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Robert Kordts-Freudinger, Niclas Schaper u.a. (Hrsg.): Handbuch Hochschuldidaktik

Rezensiert von Dr. rer. soc. Wolfgang Widulle, 03.02.2022

Cover Robert Kordts-Freudinger, Niclas Schaper u.a. (Hrsg.): Handbuch Hochschuldidaktik ISBN 978-3-8252-5408-7

Robert Kordts-Freudinger, Niclas Schaper, Antonia Scholkmann, Bigit Szczyrba (Hrsg.): Handbuch Hochschuldidaktik. UTB (Stuttgart) 2021. 500 Seiten. ISBN 978-3-8252-5408-7. 59,00 EUR. CH: 75,00 sFr.
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Einführung in das Thema

Hochschuldidaktik ist seit ihrer Marginalisierung in den 1980er-Jahren im Aufwind. Die globale Entwicklung hin zur Wissensgesellschaft, politische Setzungen wie die Bologna-Reform und technologische Innovationen wie die Digitalisierung fordern Bildung und insbesondere Hochschulbildung als zentrale gesellschaftliche Ressource im 21. Jahrhundert heraus. Universitäten und Hochschulen – in der Wissensproduktion ebenso innovativ wie in ihren Strukturen konservativ – haben mit grundlegenden Innovationen in der Lehre auf diese Herausforderungen reagiert. Die Hochschullehre hat sich mit der Bologna-Reform, bei aller Skepsis vor allem der Universitäten, stark verändert und Initiativen, Reformen und Arbeit der Hochschuldidaktik haben wesentlich dazu beigetragen, die Qualität des Lehrens und Lernens im hochschulischen Bildungssektor zu verbessern. Bislang fehlte ein Handbuch, das den State of the Art in der deutschen Hochschuldidaktik aufzeigt, auch wenn das „Neue Handbuch Hochschullehre“ (Berendt et al. 2002) als Mischform aus Zeitschrift und elektronischem Handbuch die Entwicklung der Hochschuldidaktik seit 2002 begleitet, fördert und dokumentiert. Was die Bildungsherausforderungen des 21. Jahrhunderts hochschuldidaktisch bedeuten, und was Hochschuldidaktik zu deren Lösung beiträgt, darüber orientiert das vorliegende Handbuch.

Hintergrund des Buches

Das Buch entstand durch eine Initiative des WBV-Verlags, der Vorstand und Mitglieder der deutschen Gesellschaft für Hochschuldidaktik mit der Idee des Handbuchs vertraut machte. Das Handbuchprojekt wurde in der deutschsprachigen hochschuldidaktischen Community breit gestreut und durch ein großes Gutachtergremium wissenschaftlich solide abgestützt. Es ist konzipiert als Nachschlagewerk für Lehrende, Hochschuldidaktiker und Entscheidungsträger an den Hochschulen zum derzeitigen Stand der Hochschuldidaktik, als Quelle der Inspiration und als Kontaktbörse für Forscher und Lehrende, die an ähnlichen Themen arbeiten.

Herausgeber und Autoren

Dr. Robert Kordts-Freudinger ist Psychologe und Hochschuldidaktiker, an der Universität St. Gallen arbeitet er als Prorektor Studium und Lehre. Prof. Dr. Niclas Schaper ist an der Universität Paderborn als Arbeits- und Organisationspsychologe tätig, er leitet die dortige Stabsstelle für Bildungsinnovationen und Hochschuldidaktik. Prof. Dr. Antonia Scholkmann ist Psychologin, sie arbeitet an der Universität Aalborg im Bereich Organizational Learning, ist Beraterin und Trainerin im Bereich Hochschulentwicklung. Dr. Birgit Szczyrba ist Sozialwissenschaftlerin und Pädagogin, sie leitet das Zentrum für Lehrentwicklung der Technischen Hochschule (FH) Köln.

Weitere 57 Autorinnen und Autoren trugen zum Handbuch bei; sie stammen aus allen Bereichen der hochschuldidaktischen Praxis, Weiterbildung und Forschung. Von den 61 beitragenden Personen arbeiten 40 an großen deutschen Universitäten, acht an angeschlossenen hochschuldidaktischen Einrichtungen oder freien Instituten, etwa ein Dutzend an Fachhochschulen. Sechs Autoren sind in Österreich, der Schweiz oder im weiteren internationalen Kontext tätig. Nimmt man für die Ausrichtung des Handbuchs als erstes, vorläufiges Indiz die Provenienz der Autoren als Maßstab, spiegelt das Handbuch vor allem Entwicklung und Perspektiven der universitären Hochschuldidaktik in Deutschland.

