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Olaf-Axel Burow: Die Corona-Chance

Cover Olaf-Axel Burow: Die Corona-Chance. Durch sieben Schritte zur »Resilienten Schule«. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2021. 123 Seiten. ISBN 978-3-407-63234-0. D: 16,95 EUR, A: 17,50 EUR.

Reihe: Pädagogik.
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Thema und Entstehungshintergrund

Die Corona Krise hat die Notwendigkeit des massiven Modernisierungsbedarfs des deutschen Schulsystems, der längst bekannt war, wie unter einem Brennglas, offengelegt. Schule muss zukunftsfähig werden und krisensicherer. Seit über 40 Jahren forscht, lehrt und publiziert der Autor zu Fragen der Zukunftsgestaltung, auch zum Bereich Schule.

Die Anregung zum vorliegenden Buch kam dem Autor durch einen Bericht Stefan Ruppaners, des Leiters der Alemannenschule Wutöschingen, einer der Preisträgerschulen des Deutschen Schulpreises. Dr. Olaf-Axel Burow ist Herausgeber des Themenheftes „Führen in der Krise“ der Zeitschrift für „Pädagogische Führung“. Bei der Suche nach Autoren, die beschreiben, wie sie mit der plötzlichen Herausforderung durch das Virus fertig wurden, stieß Burow auf den Beitrag „Schule in der Corona-Krise – wo ist das Problem?“ von Ruppaner und auf andere Beispielschulen. Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie sich schon vor Corona auf die notwendigen Anforderungen für selbstgesteuertes und digital unterstütztes Lehren und Lernen eingestellt haben und innovative Schulleiter mit Eigeninitiative hatten. (Vgl. S. 7, 8).

Autor

Dr. Olaf-Axel Burow arbeitete bis 2017 als Professor für Allgemeine Pädagogik an der Universität Kassel und berät mit dem IF-Institute for Future Design u.a. Bildungseinrichtungen. Unter den vielfältigen Angeboten des IF-Instituts ist eines der Themen die Digitalisierung in Schulen und das schon lange vor Corona. Zum Thema Digitalisierung und Schulentwicklung sind von Dr. Olaf-Axel Burow in den letzten Jahren mehrere Bücher beim Beltz Verlag erschienen.

Aufbau

Das vorliegende Büchlein ist in acht Kapitel unterteilt und diesen schließen sich Danksagung, Literatur und Anhang an. Das umfangreichste Kapitel ist das Dritte.

Inhalt

Das 1. Kapitel Schule in der Corona-Krise – wo ist das Problem? kann als Einführung in die Thematik verstanden werden. Die Situation der Schulen und somit des Unterrichts in Deutschland in der Corona Zeit mit den hierfür Verantwortlichen werden kurz beschrieben. Mit der Schlüsselfrage „Wie können wir mit gemeinsamen Anstrengungen die krisensicherere Schule der Zukunft schaffen?“ wird ins nächste Kapitel übergeleitet. (S. 7–11).

Im 2. Kapitel Resilienz – ein Schlüssel zur Krisenbewältigung geht der Autor auf den Begriff Resilienz ein. Dieser meint die psychische Widerstandsfähigkeit, die Fähigkeit eines Individuums, durch Rückgriff auf persönliche und sozial vermittelte Ressourcen, Krisen zu bewältigen und für seine weitere Entwicklung zu nutzen. So können auch Kinder, die unter schwierigsten Bedingungen aufwachsen, psychische Widerstandskraft ausbilden, wenn z.B. eine Person vorhanden ist, die unterstützend wirkt. Diese Person kann auch aus dem nicht häuslichen Umfeld sein (z.B. Erzieher*innen, Lehrer*innen). Die Katastrophensoziologie hat diese Bedeutung auf die Resilienzfähigkeit einer ganzen Gesellschaft erweitert. Auch wird in der Ökologie der Begriff für die Fähigkeit zu Regeneration nach Katastrophen verwendet. Olaf-Axel Burow sieht in einer Orientierung an Resilienzkonzepten eine Chance, auch Schulen krisensicherer zu gestalten. (vgl. S. 12, 13).

