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Reinhard Pietrowsky: Träume in der Kognitiven Verhaltenstherapie

Cover Reinhard Pietrowsky: Träume in der Kognitiven Verhaltenstherapie. Ein Praxisleitfaden. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2021. 179 Seiten. ISBN 978-3-8017-2919-6. 29,95 EUR, CH: 39,90 sFr.
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Thema

Der Autor Reinhard Pietrowsky stellt in seinem Buch theoretische Hintergründe für das Traumgeschehen und einen praktischen Leitfaden vor, der die Arbeit mit Träumen in die verhaltenstherapeutische Praxis integrieren kann.

Autor

Professor Dr. Reinhard Pietrowsky ist ausgebildeter Psychologe und approbierter Psychologischer Psychotherapeut für Verhaltenstherapie.

Aufbau und Inhalt

  1. Einleitung
  2. Vom Nutzen der Arbeit mit Träumen in der KVT
  3. Traumtheorien und ihre Relevanz für die Arbeit mit Träumen in der KVT
  4. Arbeit mit Träumen in der Psychotherapie
  5. Postulate der psychotherapeutischen Arbeit mit Träumen 
  6. Anwendungsbereiche der Arbeit mit Träumen
  7. Hinweise für die Arbeit mit Träumen
  8. Praktische Durchführung der psychotherapeutischen Arbeit mit Träumen
  9. Evaluation der Arbeit mit Träumen
  10. Therapeutischer Umgang mit besonderen Träumen
  11. Fallbeispiele

Literatur, Anhang und CD-ROM.

Das Kapitel Vom Nutzen der Arbeit mit Träumen in der KVT nennt die Vorteile, die im Rahmen der Arbeit mit Träumen für den therapeutischen Prozess bestehen. Diese werden in Kapitel 6 näher ausgeführt.

Im Kapitel Traumtheorien und ihre Relevanz für die Arbeit mit Träumen in der KVT erläutert Reinhard Pietrowsky die Kontinuitätshypothese, die Komplementärhypothese und das Träumen als Problemlösung und Simulation bedrohlicher Situationen. Er verbindet die verschiedenen theoretischen Annahmen mit ihrer Bedeutung für die verhaltenstherapeutische Praxis.

Die Kontinuitätshypothese postuliert, dass Trauminhalte eine Fortsetzung des Wachlebens darstellen, dass sich das Wachleben in irgendeiner Art im Traum widerspiegelt. Sowohl Trauminhalte als auch Wachleben werden von den spezifischen kognitiven und emotionalen Schemata der träumenden Person beeinflusst. In den Träumen werden Gedanken, Gefühle, Ängste und Probleme des Wachlebens kreativ ausgedrückt.

Die Komplementärhypothese geht davon aus, dass sich in Träumen solche Persönlichkeitsmerkmale, Gefühle und Handlungen zeigen, die im Wachzustand unterrepräsentiert sind oder verdrängt werden. So sollen Träume auf defizitäre Persönlichkeitsmerkmale oder Handlungskompetenzen verweisen.

Träume können als Unterstützung zur Problemlösung verschiedene Funktionen erfüllen. Sie können als gedankliches Probehandeln begriffen werden. Bei aktuellen Problemen im Wachleben können sie auch durch eine veränderte Bewertung der Situation negative Stimmungszustände reduzieren. Ebenso können Träume im antizipatorischen Umgang mit bedrohlichen Situationen dem Träumenden erlauben, Bewältigungsmöglichkeiten auszuprobieren und zu üben.

Der Autor betrachtet im Kapitel Arbeit mit Träumen in der Psychotherapie verschiedene therapeutische Verfahren, die die Arbeit mit Träumen anwenden: Psychoanalyse, Humanistische Psychologie und Kognitive Verhaltenstherapie.