Aufbau und Inhalt des Buches

Das Buch ist in fünf Themenfelder gegliedert, die die ganze Breite hochschuldidaktischer Arbeit spiegeln. Für den schnellen Überblick und eiligen Leser wird jedes Themenfeld von den Herausgebern mit einem Übersichtskapitel eingeführt und alle Beiträge beginnen mit einem Abstract, das ebenfalls zum schnellen Überblick beiträgt.

Eine kleine Vorbemerkung: Aus einem Handbuch mit 650 Seiten und 40 Beiträgen jeden Beitrag zusammenfassen zu wollen, sprengt den Rahmen von socialnet-Rezensionen. Die Rezension fokussiert daher auf eine Übersicht und nimmt nur die ersten zwei der fünf Themenfelder detaillierter auf.

Themenfeld 1 Entwicklung der Hochschuldidaktik und State of the Art der Hochschullehre nimmt den Kern und Gegenstand hochschuldidaktischer Aktivitäten in den Blick – wirksame und lernfördernde Lehre. Ausgangspunkt sind die historische Entwicklung und theoretische Verortung der Hochschuldidaktik in den Bildungswissenschaften, erwähnt seien die kenntnisreiche Darstellung der Geschichte der Hochschuldidaktik von Wildt und die theoretisch präzise Reflexion zu deren wissenschaftlichem Selbstverständnis von Reinmann. Danach folgen Beiträge zum State of the Art der Hochschullehre. Die praxisnahen und instruktiven Beiträge dieses Teils nehmen die Planung (Ulrich/​Seyfried & Schaper) und lernförderliche Durchführung (Flaig, Heltemes &Schneider) von Lehrveranstaltungen, die Beratung und Betreuung von Studierenden (Drognitz/​Mendzheritskaysa &Hansen), sowie das Prüfen in der Hochschullehre (Schaper) auf. Schlüsselkompetenzen haben nicht nur in der beruflichen Bildung, sondern auch an Hochschulen an Bedeutung gewonnen. Ihre Förderung und speziell die Förderung der wissenschaftlichen Schlüsselkompetenz „Schreiben“ ist Thema der nächsten zwei Beiträge (Seidl; Scharlau/​Haacke/​Karsten & Lahm). Die Evaluation und Qualitätssicherung in der Lehre mit Lehrveranstaltungsevaluationen (Hense & Raser) ist nicht unumstritten, der Beitrag dazu widmet sich der Kontroverse um die LVE und zeigt Lösungen auf. Das Themenfeld schließt mit einem Beitrag zum Lehren und Lernen mit digitalen Medien (Ulrich et al.) und den für Lehrende notwendigen Kompetenzen dazu – das coronabedingte Emergency-Remote-Teaching seit dem Beginn des Jahres 2020 wird ebendiese Kompetenzen, teils auch gegen Widerstand, stark gefordert und gefördert haben.

Das Themenfeld 2 Formate der Hochschuldidaktik fokussiert auf die Interaktion der Hochschuldidaktik mit allen relevanten Akteuren – die Beiträge beziehen sich ausschließlich auf die Arbeit mit den Lehrenden, um die Professionalisierung der Lehre und der Lehrenden voranzutreiben. Mit dem Begriff „Format“ gemeint sind Informations-, Weiterbildungs-, Austausch-, Beratungs- und Coaching-Angebote für Lehrende, weitere Akteure der Hochschuldidaktik werden in diesem Teil nicht adressiert. Gerahmt wird das Themenfeld mit einem Beitrag zu konzeptionellen und wissenschaftlichen Grundlagen von Bildungsmanagement und Programmgestaltung in der Hochschuldidaktik (Bade & Ternes). Programmatische Grundlagen des Bildungsmanagements werden erläutert und die Prozessschritte der Programmplanung beschrieben. Darauf folgt ein Beitrag zur Praxis des Bildungs- und Programmmanagements (Stolz & Riewerts), der über Fragestellungen und Status quo im Bildungs- und Programmmanagement orientiert. Danach folgen Beiträge zu spezifischen Veranstaltungsformaten der Hochschuldidaktik: Konzeptionelle, empirische und praktische Aspekte der Gestaltung von Workshops werden in zwei Beiträgen (Centeno Garcia; Schuhmacher) dargelegt. Der Beitrag zu Beratung und Coaching für Lehrende (Szczyrba & Ulrich) legt theoretische, praktische, prozessbezogene Grundlagen für wirksame Beratungsangebote und deren Selbstverständnis und Reichweite in der Hochschullehre, der zweite beratungsorientierte Beitrag (Spielmann & Sommer) beleuchtet Beratung durch hochschuldidaktische Organisationseinheiten in vier fiktiven, an der TZI orientierten Szenarien. Wiemer & Thielsch reflektieren in ihrem Beitrag besondere Weiterbildungsformate und deren Begründung durch den Hochschulkontext und dessen Bedarfslagen. Sekyra & Vöing konkretisieren diese besonderen Formate in drei Good-Practice-Beispielen – einem Austauschformat für erfahrene Dozierende, einem Facharbeitskreis und einer School for Teaching and Learning. Das Themenfeld schließt mit einem Beitrag zur Weiterbildungsinformation und Online-Formaten in der Hochschuldidaktik (Weiss & Ebner).

