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Sven Trabandt, Hans-Jochen Wagner: Psychologisches Grundwissen für die Soziale Arbeit

Cover Sven Trabandt, Hans-Jochen Wagner: Psychologisches Grundwissen für die Soziale Arbeit. UTB (Stuttgart) 2021. 220 Seiten. ISBN 978-3-8252-5605-0. D: 16,00 EUR, A: 16,50 EUR, CH: 21,50 sFr.

Reihe: utb basics.
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Thema

Die Autoren widmen sich den psychologischen Grundbegriffen, die für die Soziale Arbeit relevant sind. Diese psychologischen Grundbegriffe und ihre Bedeutung werden für Handlungsfelder der Sozialen Arbeit nutzbar gemacht. Zum kreativen Weiterdenken und Diskutieren der psychologischen Sachverhalte werden Aufgaben und Übungen vorgestellt.

Autoren

Sven Trabandt ist wissenschaftliche Lehrkraft für Pädagogik, Psychologie und Sozialpädagogik und Lehrbeauftragter im Studiengang Soziale Arbeit an der Fachschule für Sozialpädagogik in Nürtingen.

Hans-Jochen Wagner ist Diplom-Sozialpädagoge. In Esslingen lehrt er an der Hochschule Sozialpädagogik. An der Fachschule für Sozialpädagogik Göppingen ist Wagners wissenschaftliche Lehrkraft für Pädagogik, Psychologie und Sozialpädagogik.

Aufbau

  1. Grundlagen der Psychologie
  2. Neuere Richtungen der Psychologie
  3. Entwicklungspsychologie
  4. Entwicklung im Lebenslauf
  5. Sozialpsychologie
  6. Kommunikation
  7. Herausforderndes Verhalten

Inhalt

In den Grundlagen der Psychologie wird der Gegenstandsbereich der Psychologie, ihre Methoden sowie die klassischen Ansätze erläutert und für die Soziale Arbeit nutzbar gemacht.

Eingeführt werden in die Psychoanalyse, den Behaviorismus und Kognitivismus.

Zur Psychoanalyse wird der Blick u.a. auf die Triebentwicklung nach Sigmund Freud geworfen. Der Behaviorismus befasst sich mit dem, durch Reize gesteuerten, zu beobachtenden und zu messenden menschlichen Verhalten, wie wir es beispielsweise beim klassischen Konditionieren (Pawlow) oder operanten Konditionieren (Thorndike) vorfinden. Der Kognitivismus bezieht sich auf Ulric Neissers Auffassung aus dem Jahr 1967 zur Cognitive Psychology, nach welcher die Erkenntnis auf Prozessen basiert, die den wahrgenommenen Input verändern, reduzieren, ausarbeiten, speichern, wiederherstellen und anwenden.

Neuere Richtungen sind die Humanistische Psychologie, die Systemische Psychologie und die Neuropsychologie.

Die Humanistische Psychologie entwickelte sich in den 1950er Jahren und wird mit der Bedürfnispyramide von Abraham Maslow von 1954 zusammengebracht. Eine Fortsetzung dieser Bedürfnispyramide findet sich in Carl Rogers‘ Gesprächspsychotherapie.

Die systemische Psychologie geht davon aus, dass ein System aus unterschiedlichen Elementen besteht sowie klar definierte Außengrenzen aufweist.

Als ein Teilgebiet der Biologischen Psychologie ist die Neuropsychologie zu betrachten. Die neuropsychologische Forschung hat mit Beobachtungen am pathologischen Gehirn begonnen. Für die Reformpädagogik hat die Neuropsychologie zu wegweisenden Erkenntnissen geführt, etwa durch die neuronale Plastizität des Gehirns.

Zur Entwicklungspsychologie wird ausgeführt, dass der Mensch mit Abschluss des Kindesalters als ausgereift gilt. Hierfür werden Entwicklungsphasen durchlaufen. Für die Denkentwicklung wird auf das Modell von Jean Piaget Bezug genommen, wonach die kognitive Entwicklung über die sensomotorische Stufe, die präoperationale Stufe, die konkretoperationale Stufe und die formaloperationale Stufe erfolgt. Für die Soziale Arbeit ist Piagets Ansatz von hoher Bedeutung.

Um auf dem Feld der Sozialen Arbeit die Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen begleiten zu können, ist die Kenntnis der alterstypischen Lebensläufe von Bedeutung. Die Autoren bedienen sich den Entwicklungsaufgaben nach Erickson von 1959 – und das sind:

  • das Säuglingsalter
  • das Kleinkindalter
  • das Vorschulalter
  • das Schulalter
  • die Adoleszenz
  • das frühe Erwachsenenalter
  • das Erwachsenenalter
  • das höhere Erwachsenenalter

In Anlehnung an Havighurst werden die Entwicklungsaufgaben aufgeführt für:

  • die frühe Kindheit
  • die mittlere Kindheit
  • die Adoleszenz
  • das frühe Erwachsenenalter
  • das mittlere Erwachsenenalter
  • das späte Erwachsenenalter.

Die Sozialpsychologe erklärt, als Teilgebiet der Psychologie und Soziologie, die Zusammenhänge zwischen Individuum und Gesellschaft.

Für die Soziale Arbeit sind Kommunikation und Sprache als herausragendes Merkmal des menschlichen Zusammenlebens zu betrachten. Für diese Bereiche liegt der Fokus auf Absprachen, Beratung, Anleitung bzw. Unterstützung.

Schließlich gehört zum psychologischen Grundwissen für die Soziale Arbeit das Wissen über herausforderndes Verhalten. Kinder und Jugendliche, denen ein herausforderndes Verhalten zugeschrieben wird, zeigen ein Verhalten, welches nicht den Erwartungen ihrer Umwelt entspricht. Herausforderndes Verhalten äußert sich in psychischen Störungen, wie:

  • Angststörungen
  • Depressionen
  • Zwangsstörungen
  • Autismus-Spektrum-Störungen

Diskussion

Für die gegenwärtige Pandemie ist psychologisches Wissen für die Soziale Arbeit sehr wichtig. Die vielfältigen isolativen Bedingungen fordern die Soziale Arbeit gerade für psychologische Besonderheiten in großem Maße heraus. In der Ergotherapie nehmen beispielsweise Behandlungen aufgrund psychisch-funktioneller Auffälligkeiten, die durch die Coronapandemie hervorgerufen werden, deutlich zu. Die ausgewählten psychischen Störungen passen hier wohl exzellent hinein.

Fazit

Sven Trabandt und Hans-Jochen Wagner legen ein wertvolles Grundlagenwerk für die Soziale Arbeit vor, das gut strukturiert ist: Den Grundlagen der Psychologie folgen entwicklungs- und sozialpsychologische Aspekte. Als wesentliches Element der Sozialen Arbeit wird die Kommunikation in den Blick genommen. Zum Abschluss werden Kernelemente der Sozialen Arbeit, die sich in herausforderndem zeigen, aufgeführt.


Rezension von
Dr. Carsten Rensinghoff
EUTB beim Malteser Hilfsdienst e.V.
Homepage www.teilhabeberatung.de/beratung/malteser-hilfsdien ...
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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 12.07.2021 zu: Sven Trabandt, Hans-Jochen Wagner: Psychologisches Grundwissen für die Soziale Arbeit. UTB (Stuttgart) 2021. ISBN 978-3-8252-5605-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28132.php, Datum des Zugriffs 24.07.2021.


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