Im 3. Kapitel Die Corona – Chance: Durch sieben Schritte zur „Resilienten Schule“ beschreibt der Autor sehr ausführlich und praxisorientiert, wie Schulen mit Hilfe von sieben Schritten die Entwicklung zu einer krisensichereren Schule bewerkstelligen können. Es gilt, die Komplexität zu reduzieren und den Fokus auf die wichtigsten Kernelemente zu richten. Der Autor greift in diesem Kapitel auf das Beispiel des praxisbewährten Konzeptes der Alemannenschule, auf bewährte pädagogische Konzepte und auf seine eigene langjährige Erfahrung in Schul- und Organisationsentwicklung zurück.

Schritt 1: Stärken und Schwächen analysieren – Zukunftscode und Leitbild entwickeln. Zunächst könnte ein Pädagogischer Tag, eine Ein- oder Zwei-Tage Veranstaltung in Form der Zukunftswerkstatt nach R. Jung, R. Lütz und Norbert R. Müller stattfinden. Die Veranstaltung besteht aus drei Kernphasen: 1. Diagnosephase, 2. Visionsphase und 3. Umsetzungsphase. Positiv gestaltet sich der Prozess mit der Unterstützung eines/r erfahrenen Moderators*in/Schulentwicklers*in. Themenstellung und Teilnehmer*innen sollten „Schlüsselpersonen“ sein, die durch eine Steuergruppe festgelegt werden, z.B. aus Lehrerschaft, Schülerschaft, Elternvertretern, Schulträgern.

  • In der Diagnosephase werden Stärken und Schwächen bzw. Entwicklungsbedarf ermittelt. Ein wichtiger Aspekt stellt der Resilienz-Check dar, mit dem ein gegenwärtiger Resilienz-Staus und die Zukunftsfähigkeit der Schule festgestellt werden kann. Mehr zu diesem Test folgt bei Kapitel sechs. Es soll nicht das tradierte Schulsystem optimiert werden, sondern darüber nachgedacht werden, wie in einer Schule im Sinne der Positiven Pädagogik (Burow, Positive Pädagogik, 2011) Wohlbefinden, Spitzenleistung und Resilienzfähigkeit miteinander verknüpft werden kann. Ziel soll die Erweiterung des Handlungsspielraums sein und mehr Krisensicherheit herzustellen.
  • Die Visionsphase wird mit einer gemeinsamen Zeitreise in die Zukunft begonnen. Der Autor hat hierzu ein Beispiel angefügt. Darauf folgen Gruppenarbeiten zur gemeinsamen Visionsentwicklung mit Plenumsarbeit und Präsentation. In dieser Phase entwickeln die Teilnehmer*innen, so der Autor, häufig enorme Gestaltungsfreude und Kreativität, und es sollte ein Zukunftscode und ein Leitbild entwickelt werden, nämlich die wichtigsten gemeinsamen Ziele der Schulentwicklung.
  • Danach schließt sich die Realisierungs/​Umsetzungsphase an. Nun müssen konkrete Vorhaben benannt und Umsetzungsgruppen gebildet werden. Alle Teilnehmer*innen schreiben ihr Thema auf ein Blatt, stellen es vor und bilden mit Gleichgesinnten Themengruppen. Das hier Erarbeitete wird nun auf großen Aktionsplakaten in Teilschritten und Zeitrastern dargestellt und präsentiert.

Im Schritt 2 Digitale Infrastruktur sichern verweist der Autor auf die Erfahrungen in der Corona Zeit. Diese nicht zufriedenstellende Schulsituation in einem Großteil der Schulen sollte nun Treiber für einen Aufbruch in gelingende Digitalisierung in Schulen für die Zukunft werden. Es ist keine Option, zu jammern oder auf die Bürokratie zu schimpfen, Schulen und Lehrer müssen selbst aktiv werden. Schulen brauchen leistungsfähiges W-Lan und Endgeräte. Um zu diesem Ziel zu kommen, müssen Lehrer und Schulleiter unter Umständen Koalitionen bilden, an die Presse gehen, lokale Politik und Schulträger mit Forderungen konfrontieren. In der Krise hat sich leider gezeigt, dass viele Schulen weder gut ausgerüstet waren, noch kreativ oder innovativ waren. Es werden Beispielschulen beschrieben, die schon vor Corona viel Eigeninitiative, Kreativität und Engagement gezeigt hatten und deswegen in der Krise auch besser gewappnet waren. Kreative Ideen haben dafür gesorgt, dass jedes Kind ein Endgerät hat; hier wurde nicht auf Politik und Schulbehörden gewartet.

