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Mallory Völker, Monika Clausius (Hrsg.): Sorge- und Umgangsrecht

Cover Mallory Völker, Monika Clausius (Hrsg.): Sorge- und Umgangsrecht. Handbuch für die familienrechtliche Praxis. Rechtsgrundlagen | Erläuterungen | Muster. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2021. 8. Auflage. 1144 Seiten. ISBN 978-3-8487-6814-1. 98,00 EUR.
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Thema

Das Handbuch behandelt sämtliche materiell- und verfahrensrechtlichen Fragen, die sich im Themenfeld „Sorge und Umgang“ stellen können. Es adressiert vornehmlich Praktiker_Innen der Sozialen Arbeit.

Die Autor_Innen

Mallory Völker ist Richter am OLG Saarbrücken und Honorarprofessor für Recht an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes.

Monika Clausius ist Rechtsanwältin und Fachanwältin für Familienrecht.

Entstehungshintergrund

Das Handbuch, begründet von Harald Oelkers, wird seit dessen Tod im Jahre 2008 von den beiden Autoren fortgeführt.

Aufbau

Das Buch ist in 15 Kapitel (Paragrafen) untergliedert. Ergänzend dazu finden sich zu Beginn ein Literaturverzeichnis sowie – am Ende – ein Stichwortverzeichnis.

§ 1 Die elterliche Sorge

§ 2 Das Umgangsrecht

§ 3 Abänderungsverfahren nach § 166 FamFG, § 1696 BGB

§ 4 Herausgabe des Kindes, Umgangsbestimmung und Verbleibensanordnung

§ 5 Der Verfahrensbeistand

§ 6 Vollstreckungsrecht

§ 7 Einstweiliger Rechtsschutz

§ 8 Verfahrenskostenhilfe

§ 9 Rechtsmittel

§ 10 Kostenrecht

§ 11 Grenzüberschreitende Sorge-, Umgangs- und Kindesentführungsfälle

§ 12 Jugendhilferechtliche Schnittstellen zwischen Familiengericht und Jugendamt unter besonderer Berücksichtigung der anwaltlichen Perspektive

§ 13 Formularteil

§ 14 Gesetzestexte

§ 15 Die Verfassungsbeschwerde in Kindschaftssachen.

Inhalt

Materielles Recht

Der vergleichsweise umfangreichste inhaltliche Teil ist naturgemäß den materiellen Fragen des Sorge- und des Umgangsrechts gewidmet. Dieses wird in 3 grundlegenden Blöcken aufgegriffen: Sorgerecht (§ 1) Umgangsrecht (§ 2), Herausgabe des Kindes bzw. Verbleibensanordnung (§ 4).

Im Bereich des Sorgerechts werden nach einem verfassungsrechtlichen Einstieg sämtliche Aspekte der Sorge – von den denkbaren Konstellationen des Sorgerechts über die Inhalte der Personen- und Vermögenssorge bis hin zum Sorgerechtseingriff – eingehend beleuchtet. Sehr vertieft wird das Themenspektrum des Sorgerechtseingriffs behandelt. Gleiches gilt für das Themenfeld „Umgangsrecht“, in dem detailliert die Voraussetzungen der unterschiedlichen Umgangsrechte bis hin zum Auskunftsanspruch und die Wohlverhaltenspflicht erörtert werden.

Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang weiter Kapitel § 11, das grenzüberschreitende Sorge-, Umgangs- und Kindesentführungsfälle in den Blick nimmt. Dieses Kapitel fungiert gewissermaßen als Einweisung in das Internationale Privatrecht: Es finden sich Rechtsquellen, Prüfungsschemata und nützliche Internetlinks. Inhaltlich werden die Internationale Zuständigkeit, das Kollisionsrecht und die Durchsetzung ausländischer Entscheidungen behandelt. Ein besonderer Fokus liegt auf der in der Praxis problematischen Konstellation einer internationalen Kindesentführung.

Verfahrensrecht

Die verfahrensrechtlichen Fragen werden z.T. im Rahmen des materiellen Rechts mitbehandelt. Jeweils ein eigenes Kapitel ist dem Abänderungsverfahren (§ 3), dem Verfahrensbeistand (§ 5), dem Vollstreckungsrecht (§ 6), dem einstweilige Rechtsschutz (§ 7), der Verfahrenskostenhilfe (§ 8), dem Rechtsschutz (§ 9) sowie dem Kostenrecht (§ 10) gewidmet. Ganz neu aufgenommen ist die Verfassungsbeschwerde in Kindschaftssachen. Dieses Kapitel behandelt nicht nur die Zulässigkeitserfordernisse einer Verfassungsbeschwerde, sondern enthält – als Diktatbausteine – die materiellen Grundrechtsrügen. Ein umfangreicher Formularteil mit vielen Mustern und Gesetzestexten ergänzt die inhaltliche Darstellung.