Themenfeld 3 Strategische Einflussbereiche der Hochschuldidaktik nimmt die organisationale Dimension hochschuldidaktischen Handelns in den Blick. Hochschuldidaktik hat nicht nur den Anspruch, die Lehre und das Lernen zu verbessern, sie nimmt auch Einfluss auf die an Innovationsförderung orientierte Organisationsentwicklung von Hochschulen und die hier relevanten Strukturen und Prozesse, z.B. in Curriculumsentwicklung, Personalpolitik oder Berufungsverfahren. Szczyrba & Wiemer begründen in ihrem Beitrag, wie Hochschuldidaktik als Motor der „lernenden Hochschule“ organischer Teil der Organisationsentwicklung sein kann, Salmhofer thematisiert akademische Personalpolitik und ihre Relevanz für eine hohe Lehrqualität und Jenert differenziert zentrale Begriffe und Perspektiven der Gestaltung von Studienangeboten. Danach folgen Beiträge zum Beitrag der Hochschuldidaktik zur Curriculumsentwicklung (Ruschin), zum Praxisbezug als Leitidee hochschuldidaktischer Forschung (Bosse) und zur Forschung in der Hochschuldidaktik, konkret zu drei Forschungsansätzen und ihren Möglichkeiten (Kordts-Freudinger & Kenneweg). Weitere Beiträge widmen sich der Innovationsförderung (Buß & van den Berk) sowie der Nachhaltigkeit von Innovationsprojekten der Hochschullehre (Heß & Klink).

Themenfeld 4 Management und Mikropolitik als Aufgaben der Hochschuldidaktik geht von der Prämisse aus, dass, je verbreiteter Hochschuldidaktik ist, desto mehr sich Herausforderungen in der organisationalen Einflussnahme, Vernetzung und Koordination stellen, die gestaltet werden müssen. Dazu werden verschiedene Aspekte hochschuldidaktischen Managements beleuchtet: Die ersten zwei Beiträge thematisieren die Leitung hochschuldidaktischer Einrichtungen (Scholkmann; Salden), die zwei folgenden die Hochschulinnen- oder Mikropolitik (Steinhardt) und hochschulinterne Kooperation (Metzger & Barnat). Netzwerke in der hochschuldidaktischen Kooperation innerhalb und ausserhalb der Hochschulen (Barnat), aus der Perspektive von Bundesländern (Bade) und der internationalen Vernetzung (Kustra) werden in den drei letzten Beiträgen des Themenfelds beschrieben.

Themenfeld 5 Die Professions- und hochschulpolitische Rahmung der Hochschuldidaktik leistet eine Bestandsaufnahme und Diskussion der professionsbezogenen und politischen Herausforderungen, die gesellschaftliche, hochschulpolitische und fachliche Entwicklungen der letzten Jahre stellen. Als solche nennt das Vorwort zum Themenfeld die stark gestiegenen Studierendenzahlen bei gleichzeitig sinkenden Zeitbudgets der Lehrenden, die Zunahme an administrativen Tätigkeiten und die Herausforderungen des allgegenwärtigen Akkreditierungswesens. Trotz milliardenschwerer Hochschulpakte und aller Initiativen zur Verbesserung der universitären Lehre erschweren diese Trends eine starke und gegenüber Forschung und Weiterbildung ebenbürtige Position der Hochschuldidaktik. Ob und wie weit auf dem Weg zu ihrer Professionalisierung Hochschuldidaktik bereits ist, wird im ersten Beitrag diskutiert (Merkt/​Scholkmann/​Stolz & Schücker). Synergien und die Nutzung gemeinsamer Potenziale zwischen Weiterbildung und Hochschuldidaktik fordern Störer & Kretschmann in ihrem Beitrag über diese als getrennt wahrgenommenen Handlungsbereiche, die enger verzahnt werden sollten. Pohlenz thematisiert in seinem Beitrag die Vielfalt institutioneller Fachvertretungen und Einflussgruppen (aus Hochschulforschung, Qualitätsmanagement, Evaluation und Akkreditierung) auf die Hochschuldidaktik und fordert ein funktionierendes Schnittstellenmanagement und gelingende Kommunikation zwischen den Bereichen. Den Schluss des Bandes bilden drei Beiträge zum Akkreditierungswesen, dessen Genese, Funktion und Bedeutung für die Lehre (Bartz) und den Spannungsverhältnissen mit der Lehre (Würmseer/​Beise & Braun). Ein Stichwort- und Autorenverzeichnis steht am Ende des Bandes.