Im Schritt 3 Lehrer und Schüler zu selbstgesteuertem, digital unterstütztem Lernen fortbilden geht Olaf-Axel Burow zurück zur Montessori-Pädagogik, die schon vor ca. einhundert Jahren davon geprägt war, Anreize für eigenständiges Lernen zu schaffen und die eigene Wissenslust anzuregen. Aber nicht nur in Alternativschulen der Reformpädägogik können eigenständiges Lernen ein Schwerpunkt darstellen. Das zeigen die Beispiele im Buch von Regelschulen, die innovative Konzepte entwickelt und umgesetzt haben. Somit waren sie für andere Unterrichtsformate als reinen Präsensunterricht gut vorbereitet und konnten mehr Kinder erreichen. Zu den Innovationen gehören auch veränderte Raumkonzepte mit unterschiedlicher, flexibler Nutzung, ein Abschied vom Klassenraum. Statt Gleichtakt orientiert am Stundenrhythmus gibt es individuelles Zeitmanagement, der Lehrer wird vom „Unterrichter“ zum „Lernumgebungsdesigner“. Es werden zahlreiche Beispielschulen beschrieben und einige Quellen, wo sich Lehrer*Innen, Schulleiter*innen inspirieren lassen können.

Im Schritt 4 Den gesamten Unterrichtsstoff digital verfügbar machen geht der Autor auf einen ehemaligen Lehrer, Johannes Zylka, der vielfach erwähnten Alemannenschule ein, der einen instruktiven Sammelband herausgegeben hat, indem der Prozess der Umgestaltung und Entwicklung der „Modelle neuen Lehrens und Lernens“ gut beschrieben ist. Ein wichtiger Faktor liegt im Aufbau eines „Materialnetzwerkes“ (S. 64), das von Lehrkräften und Lernenden entwickelt und eingeübt wurde. Hierbei kommt es auch zu Veränderungen der traditionellen Lehrerrolle. Aber auch die Schülerrolle ändert sich dahingehend, dass mehr Ziele selbst gesetzt und abgearbeitet werden können.

Im Schritt 5 Aufbau einer digitalen Lernplattform mit schülergerechten Formaten geht Olaf-Axel Burow auf diverse Hilfen für den Aufbau des digitalen Unterrichts ein, die Schulen nutzen können. Hier werden kostenlose und kommerzielle Quellen genannt. Auch auf digitale Werkzeuge wird an dieser Stelle eingegangen.

In Schritt 6 Fortbildung der Lehrkräfte in analogem und digitalem Coaching bedauert der Autor, dass nur eine Minderheit der Lehrkräfte die neuen Chancen der Corona Krise genutzt hatten, wie Berichte von Elternklagen zeigten. Deshalb ist es spätestens jetzt an der Zeit, umfassende Fortbildungen in Angriff zu nehmen, um Schulen krisensicherer und zukunftsfähig machen zu können. Es geht hier nicht nur um verstärkten Einsatz von digitalen Medien. Weitere Bereiche sind aktivierendes, selbstgesteuertes Lernen, eine personalisierte Umgebung in analogen und digitalen Formaten. Außerdem ist ein innovatives pädagogisches Konzept von den Beteiligten mit konkreten Umsetzungsschritten und eindeutigen Verantwortlichkeiten zu entwickeln. „Schulentwicklung ist ein Prozess, der nicht verordnet werden kann, sondern von den Beteiligten mit Energie und Leidenschaft getragen werden muss“ (S. 68).

Im Schritt 7 Aufbau eines digital gestützten Evaluations- und Feedbacksystems plädiert der Autor für Feedbacksysteme, die Lehrkräfte und Lernende ständig über die Fortschritte und Entwicklungsaufgaben auf dem Laufenden halten. Datenschutz muss hierbei natürlich eine Rolle spielen. (Vgl. S. 14–73).

Im 4. Kapitel Von der Unterrichtsanstalt zum Future-Lab stellt Olaf-Axel Burow fest, dass wir uns an einem Epochenbruch befinden. Klimawandel, wachsender Gegensatz von arm und reich, das Auseinanderdriften der Gesellschaft und die Gefahr von plötzlich in Erscheinung tretenden Pandemien erfordern neue Schulen. Diese sollten teilweise zu einem Zukunftslabor, einem „Future Lab“ (S. 74) werden. Neben solidem Basiswissen sollen Fähigkeiten gefördert werden, die die Schüler zu engagierten Haltungen und zukunftsorientiertem Handeln befähigen.