Jugendhilferecht

Dem Aufgabenfeld des Jugendamtes ist ein eigenes Kapitel (§ 12) gewidmet, in dem sowohl das Leistungsspektrum der Jugendhilfe, als auch die relevanten anderen Aufgaben mit besonderem Schwerpunkt auf den Auftrag im Dunstkreis einer Kindeswohlgefährdung (Inobhutnahme) behandelt werden. 

Diskussion

Das Handbuch „denkt“ sehr umfassend und behandelt ebenso detailliert wie auch fundiert und über alle involvierten Rechtsgebiete hinweg alle Themenfelder, die sich im Rahmen von Umgangs- und Sorgerechtsstreitigkeiten stellen können. Die Systematik folgt dabei der Problematik: Thema für Thema wird umfassend materiellrechtlich wie auch verfahrensrechtlich abgehandelt. Das Handbuch selber „blickt“ von drei Warten aus auf das Konfliktfeld: Die der Familie, die des Richters und die des Jugendamtes. Dementsprechend werden die jeweiligen Vorgaben für die Akteure nicht nur in eigenen Kapiteln behandelt, sondern deren Perspektiven auch in alle Kapitel eingeflochten. So werden bei der Darstellung des materiellen Rechts prozessuale Fragen mit in den Blick genommen, etwa – in Sorgerechtsverfahren – die Problematik von Befangenheitsanträgen gegenüber dem Sachverständigen oder – im Umgangsverfahren – Besonderheiten des Umgangsverfahrens und des Vermittlungsverfahrens sowie der einstweilige Rechtsschutz. Gleiches gilt für die Perspektive des dritten involvierten Akteurs – das Jugendamt – die ebenfalls immer mitgedacht wird. Von seiner ganzen Machart her adressiert das Buch dadurch nicht nur den Juristen, sondern vor allem auch den Praktiker der Sozialen Arbeit.

Durchweg liegt ein starker inhaltlicher Fokus auf praxisrelevanten Problemfeldern. So werden besondere, neue oder auch in der Praxis problematische Entwicklungen und Fragen noch einmal gesondert in den Fokus genommen. Im Bereich des Sorgerechts gehören dazu etwa die freiheitsentziehende Unterbringung Minderjähriger, die Autonomie Minderjähriger im Bereich medizinisch relevanter Maßnahmen (Schwangerschaftsabbruch), aber auch die Auswanderungsabsicht eines Elternteils. Aus dem Umgangsrecht wird u.A. die Umgangsvereitelung durch den betreuenden Elternteil vertieft erörtert, aus dem Beritt des Jugendhilferechts die Inobhutnahme und Begleitung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge.

Das Werk ist auf aktuellstem Stand. Alle (und zum Besprechungszeitpunkt z.T. noch nicht verabschiedeten Reformvorhaben) darunter insbesondere der Gesetzentwurf zur Reform des Vormundschaftswesens sind bereits eingearbeitet, ebenso die aktuellen Entwicklungen im Gefolge der Coronavirus-Pandemie.

Zahlreiche Übersichten und Schaubilder zu Beginn von Kapiteln bzw. Abschnitten erlauben bereits zu Beginn einen Überblick über Normgefüge und deren Prüflogik. Die Materie erschließt sich dadurch ad hoc zu Beginn.

Fazit

Alles in allem ist das Buch eine ziemliche Fundgrube. Es sortiert und verarbeitet die komplette Rechtsprechung und wissenschaftliche Diskussion in diesen Bereichen (so z.B. die Thematik der Verankerung der Kinderrechte im Grundgesetz), thematisiert aber auch Entwicklungsbedarfe (so etwa die Notwendigkeit der Sicherung von Pflegeverhältnissen oder auch Anforderungen an das Jugendamt im Rahmen der Vollstreckung).

Mit 1.144 Seiten ist es natürlich ein ordentlicher Wälzer. Dafür ist wirklich, aber auch wirklich alles drin, was ein Praktiker brauchen kann. Kurzum: Ein Buch, das keine Fragen offen lässt und das als unverzichtbare Arbeitshilfe auf den Schreibtisch jedweden mit dem Sorge- und Umgangsrecht befassten Praktikers gehört.


Rezension von
Prof. Dr. Annegret Lorenz
Professorin für Recht mit Schwerpunkt Familien-, Betreuungs- und Ausländerrecht am Fachbereich Gesundheits- und Sozialwesen der Hochschule Ludwigshafen am Rhein
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Zitiervorschlag
Annegret Lorenz. Rezension vom 04.05.2021 zu: Mallory Völker, Monika Clausius (Hrsg.): Sorge- und Umgangsrecht. Handbuch für die familienrechtliche Praxis. Rechtsgrundlagen | Erläuterungen | Muster. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2021. 8. Auflage. ISBN 978-3-8487-6814-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/28295.php, Datum des Zugriffs 10.05.2021.


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