Diskussion

Das Handbuch liefert eine umfassende Darstellung der Hochschuldidaktik vorzugsweise für Deutschland, seine Universitäten und deren bildungs- und hochschulpolitische Rahmenbedingungen (weniger für den weiteren deutschsprachigen Raum, da in der Schweiz und Österreich deutlich andere Rahmenbedingungen und Konstellationen vorliegen). Das Handbuch ist begrifflich und wissenschaftlich präzise, umfassend und sorgfältig zusammengestellt und anregend auf vielen Ebenen für nahezu alle Akteure in der hochschuldidaktischen und -politischen Landschaft.

Einzelne Beiträge bleiben im Rahmen etwas arg braven wissenschaftlichen Basishandwerks, mit vor allem Auslegeordnungen und der Systematisierung von Begrifflichkeiten. In den Themenfeldern I und II wirken einzelne Beiträge wenig innovativ: Das hochschuldidaktische Beratungs- und Coaching-Verständnis (mit mehreren Beiträgen auf der Basis der themenzentrierten Interaktion von Ruth Kohn) wirkt in den 1980er-Jahren steckengeblieben, modernere Konzeptualisierungen von Coaching und Beratung lassen sich nicht finden. Auch die Workshop- und hochschuldidaktischen Weiterbildungsformate lassen eine zukunftsweisende Selbstanwendung der vermittelten didaktischen Prinzipien («pädagogischer Doppeldecker»/Selbstanwendung des Gelehrten), die Nutzung aller Möglichkeiten der Digitalisierung sowie innovative Lehr-Lernverständnisse teils vermissen. Die TZI-Didaktik in einigen Workshop-Formaten wirkt antiquiert und wenig zeitgemäß. Was dem Rezensenten beim Lesen des Weiteren fehlte: Wo sind neben Workshops die großen hochschuldidaktischen Weiterbildungen, Zertifikatskurse, CAS- oder MAS-Studiengänge, die den «weiten Weg vom Wissen zum Handeln» (Wahl 1991; 2013; 2020) bei Hochschullehrenden wirksam beschreib- wie beschreitbar machen? Ist das der hochschuldidaktische Trend? Schnell, kurz, niederschwellig, leichtverdaulich in Kleinstformaten? Hier wäre der deutschen Hochschuldidaktik mehr Tiefe zu wünschen.

Die Autorinnen und Autoren stammen vorzugsweise aus dem Kontext der deutschen Universitäten, und so spiegelt das Handbuch vor allem die deutsche universitäre Lehre. Die Fachhochschulen, die universitäre und Hochschulszene in Österreich und der Schweiz, die didaktisch sehr innovativ sind, bleiben im Band weitgehend unsichtbar.

Auch die Berufsorientierung der Universitäten infolge der Bologna-Reform spiegelt sich kaum im Band: Im Spannungsfeld von Humboldtscher Zweckfreiheit universitärer Lehre und Employability und Berufsorientierung wäre auf der Seite von Employability, Praxisnähe und Kompetenzorientierung der hochschulischen Lehre in den Beiträgen mehr wünschbar gewesen: Die Didaktik von Methoden, social skills, 21th Century Skills, handlungsnahen, explorativen und experimentellen Lehr-Lernformaten (schweizerische und österreichische Universitäten und deren hervorragende Beiträge zur digital gestützten, kompetenzorientierten Lehre haben da viel geleistet), werden im Handbuch kaum sichtbar.