Das Kapitel 5 Schulleitungen werden zu Future – Designern beschreibt die Bedeutung von sehr innovativen und engagierten Schulleitungen im Prozess zur zukunftsorientierten Schule. Untersuchungen zeigen, dass Schulen durch Schulleitungen geprägt werden. „Gute Schulen haben gute Schulleitungen“ (S. 78). Sie beeinflussen die Schulkultur und die Leistungsergebnisse. (Vgl. S. 76–78).

Das Kapitel 6 Resilienz-Check: Der große Test zur Krisensicherheit Ihrer Schule stellt dem/der Leser*in einen Test mit Auswertungskriterien zur Verfügung, anhand dessen er/sie überprüfen kann, wie krisenfähig bzw. krisensicher seine/ihre Schule ist. (Vgl. S. 79–90).

Im Kapitel 7 Corona und Schule: Interview mit Stefan Ruppaner berichtet der Schulleiter der Alemannenschule Wutöschingen, wie sich die von Abwicklung bedrohten Schule zu einer zukunftsorientierten Schule entwickelt hat, die 2019 den Deutschen Schulpreis verliehen bekam. Startpunkt war ein Pädagogischer Tag, an dem neben dem Kollegium auch Elternvertreter teilnahmen. Langsam entwickelte sich das Leitbild. Es galt zunächst, eine gemeinsame Haltung mit gemeinsam geteilten Werten zu entwickeln. Es gab räumliche Veränderungen und neue Unterrichtsprojekte, völlig neu organisiert. 2012 wurde dann DILer, eine digitale Lernplattform, entwickelt. 2013 startete das iPad-One-to-one-Konzept. Jeder Schüler und jede Schülerin erhielt ein persönliches iPad und es wurde mit digital unterstützten Lehr-/​Lernkonzepten gearbeitet. Mit der Zeit waren alle Unterrichtsinhalte analog und digital vorhanden. Ein Teil der Unkosten wurde durch Stiftungen und Sponsoren abgedeckt. 2017 war die Alemannenschule Vorzeigeschule auf der didacta in Florenz. 2018 wurde eine gymnasiale Oberstufe genehmigt. Was dieser Schule während der Corona Krise half, erfolgreich zu bleiben, wird im Diskussionsteil erwähnt. Hilfreiche Links befinden sich am Ende des siebten Kapitels. (Vgl. S. 91–103).

Das 8. Kapitel Links und Tipps fasst noch einmal wichtige Kernelemente und Schwerpunkte der dargestellten Schulentwicklung zusammen, ergänzt durch Links, die Schulen nutzen können, die eine solche Entwicklung machen wollen. (Vgl. S. 104-111).

Es folgt eine Danksagung und Literaturangaben und ein Anhang mit einem Beispiel einer eintägigen Zukunftswerkstatt.