Der Ansatz von Clara E. Hill enthält drei wesentliche Phasen und Inhalte der Arbeit mit Träumen:

  • die Exploration des Traumgeschehens,
  • die Interpretation eines Traumes und
  • die Herausarbeitung von Handlungen, die in die verhaltenstherapeutische Therapie integriert und genutzt werden sollen.

In seinem Ansatz entwickelte Jacques Montangero die DMR-Methode (Description – Memory sources – Reformulation). Der erste Schritt beinhaltet die vollständige Beschreibung des Traums. Der zweite Schritt konzentriert sich auf die biografischen Quellen. Im dritten Schritt soll der Traum abstrakt umformuliert werden. Ziel des vierten Schrittes ist die Interpretation.

Der Ansatz von Arthur Freeman und Beverly White gibt fünfzehn Richtlinien für die kognitiv-behaviorale Arbeit mit Träumen an, die als das theoretische Grundverständnis der Arbeit mit Träumen in der KVT gesehen werden können:

  1. Es soll auf die symbolische Deutung von Traumbildern verzichtet werden und stattdessen ein Schwerpunkt auf die Thematik gelegt werden.
  2. Trauminhalte sind spezifisch für den Träumenden.
  3. Am Sprachgebrauch kann der Affekt des Traumes abgeleitet werden.
  4. Es gibt Parallelen zum Wachzustand.
  5. Entscheidend für die Wichtigkeit des Traumes ist nicht die Länge, sondern der Inhalt und der Affekt des Traums.
  6. Der Träumende ist selbst für den Trauminhalt verantwortlich.
  7. Träume spiegeln automatische Gedanken wider.
  8. Traumarbeit kann bei Stagnation den Therapieprozess wieder ankurbeln.
  9. Schemata eines Klienten können sich in seinen Träumen manifestieren.
  10. Trotz der Möglichkeiten, die die Traumarbeit bietet, sollen andere Techniken nicht vernachlässigt werden.
  11. Trauminhalte sollten idealerweise unmittelbar und systematisch erfasst werden.
  12. Für kritische Trauminhalte können Lösungen besprochen und trainiert werden, die später im Wachzustand analog eingesetzt werden können.
  13. Die Patienten sollten versuchen, aus dem Traum eine Schlussfolgerung, eine „Moral“ zu ziehen, bzw. eigenständig zu Schlussfolgerungen zu gelangen.
  14. Träume können auf komplexere zugrunde liegende Erfahrungen und Phänomene hindeuten.
  15. Traumarbeit eignet sich als Standardhausaufgabe und kann selbstständig vom Klienten fortgeführt werden.

Des Weiteren beschreibt der Autor den Ansatz von Michael Schredl und Gruppentherapeutische Ansätze.

Die Postulate der psychotherapeutischen Arbeit mit Träumen bestehen aus zwölf zentralen theoretischen Postulaten, die die Grundlage für die psychotherapeutische Arbeit mit Träumen darstellen.

Als Anwendungsbereiche der Arbeit mit Träumen nennt Reinhard Pietrowsky

  • die Verbesserung der therapeutischen Beziehung,
  • die Erweiterung oder Vertiefung der Diagnostik,
  • die Ressourcenaktivierung,
  • die Verbesserung der Therapiemotivation und -mitarbeit,
  • die Gewinnung von Einsicht und Handlungsmöglichkeiten und
  • die Generierung und Einübung von Handlungsplänen und Verhaltensmöglichkeiten.

Im Kapitel Hinweise für die Arbeit mit Träumen werden die äußeren Rahmenbedingungen für die Arbeit mit Träumen beschrieben:

  • das Setting und die Rahmenbedingungen,
  • die Einführung der Arbeit mit Träumen im Therapieprozess,
  • die Rolle des Therapeuten,
  • die Schilderung und die Aufzeichnung von Träumen,
  • welche Träume für die Therapie genutzt werden sollen und
  • welche Aspekte des Traumes aufgezeichnet werden sollen.