Eva Illouz schreibt im NZZ Folio vom 11.7.2021: „Ich unterrichte immer noch via Zoom, und die meisten meiner Studentinnen und Studenten wollen das beibehalten. Das könnte der Beginn einer Revolution sein.“ „Die israelischen Universitäten wollen 30 Prozent ihrer Lehre dauerhaft ins Internet verlegen“ (Schmid 2021). Der Rezensent hätte sich mehr Zukunftsorientierung im Band gewünscht – wo bleiben die Perspektiven der Hochschuldidaktik in zehn oder zwanzig Jahren? Eine zukunftsorientierte, innovative (und für postpandemische Verhältnisse wegweisende) hochschuldidaktische Vision bleibt ein Desiderat – zugegebenermaßen wurden die meisten Beiträge vor Ausbruch der auch die Hochschullehre sehr herausfordernden Corona-Pandemie geschrieben. Bleibt’s daher beim „Zurück in den Hörsaal und zur Präsenzuniversität“, die 2000 Professoren im Juni 2020 gefordert hatten? Vermisst hat der Rezensent auch Ausführungen oder Beiträge zu explorativeren Lehr-Lernformaten und unkonventionelleren, offenformatigeren und innovativen Lehr-Lernarrangements. Wie neue Herausforderungen, nicht nur infolge der Pandemie, didaktisch gestaltet werden sollen – Fernstudium, Internationalisierung, Digitalität, Future Skills – bleibt im Band nur wenig reflektiert. So spiegelt das Handbuch auch den Status quo der deutschen universitären Lehre. Wahrscheinlich ist, dass vieles im Band auch nach zwei Jahren Corona-Pandemie noch seine Gültigkeit hat – ebenso wahrscheinlich ist auch, dass bezogen auf den einen oder anderen Beitrag mittlerweile kein Stein mehr auf dem anderen ist.

Fazit

Das Handbuch leistet eine umfassende systematische Bestandsaufnahme der Hochschuldidaktik im Kontext der Hochschullehre und -didaktik vorzugsweise an deutschen Universitäten. Die Beiträge erarbeiten systematisch und fundiert Theoretisches, Konzeptionelles und Empirisches zum Status quo der Hochschuldidaktik in Deutschland. Zur Planung, Durchführung und Gestaltung der Lehre wie auch zu den hochschuldidaktischen Formaten (Weiterbildung, Workshops, Beratung und Coaching) zeigen die Beiträge teils innovative, teils aber auch sehr traditionelle Ansätze, die eher wenig zukunftsweisend wirken. Zu empfehlen ist das Handbuch allen hochschuldidaktisch Befassten, die sich ein Bild vom Status quo der Hochschuldidaktik in Deutschland und von bedeutsamen Teilaspekten, wie sie in den fünf Themenfeldern vermittelt werden, verschaffen wollen.

Literatur

Berendt, B., et al. (2002) (Hg.). Neues Handbuch Hochschullehre. Berlin: DUZ Verlags- und Medienhaus GmbH.

Schmid, B. (2021). „Mein Vertrauen ist zerstört“: Wie lebt es sich in Israel nach der Pandemie? Nicht so gut, findet die Soziologin Eva Illouz. Erschienen am 2.7.2021. In: NZZ Folio. URL: https://www.nzz.ch/folio/​mein-vertrauen-ist-zerstoert-ld.1631911.

Wahl, D. (1991). Handeln unter Druck. Der weite Weg vom Wissen zum Handeln bei Lehrern, Hochschullehrern und Erwachsenenbildnern. Weinheim: DeutscherStudienVerlag.

Wahl, D. (2013). Lernumgebungen erfolgreich gestalten: vom trägen Wissen zum kompetenten Handeln. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

Wahl, D., et al. (2020). Wirkungsvoll unterrichten in Schule, Hochschule und Erwachsenenbildung von der Organisation der Vorkenntnisse bis zur Anbahnung professionellen Handelns. Mit Beiträgen von Hilbert Meyer, Jörg Schlee und Andreas Schubiger. Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt.

Rezension von
Dr. rer. soc. Wolfgang Widulle
Hochschule für Soziale Arbeit FHNW, Olten/Schweiz
Institut Beratung, Coaching und Sozialmanagement
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Es gibt 36 Rezensionen von Wolfgang Widulle.

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Zitiervorschlag
Wolfgang Widulle. Rezension vom 03.02.2022 zu: Robert Kordts-Freudinger, Niclas Schaper, Antonia Scholkmann, Bigit Szczyrba (Hrsg.): Handbuch Hochschuldidaktik. UTB (Stuttgart) 2021. ISBN 978-3-8252-5408-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28165.php, Datum des Zugriffs 26.09.2022.


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