Diskussion

Das vorliegende Buch wird seinem Titel gerecht. Anfangs benennt der Autor Schwachpunkte unseres gegenwärtigen, zum Großteil antiquierten Schulsystems, die sich als Fallstricke in der Krise erwiesen haben. Er führt als Ursachen u.a. die Bildungsverwaltungen, die die Herausforderung des „Digital New Age“ verschlafen, Kultusverwaltungen, die sich an einem Bild von Schule festhalten, was heute nicht mehr tragfähig ist und Lehrkräfte, die sich lieber „totstellen“ und die Krise lieber aussitzen wollen, statt sich engagiert und innovativ mit der Situation auseinanderzusetzen und nach Lösungen zu suchen, an. Er stellt sich die Frage, warum die wegen Gesundheitsrisiken freigestellten Lehrkräfte nicht den Unterrichtsstoff per Home-Office auf schulischen Lernplattformen transferiert haben? Tutorials standen im Netz zur Verfügung. Warum wurden Ferienzeiten nicht genutzt, um mit Lehrkräften, Schülern*innen und Eltern digital unterstütztes Lernen und Kommunizieren zu erproben? Warum wurden nicht Digitalisierungsfachleute ins Boot geholt, um bei diesen Prozessen zu unterstützen? Warum wurde der Lockdown nicht für eine bundesweite Fortbildung für Lehrer zu dieser Problematik genutzt? Schon vor Corona war klar, was der neue Bildungsbericht offenkundig belegt: „Schule in Deutschland hat einen massiven Modernisierungsbedarf“ (S. 9). Wie die Beispiele an Ausnahmeschulen zeigen, gehen diese aus dem besonderen Engagement von innovationswilligen Schulleitern*innen und Lehrern*innen hervor. Das Engagement geht über normale Schulstunden hinaus. Diese Entwicklungen entstanden im Rahmen von „normalen“ Regelbedingungen. In der Corona Krise nahmen nur eine Minderheit der Lehrer, wie Berichte und Elternklagen zeigen, die neuen Chancen wahr (vgl. S. 67). Die fehlenden Mittel sind oft ein Totschlagargument. Fundraising ist im sozialpädagogischen Bereich längst verbreitet, für viele Schulen noch ein Fremdwort. Solange ein beträchtlicher Teil der Lehrkräfte digitalen Medien das Potenzial abspricht, Lernergebnisse zu verbessern und individualisiertes Lernen zu ermöglichen und digitalisierungsbezogene Inhalte in der Aus- und Fortbildung des pädagogischen Personals kaum eine Rolle spielen (vgl. Bildungsbericht 2020, S. 15), sind die Kinder in Krisen wie der Corona Krise die Verlierer. Nicht nur Nachbarländer wie Dänemark stehen mit dem digitalen Unterricht viel besser da als Deutschland, auch von einigen asiatischen Ländern oder Uruguay könnte Deutschland diesbezüglich lernen. Südkorea liegt bei Bildungsvergleichen seit Jahren schon immer wieder an der Spitze; schon vor Corona. In der Corona Krise hat das Land für die Bildung der Kinder Enormes geleistet. Man muss das Rad nicht immer wieder neu erfinden oder die Schuldigen weit weg von sich selbst oder der eigenen Institution suchen. Hier ist Engagement, der Wille anzupacken und Verantwortung von Nöten. Einige haben das geschafft, aber was Umfragen und Studien zeigen, viel zu Wenige!

Dass gerade von Schülerseite her, vom Vorsitzenden der Bundesschülerkonferenz Dario Schramm, Sommerschulen in den Schulferien gefordert werden, um schulische Versäumnisse nicht nur von benachteiligten Schülern und Schülerinnen aufarbeiten zu können, beeindruckt die Rezensentin sehr. Der Schüler will hierbei auf pensionierte Lehrer und Lehramtsstudenten zurückgreifen; letztere könnten hierbei Praxiserfahrung sammeln. Man kann sich fragen, warum wurde diese Idee nicht von den Lehrer*innen der Schulen angeboten, die eine Verantwortung für ihre Schüler haben?

Fazit

Das Buch ist äußerst aktuell und ist voller Anregungen und praktischen Anleitungen, die Schulen, Schulleiter*innen und Lehrer*innen unterstützen können, sich in eine zukunftsfähigere und krisensicherere Schule zu entwickeln. Die Rezensentin würde es begrüßen, wenn sich möglichst viele Schulen auf den Weg machen würden, den der Autor im Buch beschreibt, um die Funktionsfähigkeit der Schulen auch in Zeiten von Krisen zu gewährleisten und um zukunftsfähig zu sein. Das Buch bietet eine Menge Anregungen, allerdings erfordert der Weg der Veränderung sehr viel persönliches Engagement und den Willen, einen Teil der bequemen und bekannten Dinge aus dem Schulalltag aufzugeben. Dieser Weg kann aber auch eine spannende und am Ende zufriedenere Phase einläuten. Eine verantwortungsvolle Schulleitung und verantwortungsvolle Lehrkräfte sollten sich mit der Situation, viele Kinder nicht „erreichen“ zu können, nicht zufriedengeben. Die nächsten Krisen und Pandemien sind von Wissenschaftler*innen schon lange vorausgesagt. Schulen sollten flächendeckend als gesamte Institution gut darauf vorbereitet sein. Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern fünf nach zwölf.


Rezension von
Beate Sonsino
M.A. - Tätig in der Aus- und Fortbildung von Lehrern und pädagogischem Fachpersonal
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Zitiervorschlag
Beate Sonsino. Rezension vom 17.05.2021 zu: Olaf-Axel Burow: Die Corona-Chance. Durch sieben Schritte zur »Resilienten Schule«. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2021. ISBN 978-3-407-63234-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28192.php, Datum des Zugriffs 14.06.2021.


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