik angehalten, im Übrigen besitzen die Materialien Aufforderungscharakter. Insgesamt bietet sich hier die Chance zur Bearbeitung im Sinne der Selbsterfahrung. Das Modusmodell ist plausibel und die Vorgehensweise wird mit einschlägigen Studien und fachwissenschaftlicher Literatur untermauert.

Fazit

Äußerst gelungenes Therapie-Manual für Therapeutinnen und Therapeuten im Erwachsenenbereich, die sich innovative Methoden der Gruppentherapie aneignen möchten.

Rezension von
Dr. Philipp Thaler
Pädagoge an der Frühförderung Kinderhilfe Treuchtlingen / Verein für Menschen mit Körperbehinderung Nürnberg e.V., psychologischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut in Ausbildung am IVS Fürth
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Zitiervorschlag
Philipp Thaler. Rezension vom 26.01.2022 zu: Antje Demmert, Eva Faßbinder: Therapie-Tools Schematherapie in der Gruppe. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2021. ISBN 978-3-621-28777-7. Reihe: Therapie-Tools. Mit E-Book inside und Arbeitsmaterial. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28087.php, Datum des Zugriffs 26.09.2022.


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