Das Kapitel Praktische Durchführung der psychotherapeutischen Arbeit mit Träumen befasst sich mit dem Vorgehen einer psychotherapeutischen Arbeit mit Träumen und dient als Leitfaden für eine ungefähr zweistündige Therapiesitzung im Rahmen einer Einzeltherapie. Es setzt sich aus

  • einer Explorationsphase mit den dafür empfohlenen therapeutischen Techniken,
  • einer Einsichtsphase mit den dafür empfohlenen Arbeitsschritten und therapeutischen Techniken,
  • der Reformulierung des Traumes,
  • einer Handlungsphase mit den dafür empfohlenen Arbeitsschritten und therapeutischen Techniken und
  • der Anwendung der Trauminterpretation in der Therapie zusammen.

Illustriert werden die einzelnen Phasen und Arbeitsschritte anhand von Tabellen und Beispielen von Patiententräumen.

Für die Evaluation der Arbeit mit Träumen, mit der die Wirkung und Wirksamkeit der Arbeit mit Träumen beurteilt werden können, können als Abhängige Variablen die Sitzungsqualität, die Einstellung zu Träumen, die therapeutische Beziehung sowie die Einsichts- und Handlungsgewinne untersucht werden. Als Unabhängige Variablen betrachtet der Autor Therapeutenmerkmale, Patientenmerkmale, die Merkmale des bearbeiteten Traumes, das therapeutische Setting und Effekte der einzelnen Komponenten der Arbeit mit Träumen. In diesem Kontext werden Ergebnisse bereits durchgeführter Studien erläutert.

Der therapeutische Umgang mit besonderen Träumen beschreibt die Arbeit mit Alpträumen, mit Luziden Träumen und mit Präkognitiven Träumen.

Im Kapitel Fallbeispiele wird die verhaltenstherapeutische Arbeit mit Träumen anhand zweier Beispiele dargestellt, am Traum eines 61-jährigen Patienten und am Traum einer 53-jährigen Patientin.

Der Anhang und die CD-ROM enthalten Materialien, die für die Durchführung der therapeutischen Interventionen genutzt werden können:

  • Übersicht – Elemente der Arbeit mit Träumen
  • Kurzgefasster Leitfaden zur Arbeit mit Träumen
  • Postulate für die Arbeit mit Träumen in der KVT
  • Session Evaluation Questionnaire (SEQ)
  • Session Evaluation Scale (SES)
  • Attitudes Toward Dreams (ATD-R)
  • Gains from Dream Interpretation (GDI)
  • Client Action Plan (CAP)
  • Protokoll zur Aufzeichnung von Träumen
  • Auswertungshinweise zu den Fragebögen
  • Übersicht über die Materialien auf der CD-ROM

Diskussion

Das Buch ist ein Hilfsmittel für die Arbeit mit Träumen in der Kognitiven Verhaltenstherapie. Mit den im Buch und auf der CD-ROM vorhandenen Materialien für die therapiebegleitende Auswertung und Dokumentation, zahlreichen Tabellen, Merksätzen und Beispielen bietet es eine gute Einführung für VerhaltenstherapeutInnen, die dieses zusätzliche Werkzeug für ihre Arbeit nutzen möchten.

Fazit

Reinhard Pietrowsky stellt ein gut ausgearbeitetes Konzept für die Arbeit mit Träumen in der Kognitiven Verhaltenstherapie vor. Nach notwendigen theoretischen Erläuterungen führt der Autor auf verständliche Art durch die einzelnen Schritte innerhalb dieses therapeutischen Prozesses, der zusätzliche Ressourcen für die TherapeutIn-KlientIn-Beziehung und für die therapeutische Arbeit beinhaltet.


Rezension von
Dr. Barbara Mahmoud
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Zitiervorschlag
Barbara Mahmoud. Rezension vom 21.07.2021 zu: Reinhard Pietrowsky: Träume in der Kognitiven Verhaltenstherapie. Ein Praxisleitfaden. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2021. ISBN 978-3-8017-2919-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28088.php, Datum des Zugriffs 05.08.2021.


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